Heiliger Nikolaus von Flüe Eremit

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

25. September

Der heilige Nikolaus von Flüe steht mit seinem Pilgerstab in der linken und dem Segenszeichen der rechten Hand vor der Türe seiner Einsiedelei; er trägt lange Haare und einen Bart sowie ein von seiner Frau genähtes Eremitenkleid

Der heilige Nikolaus von Flüe Eremit

Der selige Nikolaus mit dem Zunamen von der Flüe oder von dem Felsen (lat. De Rupe), ward im Jahre 1417 in der Schweiz, unweit vom Dorf Saxeln im Kanton Unterwalden geboren. Der Vater hieß Heinrich Löwenbrugger (ursprünglich Leopontoni aus Italien). Die Familie trug den Namen Berger oder von Flüe. Seine Eltern, deren vermögen in Herden und Feldern bestand, ließen ihm zwar aus Mangel eines Lehrmeisters in den Wissenschaften nicht unterrichten; Gottes Gnade ersetzte indessen diesen Mangel; denn Nikolaus zeigte späterhin eine solche Kenntnis der göttlichen Dinge, daß sie von allen, Geistlichen wie Weltlichen, bewundert ward und von oben eingegossen zu sein schien. Schon in früher Jugend zeigte er einen stillen Ernst; seinen Eltern gehorchte er aufs Wort; alle Arbeit verrichtete er pünktlich; nie kam eine Lüge oder sonst ein böses Wort aus seinem Munde. Er ließ sich in den 3. Orden des heiligen Franziskus von Assisi aufnehmen und wurde ein herrliches Vorbild für alle Terziaren. Am liebsten war er bei der Herde oder auf dem Felde; denn da konnte er ungehindert seiner Andacht obliegen und betete meistens kniend unter einem Baume oder bei einem Feldkreuz. Mit dem Gebet vereinigte er auch das Fasten. Vier Tage in der Woche brachte er mit Fasten zu und in der 40tägigen Fasten genoß er nichts als trockenes Brot und einige geringe Früchte. Man widerriet ihm diese Strenge mit dem Bemerken, er würde seine Kräfte schwächen und sich zur Arbeit untauglich machen. Er aber antwortete: „Ich erkenne den Willen Gottes. Gott treibt mich zu solchem Abbruch an, und diesem muss ich gehorchen. Ich bin versichert, Gott könne und werde mir bei so wenigen und schlechten Speisen dennoch meine Kräfte und die Gesundheit erhalten, wie er dasselbe einst bei den Gefährten des heiligen Propheten Daniel getan hat.“

So reifte Nikolaus zum Mann heran und wäre gerne ledig geblieben; doch nach dem Wunsch der Eltern verehelichte er sich mit einer sehr gottesfürchtigen Jungfrau, Dorothea mit Namen, und lebte mit derselben in größter Liebe und Frömmigkeit. Die zehn Kinder, welche ihm Gott in dem Ehestande schenkte, erzog er in aller Gottesfurcht. Zweimal musste er zum Schutze des Vaterlandes in den Krieg ziehen; und da zeigte er, daß man zugleich ein guter Soldat und ein frommer Christ sein könne. Er unterließ weder sein Gebet, noch sein strenges Fasten. Keinen Fluch, kein einziges ungebührendes Wort hörte man aus seinem Munde; so viel er konnte, hielt er auch seine Kameraden vom Bösen ab. Er, der Frömmste, war vor dem Feinde zugleich der Tapferste, so daß man ihm zum Lohne für seine Verdienste mehrmals höhere Stellen anbot. In seiner Demut schlug er sie aber allzeit aus.

Der Diener Gottes hatte nämlich erkannt, daß er von ihm zu anderen, höheren Dingen berufen sei. Als er einst Gott auf das inständigste bat, daß er ihm zu erkennen geben möge, was er denn zu tun habe, hörte er eine deutliche Stimme, die ihn ermahnte, alles Zeitliche zu verlassen. Nikolaus offenbarte dieses seiner Ehefrau. Mit ihrer Einwilligung machte er sich auf und ging zuerst dem Bötzberg zu, welcher die Schweiz von Burgund und Sundgau scheidet, um sich da nieder zu lassen. Auf den Rat aber eines frommen Mannes kehrte er wieder zurück und suchte für seinen Aufenthalt in der Schweiz einen einsamen Ort. Da überfiel ihn während des Gebetes in der Nacht der Schlaf, und es schien ihm, als überstrahle ihn plötzlich ein helles Licht, worauf er einen großen Schmerz in seinem Magen empfand. Er hatte das Gefühl, als fahre jemand mit einem Messer in dem Leibe herum und schneide ihm alles Eingeweide heraus. Und von jener Stunde an hat er bis zum Ende seines Lebens, 19 Jahre und sechs Monate lang, nicht die mindeste Speise, nicht das mindeste Getränk zu sich genommen, auch niemals einen Hunger oder Durst gefühlt. So unglaublich dies manchem scheinen mag, so gewiß ist es. Zwei Bischöfe selbst nahmen die strengste Untersuchung vor, ob nicht ein Betrug dabei vorgehe; sie überzeugten sich, daß alles auf Wahrheit beruhe, und Gott der Herr ein so unerhörtes Wunder bei seinem getreuen Diener wirke. Der Bischof von Konstanz gebot ihm einst, etwas von dem Brote und Weine, so er ihm vorsetzte, zu genießen. Nikolaus gehorchte; als er aber nur weniges gekostet hatte, so gab der Magen selbes wieder von sich, und der Diener Gottes empfand so große Schmerzen, daß der Bischof mit ihm großes Mitleid hatte und ihn ermahnte, bei seinem wunderbaren Fasten zu verbleiben. Man befragte ihn, wovon er denn lebe und seine Kräfte erhalte, da er doch immer stark bliebe? Er gab zur Antwort, daß er sein Leben und seine Stärke allein der heiligen Kommunion und der Betrachtung des Leidens Christi verdanke. Der Ort, den sich Nikolaus anfangs zur Wohnung erwählt hatte, war so verborgen, daß der Diener Gottes glaubte, er würde immer unbekannt bleiben. Allein da ihn Jäger bei der Verfolgung des Wildes antrafen und seinen Aufenthalt anderen entdeckten, begab er sich an einen anderen Ort, den Gott der Herr ihm selbst durch vier helle Strahlen zeigte. Es war ein von Bergen umgebenes Tal an dem Flüsschen Melch, welches von dem Felsen herab rauscht, Melchatobel, Ranft genannt. Da baute er sich mit Beihilfe der Bewohner der drei nächsten Dörfer Sarnen, Kern und Saxel eine kleine Hütte zur Wohnung und eine kleine Kapelle, in welcher ein dazu bestellter Kaplan die heilige Messe las. An diesem Orte brachte er sein übriges Leben mit Gebet und Betrachten zu, doch so, daß er sich auch in der Zwischenzeit mit Handarbeit beschäftigte. Ein hartes Brett war sein Lager, ein Stein das Hauptkissen. Nur wenige Zeit wendete er zum Schlaf an; denn um Mitternacht fing er schon sein Gebet an und setzte es fort bis zur Anhörung der heiligen Messe.

Es läßt sich nicht aussprechen, welch große und außerordentliche Gnaden Gott der Herr seinem eifrigen Diener mitteilte. Unter anderen war auch diese, daß Nikolaus sowohl gegenwärtig verborgene, als zukünftige Dinge erkannte. Daher gab er jenen, die nur aus Vorwitz zu ihm kamen, kein Gehör; hingegen mit jenen, die in der Absicht eines geistlichen Nutzens ihn besuchten, führte er ein langes Gespräch, jedoch von nichts anderem, als von geistlichen Gegenständen. Mehreren hat er ihre verborgenen Sünden heimlich entdeckt und sie zur Buße ermahnt. Einem jeden gab er heilsame Ermahnungen. Einem Jüngling, welcher in ganz eitlem Putz zu ihm kam, sagte er: „Wer ein gutes Gewissen hat, der ist genug geziert. Du hättest ein besseres, wenn du diese Eitelkeit fahren ließest.“ Einem kleinen Knaben sagte er ein hohes Alter vorher, anderen aber einen frühzeitigen Tod. Dem ganzen Schweizerlande hat er den nach seinem Tode erfolgten Abfall in die Irrlehre Calvins vorher gesagt. Überdies hatte Nikolaus nebst sehr vielen Erscheinungen (Visionen) auch die Gabe, Wunder zu wirken. Man führte viele Kranke zu ihm, und alle kamen gesund zurück. In dem Dorfe Sarnen entstand eine entsetzliche Feuersbrunst. Man zeigte ihm dieselbe an. Er stieg auf die Höhe des Berges und machte das heilige Kreuzzeichen über das wütende Feuer, welches augenblicklich erlosch.

Endlich kam die Zeit seines Hinscheidens aus dieser Welt. 20 Jahre zuvor hatte ihm Gott selbe schon geoffenbart. In den letzten acht Tagen hatte er entsetzliche Schmerzen an allen Gliedern seines Leibes zu erdulden. Als diese etwas nachließen, verlangte und empfing er die heiligen Sakramente mit Andacht und Ehrerbietung. Danach legte er sich auf sein gewöhnliches Lager, das ist, auf ein hartes Brett, sagte Gott demütig Dank für alle so großen ihm erwiesenen Wohltaten, und gab dann unter Lobpreisung Gottes seinen Geist an demselben Tage auf, an welchem er 70 Jahre zuvor geboren wurde, nämlich am 21. März. Sein heiliger Leib wurde zu Saxeln begraben, und Gott verherrlichte sein Grab durch viele Wunder. Gleich am folgenden Tage nach seinem Begräbnis erschien er in großer Glorie und Herrlichkeit seiner Ehegattin Dorothea und einigen gottesfürchtigen Bürgern. Nach einigen Jahren wurde der heilige Leib erhoben und in einen kostbaren Sarg gelegt. Sein Grabstein erhielt folgende Inschrift: „Bruder Klaus von Flüe ist gegangen von Weib und Kinder in die Wilde, Gott dienend zwanzighalb Jahr, ohne leibliche Speis, ist gestorben St. Benedicti Tag 1487.“ Sein heiliger Leib ruht in der ihm zu Ehren erbauten Kirche zu Saxeln. –
aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 212 – S. 214

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