Pilatus

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Pilatus

Pontius Pilatus, aus ursprünglich samnitischem (vgl. Cicero, De off. 2,21,75; Livius 9,1), später römischem Geschlecht, 26-36 n. Chr. Prokurator v. Judäa, mit Amtssitz in Cäsarea, nur an hohen jüdischen Festen und bei besonderen Anlässen zu Jerusalem im sog. Praetorium, sprach dort das Urteil über Jesus zur Kreuzigung. Sein Verhalten im Prozeß zeigte anfänglich offenbar Wohlwollen und Gerechtigkeitssinn, dann aber Charakterlosigkeit aus Menschenfurcht; schon die Geißelung bei Schuldlosigkeit Jesu war juristisch unkorrekt. Weit ungünstiger als im Neuen Testament, wo er mit einer einzigen Ausnahme (Lk. 13,1) immer in Verbindung mit Christi Tod erscheint, (Mt. 27,2 u.11ff; Mk. 15,1ff; Lk. 23,1ff; Joh. 18,29ff; 191ff; Apg. 3,13; 4,27; 1328; 1. Tim. 6,13), wird Pilatus bei Flavius Josephus beurteilt. Nach diesem rief er durch Mangel an Klugheit und an Rücksicht auf das religiöse Empfinden des jüdischen Volkes gefährliche Aufstände hervor, so wegen der nach Jerusalem gebrachten Kaiserbilder (Bell. Jud. 2,9; Antiqu. 18,3,1) oder wegen der Verwendung des Tempelschatzes zum Bau einer einer Wasserleitung (Bell. Jud. 2,9,4; Antiqu. 18,3,2). Das blutige Vorgehen gegen schwärmerische Samariter kostete ihn schließlich sein Amt (Antiqu. 18,4): vom Legaten Syriens Vitellius entsetzt und nach Rom zur Verantwortung geschickt, kehrte er nicht mehr zurück. Sehr nachteilig spricht von ihm Herodes Agrippa I in einem Brief an Kaiser Caligula (Philo. Leg. Ad Cajum 38). Ein außerchristliches Zeugnis über Pilatus ohne Werturteil bietet noch Tacitus, Annales 15,44… Eusebius (HE 2,7; Chron. 2,150) liest aus griech. Chronisten, Pontius habe sich zur Strafe für seine Charakterschwäche selbst entleibt Justin der Märtyrer (Apol. I 35 48) redet von Akten, die unter Pontius Pilatus über den Prozeß Jesu aufgenommen wurden. Tertullian (Apol. 5,21) erwähnt, Pilatus habe über Christus genauen Bericht an Kaiser Tiberius erstattet. Diese Notizen waren wohl Anlaß zur Abfassung der späteren Pilatusakten. Der Frau des Pilatus geben die Apokryphen den Namen Claudia Procula; die Kirchenväter schenkten ihr Sympathie.

aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VIII, 1936, S. 275-276

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