Heiliger Auxentius Einsiedler von Oria

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

14. Februar

Heiliger Auxentius und die Ketzerei des Eutyches

Das fromme und tugendhafte Leben des Auxentius

Auxentius stammte aus Persien. Seit Vater war ein treuer Bekenner Christi, der Alles, Vaterland, Freunde, Familie, alle zeitlichen Güter für den Herrn hingab, aber dafür von Gott einen heiligen Sohn erhielt.

Unter den Augen seines frommen Vaters wuchs Auxentius zu einem frommen Jüngling auf, schön von an der Seele, die er mit keiner Sünde befleckte. – Zu Konstantinopel trat er in die kaiserliche Leibwache und selbst vom Kaiser Theodosius und allen Großen des Hofes ward er wegen seiner Tugenden hoch geachtet und ausgezeichnet. Das Leben am Hof war gefährlich für ihn, aber sein heiliger Schutzengel bewahrte ihn vor dem Fall und führte ihn einem frommen Klausner in die Arme, mit Namen Johannes, der mit ihm und noch zwei frommen Männern die innigste Freundschaft schloss.

Täglich vereinigten sich diese vier Freunde im Gebet, im Lesen und Forschen in der heiligen Schrift, in strengen Abtötungen und Bußübungen jeder Art. Am Vorabend hoher Feste des Herrn und der Festtage Unserer Lieben Frau durchwachten sie die ganze Nacht im Gebet und heiliger Betrachtung, und Auxentius, obschon er täglich am Hof erschien und alle Pflichten seines weltlichen Berufes mit pünktlichster Treue erfüllte, sogar in allen Kriegsübungen den andern es zuvor tat, führte dessen ungeachtet von jetzt an schon den Wandel eines der Welt völlig abgestorbenen, büßenden, frommen Kloster-Geistlichen.

Gott verherrlicht Auxentius durch Wunder

Schon bevor er in den geistlichen Stand trat, belohnte ihn Gott seine treue Liebe und verherrlichte ihn durch die Gabe der Wunder. Einst ging er durch eine Straße Konstantinopels, wo größtenteils nur Handwerker wohnten. Einer derselben stand vor seinem Haus und jammerte laut, daß es ihm schon seit mehreren Wochen an Arbeit fehle und er und sein Gewerbe, wenn es so andauere, bald zu Grunde gehen müsste. Auxentius trat hinzu und fragte den Handwerksmann, ob er ihn nicht als Gesellen oder Tagelöhner auf einige Zeit in seine Dienste nehmen wolle. Er werde, setzte er hinzu, jeden Tag mehrere Stunden bei ihm arbeiten, begehre weder Kost noch Lohn, sondern bloß drei Pfennige jeden Tag. Der Handwerker, der Auxentius nicht kannte, nahm das Anerbieten an, sagte aber, daß er jetzt und schon seit langer Zeit keine Arbeit habe. – Auxentius trat nun in die ganz verödete Werkstube, schmiegte sich demütig in einen Winkel und erhob im stillen Gebet sein Herz zu Gott. Es dauerte nicht lange, so kamen schon mehrere Leute und bestellten Arbeit; noch mehrere kamen am folgenden Tag, und am dritten Tag war schon viel Arbeit bestellt, daß der Handwerker nun wirklich mehrere Arbeiter bestellen musste. Als Auxentius sah, daß sein Gebet erhört sei, ging er nicht mehr in das Haus, aber der Segen, den sein Gebet auf die Werkstätte des Eigentümers herab gezogen hatte, blieb auf demselben ruhen.

Auxentius heilt eine Besessene

Ein anderes Mal ritt Auxentius gerade aus dem kaiserlichen Palast, als plötzlich ein vom Teufel besessenes Weib mit fliegenden Haaren und verstörtem Angesicht ihm entgegen stürzte und mit fürchterlicher Stimme rief: „Auxentius, welche Gewalt tust du mir an; schon seit langer Zeit wohne ich in dieser Kreatur wie in meinem Haus, und bloß weil du jetzt vorüber ziehst, bin ich gezwungen, sie zu verlassen.“ – Der Heilige, der nicht aus dem Mund des Teufels sein Ob hören wollte, gab seinem Pferd die Sporen und suchte sich in Eile zu entfernen, aber das Weib, vom bösen Geist fortgerissen, lief ihm eben so schnell nach und rief immer lauter und fürchterlicher: „Auxentius! Warum schleifst du mich so lange nach dir?“ Das Volk lief zusammen, Auxentius sah sich umringt, stieg vom Pferd ab, betete eine kurze Zeit über das Weib und schickte sie, vom bösen Geist befreit und ihres Verstandes vollkommen mächtig, in ihr Haus.

Der Heilige lebt als Einsiedler auf dem Berg Oria

Überall, am Hof und in der Stadt, ward das Wunder bekannt, überall ertönte es vom Lob des Auxentius. Der Heilige, befürchtend, er könnte stolz werden, beschloss nun, den Hof des Kaisers und die Stadt zu verlassen, und ging heimlich nach Bythinien in eine Einöde, jedem Menschen unbekannt. Eine schroffe Felsenwand des Berges Oria ward jetzt der Ort seines Aufenthaltes. In einer Höhle nahm er seine Wohnung, Tierfelle waren seine Kleidung, wilde Kräuter seine Nahrung. Getrennt von aller menschlichen Gesellschaft lebte Auxentius schon einen Monat in tiefster Verborgenheit. Da wurde er durch Hirtenknaben, denen er wieder zu ihrer Herde, die sich verirrt hatte, durch sein Gebet verhalf, entdeckt. Von allen Seiten strömte Volk herbei. Man brachte Kranke, Aussätzige, Blinde, Lahme und vom Teufel Besessene. Alle heilte Auxentius, indem er über sie betete und mit seinem Stab berührte.

Da der Heilige nun hierin den Willen Gottes erkennen musste, mithin seine Hilfe den Notleidenden nicht vorenthalten durfte, so ließ er sich auf der Höhe des Berges eine Allen zugängliche Zelle errichten. Dorthin kamen nun Menschen aus allen Ständen, um ihn zu sehen, zu hören und Hilfe zu erlangen. Wer ihn besuchte, musste seine Anrede stets mit einigen Worten zum Preise Gottes beginnen, besonders gern hörte er das „Ehre sei Gott“. Kam Jemand, während er betete, so lud er ihn freundlich ein, ihm Gesellschaft zu leisten. Er betete dann laut und mit erhöhter Inbrunst, damit der Mitbetende mit gleich starkem Glauben und gleicher Andacht möge beseelt werden.
Während Auxentius ein so heiliges Leben führte, ward die Kirche Gottes durch eine scheußliche Ketzerei in große Betrübnis gesetzt. –

Die Ketzerei des Eutyches

Eutyches, ein schon bejahrter Geistlicher eines Klosters in Konstantinopel, behauptete, daß die göttliche und menschliche Natur in Christus so vereinigt sein, daß sie nur mehr eine einzige Natur ausmachen, die menschliche Natur sei mit der göttlichen so verschmolzen wie ein Tropfen Öl im Meer zerfließe und verschwinde, oder wie Wachs vom Feuer verzehrt werde. Dadurch wurde aber das Geheimnis der Menschwerdung Jesu Christi aus Maria der heiligen Jungfrau geleugnet; Maria wurde von Eutyches gerade so wie vom Ketzer Nestorius nicht für die Gottesgebärerin oder Mutter Gottes anerkannt. –

Der unselige Ketzer erhielt Anhänger unter Bischöfen und Priestern, auch der Kaiser war ihm günstig. So kam es, daß seine Ketzerei sich sehr verbreitete. Da starb der Kaiser Theodosius, und der fromme Marcian, Gemahl der heiligen Pulcheria, bestieg den Thron. Die heilige Pulcheria und nicht minder ihr Gemahl waren innige Verehrer der allerseligsten Jungfrau. Sie verabscheuten die Lästerung der Ketzer, welche sie gegen Christus und seine göttliche Mutter ausstießen, und beriefen eine Kirchenversammlung nach Chalzedon in Kleinasien, der Hauptstadt Konstantinopel gegenüber. Diese Kirchenversammlung ward am 1. Oktober des Jahres 451 eröffnet. Niemals, weder früher noch später, sah das Morgenland eine so große Anzahl Bischöfe beisammen, 520 an der Zahl. Vier Legaten des heiligen Papstes Leo führten den Vorsitz. Die Ketzerei des Eutyches wurde feierlich verdammt und der alte unveränderliche, apostolische Glaube an die Menschwerdung Jesu Christi des Sohnes Gottes aus Maria der unbefleckten Jungfrau aufs Neue bestätigt.

Verleumdung des Konzils von Chalcedon durch die Ketzer

Doch leider blieben Eutyches und viele seiner Anhänger verstockt, sie verleumdeten die Kirchenversammlung und streuten überall die Lüge aus, die Bischöfe auf dem Konzil zu Chalzedon hätten die Ketzerei des Nestorius erneuert, und somit auch der heiligen Jungfrau Maria den Titel Gottesgebärerin geraubt. Diese Lüge und abscheuliche Verleumdung hatte auch die Zelle des heiligen Auxentius auf dem Berg Oria erreicht. Er ließ sich leider täuschen und wollte, wie er wähnte, mit einem Konzilium nichts zu schaffen haben, welches Jesum Christum nicht für das Fleisch gewordene, einige Wort des ewigen Vaters, mithin auch die hoch begnadigte, von Ewigkeit her von dem heiligen Geist erwählte Jungfrau nicht für die Mutter des höchsten Gottes, nicht für eine wahre Gottesgebärerin hielt. –

Da nun der heilige Auxentius im hohen Ansehen stand, so hielt man in Konstantinopel seinen unverschuldeten Irrtum für sehr gefährlich. Man sandte daher mehrere Geistliche an den Heiligen ab, und ließ ihm sagen, daß der Kaiser und die Kirche von Konstantinopel wünschten, daß er sich öffentlich zur Lehre des heiligen Konziliums von Chalzedon bekennen möchte, und zwar deswegen, weil sein Beitritt, wenn er öffentlich bekannt würde, großen Eindruck auf das Volk machen und zur Unterdrückung der Ketzerei unendlich viel beitragen würde.

Der Heilige Auxentius muss zur Klärung nach Konstantinopel

Den Abgeordneten gab der Heilige zur Antwort: „Einem Einsiedler steht es nicht zu, Andere zu belehren, sondern vielmehr sich selbst von den Bischöfen belehren zu lassen.“ Eine neue Gesandtschaft ward an ihn abgeordnet, aber mit dieser kamen auch einige Soldaten, welche Befehl hatten, den Heiligen, wenn er nicht freiwillig nach Konstantinopel gehen wolle, mit Gewalt dahin zu führen. Der Heilige fragte, welcher Irrlehre man ihn beschuldigen könne? Da er seiner strengen Lebensart wegen zu schwach war, die Reise zu Fuß zu machen, ward er auf einen Wagen gehoben; aber jetzt konnte man, aller Anstrengung ungeachtet, den Wagen nicht von der Stelle bringen. Der Heilige machte mit seinem Stab das Zeichen des heiligen Kreuzes darüber, und das Fuhrwerk ging nun vorwärts. Große Haufen Volkes wollten ihn begleiten, der Heilige aber gab es nicht zu, sondern entließ sie mit seinem Segen.

In Konstantinopel angekommen, wurde er in einem Kloster untergebracht, und dann vor den Kaiser geführt. Dieser empfing ihn mit der größten Ehrerbietung, und drang in ihn, sich zur Lehre des Konzils von Chalzedon öffentlich zu bekennen. Auxentius erklärte, daß er die Lehre dieses Konzils gerne annehmen würde, sobald man ihn überzeugt hätte, daß dasselbe mit dem alten, heiligen, apostolischen Glauben nicht im Widerspruch stehe. –
Nun ließ der Kaiser, erfreut über diese Erklärung des Heiligen, den Patriarchen Anatolius rufen, welcher den heiligen bald überzeugte, daß die heilige Kirchenversammlung mit der uralten katholischen Lehre von der Menschwerdung des Sohnes Gottes aus Maria der Jungfrau vollkommen übereinstimme.

Was das Konzil von Chalcedon wirklich lehrt

Nun wurde Auxentius im feierlichen Zug in die Hauptkirche von Konstantinopel geführt, und hier erklärte er laut und feierlich in Gegenwart des Kaisers, des Patriarchen von Konstantinopel, der Geistlichkeit und einer unzähligen Menge Volkes, daß er das Konzil von Chalcedon als eine rechtmäßige, vom heiligen Geist geleitete Kirchenversammlung anerkenne, weil ihre Lehre mit der Lehre der heiligen Apostel und Väter vollkommen übereinstimme, und sich ihr mit tiefster Ehrfurcht unterwerfe. Groß war die Freude hierüber, und innig der Dank gegen Gott und die heiligste Jungfrau, deren Ehre auf`s Neue erhöht wurde. –

Der heilige Auxentius lebt noch 20 Jahre auf dem Berg Scopia

Der heilige Auxentius kehrte nicht mehr in seine alte Einsiedelei zurück, sondern schlug seine Wohnung auf dem ungleich rauheren, höheren und daher auch kälteren Berg Scopia bei Chalzedon auf. Hier ward ihm in einer Höhle des Berges wieder eine kleine Zelle errichtet, welche keine andere Öffnung als ein kleines Fenster hatte, und von dem Gipfel dieses Berges aus geschah es, daß der Heilige durch den Glanz seiner schönen Tugenden, seiner Lehren und seiner Wunder beinahe noch 20 Jahre lang die Kirche verherrlichte, und die Herzen frommer Christen erbaute, bis Gott seinen treuen Diener zu sich rief am 14. Februar um das Jahr 474. (Stolberg Geschichte, Annus marian.) –
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 1 Januar bis März, 1872, S. 461 – S. 465

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