Unterricht für den Zweiten Advent

Das Kirchenjahr Weihnachtskreis, Osterkreis, Pfingstkreis: In dem Bild sieht man die allerheiligste Dreifaltigkeit, Gott Vater, Gott Sohn Jesus Christus, Gott Heiliger Geist als Taube; links und rechts davon sind Blumengirlanden, durch die sich ein Band zieht mit dem Schriftzug Im Namen des Vaters des Sohnes und des heiligen Geistes.

Goffine: Unterricht für den zweiten Sonntag im Advent

Dieser Sonntag mit seinen Lesungen und Gebeten zeigt uns das heil in Jesus Christus. Darum eile, o Seele, zu Jesus, deinem einzigen Helfer in deinen Nöten, eile in seine arme, der dein Einziges und Alles ist, und rufe freudig mit der heiligen Kirche: „Volk Sion! siehe der Herr kommt, die Völker zu retten, und der Herr wird dem Ruhm seiner Stimme zur Freude deines Herzens Gehör verschaffen.“ (Jer. 30) „Lenker Israels! merke auf, der Du Joseph führest, wie ein Lamm.“ (Ps. 79, 1-2)

Gebet der Kirche.

Erwecke, o Herr! Unsere Herzen, daß wir deinem Eingeborenen die Wege bereiten, damit wir, durch seine Ankunft an Geist und Gemüt gereinigt, Dir zu dienen würdig werden. Um dieses bitten wir Dich durch denselben Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Lesung aus dem Brief des hl. Paulus an die Römer

siehe Römer 15, 4-13

Was lehrt der hl. Paulus in diesem Abschnitt seines Römerbriefes?

Die zum Glauben bekehrten Juden und Heiden hatten sich durch mancherlei gegenseitige Vorwürfe entzweit. Die Juden-Christen nämlich behaupteten, ihnen gebühre der Vorzug und größerer Anspruch auf den Erlöser, weil sie das auserwählte Volk seien, und Er aus ihrem Geschlecht abstamme; die Heidenchristen aber warfen den Juden den verabscheuungswürdigen Undank vor, dessen sie durch Kreuzigung des Heilandes sich schuldig gemacht hatten. Um die gestörte Eintracht wieder herzustellen, schrieb ihnen der hl. Paulus, daß allerdings die Heiden nur aus Barmherzigkeit Gottes und durch die Gnade des Erlösers selig werden könnten, daß aber auch die Juden nicht durch die Werke des Gesetzes, sondern ebenfalls durch den Glauben an Jesus gerechtfertigt würden; daß sie demnach einander nicht verachten, sondern in Jesus sich gegenseitig lieben sollten. – Damit lehrt er auch uns die große Gnade des Berufes zum wahren, katholischen Glauben und die Verpflichtung zu gegenseitiger Liebe, zu herzlicher Eintracht und zu einmütigem Dank und Lobe Gottes, damit wir nicht durch Selbstsucht und Zwietracht desselben verlustig werden, und verweist uns zur Belehrung hierüber auf die heilige Schrift.

Zu welchem Zweck hat uns Gott die heilige Schrift gegeben?

Damit sie uns diene zur Belehrung, Zurechtweisung, Besserung und Unterweisung in der Gerechtigkeit, auf daß wir Gott vollkommen dienen und zu jeglichem guten Werk bereit seien (2. Tim. 3,16); damit sie uns ferner durch das Beispiel Jesu und seiner Heiligen und durch herrliche Verheißungen in der Geduld im Leiden und in der Hoffnung des ewigen Lebens erhalte.

Warum wird Gott ein Gott „der Geduld“, „des Trostes“ und „der Hoffnung“ genannt?

Weil Er unserem sündhaften Leben mit Langmut zusieht und mit Geduld auf unsere Besserung wartet; uns die Gnade gibt, Kreuz und Leiden geduldig, ja mit Freude zu tragen, und uns durch innerlichen Trost vor Kleinmut bewahrt; uns die Hoffnung verleiht, Ihn nach diesem Leben zu besitzen.

Übung.

„Was geschrieben ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben.“ Laß doch keinen Tag vorüber gehen, ohne etwas Weniges aus einem geistlichen Buch zu lesen. Das wird deine Seele nähren und erquicken.

Bete:
O Gott der Geduld, des Trostes und der Hoffnung! Erfülle unsere Herzen mit Freude und Frieden und verleihe, daß wir durch den Glauben, die Hoffnung und die Liebe in allem Guten vollkommen werden und das uns versprochene Heil erlangen mögen. Amen.

Evangelium nach dem hl. Matthäus

siehe Matthäus 11, 2-19

Warum war Johannes im Gefängnis?

Weil er den König Herodes Antipas wegen seiner ehebrecherischen Verbindung mit Herodias, der Frau seines Stiefbruders, mit Ernst zurechtgewiesen hatte. Später musste er seine Wahrheitsliebe sogar mit dem Leben büßen. (Matth. 14, 10) Dieses Beispiel des heiligen Johannes lehrt uns, daß die Wahrheit gerne Haß erzeugt, daß wir uns aber nicht dürfen abschrecken lassen, die Wahrheit zu sagen, wo wir sie zu sagen schuldig sind, sollte uns deswegen auch das größte Unglück bevorstehen. Ist es nicht weit edler und unserem Heile zuträglicher, mit Johannes Märtyrer zu sein, als durch feiges Zusehen und pflichtvergessenes Schmeicheln der Menschen Gunst sich zu erwerben?

Warum läßt Johannes Jesum fragen: „Bist du es, der da kommen soll“?

Johannes tat dies nicht seiner selbst wegen; denn er kannte Jesus, bevor Er nur sein Werk begann, und wies seine Jünger auf Jesus, als das „Lamm Gottes“, hin; sondern er tat dies wegen seiner Jünger, die so sehr an ihm hingen, daß sie ihn nicht verlassen und Jesus nachfolgen wollten. Daher schickte er sie zu Jesus, damit sie Ihn mit eigenen Augen sehen und Jesus selbst sie überzeugte. Dem entspricht auch das ganze Verhalten Jesu. Er läßt sie Zeugen seiner Wunder sein, damit sie erkennen mögen, daß Er der verheißene Messias, der versprochene Erlöser der Welt sei. – Eltern! Unterrichtet die euch Anvertrauten wohl in der christlichen Religion!

Warum war denn ein Erlöser notwendig?

Weil die Sünde, welche die Menschen teils von Adam erbten, teils selbst begingen, drei Dinge in sich schließt:
1. Eine Beleidigung des Allerhöchsten
2. den Verlust der heiligmachenden Gnade
3. die Verwerfung vom Angesicht Gottes als verdiente Strafe (schwere Sünde)

Nun aber konnte weder ein Mensch noch alle zusammen:

1. Die Beleidigung Gottes sühnen, also keine Vergebung der Sünden erlangen; denn die schwere Beleidigung Gottes ist eine unendlich, fordert also auch eine unendliche Genugtuung, zu der kein geschöpfliches, endliches Wesen fähig ist;

2. den Schmuck der heiligmachenden Gnade wieder gewinnen. Diese heiligmachende Gnade ist die Freundschaft Gottes; da der Mensch aber die Beleidigung, d.h. die sich zugezogene Feindschaft Gottes von sich aus nicht aufheben kann, so kann er auch die Freundschaft Gottes nicht aus sich selbst wieder gewinnen. Die heiligmachende Gnade ist das übernatürliche Leben der Seele, ohne diese Gnade ist der Mensch vor Gott geistig tot. So wenig nun ein Toter sich selbst das Leben wieder geben kann, so wenig kann das Menschengeschlecht durch sich selbst das übernatürliche Leben in der heiligmachenden Gnade sich wieder erwerben.

3. Die verdiente Strafe abwenden, da er ja die Beleidigung, deren Folge die Strafe ist, nicht abwenden kann. Deshalb war ein übernatürlicher Erlöser für das Menschengeschlecht notwendig, sollte es nicht in der Lüge und dem Laster zu Grunde gehen und der ewigen Strafe Gottes anheimfallen. Das wußten und fühlten denn auch nicht bloß die Juden, sondern auch alle heidnischen Völker und sehnten sich deshalb nach dem Erlöser.

Warum antwortet Christus den Jüngern des Johannes nur: Gehet und saget dem Johannes: Die Blinden sehen usw.“?

Die Propheten (Is. 35, 5; 61,1) hatten vorhergesagt, daß der Messias den Blinden die Augen, den Tauben die Ohren öffnen werde usw. Daran nun, daß Jesus diese Wunder wirkte, sollten sie Ihn als den verheißenen Messias erkennen. Und diese Wunder bleiben als Erfüllung der Weissagungen und als Werke der Allmacht für und für gültige Beweise seiner Gottheit und Sendung zur Erlösung der Menschen.

Warum setzt Er bei: „Und selig, wer sich an Mir nicht ärgert“?

Um derjenigen willen, welche ungeachtet seiner Wunder sich dennoch wegen seiner Demut und Armut und wegen seines schmachvollen Leidens und Sterbens am Kreuze an Ihm ärgern, d. h. an Ihm zweifeln, Ihn verachten und verwerfen würden, obschon, wie der heilige Gregor sagt, der Mensch Gott um so größere Ehre und Liebe schuldig ist, je tiefer Er sich für ihn erniedrigt hat.

Wohin zielen die Fragen, die Christus wegen Johannes tat?

Er will dadurch
1. die Standhaftigkeit des heiligen Johannes rühmen, welcher sich weder durch das Ansehen des Herodes, noch durch die Furcht vor Kerker und Tod wankend machen ließ, sein Predigeramt recht zu verwalten, – allen Predigern, Beichtvätern und Vorgesetzten zum Beispiele, auf daß sie weder durch Menschenfurcht, noch durch zeitliche Absichten und Vorurteile sich bewegen lassen, gegen das Laster nachsichtig zu sein, sondern ihrem Gewissen folgend, treu und standhaft ihre Pflichten erfüllen.

2. Er will die strenge Buße, welche Johannes durch rauhe Kleidung, schlechte Nahrung usw. (Matth. 3,4) geübt hat, loben, damit auch wir dadurch angeeifert werden, unser Fleisch zu kreuzigen und Buße zu wirken.

Warum sagt Christus, daß Johannes mehr sei als ein Prophet?

Weil Johannes selbst, wie sonst kein Prophet, von den Propheten vorhergesagt (Mal. 3,1), vor und bei seiner Geburt durch mancherlei Wunder verherrlicht und gewürdigt wurde, den durch die Propheten verheißenen Messias zu sehen, Ihn der Welt zu predigen und gegenwärtig zu zeigen, und weil er ein engelreines Leben geführt hat. Darum ward er ein Engel genannt, d. h. ein Bote Gottes, weil er die Ankunft des Heilandes verkündigt und Ihm den Weg bereitet hat.

Wie hat Johannes dem Heilande den Weg bereitet?

Dadurch, daß er durch sein strenges Leben und durch seins Bußpredigten die Juden zu bewegen suchte, ihre Herzen durch Besserung ihres Lebens zum Empfange der Gnade des Messias, d.h. Jesu Christi, vorzubereiten.

Übung:
Suche immer besser, Jesum aus seinen Taten, seinem Leben und Sterben, aus seinem Wirken seit (xxxx) Jahren als den einzigen, wahren Erlöser der Menschen zu erkennen, setze allein auf Ihn deine Hoffnung und bereite Ihm durch Buße und ein heiliges Leben den Weg in dein Herz und in dein Haus.

Gebet.
O Herr Jesus Christus! Der Du den hl. Johannes deinen Vorläufer, wegen seiner Standhaftigkeit und Buße gepriesen hast: stärke in uns den Glauben an Dich, verleih` uns deine Gnade, damit wir nach seinem Beispiel für sorgfältigen christlichen Unterricht der uns Anvertrauten sorgen, und entzünde unsere Herzen, damit wir, seiner Standhaftigkeit und Buße nachfolgend, keinem Menschen zu Gefallen je etwas tun, was Dir mißfällig sein könnte. Amen. –
in: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 23 – S. 24; S. 27 – S. 29

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