Heilige beteten gerne das Ave und den Angelus

Die Krone der Himmelskönigin Maria, der unbefleckten Empfängnis, eingerahmt von Blumengirlanden; auf der Krone ist das Ave Maria eingraviert

Wie gerne die lieben Heiligen das „Ave“ und den „Engel des Herrn“ beteten

Heilige beteten gerne das Ave Maria und den Angelus

Die hl. Katharina von Schweden begann jede Arbeit, jedes Werk mit dem Ave Maria, ja wenn sie um irgend Etwas befragt wurde, gab sie keine Antwort, bevor sie nicht den englischen Gruß gebetet hatte. Es ist also kein Wunder, daß U. L. Frau diese ihre getreue Dienerin auf ihrem Todbett heimgesucht und zu den himmlischen Freuden eingeladen hat.

Die selige Ascelina betete zu Ehren der gebenedeiten Mutter Gottes täglich dreihundertmal den englischen Gruß, an den Samstagen aber tausendmal, und an den Festtagen Mariens noch öfter. Sie hat auch erfahren, daß dieses Gebet in all ihren Nöten und Anliegen ein sicheres Hilfsmittel gewesen ist.

Der selige Franziskus aus dem Orden der Diener Mariä hat U. L. Frau zu Ehren täglich fünfhundertmal das Ave gebetet. Wie wohlgefällig diese Andacht der Himmelskönigin gewesen, hat sich nach seinem Tod gezeigt; denn aus seinem Mund soll eine schöne Lilie wunderbar hervor gewachsen sein.

Die heilige Katharina von Bologna betete einst in der Nacht der glorreichen Geburt Christi zu Ehren U. L. Frau tausendmal den englischen Gruß. Da erschien ihr Maria und reichte ihr das in Windeln gewickelte heilige Kind. – Als später die heilige Katharina diese Begebenheit erzählte, sprach sie: „Was will wohl ich von dieser Sache anders sagen als: O unempfindliches Herz! Wie ist es doch geschehen, daß du vor lauter Süßigkeit nicht zersprungen oder wie Schnee vor der Sonnenhitze nicht zerschmolzen bist, da du liebreich umfingest den Glanz der ewigen Glorie? (Schöne Beispiele von Joseph Umhaus.)

Der gottselige Mönch Cäsarius von Haisterbach, der selbst das Ave sehr gerne und oft betete, erzählt, daß im Zisterzienser-Orden ein Laienbruder gewesen, der so geistesschwach war, daß man ihm nie ein anderes Gebet beibringen konnte, als bloß die vier Worte: Ave Maria, gratia plena. Gegrüßt Maria, voll Gnade! Übrigens aber sprach er sie so gern, und so oft er nur konnte, daß nach seinem Tod aus seinem Grab ein unbekannter Baum aufwuchs, der auf seinen Blättern dieselben Worte in Gold geschrieben hatte. Diesen Baum haben Unzählige gesehen, so daß, als der Bischof kam, um Zeuge des Wunders zu sein, und ringsum aufgraben ließ, man fand, daß der Baum vom Mund des frommen Bruders seine Wurzeln schlug. Sobald man dies aber in Augenschein genommen, verdorrte der Baum. (Poire.)

Der heilige Alphons Liguori unterließ es niemals, dreimal im Tage den Engel des Herrn zu beten. Beim ersten Glockenschall warf er sich sogleich auf die Knie nieder; dies tat er als Bischof, er mochte sein, wo er wollte, selbst mitten auf der Straße. Als er taub geworden, ließ er sich durch Winke and das Glockenzeichen erinnern; wenn er zu Tisch saß, hörte er sogleich mit dem Essen auf und fiel auf die Knie nieder. Nichts Erbaulicheres war zu sehen, als der Eifer, womit er diesen kleinen Übungen sich hingab, welche durch Gewohnheit ihm zur andern Natur geworden. Zuweilen geriet er in Verzückung, wenn er den Engel des Herrn betete. (In vita.)

Der heilige Karl Borromäus, Erzbischof von Mailand, kniete jedesmal nieder, wenn er den Engel des Herrn läuten hörte, selbst auch dann, wenn er auf öffentlicher Straße war, und wenn er zu Pferde sich befand, so stieg er ab, um sein Gebet zu verrichten. (In vita.)

Der heilige Vinzenz von Paul warf sich, sobald er das Zeichen zum Angelus Domini läuten hörte, sogleich auf die Knie, er mochte an einem Ort oder in einer Gesellschaft sein wo immer, und er schätzte sich glücklich, öffentlich einen Beweis seiner Andacht zu Maria geben zu können. (In vita.)

So verrichtete denn auch du das Gebet „Engel des Herrn“ recht gerne, denn dadurch wirst du
1) an das größte Geheimnis der Liebe Gottes, an die Menschwerdung seines eingeborenen Sohnes aus Maria der Jungfrau erinnert.

2) Ist es ein feierliches Bekenntnis dieses Glaubens, und zugleich ein Bekenntnis, wie sehr wir des Beistandes des Himmels vom Morgen bis zum Abend bedürfen.

3) Es ist eine eindringliche Ermahnung, die drei Tugenden: die Keuschheit, die Demut, die Liebe der allerseligsten Jungfrau nachzuahmen.
Denn wenn du betest: „der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom heiligen Geist“, so leuchtet dir im Benehmen der heiligen Jungfrau bei der Verkündigung des Engels, die höchste Liebe zur Tugend der Keuschheit entgegen. Und wenn du betest: „Siehe, ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort“, so siehst du die tiefste Demut U. L. Frau; und wenn du sprichst: „Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnt; selig ist der Leib, der dich getragen hat, selig die Brüste, die du gesogen hast“, so siehst du die unendliche Liebe Jesu und seiner hoch begnadigten Mutter! Bei jedem Ave bitte dann U. L. Frau um diese Tugend.

4) Will die heilige Kirche uns durch dieses dreimalige Gebet des Tages hindurch mahnen, wie sehr wir auf der Hut sein dürfen vor unseren unsichtbaren Feinden, welche zu jeder Tageszeit im Hinterhalt liegen, um uns zu überraschen, und wie sehr wir nötig haben, Augen und Hände zum Himmel zu erheben, von wo uns Hilfe kommt. (Poire.)

Dreimal in des Tages Lauf
Schallt der Glocke Ton,
Dreimal fordert er dich auf:
Denk an Gottes Sohn!
Dank ihm, daß er zu uns kam,
Unser Heiland ist!
Ruf die Mutter Gottes an:
„Helferin du bist!“
„Dein, Maria, will ich sein,
Gott mein ganzes Leben weih`n.“

aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 334 – Sp. 336

Bildquellen

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Category: Christenlehre, Ott
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