Die Quatembertage in der Fastenzeit

Der Osterkreis: Ein Band mit Ornamenten: In der Mitte das Lamm Gottes mit der Siegesfahne; rechts und links der Spruch: Weil ihr mit Christus auferstanden seid, so suchet, was droben ist.

Die Quatembertage in der ersten Fastenwoche

Am Quatember-Mittwoch in der ersten Fastenwoche

Lesung aus dem dritten Buch der Könige. Kap. 19, Vers 3-8

In jenen Tagen kam Elias nach Bersabee in Juda und entließ da seinen Diener, und er ging weiter in die Wüste, eine Tagreise. Als er dahin kam, setzte er sich unter eine Wacholder-Staude und wünschte sich den Tod und sprach: Herr! Ich habe genug, nimm meine Seele; denn ich bin nicht besser als meine Väter. Und er legte sich nieder und entschlief im Schatten der Wacholder-Staude. Und siehe, ein Engel des Herrn berührte ihn und sprach zu ihm: Steh auf und iß! Er schaute auf, und siehe, bei seinem Haupt lag ein ein in der heißen Asche gebackener Kuchen und ein Gefäß mit Wasser. Also aß er und trank und schlief wieder ein. Und der Engel des Herrn kam wieder zum andern Mal und berührte ihn und sprach zu ihm: Erhebe dich und iß! Denn du hast noch einen weiten Weg. Er erhob sich und aß und trank und ging, durch dieselbe Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb.

Erklärung und Anwendung.
Elias wurde von den Königin Jezabel verfolgt, weil er die Götzenpriester Baals töten ließ, und es geschah, was obige Worte erzählen. Nach der Erklärung der heiligen Väter bedeutet die Wacholder-Staude das Kreuz Jesu Christi, unter dessen Schatten alle Leidenden Ruhe finden, die Speise aber, mit welcher Elias gestärkt wurde, bedeutet das heiligsteSakrament des Altares, welches unsere Seelen stärkt auf der Reise nach dem Berg Horeb, nach der ewigen Seligkeit. „Steh auf und iß! Du hast noch einen weiten Weg.“ O christliche Seele, empfange oft das heiligste Sakrament des Altars, damit du mutig wandern mögest dem Himmel zu, denn du bist wahrlich noch weit davon.

Evangelium nach dem hl. Matthäus. Kap. 12, Vers 38-50.

siehe Matth. 12, 38-50

Was lehrt uns dieses Evangelium?

1) Alle Wunder Jesu sind durch das große Wunder seiner Auferstehung, welche durch Jonas vorgebildet war, bekräftigt und bestätigt worden. Du siehst aus dem Leben der Kirche, daß Christus auferstanden ist; wehe dir, wenn du nicht glaubst!

2) Die Niniviten bekehrten sich auf die Predigt des Jonas. Wehe dir, wenn du nach Empfang so vieler Gnaden dich nicht bekehrst, oder nach deiner Bekehrung wieder in die alten und noch ärgere Sünden zurück fällst!

3) Wenn du glaubst, – erfüllst, was du glaubst, – den Willen des himmlischen Vaters tust, dann wirst du Jesu Bruder, Schwester, Mutter, indem du in dein Herz Ihn aufnimmst, und Er in dir wieder geboren wird. Welche Auszeichnung für uns Sünder!

Betrachtung.
Jesus wird gebunden und zu Annas geführt. – Welche Liebe! Er trägt die Bande, die ich zu tragen verdient. Sollte ich Ihn nicht wieder lieben?

Gebet der Kirche.
Wir bitten Dich, o Herr! erhöre gnädig unser Flehen und strecke den allgewaltigen Arm deiner Majestät aus, damit wir vor allen Widerwärtigkeiten beschützt werden. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen.

Heute, Freitag und Samstag siehe den Unterricht vom Quatember und verrichte das Gebet um gute Priester. (Siehe am Quatember-Mittwoch im Advent.)

Am Quatember-Freitag in der ersten Festenwoche

Lesung aus dem Propheten Ezechiel. Kap. 18, Vers 20-28.

siehe Ez. 18, 20-28

Erklärung und Anwendung.
Diese Worte des Propheten lehren:

1) Daß kein Sünder verzweifeln soll, er wird Verzeihung finden, wenn er aufrichtig sich zu Gott bekehrt.

2) Daß der Gerechte nicht vermessen sein darf, da eine einzige schwere Sünde alle seine guten Werke vernichten und in der ewigen Strafe Gottes überliefern kann.

3) Daß jeder Mensch sein Heil mit Furcht und Zittern wirken soll, wenn er gerettet werden will.

Was tust du? Wie lebst du sorglos in den Tag hinein! Du brüstest dich vielleicht mit dieser oder jener guten Anlage, siehst aber deine Ungerechtigkeit nicht.

Evangelium nach dem hl. Johannes. Kap. 5, Vers 1-15.

siehe Joh. 5, 1-15

Erklärung und Anwendung.
Der 38jährige Kranke ist ein Bild des Gewohnheits-Sünders. O Sünder, rette dich, laß dich retten durch deinen Gott und Heiland! – Der Teich ist das Bild der Gnade in den heiligen Sakramenten, die von Sünden reinigen; benütze sie eifrig! – Das betragen des geheilten ist das Bild des Bekehrten, der ebenso, wie jener, ohne Furcht bekennen soll, daß er nun Gott angehöre und daher seine Gebote treu beobachte. – Die Mahnung Jesu, nicht mehr zu sündigen, damit ihm nicht noch Schlimmeres widerfahre, ist ein Beweis, daß zeitliche Übel oft Folgen der Sünde sind, wir also diese zuerst meiden müssen, wollen wir von jenen befreit werden; daß wir aber auch in der Tugend zu beharren haben, wenn uns nichts Ärgeres widerfahren soll, das heißt, wenn wir nicht gänzlich verstockt in der Sünde sterben wollen.

Betrachtung.
Unerschrocken bekennt Jesus vor Kaiphas sich als Gottes Sohn, obschon Er wußte, daß Er deshalb zum Tode werde verurteilt werden. – Redest auch du so unerschrocken, wenn es sich um die Ehre Gottes, Ausrottung der Ärgernisse etc. handelt, oder schweigst du zaghaft?

Gebet der Kirche.
O Herr! Sei gnädig deinem Volk und erquicke es, da Du ihm die Gnade der Andacht verleihst, nach deiner Erbarmung mit deiner milden Hilfe! Durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn! Amen.

Am Quatember-Samstag in der ersten Fastenwoche.

Lesung aus dem ersten Brief des hl. Apostels Paulus an die Thessalonicher. Kap. 5, Vers 14-23.

siehe Thess. 5, 14-23

Brüder! Wir bitten euch, weiset zurecht die Unruhigen, tröstet die Kleinmütigen, steht bei den Schwachen, seid geduldig mit allen. Sehr zu, daß nicht etwa einer dem andern Böses mit Bösem vergelte; sondern erstrebt allzeit das Gute gegen einander und gegen alle. Freut euch allezeit. Betet ohne Unterlass. Sagt Dank ob allem; denn dies ist Gottes Wille in Jesus Christus an euch alle. Den Geist löscht nicht aus. Weissagungen verschmäht nicht. Alles aber prüft; was gut ist, behaltet. Vermeidet jeden Schein des Bösen. Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch in allem ganz, damit euer Geist und die Seele und der Leib tadellos aufbewahrt werde für die Ankunft unseres Herrn Jesu Christi.

Erklärung und Anwendung.
Abermals mahnt der hl. Apostel Paulus zur gegenseitigen Liebe und Geduld, zum Gebet, zur Danksagung, zur heiligen Freude. Er warnt vor den Sünden gegen den heiligen Geist, vor aller Widerspenstigkeit gegen Gottes Gnade. O daß du jeder kleinen Gnade treu folgen würdest, wie bald würdest du große Gnaden erhalten und vollkommen werden!

Evangelium wie am morgigen Tag

Betrachtung.
Der Hohepriester zerreißt seine Kleider und beschuldigt Jesum der Gotteslästerung. Wie muss Ihn dieser Vorwurf geschmerzt haben! – Hast nicht auch du schon durch ein voreiliges, böses Urteil des Nächsten Herz verwundet? Bitte Jesus, daß Er dir diese Lieblosigkeit verzeihe.

Gebet der Kirche.
Wir bitten Dich, o Herr, sieh in Huld auf dein Volk und wende gnädig von ihm ab die Geißel deines Zornes. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. –
in: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 153 – S. 159

Bildquellen

  • goffine-der-osterkreis: Bildrechte beim Autor
Category: Christenlehre

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