Golgotha

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Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Golgotha

Golgotha, Kalvaria, der Ort, wo Christus gekreuzigt wurde. Calvaria (=Schädel) ist Übersetzung des aramäischen golgotha=Schädel), Kopf; Lk.23,33; Mt. 27,33; Mk. 15,22; Joh. 19,17. Schädelstätte, im Alten Testament wahrscheinlich der Hügel Gareb (Jer. 31,39). Der Name rührt von dem schädelförmigen Felsen her, nicht von herum liegenden Schädeln Hingerichteter oder vom Schädel Adams, der hier begraben sein soll. Die mißverständliche Übersetzung Kalvarienberg entspricht weder dem Bibeltext noch dem örtlichen Befund. Die Evangelien sprechen nirgends von einem „Berg“, und die in der heutigen Grabeskirche mit Recht verehrte Stätte ist ein nur 5 cbm großer, von Konstantin zubehauener Felswürfel am Nordost-Abhang des Sionsberges. Er liegt nur ca. 30 m über dem Tyropoeontal im Osten und setzt sich nach Südwest im aufsteigenden Sionsberg fort. Er lag außerhalb der konstantinischen und modestianischen Grabeskirche, war nur mit einem Baldachin bedeckt und einem Silbergitter umschlossen. Gegen die Echtheit der in der Grabeskirche verehrten Kreuzigungsstätte wird u.a. geltend gemacht, daß nach Berichten der Chronisten des 4. Jahrhunderts (Eusebius u.a.) Kalvaria und das Hl. Grab ganz in Vergessenheit geraten und nur durch ein Wunder wieder gefunden worden seien. Doch gehört das angebliche Vergessen zum Stil zahlreicher orientalischer Heiligtums-Erzählungen: die Echtheit der Stätte tritt in ein helleres Licht, wenn die Überlieferung vollständig abgerissen und das Heiligtum durch ein Wunder wieder gefunden wird.
Die Verehrung des Kalvaria und seines Geheimnisses brachte besondere Andachtsstätten (meist mit Wallfahrtskirche) hervor: Kalvarienberge, auch Hl. Berge genannt, mit Kreuzigungsgruppe oder ganzem Kreuzweg (Stationen und Stationskapellen), in letzterem Fall Abart des Kreuzweges, die wohl aus Italien stammt (weltberühmt der Sacro Monte bei Varallo, mit 42 Kapellen). Bekanntere Kalvarienberge sind in Deutschland: Ahrweiler, Frankfurt a.M., Görlitz, Hardenberg-Neviges; im Burgenland: Eisenstadt (künstlicher Berg mit hölzernen Barockfiguren neben der Kirche Mariä Heimsuchung); in Südtirol: Toblach; in der Tschechoslowakei: Mariaschein, Řimau, Jaroměřitz und Kinsberg; in Polen: Kalwarya Zebrzydowska (47 Kapellen); in der Bretagne: Plougastel-Davulas u.a.

aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. IV, 1932, S. 759-760

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