Geburtsfest der allerseligsten Jungfrau Maria

Heiligenkalender

8. September

Dieses prachtvolle Bild zeigt Maria als neugeborenes Kind, von ihren Eltern, dem hl. Zacharias und der hl. Elisabeth gehalten; im Hintergrund sieht man im oberen Bereich die heiligste Dreifaltigkeit, von der ein Lichtstrahl auf das Kind ausstrahlt; links und rechts von der Dreifaltigkeit sieht man je zwei Engel, jeweils einer hält einSchriftband

Das Geburtsfest der allerseligsten Jungfrau Maria

Nur drei Geburtsfeste sind es, welche die katholische Kirche alljährlich mit besonderer Feierlichkeit begeht: das Geburtsfest Mariä, das des hl. Johannes des Täufers, und das unseres Herrn Jesu Christi. Die Geburt Mariä bildet in gewissem Sinne die Grundlage der beiden anderen; denn Jesus, von ihr empfangen und zu Elisabeth getragen, wollte seinen Vorläufer im Mutterschoß heiligen, noch bevor Er selbst sich der Welt zeigte. Deshalb umgibt die heilige Kirche die Geburt Mariä mit dem größten Glanz, weil sie eben in ihr die Morgenröte Jesu Christi jubelnd begrüßt.

Diese Bedeutung erklärt der hl. Petrus Damiani in den begeisterten Worten: „Mit Recht bebt an diesem Tage das ganze Weltall vor unendlicher Freude und feiert die heilige Kirche in ihrem ganzen Umfang die Geburt der Mutter ihres Bräutigams. In Freude und Frohlocken juble unser Herz vorzüglich an diesem Tage, an welchem wir, indem wir das Geburtsfest der Mutter unseres Herrn begehen, den Ursprung aller unserer übrigen Feste feiern… Denn heute ist geboren die Königin der Welt, die Pforte des Himmels, der Eingang des Paradieses, das Zelt Gottes, der Meeresstern, die Himmelsleiter, auf welcher der König in der Höhe voll Demut herab stieg in die untern Regionen, und der Mensch, der am Boden lag, sich aufrichtete und empor schwang in die höheren Regionen.“

Diese glorreiche Bedeutung der Geburt Mariä treibt uns an, das so teure Töchterlein des hl. Joachim und der hl. Anna in der Wiege aufmerksamer zu betrachten, „wie sie glänzt, wie sie strahlt, diese heilige Gestalt, die der Herr sich auserkiesen!“ Maria ist von Gott einzig zu dem Zweck erschaffen worden, daß sie die Mutter Gottes sei. Sie ist deshalb von ihrem Schöpfer mit all` den körperlichen und geistigen Eigenschaften und Vorzügen gebildet worden, welche sie als Mutter später Ihm als ihrem Sohne wieder mitteilen sollte. Denn es liegt in der Natur, daß die Söhne der Mutter nacharten – filii matrizant sagt das lateinische Sprichwort – daß sie von ihr die Ähnlichkeit der Gesichtszüge, des Temperamentes, des Charakters und der Sitten erben; und dieses Gesetz musste sich um so vollkommener bei jener Mutter verwirklichen, welche zugleich Jungfrau ist und keinen Mann erkennt. Und in der Tat, das Evangelium bezeugt es, Jesus Christus als Mensch war so ganz das treue Bild seiner Mutter, daß die Leute in Galiläa, wenn sie Ihn sahen und hörten, erstaunt fragten: „Ist dieses nicht des Zimmermanns Sohn, heißt nicht seine Mutter Maria?“ (Matth. 13,55) Es war aber nur deshalb so, weil Maria selbst zuvor das Bild Jesu war, d. h. weil sie von Ihm als Gott so gebildet worden war, wie Er als Mensch von ihr gebildet werden wollte. Treffend sagt daher der hl. Bernhard: „Jesus als Schöpfer wollte, daß seine Mutter Jungfrau sei, damit Er aus ihr, der Makellosen, ohne Makel geboren werde: Er wollte, daß sie demütig sei, damit Er sanftmütig und von Herzen demütig aus ihr hervor gehe.“

Es ist ein Glaubenssatz, daß Jesus Christus eben so vollkommen Mensch ist, als Er vollkommen Gott ist, daß seine Menschheit mit allen Vollkommenheiten der Natur und der Gnade ausgestattet war. Folglich war es ganz angemessen, daß Er als Schöpfer mit diesen Vollkommenheiten auch die Person seiner Mutter gebildet hat, weil sie zu Ihm in dem innigsten Verhältnis steht, das man sich denken kann. Die Richtigkeit dieser Folgerung bestätigt das heilige Evangelium, indem es Maria die „Gnadenvolle“ nennt; denn dieses Wort erschöpft alles Lob, womit die Schönheit Mariens gepriesen werden kann, insbesondere wenn man erwägt, daß es nicht aus dem Munde eines sterblichen Menschen, sondern von den Lippen eines Engels der höchsten Ordnung, eines Gesandten der heiligsten Dreieinigkeit stammt, als der Ausdruck seiner Bewunderung und Huldigung: „Gegrüßet seist du, voll der Gnade!“ (Luk. 1,28)

Um den Reichtum, womit die göttliche Weisheit Maria geschmückt hat, mehr ins Licht zu stellen, läßt der große Kanzler Gerson alle Gnaden und alle Tugenden in Gestalt lebender Personen auftreten und nacheinander herbei kommen, um mit ihren Geschenken die auserwählte Jungfrau, die Tochter des Vaters, die Mutter des Sohnes, die Braut des heiligen Geistes zu verherrlichen. Die Reinheit kommt persönlich, um mit ihren Händen den Stoff zu bereiten, aus dem ihr Leib gebildet werden soll: die Vorsehung kommt, um ihn zu formen: die Gnade kommt, um ihn zu beseelen. Sodann ist jede einzelne Tugend geschäftig, ihre Arbeit bestens zu vollbringen: die Liebe bildet das Herz, die Klugheit gestaltet ihr Gehirn, die Schamhaftigkeit wölbt ihre Stirn, die Sanftmut gießt ihren Liebreiz über ihre Lippen aus, die Sittsamkeit formt ihre Wangen für sich zum Ehrenthron, die Züchtigkeit und die Jungfräulichkeit breiten über ihren ganzen Leib eine unvergleichliche Anmut und eine bezaubernde Ehrwürdigkeit aus: kurz, alle Tugenden vereinigen sich mit einander, um diese einzige Jungfrau zu bilden, so daß sie selbst, über ihr Werk erstaunt, es kaum wieder zu erkennen vermögen in dieser Vollkommenheit, welche ihr so eifriges Zusammenwirken erreicht hat.

Gewiß haben die Verwandten der hl. Anna, als sie ihr zur Geburt ihres Töchterleins gratulierten, entzückt von dessen Schönheit, wie die Verwandten Elisabeth`s , ahnungsvoll gefragt: „Was wird wohl aus diesem Kinde werden?“ Sie ahnten wohl, daß dieses unvergleichlich schöne Kind einen besondern Beruf haben werde, aber sie ahnten nicht die himmlische Würde, die übernatürliche Größe und Herrlichkeit, zu welcher Gottes Ratschluss diese Jungfrau auserwählt. Wir dagegen können die Schönheit Mariä schon in der Wiege in dem rechten Licht bewundern. Der günstigste Standpunkt dazu ist am Fuße des Kreuzes auf Golgotha in dem Augenblick, da Jesus uns zuruft: „Sohn, siehe deine Mutter!“ Wenn wir von da aus hinab schauen in sinnender Betrachtung über den langen Lebensweg, den Maria von ihrer Wiege gewandelt bis auf diesen Berg der Trauer und der Schmach, dann erst erkennen wir ihre über Alles erhabene Schönheit, das Bedeutungsvolle und Segensreiche dieses Tages und frohlocken über diesen Geburtstag unserer lieblichen und wunderbarlichen Mutter, der Mutter unseres Heiles und unserer Süßigkeit. Zu diesem Gefühl kindlicher Liebe und dankbarster Bewunderung wollen wir der hoch gebenedeiten Mutter Glück wünschen zu ihrem Geburtsfest mit dem Herzenserguss eines ihrer Kinder:

Jungfrau, der Jungfrauen Blüte,
Heil`ge Anmut, milde Güte,
auserwählte du aus Allen,
Aller, Aller Wohlgefallen,
Sei gegrüßt!

Du der Erde Glanz und Krone,
Königin der Himmelszone,
Süßeste durch bitt`re Schmerzen;
Ja dich grüßen alle Herzen:
Sei gegrüßt!

Was nur gut, es preist die Güte,
Was nur blüht, es blüht der Blüte,
Was nur liebt, es liebt die Liebe,
Dein, ja dein sind alle Triebe;
Sei gegrüßt.

Engel, Menschen, Alle grüßen
Dich, die Süßeste der Süßen,
Dich, die reinste Gottesminne,
Selig über alle Sinne:
Sei gegrüßt!

Sei uns stets zum Tugendbilde,
Schütze uns mit deinem Schilde,
Laß uns einst dein Antlitz schauen,
Daß wir singen: Frau der Frauen,
Sei gegrüßt!

aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 666 – S. 667

Bildquellen

  • ott-das-fest-mariae-geburt: Bildrechte beim Autor
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