Heilige Hyazintha Mariscotti Klarissin

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

30. Janaur

Die heilige Hyazintha Mariscotti, Klarissin

(Natürliche Tugenden)

Ein italienischer Graf, Namens Mariscotti, hatte zwei Töchter: die ältere hieß Clarissa, die jüngere Hortensia. Diese Mädchen wurden zur Frömmigkeit und Tugend angehalten; allein die ältere Tochter zeigte bald großes Gefallen an den Welteitelkeiten und besonders an Kleiderhoffart. Jahre lang ergab sie sich der Leidenschaft nach Putz und dem Bestreben, durch schönen Aufzug die Augen der Leute auf sich zu ziehen. Insbesondere ging Clarissa mit dem Gedanken und dem Verlangen um, eine glänzende Heirat zu machen. Darum war es für sie eine bittere Kränkung, als ein vornehmer Edelmann die Hand ihrer jüngeren Schwester Hortensia von den Eltern begehrte, während sie, die ältere Schwester, keinen Freier bekam. Clarissa überließ sich einer tiefen Schwermut, und ihre Eltern waren viel geplagt von der üblen Laune der sitzengebliebenen Tochter.

Nun machte ihr der Vater einmal den Vorschlag, ob sie nicht in einen Klosterorden eintreten wolle, vielleicht daß sie dort mehr den Frieden der Seele finde. Er meinte, Clarissa solle in ein Kloster vom dritten Orden des hl. Franziskus treten, da sie auch in einem solchen Kloster ihren ersten Unterricht und Erziehung bekommen habe. Sie verspürte zwar keine besondere Lust zum Klosterleben; da sie aber auch Ärger und Verdruss hatte, und da sie eben doch auch den Wunsch ihres Vater in Ehren halten wollte, so ergab sie sich darein.

Clarissa wurde nun im Orden zum Noviziat aufgenommen und zeigte dabei Mut und Zufriedenheit, so daß der Vater tief davon ergriffen wurde. Als er jedoch später seine Tochter wieder besuchte, so zeigte sich der alte hoffärtige Geist; sie sagte zu ihm: „Ich bin nun im Kloster, aber ich will meinem Stand und Rang gemäß gehalten werden.“ Und richtig, sobald sie das Noviziat durchgemacht hatte und wirklich das Klostergelübde abgelegt und eingekleidet war, begehrte sie von ihrem Vater, er solle ihr im Kloster ein besonders schönes Zimmer verschaffen; und im Widerspruch mit dem Klostergelübde der Armut bestand sie darauf, daß ihr Zimmer mit vornehmem, kostbarem Hausrat ausmöbliert wurde. Hyazintha, so hieß sie jetzt mit ihrem Klosternamen, hatte nur das Kleid einer Franziskanerin, ihr Geist war durchaus weltlich. Als sie einmal von ihrer neu vermählten Schwester besucht wurde, machte die prächtige Kleidung der jungen Frau einen sehr schmerzlichen Eindruck auf sie; es schien ihr bitter weh zu tun, daß sie selbst nicht mehr in solchem Putz der Welt sich zeigen könne; und sie, die Franziskanerin, ließ sich willig von ihrer Schwester einen kostbaren Diamantring schenken, was alle Anwesenden mit Befremden und Missbilligung bemerkten, ohne jedoch etwas zu sagen.

Bei diesem Weltsinn hatte jedoch Hyazintha manche gute Eigenschaften. Sie hatte vor Allem Liebe und Gehorsam gegen ihre Eltern, sie war stets rein geblieben in Bezug auf das sechste Gebot, sie beobachtete in Allem Anstand und gute Sitte; der Religion und Allem, was damit zusammen hing, bezeigte sie Ehrfurcht. Gerade dieser Umstand, nämlich der Besitz mancher guten Eigenschaften, tröstet oft Weltmenschen, daß sie nie ernstlich an Bekehrung denken und derselben gar nicht zu bedürfen glauben. Allein die guten Eigenschaften, wozu man durch Erziehung, Temperament, äußere Rücksichten gekommen ist, machen für sich allein den Menschen noch nicht wohlgefällig vor Gott. Solche natürliche Tugenden findet man oft auch bei Juden, Türken und Ungläubigen. Die hl. Theresia hatte vor ihrer gänzlichen Bekehrung auch manche gute Gewohnheiten: sie hatte große Geduld in schweren Krankheiten, redete Niemanden Böses nach, tat Niemanden etwas zu Leid, war nicht geizig oder neidisch, bewahrte stets die Reinigkeit an Leib und Seele, hatte Furcht Gottes. Dennoch zeigte ihr Gott in einer Entzückung einmal den höllischen Zustand, der ihr bestimmt gewesen wäre, wenn sie nicht zur wahren Heiligkeit sich bekehrt hätte. Es ist nämlich nur dann der Mensch vor Gott wohlgefällig, wenn er wahrhaftig Gott über Alles liebt, und nur das ist etwas wert vor Gott, was man aus Liebe zu ihm tut. Darum sagt auch der Apostel Paulus: „Wenn ich mein ganzes Vermögen den Armen hingeben würde und meinen Leib aufopferte, daß ich ihn verbrennen ließe, hätte aber die Liebe nicht, so würde es mir nichts helfen!“

Wohl aber haben natürlich gute Werke und Gewohnheiten den Nutzen, daß Gott oft leichter die Gnade schenkt, daß man noch zur wahren Bekehrung gelangt. Soll es dazu kommen, so muss ganz besonders der Hochmut gebrochen werden. So geschah es auch bei Hyazintha: Gott ließ sie in Krankheit verfallen. Da regte sich eben doch das Gewissen stärker als gewöhnlich, und sie verlangte nach einem Beichtvater. Ein Franziskaner wurde gerufen; als dieser aber in ihr Zimmer trat und die Üppigkeit darin sah, wollte er wieder umkehren, ohne ihr die heiligen Sakramente zu spenden, indem er sprach: „Der Himmel ist nicht für eitle, hoffärtige Seelen.“ Voll Schrecken rief die Kranke: „Bin ich denn ganz verloren?“ – Der Beichtvater erklärte ihr, daß es nur ein einziges Rettungsmittel für sie gebe, nämlich wenn sie Gott reumütig wegen ihres vergangenen Lebens um Verzeihung bitte, das Ärgernis, was sie den andern Klosterfrauen gegeben habe, wieder gut mache, und einen besseren Wandel anfange. Hyazintha versprach mit vielen Tränen eine vollkommene Änderung ihres Lebens, und zwar zeigte sie sogleich, wie ernst es ihr damit sei. Die Schwestern waren eben im Speisesaal versammelt,d a erschien auf einmal die kranke Hyazintha, warf sich weinend auf die Knie, bekannte ihr bisheriges fehlervolles Leben und bat um Verzeihung. Die Schwestern waren ebenso verwundert als erfreut, daß die bisher so stolze Person sich jetzt so demütig äußere. Dann kehrte Hyazintha zu dem Beichtvater zurück, legte ihre Beichte ab und gelobte feierlich, in Zukunft gänzlich Gott und der Tugend zu leben.

Eine Bekehrung in Reue und Vorsatz ist aber keineswegs immer von Bestand; dies zeigte sich auch bei Hyazinth. Sie wankte hernach wieder und führte ihr Versprechen nicht durch. Da erbarmte sich Gott aufs Neue über ihre arme Seele und klopfte wieder an, d. h. er sandte ihr langwierige Schmerzen. Diese Heimsuchung bewirkte, daß die Sinnesänderung bei Hyazintha gründlicher und kräftiger zu Stande kam; alle ihre Möbel und Alles, was sie sonst noch besaß, und woran ihr Herz hing, übergab sie der Oberin, und während sie früher sehr weichlich und verzärtelt gelebt hatte, legte sie sich nun selbst sehr schwere Bußübungen auf.

Ihre Liegerstatt war ein Bündel von Rebzweigen, ein Stein ihr Kopfkissen. Während sie vorher besonders fein sich gekleidet hatte, wählte sie jetzt ein altes abgetragenes Kleid, welches sie von Zeit zu Zeit ausbesserte; meistenteils ging sie barfuß. Im Wachen, fasten und schmerzlichen Bußübungen sonstiger Art übte sie sich jeden Tag. Was aber die Büßerin besonders mehr und mehr im Bußeifer erwärmte und erregte, das war die unaufhörliche Betrachtung des Leidens Christi. Dieses innerliche Stehen und Wandeln unter dem blutigen Kreuz flößte ihr einen unermesslichen Abscheu ein vor dem, was den Heiland ans Kreuz gebracht, vor der Sünde. Sie konnte deshalb gleichsam nicht genug bekommen, ihr eigenes sündhaftes Leben der früheren Jahre abzubüßen.

Auf diese Art ward der wilde Boden ihres Herzens gleichsam ausgereutet, so daß die Liebe Gottes stark und groß darin gedeihen konnte; Hyazintha fand nun ein neues, schöneres Leben und ihre einzige Freude in Jesus Christus. Und wie alle wahre Gottesliebe sich in der Nächstenliebe erproben muss, so nahm sie sich von nun aus allen Kräften um das geistliche und leibliche Wohl der Einwohner von Viterbo an. Da die Stadt durch eine bösartige ansteckende Krankheit in groß Unglück und Trauer kam, suchte Hyazintha dadurch die Not zu lindern, daß sie zwei christliche Vereine stiftete, welche bis auf den heutigen Tag noch in Viterbo bestehen und ihre Werke der Barmherzigkeit fortführen. Die Mitglieder der einen Bruderschaft sammeln Almosen für Hausarme und solche, die wieder auf dem Weg der Genesung sind, aber noch nicht arbeiten können; die andere Bruderschaft sorgt für Verpflegung kranker und alter Leute.

Als Hyazintha noch ein Kind von sieben Jahren war, spielte sie einst mit dem Seil eines offenen Ziehbrunnens, verwickelte sich darin und wurde über den Rand des Brunnens hinüber gezogen. Sie war nahezu ein Kind des Todes, da kam noch rechtzeitig ein bediente ihres Vaters und rettete ihr Leben. Später, da sie so den Lockungen der Welt ergeben war, konnte manche fromme Seele denken: dem Mädchen wäre es besser gewesen, wenn es in seiner Unschuld im Brunnen ertrunken wäre. Gott wußte es aber besser und erhielt sie am Leben; denn Hyazintha starb als vollkommen Heilige, was ihr im Himmel einen viel höheren Rang gibt, als wenn sie als Kind gestorben wäre. –
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 4 Oktober bis Dezember, 1872, S. 503 – S. 507

Category: Ordensleute, Stolz
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