Pater Zucchi SJ und seine Marienverehrung

Die Himmelskönigin Maria schützt unter ihrem Mantel die Geistlichkeit und das fromme Volk. Zwei Engel halten den Schutzmantel.

Pater Nikolaus Zucchi SJ und seine Marienverehrung

Im Jahr 1586 wurde angesehenen und frommen Eltern zu Parma in Italien ein Knäblein geboren. Es bekam in der heiligen Taufe den Namen Nikolaus, sein Familienname war Zucchi. Schon im zarten Alter trug der Knabe außerordentliche Andacht zur lieben Mutter Gottes; in seinem zwölften Lebensjahr schrieb er eine feierliche Hingabe an Maria und übergab ihr seine Seele und seinen Leib und seine ganze Person und bat sie dann, weil er jetzt ihr Eigentum sei und ganz ihr angehöre, solle sie auch für ihn Sorge tragen, ihn schützen und verteidigen wie ihr Eigentum. Die Mutter Gottes nahm diese Schenkung an und lohnte sie mit der größten Gnade. Nikolaus hat ins einem späteren Leben selber von diesem Lohn erzählt und gesagt: „Ich habe meine Seele zeitlebens nie mit einer Sünde der Unreinigkeit befleckt und schulde dies dem Schutz der allerseligsten Jungfrau, der ich mich von Kindheit auf gewidmet habe.“

In einem Alter von 16 Jahren trat er in den Orden der Gesellschaft Jesu, lebte sehr heilig und wurde ein berühmter Prediger. Er hat viele, welche jahrelang in schweren Gewohnheits-Sünden gelebt haben, von denselben befreit und zu besserem Leben geführt. Das Mittel, as er hierzu gebrauchte, war die folgende kleine Andachtsübung zur lieben Mutter Gottes, die er seinen Beichtkindern zur Buße aufgab und worüber er oft zu predigen pflegte.

Man betet nämlich morgens und abends den Englischen Gruß und darauf die kurze Anrufung:

„O meine Gebieterin, o meine Mutter, ich schenke mich dir ganz, und zum Beweise meiner Andacht weihe ich dir heute meine Augen, meine Ohren, meinen Mund, mein herz und meine ganze Person. Und weil ich dein bin, o gute Mutter, so bewahre mich, verteidige mich als dein Gut und dein Eigentum.“ (*)

Zur Zeit der Versuchung betet man:

„O meine Gebieterin, o meine Mutter, gedenke, daß ich dein bin, bewahre mich, verteidige mich als dein Gut und dein Eigentum.“ (1)

(1) Seine Heiligkeit Papst Pius IX. hat allen Gläubigen einen Ablass verliehen von 100 Tagen, einmal des Tages zu gewinnen, wenn sie morgens und abends mit andächtigem und reumütigem Herzen den Englischen Gruß beten und darauf das besagte Gebetchen verrichten; wenn sie aber dies einen Monat lang alle Tage werden getan haben, einen vollkommenen Ablass, einmal im Monat an jenem Tag zu gewinnen, an welchem sie mit wahrem Bußgeist die heilige Beichte ablegen und durch die heilige Kommunion sich stärken, und dann eine Kirche oder ein öffentliches Oratorium besuchen und dort eine Zeitlang nach der Meinung Seiner Heiligkeit beten; einen Ablass endlich von 40 Tagen, so oft sie in irgend einer Versuchung das oben angeführte kürzere Stoßgebet, ebenfalls mit reumütigem herzen und mit Andacht beten.
Diese Ablässe können auch den armen Seelen fürbittweise zugewendet werden.

Das Vertrauen, welches P. Zucchi auf dieses Gebet setzte, ist durch vielfache Gnaden gerechtfertigt worden. Wir wollen einiges davon erzählen.

1. Ein junger Mann von angesehener Familie kam aus weiter Ferne nach Rom. Infolge einer Predigt des P. Zucchi stellte er sich demselben vor und schilderte ihm den traurigen zustand seiner Selle: er hatte sich nämlich lasterhafte Gewohnheiten angeeignet und erklärte, daß er trotz des Verlangens, sein Leben zu ändern, den Mut nicht fühle, die Bande zu zerreißen. „Das wird das Werk der Gnade sein“, sagte ihm der Pater; „kommen Sie nur wieder zu mir, wenn Sie das Unglück haben sollten, rückfällig zu werden; ich werde Sie immer mit Freuden empfangen.“ Der junge Mann, ermuntert durch die Liebe des Paters, kehrte mehrere Male zurück; doch war keine Besserung bemerkbar. Endlich eines Tages, als sich der Unglückliche desselben Fehlers anklagte, sagte ihm der Pater: „Mein Sohn, zum Heil Ihrer Seele will ich Ihnen die allerheiligste Jungfrau Maria zur Königin und Mutter geben. Wenn Sie es annehmen und sich als ihr Diener und Kind zeigen, hoffe ich, daß Ihnen die nötige Hilfe gegeben wird, dem Teufel zu entrinnen. Als Zeichen Ihrer Annahme bitte ich Sie nur um dies eine: Des Morgens beim Aufstehen beten Sie ein Ave Maria zu Ehren ihrer unbefleckten Jungfräulichkeit; dann fügen Sie hinzu: ‚O meine Gebieterin, o meine Mutter, ich schenke mich‘ usw. Des Abends wiederholen Sie dasselbe Gebet und küssen dreimal den Boden. Wenn untertags oder während der Nacht der Teufel Sie zu irgend einer bösen Tat versucht, beten Sie sofort: ‚O meine Gebieterin, o meine Mutter, gedenke’“ usw.

Der junge Mann, hoch erfreut, ein so leichtes Mittel für sein Übel gefunden zu haben, versprach dem Pater, alles zu tun, und erfüllte an demselben Abend sein Versprechen. Einige Tage darauf verließ seine Familie Rom; er musste ihr folgen. Vor seiner Abreise besuchte er den Pater, um seinen Segen zu empfangen und sein Versprechen vor ihm zu erneuern.

Vier Jahre nachher kehrte er nach Rom zurück; er eilte zum P. Zucchi und beichtete. „Es schien mir“, sagte der Pater, der den Fall erzählte, „als hörte ich die Beichte eines Heiligen. Erstaunt über eine so merkwürdige Umwandlung, fragte ich ihn, wie denn dieses Wunder vor sich gegangen wäre.“ – „Pater, sagte er, „ich verdanke meine Bekehrung dem kleinen Gebetchen, das Sie mich gelehrt haben. Ich habe nie unterlassen, es morgens und abends zu verrichten, und wenn ich von einer Versuchung überfallen wurde, rief ich, Ihrem Rat gemäß, Maria zu Hilfe, und dank ihrem beistand bin ich nie unterlegen. „ – Er gestattete auch dem Pater, diese Gnade weiter zu erzählen, damit auch andere aus diesem Gebet Nutzen schöpften.

2. Als P. Zucchi diese Begebenheit in einer Predigt erwähnte, entschloss sich ein junger Mann, den ein falscher Freund ins eine eigenen Ausschweifungen mit hinein gezogen hatte, sein Leben zu ändern. Er brach mit seinem unglücklichen Mitschuldigen den Umgang ab und unterzog sich den ihm von dem Pater gegebenen geistlichen Übungen. Die Heilung ging schnell vor sich, und bald wurde er ebenso eifrig im Gebet, als er es in der Sünde gewesen. Sechs Monate waren seit seiner glücklichen Rückkehr verflossen, als der Teufel seiner Tugend eine Schlinge legte, die er ohne den mächtigen Schutz Mariä nicht vermieden hätte. Der Geist der Lüge trieb ihn unter dem Vorwand des Eifers an, seinen früheren Freund aufzusuchen und die vormalige Freundschaft wieder anzuknüpfen, um ihn auf den guten Weg zurück zu führen. Getäuscht von diesen lügenhaften Vorspiegelungen geht der junge Mann eines Abends dem Haus seines falschen Freundes zu; schon öffnete er die Tür, als er eine innere Stimme vernahm, die ihm lebhaft zuredete, nicht hinein zu gehen. Da erinnerte er sich des Rates, den ihm der Pater gegeben, und betete: „O meine Gebieterin“ etc., und kaum hatte er das Gebetchen beendet, als eine Hand seinen Arm ergriff, ihn auf die Straße zog und ihn bis zu seiner Wohnung zurück führte. Als der junge Mann dort wieder zu sich kam, sah er sich nach seinem Führer um; er war aber verschwunden.

3. Eine fromme Mutter hatte einen Sohn, der kaum dem Knabenalter entwachsen und schon schlechten Gewohnheiten ergeben war. Sie kam eines Tages zum Pater, um ihm den Kummer ihres Herzens zu schildern. Der Pater ersuchte sie, daß sie ihm ihren Sohn schicken möchte. Geschmeichelt durch die Einladung des berühmten Predigers, beeilte sich dieser, bei demselben zu erscheinen. Die Liebe und herzliche Fröhlichkeit des Paters hatten bald das Herz des Knaben gewonnen; er versprach, alle Tage das Gebetchen „O meine Gebieterin“ gewissenhaft zu verrichten. Als einige Jahre darauf der P. Zucchi in diese Stadt zurück kehrte, eilte die fromme Mutter zu ihm, und weinend vor Freuden sagte sie: „Ach, pater, welch großen Dank schulde ich der allerseligsten Jungfrau Maria und Ihnen; aus einem Teufel, der mein Sohn war, haben Sie einen Engel gemacht.“

Das Gebetchen „O meine Gebieterin“ hörte nicht auf, in Italien Früchte zu tragen. Ein gelehrter und frommer Priester von Neapel schrieb einem ehrwürdigen Bischof von Piemont im Oktober 1846: „Derjenige, der die Ehre hat, an Sie diese Zeilen zu richten, übt seit fünf Jahren eine Andacht zu Ehren der allerseligsten Jungfrau. Ich habe sie beim Geschichtschreiber Bartoli gefunden. Es fehlt mir an Worten, um alle Gnaden zu schildern, die ich dieser kleinen, der Jungfrau Maria erwiesenen Verehrung schulde. Ich beschwöre sie daher, eine neue Auflage dieser Andacht zu gestatten und sie unter die jungen Leute verteilen zu lassen, deren geistiges Wohl sie besonders bezweckt; und ich scheue mich nicht, Eure Hoheit zu versichern, daß Sie in kurzer Zeit die ungewöhnlichen Wirkungen derselben wahrnehmen werden.“ –
aus: Franz Hattler SJ, Katholischer Kindergarten oder Legende für Kinder, 1911, S. 168 – S. 172

(*) Dieses Gebet wird auch als Teil des Morgengebetes für die Verehrer des Herzens Jesu

und

des Abendgebetes zum Heiligsten Herzen Jesu gebetet.

Category: Hattler, Marienfeste
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