Der gottselige Konrad Scheuber Einsiedler

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

22. Dezember

Der gottselige Konrad Scheuber, Einsiedler

(Das Greisenalter)

Konrad Scheuber war der Tochtersohn des seligen Nikolaus von der Flüe. Ein Schweizer Schriftsteller sagt von seinen Eltern: „Wie die Adler vor ihren Jungen in die Höhe aufsteigen und sie fliegen lehren, auch selbe in die sonne tragen, damit sie an ihren Glanz sich gewöhnen: so übten sie ihre Kinder frühe in der christlich-schönen Gewohnheit zu Gott aufzuschauen und vor ihm in kindlicher Ehrfurcht allezeit zu wandeln.“ Bei solcher Erziehung hatte Konrad seine Jugend in Frömmigkeit, Gehorsam, Arbeitsamkeit und reiner Sitte zugebracht; im zwanzigsten Jahr war ein schöner, langer, an Leib und Gemüt aufrechter Jüngling, stark von Gliedern, eines scharfen Verstandes und männlichen Herzens. Der Vater war früh gestorben; die Mutter soll aber manchmal den Knaben in die Einsiedelei zum Großvater Klaus in der Flüe geführt haben.

In ähnlicher Weise, wie sein Großvater, machte Konrad auch mehrere Feldzüge mit, teils als gemeiner Soldat, teils als Rottenmeister von 100 Mann. Bei allen Kriegszügen aber zeigte er Tapferkeit, Klugheit und Frömmigkeit. Später verehelichte er sich und bekam zwei Töchter, die auch wieder an rechtschaffene Männer verheiratet wurden. Er wurde auch zum Landammann gewählt, was er mit schwerem Herzen übernehmen musste; als guter Christ wußte er wohl, wie ein solches Vorsteher-Amt so viele und schwere Verpflichtungen auferlegt. Er soll jeden Schaden nach Kräften von der Gemeinde fern halten, die Abgaben sparsam und mit größter Gewissenhaftigkeit zum allgemeinen Besten verwenden; den Klagen und Beschwerden geneigtes Gehör schenken; zu Allem, was Frieden, Wohlstand, Ordnung und wahre Bildung fördert, kräftig die Hand bieten; das Böse ohne Ansehen der Person bestrafen, und überhaupt durch genaue Beobachtung des Gesetzes, durch Weisheit, unbestechliche Gerechtigkeit, Milde und Menschenfreundlichkeit vorleuchten.

Bis hierher ist das Leben des Konrad Scheuber in nichts unterschieden von dem Leben anderer guten Christen. Als er aber 60 Jahre alt geworden war, fühlte er einen starken Zug, Ehre, Geschäfte und Sorgen der Welt aufzugeben und den Rest seines Lebens, wie sein seliger Großvater, ausschließlich dem lieben Gott in stiller Einsamkeit zu widmen…

Überzeugt, daß sein Vorhaben von Gott komme, teilte er dasselbe seiner Frau mit und erhielt von dieser ihre Zustimmung. Er übergab seine Güter den beiden Tochtermännern und sorgte für das Auskommen seiner Frau. Dann kleidete er sich in einen ärmlichen grauen Rock, der bis an die Waden reichte, umgürtet mit einem ledernen Riemen, nahm Abschied von den Seinigen und wanderte in den Ranft in die Zelle, wo sein Großvater Klaus sein Einsiedlerleben geführt hatte. Er gestattete sich nur wenig Schlaf, aß täglich nur einmal, und zwar bestand seine Nahrung aus Obst und Gemüse; Fleischspeisen oder auch nur Eier gestattete er sich niemals mehr. Sein Geschäft aber war Tag und Nacht: Gebet und Betrachtung.

In der Überzeugung, daß auf dem Weg der Vollkommenheit ganz besonders Leiden und Trübsale förderlich sind, betete er oft: „O, daß ich würdig wäre, um des Namens Jesu Willen zu leiden!“ Da bekam er eines Tages am Schenkel eine schmerzliche Wunde, welche ihm lebenslänglich große Schmerzen verursachte. Allmählich wurde aber der Zulauf zum Grab des seligen Klaus immer größer, und die Pilger kamen dann gewöhnlich auch zu Bruder Konrad, um Fürbitte, Trost und Rat bei ihm zu suchen. Dieser Umstand aber für ihn eine große Störung und war zugleich seiner Demut zuwider. Er wanderte deshalb nach drei Jahren von Ranft hinweg und ließ sich von seinen Schwiegersöhnen auf einem jähen Bergabhang eine kleine Hütte bauen. Dort wollte er ganz abgeschieden von der Welt mit Gott zubringen; nur alle Sonn- und Feiertage stieg er in das Tal von Wolfenschießen herab, um daselbst die Kirche zu besuchen; alle Abend aber ging er eine halbe Stunde weit durch einen finsteren Wald in eine kleine einsame Kapelle. Aber auch hier entging er nicht dem Zulauf des Volkes, wollte sich aber demselben aus Nächstenliebe nicht ferner entziehen. Voll Milde, Erbarmen und Freundlichkeit nahm er Jeden auf, der bei ihm sich erbauen oder Rates erholen wollte.

Sonst war sein Leben natürlich sehr einfach und ganz den himmlischen Dingen zugekehrt. Als seine Seele auf diese Weise bei zwanzig Jahre lang immer tiefer in Gott Wurzel geschlagen hatte, fühlte er sein Ende kommen. Voll heiliger Freude, daß er jetzt seinem Herrn noch näher kommen werde, schnitzte der 80jährige Greis mit zitternden Händen ein Kreuz und gab den Auftrag, man solle ihm solches auf sein Grab pflanzen, dem er jetzt nahe stehe. Bald darauf erkrankte er, gab Allen , die zu ihm kamen, noch Rat, Trost, Warnung und Ermunterung und entschlief dann sanft im Herrn. Er hatte einmal zu den Seinigen gesagt: „Man wird nach meinem Hinscheiden die rechte Hand auf meiner Brust liegend finden, und wenn man dieses sieht, so soll man meinetwegen getröstet sein und denken, daß meine Seele wohl und selig gefahren ist.“ Im Augenblick des wirklichen Sterbens zog er die rechte Hand, welche er vorher unter sich gehalten hatte, auf die Brust.

Das Alter ist die letzte Gnadenzeit

Die Geschichte des gottseligen Einsiedlers erinnert an eine wichtige Lebensregel, nämlich, daß man in anrückendem Alter wohl aufmerken soll, ob Gott nicht eine Veränderung unserer Lebensverhältnisse will. Alles hat seine Zeit; daß man im Jünglings- und Mannesalter tätig ist in allen Geschäften, welche der Stand mit sich bringt, ist ganz in der Ordnung. Hat dir Gott aber ein längeres Leben zubeschieden, deine Kinder sind erwachsen und versorgt, deine Kräfte nehmen ab, und es würde Niemand viel darunter leiden, wenn du dich mehr zurückziehen würdest, so bedenke wohl, daß die letzte Lebensfrist zu nichts Besserem verwendet werden kann, als daß man freiwillig sich von der Welt loswindet und ungeteilt Gott lebt. Es wird in zweifacher Weise dagegen gefehlt. Manche Leute wollen niemals von dem gewöhnlichen Rennen und Laufen um`s Irdische ablassen, wenn sie auch noch so alt werden; der Tod muss sie erst gewaltsam von dem weltlichen Treiben heraus reißen. Andere übergeben zwar ihr Geschäft und setzen sich zur Ruhe, aber nicht, um nun ihre Zeit mehr für Gott und ihr Seelenheil zu verwenden, sondern um sich leiblich wohl sein zu lassen, so gut sie es machen läßt. Der wahre Christ sieht das Alter als die letzte Gnadenzeit an, um sich zu einem guten Tod vorzubereiten. Wenn du auch nicht wie Konrad Scheuber ein Einsiedler wirst so suche dich wenigstens möglich von dem weltlichen Verkehr zurück zu ziehen; bringe deine Zeit größtenteils mit Betrachtung, Gebet, Lesung, Besuch des Gottesdienstes zu. Von der 84jährigen Prophetin Anna heißt es in der hl. Schrift: „Sie verließ den Tempel nicht und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht.“ Ein solches Leben ist dann nicht nur für dich höchst heilbringend, sondern auch für Andere. Je frömmer und gottseliger du wirst, desto mehr wirst du deinen Nebenmenschen Segen zuziehen können durch anhaltendes Gebet für sie, und desto mehr kannst du durch Belehrung, Ermahnung und Warnung die Deinigen auf guten Weg zu leiten beitragen.

Als Konrad Scheuber in der Einsiedelei lebte, verbreitete die sog. Reformation auch in der Schweiz Zwietracht und Bürgerkrieg. Da hat er gewiß in dem innigen Verkehr mit Gott durch andringendes Gebet seinem Vaterland mehr Heil gebracht und mehr Schlimmes abgewandt, als es zur Zeit genützt hat, wo er noch im Weltverkehr war… –
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 4 Oktober bis Dezember, 1872, S. 483 – S. 487

Category: Einsiedler, Stolz
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