Versündigung gegen die Pflicht des Glaubens

Wie versündigt man sich gegen die Pflicht des Glaubens?

1) Durch Unglauben, d. h. durch Verwerfung aller und jeder Religion und der religiösen Wahrheiten, oder auch nur der geoffenbarten Wahrheiten des Christentums. Es ist, wenn er verschuldet ist, eine der größten Sünden, macht den Menschen namenlos unglücklich und gefährdet die gesellschaftliche Ordnung aufs äußerste; denn die einmal christlich gewordene Gesellschaft muss entweder auf den christlichen Glaubenssätzen beruhen, oder sie geht zu Grunde. Leider hat der Unglaube weit um sich gegriffen. Er entsteht durch sündhaftes, besonders sinnliches Leben, durch Hochmut, Wissensdünkel, Unterlassung der Glaubensübungen, durch schlechte Gesellschaft und Lektüre. Willst du den Glauben bewahren, so lebe nach dem Glauben, das ist das beste Mittel, den Glauben zu bewahren; der Heiland selbst hat es angegeben.

2) Durch Verleugnung des Glaubens, indem man ausdrücklich erklärt, daß man kein Katholik, kein Christ sein wolle, oder indem man mündlich oderschriftlich Glaubens-Wahrheiten leugnet und verwirft, oder indem man durch Handlungen beweist, daß man nicht mehr zur katholischen Kirche gehöre.

3) Durch Aberglauben.

4) Durch Häresie (Irrlehre) und Schisma; letzteres ist die Losreißung vom Einheitspunkt der Kirche; erstere die Leugnung eines Glaubenssatzes von jemand, der sich zur christlichen Religion bekennt. Das Maß der Schuld richtet sich nach der geringeren oder größeren Kenntnis.

5) Durch Zweifelsucht und Gleichgültigkeit. Besonders letztere richtet in unseren Tagen großes Verderben an. Man sagt, es seien alle Religionen gleich gut oder gleich schlecht; es komme nicht darauf an, was man glaube, wenn man nur recht lebe; die Religion, besonders die christliche, müsse fort schreiten; es gebe überhaupt keine absolut wahre Religion etc. Aber diese Gleichgültigkeit (Indifferentismus) ist

a) gottlos, da Gott eine Religion und zwar eine bestimmte den Menschen geoffenbart und vorgeschrieben hat;

b) unvernünftig, da sie die Wahrheit und Unwahrheit für gleich gut hält oder gar an jeder Wahrheit zweifelt und verzweifelt;

c) lügnerisch, da in der Tat niemand ganz indifferent, sondern entweder für oder wider Christus ist;

d) verderblich sowohl für den Indifferenten selbst, indem er die Wahrheit nach und nach verliert, nicht mehr nach dem Glauben lebt und zuletzt ein ausgesprochener Feind des Glaubens wird, als auch für seine Umgebung, indem sein böses Beispiel ansteckend wirkt.

6) Durch toten Glauben, indem man durch die Tat leugnet, was man mit dem Munde bekennt. –
in: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 271

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