Warum die königliche Stammlinie Valois ausstarb

Bruder Konrad, ein Prophet der französischen Könige

Warum das französische Königshaus Valois aussterben musste

Es war noch nicht lange, da man sich allgemein gefürchtet hatte, mehrere Provinzen von Europa, besonders Italien und Deutschland würden ein Raub der immer weiter vordringenden Türken werden. Es musste dann auch in der Schweiz ein außerordentliches Aufsehen machen, als der französische König Franz I., mit welchem die Eidgenossenschaft ein ewiges Bündnis eingegangen, sich mit dem groß-mächtigen Suleiman Sultan der Türken, diesem Schrecken Deutschlands, förmlich im J. 1537 verbunden hatte, welcher bald darauf von neuem in Ungarn eingefallen. Man sah mit verschiedenen Augen an, wie jeder Versuch einen dauerhaften Frieden mit der Pforte zu Stande zu bringen, durch das Entgegenarbeiten der französischen Gesandten vereitelt wurde.

Es fiel in die Zeit der Landammannschaft Konrad Scheubers, wie vorgemeldet worden, daß an die Eidgenossenschaft Vorstellungen des Kaisers Karl V. und der Reichsstände einkamen, wodurch man sie zum Türkenkrieg auffordern, und vom Bunde mit König Franz, den die Politik verleitet hatte, sich mit dem Erbfeind der Christenheit zu vereinigen, abwendig machen wollte. Die Meinungen waren, so wie die damaligen Interessen, sehr geteilt.

Es war ein Tag zu Baden auf den 11. Hornung 1544 angesetzt; man wollte sich so wenig, um die Unabhängigkeit der Freistaaten nicht aufs neue zu gefährden, zu den geforderten Steuern verstehen, als den Namen der Beförderer eines Bundesgenossen der Türken tragen, auch wollte man die Sache mit dem König Franz, der seinen Bund durch Gesandte zu rechtfertigen suchte, nicht verderben. Man suchte also den Kaiser und die Reichsversammlung zu Speyer dahin zu bereden, daß die Rechtfertigung der französischen Gesandten angehört werde; übrigens verbände sie ihr Bund mit Frankreich, daß sie die abgeredten (= vereinbarten) Hilfstruppen nie verweigern könnten; man wünschte also, daß sich der Kaiser und König zu einem Frieden verstehen möchten, wozu die Eidgenossenschaft das ihrige beizutragen bestens geneigt sei. (Im gleichen Jahr machten Karl V. und Franz I. den 18, Herbstm. Friede zu Cervi, Hainault abrege)

Zürich und Bern hatten geraten, sehr vorsichtig zu sein, und in eine so bedenkliche Zerwürfnis, nach den Grundsätzen der Altvordern sich so wenig, als möglich einzuwickeln, damit dem Vaterland kein Schaden zugehe.

Auch unser Scheuber dachte auf gleiche Art; übrigens wie nach dem Bericht Mezerais der Bund des Königs Franz mit dem Türk, und dem Algier-Eroberer Aruck Barbarossa selbst in Frankreich nicht gutgeheißen wurde, so konnte derselbe ihm auch nie gefallen, so anscheinlich ihm auch die dafür sprechenden politischen Staatsgründe gemacht wurden. So oft nachher in seiner Zelle davon die Rede geführt wurde, hatte sich Konrad allemal darüber entrüstet, und in seinem Eifer den König sogar einen Seelenmörder geheißen, ja er sagte: „es werde dieses Bündnis des Königs Geschlechts und Stammlinie von Valois, ungeachtet er mit etlichen Kindern und Enkeln männlichen Stammes begabt wäre, um die Krone bringen, und unter währender solcher Bündnis keines rechten Todes sterben, oder betagten Alters werden“. (Hr. Dokt. An der Matt, Leben Konrad Scheubers, S. 87)

Wirklich hatte die pünktliche Erfüllung dieser Vorhersage etwas auffallendes. König Franz lebte nach derselben nur wenige Jahre noch, und war in seinen Unternehmungen nicht glücklich; seine Siege hatten keinen bleibenden Vorteil, seine Eroberungen, welche so viele Geldsummen, als Blut kosteten, keine Dauerhaftigkeit hervor gebracht, und sein erschöpftes Reich musste an den Grenzen durch drei aufgestellte Armeen wider die feindlichen Anfälle und Pläne beschützt werden. Schon im J. 1547 starb er auf dem Schloß Rambouillet den letzten März an den Folgen einer unheilbaren Krankheit, im 52. Altersjahr. Im gleichen Jahr starb auch der Algier-König Barbarossa. Vor ihm starben noch zwei seiner Söhne, Franz der Dauphin, und Karl der Herzog von Orleans; der erste an Gift, im J. 1536; 18 und ein 1/2 Jahr alt; und der andere im J. 1545, als er sich eben verheiraten wollte. Von drei Söhnen und so viel Töchtern überlebte ihn nur eine Tochter, Margarithe, Gemahlin des Herzogs von Savoien, Emmanuel Philibert, und ein Sohn, Heinrich II., welcher ihm auf dem Thron folgte; aber auch dieser hatte kaum zwölf Jahr regiert, als er in einem Turnier durch einen Lanzenstich vom Graf Montgomeri den 10. Juli 1559 zu Paris ums Leben kam, als man eben wegen der Hochzeit seiner Schwester Margarithe, und seiner ältesten Tochter Elisabeth mit dem König Philipp Il. von Spanien dergleichen Feste gab; er war erst vierzig Jahr und drei Monat alt.

Heinrich hinterließ vier rechtmäßige Söhne; denn der zweitälteste Ludwig, Herzog von Orleans hatte nur etwas über 20 Monat gelebt, und in weniger als dreißig Jahren endigte der Stamm Valois, ohne daß einer dieser vier Brüder einen männlichen Leibserben hinterlassen hatte. Franz II. besaß den Thron des Vaters nur bis auf den 5. Christmonat 1560, also kaum siebzehn Monate, und starb in seinem 18. Jahre, nach einer Übergabe, durch Vergiftung eines Kammerdieners. Er hatte die unglückliche Königin von Schottland, Maria Stuart zur Gemahlin. Sein Bruder Karl IX. regierte nach ihm nur dreizehn und ein halbes Jahr, und starb den 30. Mai 1574 im 24. Jahre seines Alters; man vermutet, er sei vergiftet worden.

Auf Karl folgte sein Bruder Herzog von Anjou und König von Polen, Heinrich III. in seinem 23. Altersjahr. Als man ihm die Krone auf das Haupt setzte, sagte er ganz laut, daß sie ihm wehe täte, und sie schwankte ihm zweimal vom Kopf als wenn sie herabfallen sollte, welches man bemerkte und auf üble Folgen deutete. Unter seiner Regierung machte ihm sein noch einziger Bruder Franz Herkules, Herzog von Alençon viele Unruhe; starb als Herzog von Brabant im 30. Jahre seines Alters, nach Bongars, an Gift, nach den mémoires de Nevers durch einen vergifteten Blumenstrauß. Im J. 1584, vier Jahr später fällt Heinrich durch die Hand eines gedungenen Meuchelmörders zu St. Cloud im August und stirbt des andern Tags, kaum 38 Jahre alt, da er das Reich fünfzehn Jahr und zwei Monate besessen hatte.

Mit seiner Person endigte der königliche Stamm von Valois, der seit dem J. 1328 auf Frankreichs Thron gesessen hatte; kein rechtmäßiger männlicher Thronerbe war übrig. Karl Herzog von Angoulem war ein natürlicher Sohn Karl IX. Das königliche Haus erlosch, und der Zepter überging an eine andre Dynastie. Die Schwäche der minderjährigen Könige und das bevorstehende Absterben ihrer Dynastie hatte dem Reich unabsehbare Übel bereitet.

Vergleiche man nun diesen Hergang mit der Vorhersage des Bruder Konrads, und man wird nicht leicht eine bestimmtere Vorkenntnis antreffen, man mag das Hinsterben oder das Alter, oder endlich den Verlust der Krone der Abkömmlinge Franzens ins Auge nehmen. Konrad erscheint hier etwas mehr als ein politischer Seher, der aus Staatsgründen vermutet, Folgen berechnet und voraus sieht.

Man kann auch nicht an der geschehenen Vorhersage selbst zweifeln, denn dieselbe wurde von Hrn. Landammann Melch-Lußy, dem berühmten Oberst und Ritter, von Hrn. Konrad Christen, des Bruder Konrads Enkel, und von Jak. am Bawen, welche sie selbst gehört und mit ihm darüber öfters geredet haben, bezeugt, und aus ihrem Munde haben dieses Zeugnis gehört Hr. Landammann und Landhauptmann Kaspar Leuw, Tochtermann des gemeldeten Hrn. Oberſt Lußy, und Schwager Hrn. Landvogt Wolfgang Christen, der Hrn. Konrads Christen Bruder gewesen, Hr. Landvogt Joh. Stulz, und Hr. Landammann und Pannerherr Joh. Melch Leuw; alle drei Ritter und Männer von höchstem Ansehen; daß also diese Übergabe ein vollkommenes Gepräge der Wahrheit führt, und allen historischen Glauben verdient.

Wenn man mit den Feinden Christi paktiert

… Da nun die katholischen Gesandten ihrem besondern Auftrag nachkamen, den neuen König vom Türkenbund abzuhalten, und ihre Vermittlung zur Herstellung von Friede und Ruhe in seinem zerrütteten Reiche anzubieten, habe auch Hr. Oberſt Lußy zufolge eines Befehles der Landesgemeinde von Unterwalden dem König des Bruder Konrads seligen Rede über den Türkenbund eröffnet. Der König habe den Obersten gefragt: wer dieser Mann gewesen sei; dem Herr Lußy geantwortet: er wäre vormals Landammann der Republik Unterwalden gewesen, hätte sich dann der Welt entschlagen, und habe als ein Eremit einen strengen frommen Wandel geführt, worauf der König keine weitere Antwort gegeben.

Damit stimmt einmal überein, was Florimond von Roermond, französischer Staatsrat des Parlaments zu Bordeaux, erzählt.

„Dazumal als König Heinrich III. von Polen zurück kam, machte ihm der Herzog de Venise den Vorwurf: Woher denken sie, Sire (sprach dieser ehrwürdige Greis) „mögen wohl so viele Unglücke, eines nach dem andern, auf ihr Königreich, und auf die Personen der Könige, ihrer Vorfahrer, gefallen sein, als von jenen mit dem Feinde Jesu Christi geschlossenen Bund! — So viele christliche Seelen, die der Meerräuber Barbarossa, den der König ihr Großvater herbei gerufen, gefangen weg geschleppt hatte, und die nachher zur Ableugnung ihrer Taufe gezwungen worden sind, schreien Rache aus der Hölle wider die Urheber ihrer Verdammung. Man kann sich wohl mit diesem Ungläubigen gut benehmen — aber einen Wehr – und Schutzbund mit ihm machen, heißt den Krieg Gott ankünden, der seinerseits, wenn schon eine spätere, aber um so schwerere Rache deshalben zu nehmen weiß. Der König suchte sich durch die Regeln des Staats und der Bedürfnisse der Umstände seines Königreichs zu rechtfertigen, nahm aber doch alles gut auf.“ Auch der Marschall von Montluc hat in seinen Comentairs, mit mehreren die Bemerkung gemacht, daß, seitdem Frankreich die Türken zur Hilfe berufen hatte, die Geschäfte des Reichs, welches der Himmel sonst gnädig ansah, von Tag zu Tag einen schlechteren Gang genommen hätten.-
aus: Konrad Scheuber von Altsellen, Erster Teil, § 4. Bruder Konrad, mit Bruder Klaus auch ein Prophet des Vaterlandes, 1812, S. 145 – S. 154

Category: Neuzeit
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