Unterricht für den Vierten Advent

Das Kirchenjahr Weihnachtskreis, Osterkreis, Pfingstkreis: In dem Bild sieht man die allerheiligste Dreifaltigkeit, Gott Vater, Gott Sohn Jesus Christus, Gott Heiliger Geist als Taube; links und rechts davon sind Blumengirlanden, durch die sich ein Band zieht mit dem Schriftzug Im Namen des Vaters des Sohnes und des heiligen Geistes.

Goffine: Unterricht für den vierten Sonntag im Advent

Je näher die Ankunft des Erlösers heran rückt, um so inniger sehnt sich die heilige Kirche mit den Altvätern nach demselben und sucht sein Kommen durch immer heißere Bitten zu beschleunigen, und um so mehr fordert sie uns auf, Ihm den Weg in unser Herz zu bereiten. Sie betet im Eingang der heiligen Messe: „Tauet, ihr Himmel, von oben, und die Wolken mögen regnen den Gerechten! Es öffne sich die Erde und bringe den Heiland hervor!“ (Is. 45, 8) „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und das Firmament verkündet die Werke seiner Hände.“ (Ps. 18, 1) – Ehre sei dem Vater etc. (siehe: Schönheit der Kirche Roratemessen)

Gebet der Kirche.

Erwecke, wir bitten Dich, o Herr! deine Macht und komm und eile uns mit deiner mächtigen Hilfe entgegen, auf daß unsere Erlösung, welche unsere Sünden immer weiter von uns entfernen, durch die Kraft deiner Gnade und durch das Übermaß deiner Erbarmungen beschleunigt werde; der du lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesung aus dem ersten Brief des hl. Apostels Paulus an die Korinther (4,1-5)

Brüder! Jedermann halte uns für Diener Christi und Ausspender der Geheimnisse Gottes. Hier nun wird von Ausspendern gefordert, daß jeder treu erfunden werde. Mir aber ist es das Geringste, von euch oder von einem menschlichen Gericht gerichtet zu werden, und ich richte mich auch selbst nicht; denn ich bin mir zwar nichts bewußt, aber darum noch nicht gerechtfertigt; der mich richtet, ist der Herr. Darum richtet nicht vor der Zeit, ehe der Herr kommt, welcher auch das im Finstern Verborgene an das Licht bringen und die Absichten der Herzen offenbar machen wird; und dann wird einem jeden sein Lob werden vor Gott.

Warum wird heute diese Epistel gelesen?

Die Kirche will dadurch

1) diejenigen, die am gestrigen Quatember-Samstag die heiligen Weihen empfangen haben, an die hohe Würde ihres Amtes und an die Treue und Heiligkeit erinnern, wodurch sie unter den übrigen Menschen sich ebenso sehr als durch Würde und Beruf auszeichnen sollen. Sie will

2) den Gläubigen Ehrfurcht vor den Priestern einflößen, da sie Diener Christi und Ausspender der göttlichen Geheimnisse sind. Endlich will sie

3) die Gläubigen nochmals durch Hinweisung auf die zweite Ankunft Jesu bewegen, sich selbst zu richten, ihre Herzen auf die heilige Weihnacht zu reinigen und so Christum als liebevollen Heiland zu empfangen, damit sie sein zukünftiges Gericht nicht zu scheuen haben.

Warum will der hl. Paulus sich selbst nicht richten?

Weil er nicht wußte, wie Gott ihn beurteile, obschon er sich nichts vorzuwerfen hatte. Niemand weiß, ob er der Liebe oder des Hasses würdig ist (Pred. 9,1), wenn Gott es ihm nicht offenbart. Gott, der Herzen und Nieren durchforscht, dem auch das Verborgenste so klar ist als das Offenbarste, urteilt über Handlungen, Neigungen, usw. ganz anders, als der Mensch selbst. Dieser läßt sich von Eigenliebe und Leidenschaft oft so verblenden, daß er das Böse, welches er begeht, nicht einsieht, sich vor sich verbirgt und sich rechtfertigt, wo er sich verurteilen sollte; sich für besser hält als andere usw. O wie mancher, der sich jetzt für unschuldig und heilig hält, wird am Tage des Gerichts in seiner ganzen Blöße erscheinen und vor aller Welt zu Schanden werden, wenn Gott die geheimen Taten und die Absichten seines Herzens offenbaren wird! –

Deswegen beurteilen wir vor der Zeit weder andere, deren innerste Gesinnungen uns unbekannt bleiben, noch uns selbst. Wenn wir auch bei strenger Selbstprüfung nichts Tadelnswertes an uns finden, sollen wir uns noch nicht für gerecht halten, sondern das Endurteil Gott überlassen und indessen mit Furcht und Zittern (Philipp. 2,12) und im Vertrauen auf Gottes Erbarmungen unser Heil wirken.

Übung:
Hüte dich vor freventlichem Urteil; fürchte nicht der Menschen, sondern Gottes Gericht und bete:

Ach, Herr! Gehe mit deinem Diener nicht zu Gericht; denn kein Lebender wird vor deinem Angesicht gerechtfertigt – ganz rein befunden werden! (Ps. 142,2) Amen.

Evangelium nach dem hl. Johannes 3, 1-6

Im fünfzehnten Jahre der Regierung des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Landpfleger von Judäa, herodes Vierfürst von Galiläa, Philippus, sein Bruder, Vierfürst von Ituräa und der Landschaft Trachonitis, und Lysanias Vierfürst von Abilene war, unter den Hohenpriestern Annas und Kaiphas, erging das Wort des Herrn an Johannes, den Sohn des Zacharias, in der Wüste. Und er kam in die ganze Gegend am Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden, so wie geschrieben steht im Buch der Reden Isaias`, des Propheten: Es ruft eine Stimme in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, machet gerade seine Wege! Jedes Tal soll ausgefüllt, und jeder Berg und Hügel abgetragen werden; was krumm ist, soll gerade, und was uneben ist, soll ebener Weg werden. Und alles Fleisch (alle Menschen) wird das Heil Gottes sehen.

Warum wird die Zeit, in welcher Johannes zu predigen anfing, so umständlich beschrieben?

Weil in eben diesem glückseligen Jahr der so lang erwartete Messias sich der Welt gezeigt und sein Predigeramt angefangen hat, nachdem Er zuvor von Johannes getauft und von dem himmlischen Vater als sein geliebter Sohn, den die Menschen hören, sollten, erklärt worden war. Damit nun diese Zeit nie mehr der Vergessenheit übergeben, nie geleugnet werden könnte, bezeichnet sie der Evangelist gegen seine Gewohnheit aufs genaueste durch Anführung aller damals regierenden geistlichen und weltlichen Fürsten.

Was bedeutet der Ausdruck: „Es erging das Wort des Herrn an Johannes“?

Daß Johannes entweder durch eine Stimme vom Himmel oder von einer inneren Einsprechung angetrieben worden sei, Buße zu predigen und die Ankunft des Messias zu verkünden. Auf dieses von Gott gegebene Amt hatte er sich durch ein dreißigjähriges einsames und bußfertiges Leben, durch steten Umgang mit Gott vorbereitet. – Der wahre Beruf kommt von Gott. Seinen Ruf muss man also abwarten, niemals sich selbst in ein Amt, am wenigstens in ein geistliches, eindrängen und inzwischen durch Erwerbung der nötigen Kenntnisse, durch Gebet und Betrachtung in stiller Einsamkeit und durch ein heiliges Leben sich dazu vorbereiten.

Was will das sagen: „Bereitet den Weg des Herrn“?

Es will sagen, der Christ soll sein Herz zur gnadenvollen Aufnahme Christi bereit machen, er soll die Täler ausfüllen, d.i. irdische und fleischliche Gesinnung ablegen und dafür eine himmlische annehmen; die Berge abtragen, d.i. den Stolz durch Demut erniedrigen; was krumm ist, gerade machen, d.i. böse Absichten, Heuchelei und Ungerechtigkeiten verbannen und Gott in Wahrheit suchen; endlich, was uneben ist ausebnen, d.i. Zorn und Rachgierde bezähmen und Geduld und Sanftmut anziehen.

Kräftiger Antrieb zur Besserung des Lebens

Die Gesundheit des Leibes zu erlangen, spart man weder Mühe noch Unkosten; man macht viele Tagreisen, um Hilfe zu finden; hingegen um die Gesundheit der Seele durch Besserung des Lebens zu erlangen, bewegt man sich kaum. Um den Leib gesund und am Leben zu erhalten, enthält sich mancher vom Wein, oder von dem, was ihm zum Essen am angenehmsten ist; aber um die Seele für das ewige Leben zu erhalten, mag er nicht einmal einen Fasttag halten, nicht einmal ein Glas Wein sich entziehen! Heißt das sein Leben bessern und sein Seelenheil sichern? O wie übel werden einstens solche Weichlinge vor Gott bestehen! Bedenke das wohl, sofern dir das Heil deiner Seele zu Herzen geht!

Übung.
Willst du der Mahnung des heiligen Johannes und der Einladung der heiligen Kirche folgen, so:

  1. Fülle aus die Täler – das Tal der Unwissenheit in deiner Seele durch Gebet und Unterricht, das Tal der Trägheit durch heiligen Eifer für dein Seelenheil, das Tal des Misstrauens, der Verzagtheit und Verzweiflung beim Anblick deiner Sünden durch festes Vertrauen auf den Erlöser, der gekommen ist zu suchen, was verloren war.
  2. Trage ab die Hügel und Berge, nämlich die Sündenberge in deiner Seele, die Berge des Stolzes durch eine demütige und aufrichtige Beichte.
  3. Mache gerade, was krumm ist, durch geraden, ehrlichen Willen, Gott zu dienen und deine Seele zu retten. Geh nicht krumme Wege, täusche dich nicht, sei ehrlich gegen andere und gegen dich selbst.
  4. Mache eben, was uneben ist. Gib zurück alles unrechte Gut und die geraubte Ehre, räume hinweg alle Gelegenheit zur Sünde und jegliches Ärgernis, und du wirst „das Heil Gottes sehen“.

Gebet.
Möchte Dir, o mein Jesus, auch der Weg zu meinem Herzen recht bereitet sein! Ach“ ersetze Du, was meiner Kraft gebricht. Erfülle die Leerheit meines Herzens mit deiner Gnade; demütige meinen Stolz; richte meinen krummen und verkehrten Willen nach dem deinigen; ändere meine wilde Gemütsart; trage ab, reute aus und verbessere alles in mir, was Dir im Wege steht, damit Du ungehindert zu mir kommen, mich allein beherrschen und ewig besitzen mögest. Amen. –
in: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 39-40; S. 43 – S. 44

Bildquellen

  • Goffine Kirchenjahr: Bildrechte beim Autor

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