Die Irrlehre des Deismus und der Deisten

Kirchenlexikon: Die Irrlehre des Deismus und der Deisten

Der Begriff Deismus

Deismus wird diejenige philosophische Ansicht über das Verhältnis Gottes zur Welt genannt, welche zwar das Dasein eines Weltschöpfers anerkennt, aber ein Einwirken desselben auf die geschaffene Welt, also die göttliche Welterhaltung leugnet. Im Gegensatz zum Pantheismus, welcher die Wesenseinheit Gottes und der Welt behauptet, nimmt der Deismus einen überweltlichen, persönlichen Gott an, welcher als Schöpfer der Welt wesentlich von dieser verschieden ist. Aber er trennt Gott und Welt so sehr von einander, daß er dieselben nicht allein als wesentlich verschieden, sondern als vollständig geschieden auffaßt; Gott hat sich dieser Denkweise gemäß nach Erschaffung der Welt in den Ruhestand gesetzt und überläßt die Welt ganz sich selbst und den ihr eingeschobenen Gesetzen, ohne irgendwie auf dieselbe einzuwirken. Hierdurch setzt sich der Deismus in den Gegensatz zum Theismus, welcher Gott nicht allein als Weltschöpfer, sondern zugleich als fortwährenden Welterhalter anerkennt. An sich bedeutet Deismus und Theismus dasselbe, nämlich Glaube an Gott; die angegebene verschiedene Bedeutung hat sich erst in neuerer Zeit in Folge einer geschichtlichen Entwicklung festgestellt. Ursprünglich bedeutete Deismus eine rationalistische Auffassung des Christentums, wonach dasselbe eine bloß natürliche, durch die Vernunft allein begreifbare, alles Übernatürliche und Geheimnisvolle ausschließende Religion wäre.

Der Name Deisten

Der Name Deisten soll zuerst in der Mitte des 16. Jahrhunderts in Italien und Frankreich von Gegnern des Christentums gebraucht sein. Viret, ein angesehener Theologe unter den Reformatoren, spricht in einer 1563 herausgegebenen Schrift (Instruction chretienne) von Leuten, die sich mit einem neuen Namen Deisten nennen. „Sie bekennen einen Gott“, sagt er, „haben aber keine Ehrfurcht vor Jesus Christus. Die Lehre der Apostel sehen sie für Fabel und Träume an.“ Das eigentliche Vaterland des Deismus aber ist England seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Dort trafen mehrere Umstände zusammen, welche die deistisch-rationalistische Richtung hervor riefen und förderten: zunächst die Unduldsamkeit der englischen Episkopalkirche, welche, statt freie Bibelforschung zu gestatten, unbedingten Glauben an die 39 Artikel forderte und dadurch abstoßend wirkte; dann die ärgerlichen Streitigkeiten der aus Opposition gegen die Staatskirche entstandenen verschiedenen religiösen Sekten, wodurch manche an dem ganzen positiven Christentum irre wurden; endlich die von Bach von Verqualm (gest. 1626) eingeleitete Richtung der Philosophie, welche vom Empirismus zum Sensualismus, Skeptizismus und Atheismus fortschritt und der religiösen Freidenker mächtigen Vorschub leistete.

Die englischen Deisten

Edward Herbert Cherbury, Charles Blount, John Toland

Als der Erste in der Reihe der englischen Deisten gilt Edward Herbert Cherbury, welcher als Kern aller Religion fünf Hauptwahrheiten aufstellte, die außerhalb aller Religions-Streitigkeiten lägen und zur Erlangung des Heiles ausreichten. Ihm folgte Charles Blount, welcher in Sachen der Religion mit Hobbes die Staatsomnipotenz, mit Cherbury die fünf religiösen Grundwahrheiten annahm und das Christentum zwar nicht direkt angriff, aber mit Witz und Ironie indirekt herab zu setzen suchte. Im Anschluß an Locke`s „Vernünftigkeit des Glaubens“ veröffentlichte der Irländer John Toland im Jahre 1696 sein Werk „Das Christentum ohne Geheimnis (Christianity not mysteriös), in welchem er den Satz durchzuführen suchte, daß das Christentum ein Geheimnis weder enthalte, noch enthalten könne. Sämtliche Offenbarungs-Wahrheiten, überaus nützlich und notwendig, wie sie seien, müßten der Vernunft eben so faßlich unverständlich sein, als die Gegenstände des täglichen Lebens.

Anthony Collins

Hervorragender ist Anthony Collins, aus einer adeligen Familie zu Haston in der Grafschaft Middlesex geboren den 21. Juni 1676. Er studierte zu Eaton und Cambridge vorzüglich alte Literatur und Philosophie und trat später in Briefwechsel mit Locke, mit dem er sich eng befreundete. Als Friedensrichter und Schatzmeister erwarb er sich den Ruf eines einsichtigen, redlichen und uneigennützigen Mannes und wurde wiederholt in das Parlament gewählt. Er starb am 13. Dezember 1729. Seine schriftstellerische Tätigkeit begann er mit Angriffen gegen die Despotie der Staatskirche und deren toten Formelglauben.

Die erste Schrift ist ein „Versuch, betreffend den Gebrauch der Vernunft in Vorstellungen, deren Gewißheit auf menschlichem Zeugnis beruht“, 1707. Die zweite Schrift führt den Titel „Vollendeter Priesterbetrug“, 1709; sie will nachweisen, daß in den 20. Artikel der englischen Kirche ein Einschiebsel gemacht ist, wodurch dieser die Macht beigelegt wird, Gebräuche und Zeremonien zu bestimmen und in Glaubens-Streitigkeiten zu entscheiden… Dann erfolgte anonym seine Abhandlung über das Freidenken (Discourse of Freethinking), 1713, veranlaßt durch das Aufkommen einer Sekte sogen. Freidenker, welcher er sich anschloß. In dieser Schrift verteidigt er, tief erbittert gegen die despotischen Vertreter der Episkopalkirche, dem blinden Autoritätsglauben gegenüber das freie Denken, d.h. die Berechtigung der individuellen Vernunft, selbst zu prüfen und zu untersuchen, was in religiösen Dingen als Wahrheit anzunehmen, was nicht, als ein unveräußerliches Menschenrecht; ja, das Freidenken sei eine durch die Bibel gebotene Pflicht. Die Propheten des Alten Testamentes seien Freidenker gewesen; Christus selbst fordere auf, in der Schrift zu forschen; er verbiete seinen Jüngern, sich Rabbi zu nennen, d.h. er spreche Jedermann unfehlbare Autorität ab; und der Apostel Paulus bringe Gründe und Beweise, anerkenne also die Freiheit des denkenden Urteils. Die Freunde der geoffenbarten Religion scheuten Prüfung und Untersuchung, welche doch schon deshalb notwendig sei, weil man wegen der Varianten des Neuen Testamentes gar nicht wisse, wie es ursprünglich gelautet habe. Dieses Buch rief eine Anzahl von Gegenschriften hervor, unter welchen die des berühmten Philologen Bentley unter dem Namen Phileleutherus Lipsiensis hervorragt.

Später griff Collins das Christentum direkt in seinen Grundlagen an in seiner „Abhandlung über die Gründe und Beweise der christlichen Religion“ (Discourse of the Grounds and Reasons of the Christian Religion in two parts, 1724). Diese Schrift ist gegen den englischen Gelehrten William Whiston gerichtet, welcher die Hypothese eines doppelten Sinnes der Weissagungen verworfen und den Satz aufgestellt hatte, daß die Weissagungen der Propheten in ihrem einzigen, buchstäblichen Sinne sich nur auf die Heilsordnung des Evangeliums bezögen und von Jesus und seinen Aposteln mit Recht als Beweis, daß er der Messias sei, angewendet seien. Dagegen trat Collins für den doppelten Sinn der Weissagungen ein. Der Hauptbeweis für das Christentum sei allerdings der aus den Weissagungen, diese aber seien nie unmittelbar und nach ihrem buchstäblichen Sinne, sondern nur typisch und allegorisch auf Christus und die christliche Heilsordnung zu beziehen. Das ganze Christentum sei auf Allegorie gegründet. Derwerfe man die allegorische Auslegung, so zerstöre man die Grundlage des Christentums. Es ist nun einleuchtend, daß bei der allegorischen Auslegung der Weissagungs-Beweis ziemlich hinfällig wird, und ohne Zweifel war es die stillschweigende Absicht des Verfassers, die Grundlagen des Christentums zu untergraben. Diese Schrift machte großes Aufsehen, und es erhob sich ein lebhafter Streit über das Verhältnis des Christentums zu den alttestamentlichen Weissagungen. Collins selbst suchte sich zu verteidigen durch eine neue Schrift, die letzte, in welcher er das Christentum bekämpft (The Scheme of Literal Prophecy considered by a view of the controvery occasioned by a late book intitled: A Discourse of the Grounds etc., 1726). Hier dringt er auf buchstäbliche Auslegung der Prophetien in der Voraussetzung, daß keine an Christus dem Wortlaut nach sich erfüllt habe. Insbesondere wird das Alter und prophetische Ansehen des Buches Daniel bestritten. – Das Prinzip der Allegorie, wodurch Collins den Weissagungs-Beweis zu entkräften suchte, wendete man nun auch auf den Wunderbeweis an.

Thomas Woolston

Thomas Woolston nahm zunächst Teil an dem Streit über die Weissagungen an der Seite Collins als begeisterter Vertreter der allegorisierenden Methode. Dann übertrug er diese Methode auf die Erzählungen von den Wundern Christi in seinem Werke „Der Schiedsrichter zwischen einem Ungläubigen und einem Apostaten“ (The Moderator between an Infidel and an Apostate). Hier stellte er den Satz auf, daß alle neutestamentlichen Wunder, als wirkliche Begebenheiten aufgefaßt, unsinnig, ungereimt und unmöglich erscheinen, daß sie aber als prophetische und parabolische Erzählungen dessen aufgefaßt werden könnten, was einst Christus auf geheimnisvolle Weise in seiner Kirche wirken würde. Dieselbe Auffassung hat er später weiter ausgeführt in sechs Abhandlungen nebst zwei Verteidigungs-Schriften unter dem Titel „Von den Wundern unseres Heilandes in Rücksicht auf den gegenwärtigen Streit zwischen Ungläubigen undAbtrünnigen“ (Discourses on te Miracles of our Saviour in view of the present controvery between Infidels and Apostates, 1727-1730). Fünfzehn Wundererzählungen Jesu behandelt er eingehend und sucht bei jeder die schwierigkeiten und Ungereimtheiten einer wörtlichen Auffassung darzutun, indem er mit großer Willkür und naiver Oberflächlichkeit die geschichtlichen Tatsachen bemängelt, bald die Glaubwürdigkeit der Berichterstatter, bald den Charakter der handelnden Personen verdächtigt und jedesmal bei dem Resultat anlangt, daß die betreffende Erzählung nur mystisch zu erklären sei als Sinnbild von Ereignissen, die zur Zeit der geistigen Ankunft Christi kommen werden. Gegen diese Abhandlungen erschienen mehr als 60 Streitschriften, unter denen die von Thomas Sherlock (Das Zeugenverhör über die Auferstehung Jesu, 1729) den meisten Beifall fand. Dieser griff 15 Jahre später anonym Peter Annet an in der Schrift „Die Auferstehung Jesu erwogen zur Antwort auf das Zeugenverhör von einem Moralphilosophen“, worin er zwischen den Aussagen der Zeugen Widersprüche nachzuweisen sucht.

Matthäus Tindal

Nachdem Weissagungen und Wunder als Beweise für die Göttlichkeit des Christentums hinweg geräumt waren, konnte von übernatürlicher Offenbarung, überhaupt von übernatürlichen Wahrheiten keine Rede mehr sein. „Das wahre Christentum ist die Religion und das Gesetz der Natur.“ Dieser Gedanke, schon von Herbert ausgesprochen, wurde 1730 systematisch durchgeführt von Matthäus Tindal, dem „großen Apostel des Deismus“, in dem Werke „Das Christentum so alt als die Schöpfung oder das Evangelium eine neue Offenbarung der Religion der Natur“ (Christianity als old as the Creation: or the Gospel a Republication of the Religion of Nature), welches als deistisches Grundbuch gelten kann. Darin sucht er nachzuweisen, daß die natürliche Religion, welche inhaltlich mit der Sittlichkeit identisch sei, von Anfang an ganz vollkommen gewesen und durch keine nachfolgende Offenbarung vervollkommnet werden konnte, daß dieses ursprüngliche Gesetz der Natur, welches alles enthalte, was der Mensch wissen, glauben, bekennen und üben solle, von Anfang an so klar gewesen und geblieben sei, daß keine Offenbarung es hätte klarer machen können. Das Christentum sei mit der natürlichen Religion vollständig identisch, es sei nur Wiederherstellung der ursprünglichen, durch den Aberglauben entarteten natürlichen Religion.

Thomas Chubb

Diese Lehre als die ursprüngliche Lehre Jesu nachzuweisen versuchte Thomas Chubb (1679-1747), ein armer Handschuh-Macher ohne höhere wissenschaftliche Bildung. In seinem Werke „Das wahre Evangelium Christi“ (The true Gospel of Jesus Christ) hält er es zunächst für wahrscheinlich, daß Christus eine historische Person gewesen, welcher unter den Juden als Religionsstifter aufgetreten sei. Er untersucht dann aus den Reden Jesu, zu welchem Zwecke er aufgetreten, welche Mittel er angewendet und welche Lehren und Vorschriften er gegeben habe, und findet, daß Christus die durch den Aberglauben der Heiden und Juden verunstaltete natürlich-sittliche Lebensanschauung wieder rein herstellen gewollt, zu dem Zwecke geeignete Vorschriften gegeben und nur das zur Pflicht gemacht habe, was an sich schon pflichtmäßig ist. Das Christentum sei nicht Bekenntnis, sondern sittliches Leben, und das wahre Evangelium Jesu identisch mit der natürlichen Religion. –

Thomas Morgan

Ein anderer Deist, Thomas Morgan, suchte ein seinem anonym herausgegebenen Werke „Der Moralphilosoph“ (Moral Philosopher, 1737 sqq.) die deistischen Grundsätze auf das Alte Testament anzuwenden. Einer gnostischen Ansicht über das Verhältnis des Alten zum Neuen Testament huldigend, leitet er die Entstellung des ursprünglich vernünftigen Christentums aus dem Judentum her, unterwirft, auf Paulus, „den großen Freidenker seiner Zeit“, gestützt, den Mosaismus und die israelitische Geschichte einer feindseligen und maßlosen Kritik, und nennt sich mit Stolz einen „deistischen Christen“ im Gegensatz zu den „Judenchristen“ seiner Zeit. Das Werk rief viele Gegenschriften hervor, unter denen das berühmteste von William Warburton: „Die göttliche Sendung Mosis, aus den Grundsätzen der Deisten bewiesen“, 1738. –

Viscout Bolingbroke

Wie Chubb die deistischen Grundsätze in populärer Weise unter dem niederen Volk, so verbreitete Viscount Bolingbroke dieselben in geistreich witziger Weise durch seine philosophischen Schriften unter den Gebildeten. Das reine Christentum ist ihm die natürliche Religion; was sonst noch als Inhalt desselben angegeben wird, ist Menschenwerk, Erfindung größtenteils blöder, wahnsinniger, betrügerischer Menschen. Der Deismus konnte auf der destruktiven Bahn nicht weiter fortschreiten. Er hatte das Christentum nach und nach von seinem übernatürlichen und idealen Inhalt so vollständig gereinigt, daß nur ein verwaschener Naturalismus zurück blieb. Es erübrigte ihm jetzt nur noch, an sich selbst zu verzweifeln.

Henry Dodwell

Diese Auflösung des Deismus in dem Skeptizismus eröffnete Henry Dodwell der Jüngere in der anonymen Schrift „Das Christentum nicht auf Beweis gegründet“ (Christianity not founded on Argument, 1742), indem er aus der Natur der Sache und aus der heiligen Schrift nachzuweisen sucht, daß eine rationelle Begründung des Glaubens unmöglich sei, daß nicht Denken und Prüfen, sondern nur die übernatürliche Gnadenwirkung des heiligen Geistes zum Glauben führe. Indem er einen Widerspruch zwischen Wissen und Glauben statuiert und die Ohnmacht des Wissens betont, leitet er über zum vollendeten Skeptizismus David Hume`s, der den Beweis der Göttlichkeit einer Offenbarung aus den Wundern für unmöglich, den Glauben selbst für ein wiedervernünftiges Wunder erklärt und die ganze Geschichte der Religion durch Zweifel auflöst. Mit Hume findet die deistische Entwicklung Englands ihren Abschluß, und diese Auflösung in den vollendeten Skeptizismus ist zugleich ein vernichtende Selbstkritik des Deismus.

Einfluß auf Frankreich und Deutschland

Der englische Deismus fand bald seinen Weg über den Kanal nach Frankreich. Die Schriften der englischen Freidenker wurden ins Französische übersetzt. Voltaire, Rousseau, Diderot wußten sich die Ansichten derselben mehr oder weniger anzueignen und zu den materialistischen und atheistischen Konsequenzen fortzuleiten. Auch Deutschland wurde seit der Mitte des 18. Jahrhunderts mit den Schriften der englischen Freidenker beglückt; es bildete sich unter dem Einfluß der Wolff`schen Philosophie und den Anschauungen der englischen Deisten die „deutsche Aufklärung“, als deren Hauptrepräsentant Lessing erscheint. Kants Religion innerhalb der Grenzen der reinen Vernunft steht auf dem gleichen deistischen Standpunkt. Nach Kant verlor sich dieser Deismus in den Pantheismus. In der Gegenwart huldigt nach Zeugnis freimaurerischer Schriften die Loge zumeist dem Deismus, indem sie einen Gott annimmt, der die Menschen in ihren Lebensgenüssen gar nicht stören will, und dem es gleichgültig ist, ob sie ihn verehren oder nicht.

Grundgedanke des Deismus

Der Grundgedanke, welcher alle diese deistischen Religionsansichten durchzieht und bei den Einzelnen mehr oder weniger konsequent durchgeführt ist, bleibt der Glaube an einen persönlichen Weltschöpfer, welcher die geschaffene Welt ganz ungestört sich selbst überläßt, ohne sich im geringsten um ihre Angelegenheiten zu kümmern. Die Welt bestehe und wirke nach ihren angeschafften unwandelbaren Gesetzen. Ein unmittelbares Eingreifen in diesen Weltlauf würde denselben stören und sei daher unstatthaft, ja unmöglich; folglich sei jede übernatürliche Offenbarung, jedes Wunder ausgeschlossen. So hat sich aus der rationalistischen Freidenker der oben angegebene philosophische Begriff des Deismus heraus gebildet.

Unhaltbarkeit des Deismus

Die Unhaltbarkeit desselben für das vernünftige Denken leuchtet sofort ein. So wenig das geschaffene Wesen selbst sein Entstehen, ebenso wenig kann es selbst sein Fortbestehen bewirken. Wie es sich im ersten Augenblick nicht selbst das Dasein zu geben vermochte, so auch nicht im zweiten und den folgenden Augenblicken. Könnte es für sich fortbestehen, so hörte es auf, zufällig und bedingt, also Geschöpf zu sein. Gott muß also nicht allein Erschaffer der Welt sein, sondern dieselbe auch jeden Augenblick in ihrem Dasein erhalten. In dem Augenblick, wo die Welt sich selbst im Dasein erhalten könnte, stände sie als unbedingte dem Bedingten gegenüber. Zudem hatte Gott, als intelligenter Welturheber, bei der Schöpfung der Welt einen Zweck und kann sich, um denselben zu erreichen, nicht gänzlich von der Welt zurück gezogen haben. Übrigens liegt es nahe, und der geschichtliche Verlauf hat es bestätigt, daß der Deismus, indem er Gott gänzlich von der Welt scheidet und vollständig in den Hintergrund stellt, leicht dahin kommt, über der Welt Gott ganz zu vergessen, die Welt selbst zu vergöttern und dem Pantheismus und Atheismus zu verfallen. –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 3, 1884, Sp. 1472 – Sp. 1478

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