Achte Betrachtung der Menschwerdung Christi

Die Menschwerdung Christi: Das Jesuskind steht auf einem Holzpodest, an dem ein Holzkreuz ist; das Christuskind hält die beiden Arme ausgebreitet am Kreuz

Neun Betrachtungen über das Geheimnis der Menschwerdung des ewigen Wortes

für die neuntägige Andacht vor Weihnachten

Achte Betrachtung: Die Gnade unseres Heilandes ist allen Menschen erschienen, uns zu belehren

Die Gnade unseres Heilandes ist allen Menschen erschienen, uns zu belehren, daß … wir gottselig leben in dieser Welt in Erwartung der seligen Hoffnung, und der Ankunft der Herrlichkeit des großen Gottes, unseres Heilandes Jesu Christi.(Titus 2,11)

Betrachte, geliebte Seele! daß unter dem Wort Gnade, von der es heißt, daß sie erschienen sei, die unermeßliche Liebe Jesu Christi zu den Menschen verstanden werden müsse, eine Liebe, die wir nicht verdient haben und die deshalb Gnade genannt wird. Freilich war diese Liebe in Gott immer dieselbe, aber sie war nicht immer erschienen. Versprochen war sie schon früher durch so viele Verheißungen der Propheten, durch so viele Vorbilder, welche dieselbe andeuteten; aber bei der Geburt des Heilandes erschien diese göttliche Liebe, da offenbarte sie sich, indem sie den Menschen das ewige Wort als ein Kind auf Stroh, weinend und vor Kälte zitternd erblicken ließ, wodurch Es schon damals anfing, für die von uns verschuldeten Strafen genug zu tun, und uns, da Es Sein Leben für uns darbrachte, Seine unendliche Liebe zu erkennen gab. Daran haben wir die Liebe Gottes erkannt, daß er sein Leben für uns dahin gab. (Joh. 3,16) So ist denn also die Liebe unseres Gottes allen Menschen erschienen. Aber warum haben nicht Alle dieselbe erkannt? Warum erkennen selbst heut zu Tage nicht Alle dieselbe? Das kommt daher, weil, obgleich das Licht in die Welt kam, die Menschen die Finsternis mehr geliebt haben, als das Licht. (Joh. 3,19) Sie haben Ihn nicht erkannt, und sie erkennen Ihn noch nicht, weil sie Ihn nicht erkennen wollen, und weil sie die Finsternisse der Sünde mehr lieben, als das Licht der Gnade. Tragen wir Sorge, daß nicht auch wir zur Zahl dieser Unglückseligen gehören. Haben wir auch früher unsere Augen dem Licht verschlossen, indem wir nur wenig an die Liebe Jesu Christi dachten; so suchen wir doch wenigstens die noch übrigen Tage unseres Lebens fortwährend die Leiden und den Tod unseres Heilandes vor Augen zu haben, damit wir Jenen lieben, der uns so innig geliebt hat: In Erwartung der seligen Hoffnung und der Ankunft der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilandes Jesu Christi. Dann können wir den Verheißungen Gottes gemäß zuversichtlich jenen Himmel erwarten, den uns Jesus Christus durch Sein Blut erworben hat. Bei dieser ersten Herabkunft erschien Jesus als ein kleines Kind; arm und erniedrigt zeigte er sich auf Erden, in einem Stall geboren, in arme Windeln gehüllt, auf ein wenig Stroh hingelegt; aber bei Seiner zweiten Ankunft wird Er auf dem Thron der Herrlichkeit erscheinen. Wir werden den Sohn des Menschen kommen sehen in den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit. Selig alsdann der, welcher Ihn geliebt hat; unglückselig hingegen Jener, der Ihn nicht geliebt haben wird.

Anmutungen und Gebet

Ach, mein allerheiligstes Kindlein! jetzt erblicke ich Dich auf diesem Stroh, arm, betrübt und von Allen verlassen; aber ich weiß, daß Du eines Tages auf einem Thron der Herrlichkeit herab kommen wirst, begleitet von den Engeln des Himmels, um mich zu richten. Ach, ich bitte Dich, verzeihe mir, ehe Du zu Gericht kommst. Alsdann erscheinst Du als ein Richter der Gerechtigkeit; aber jetzt bist Du noch mein Erlöser, und ein Vater der Barmherzigkeit. Ach ich Undankbarer, auch ich gehörte zu Jenen, die Dich nicht erkannt haben, weil ich Dich nicht habe erkennen wollen. Deshalb bin ich nur darauf bedacht gewesen, anstatt Deine Liebe durch Gegenliebe zu erwidern, meine irdischen Neigungen zu befriedigen und darum Deine Gnade und Deine Liebe gering zu achten. Siehe, o mein Jesus! jetzt übergebe ich meine arme Seele, die ich selbst ins Verderben gestürzt, in Deine heiligen Hände, damit Du sie errettest: In deine Hände empfehle ich meinen Geist, du hast mich erlöst, o Herr, Gott der Wahrheit. (Psalm 30,6) Auf Dich setze ich all meine Hoffnung, weil ich weiß, daß Du, um mich von der Hölle zu befreien, Dein Blut und Dein Leben für mich dahin gegeben hast: Du hast mich erlöst, o Herr, Gott der Wahrheit. Du hast mich nicht im Stande der Sünde sterben lassen, nein, mit so großer Geduld hast Du mich erwartet, damit ich mich bessere, damit ich es bereue, Dich beleidigt zu haben und anfange, Dich wahrhaft zu lieben, damit Du mir hierauf vergeben und mich selig machen könntest. Ja, mein Jesus! ich will Dir wohl gefallen, ich bereue über alles die Beleidigungen, welche ich Dir zugefügt, ich bereue es, und ich liebe Dich mehr als Alles in der Welt. Rette Du mich, um Deiner Barmherzigkeit willen, meine einzige Freude sei es, Dich hier auf Erden und die ganze Ewigkeit hindurch im Himmel zu lieben.

O meine liebe Mutter Maria! empfiehl Du mich Deinem Sohne. Stelle Ihm vor, daß ich Dein Diener bin, daß ich auf Dich all meine Hoffnung gesetzt habe. Gewiß vernimmt Er Deine Bitte, und schlägt sie Dir nicht ab. –aus: Alphons Maria von Liguori, Die Menschwerdung und die Kindheit unsers Herrn Jesu Christi, Ein Gebets- und Betrachtungsbuch für die heilige Adventszeit, 1842, S. 83 – S. 85

Der hl. Alphons Maria von Liguori empfiehlt das folgende

Gebet, das man vor einer jeden Betrachtung zum Kindlein Jesu verrichten kann.

Man kann täglich, wenn man dieses Gebet verrichtet, einen Ablass von 300 Tagen gewinnen.

Bildquellen

  • Von Liguori Menschwerdung Christi: Bildrechte beim Autor

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