Zeugen zur Auslegung des Abendmahles

Jesus hält in der Eucharistie die Hostie hoch, der Kelch steht vor ihm auf dem Tisch, das Bild ist umrankt mit Girlanden aus Weinblättern, Trauben und Ähren

Diamant oder Glas – Allen Christen zum Betrachten vorgelegt (1851)

5. Weitere Zeugen zur Auslegung des Abendmahles

Und was gibt es Ehrwürdigeres als die ältesten Kirchenversammlungen, wo einige hundert Bischöfe aus allen Gegenden der Welt, soweit das Christentum ausgebreitet war, zusammen kamen, um in Zweifel Untersuchung und Umfrage zu halten, was die alte echte apostolische Lehre sei? Wenn je das Wort Christi gilt, daß er seiner Kirche den Heiligen Geist sende, daß er bei seiner Kirche bleiben werde, daß sie nicht überwältigt werde von der Macht der Hölle: so musste solches ganz besonders auf solchen Kirchenversammlungen gelten. Die erste allgemeine Kirchenversammlung zu Nicäa, 325 nach Christus, wird aber selbst von Luther und Calvin als rechtmäßig angesehen; was aber sagt diese vom heiligen Abendmahl? Sie tut den Ausspruch: „Wir sollen den Geist durch den Glauben erheben, und erkennen, daß auf jenem heiligen Tisch liege das Lamm Gottes, welches hinnimmt die Sünden der Welt und unblutiger Weise von den Priestern geopfert wird. Und da wir sein kostbares Fleisch und Blut wahrhaft empfangen, müssen wir fest glauben, daß es das Unterpfand unserer Auferstehung ist.“ Ebenso bestimmt spricht sich die zweite allgemeine Kirchenversammlung zu Nicäa und die noch ältere zu Ephesus aus. – Wenn du aber diesen ehrwürdigen Vorstehern der ältesten Kirche nicht glauben willst: wo ist dann noch christliche Wahrheit zu finden? Wirst du sie besser finden bei Martin Luther in Sachsen, oder beim Zwingli in der Schweiz?

Daß aber die Christen in den ältesten Zeiten schon nicht anders gewußt und geglaubt haben, als daß nach der Wandlung das Brot der wirkliche Leib Christi geworden sei, läßt sich auch sehen aus den ältesten Gebeten, welche in ihrem Gottesdienst angeordnet waren und noch übrig sind. Es gibt nämlich gottesdienstliche Anordnungen, welche aus so alten Zeiten stammen, daß sie den Namen von Aposteln hatten, weil man vielfältig glaubte, sie seien von den Aposteln selbst verfaßt: man heißt sie Liturgien. In der Liturgie des hl. Jakobus wird Gott mit folgenden Worten angerufen: „Sende nun deinen Heiligen Geist über uns und über die Gaben, damit er durch seine heilige, wohltätige und glorreiche Gegenwart dieses Brot zum heiligen Leib Christi manche, Amen, und diesen Kelch zum kostbaren Blut Christi, Amen.“

In der Liturgie des hl. Markus wird gleichmäßig wie oben gebetet, und nachdem die Wandlung geschehen, wirft sich das Volk auf das Angesicht nieder, und der Priester spricht das Glaubensbekenntnis: „Ich glaube, glaube und bekenne bis zum letzten Hauch meines Lebens, daß dieses hier der belebende Leib deines einzigen Sohnes, unseres Herrn, Gottes und Erlösers Jesu Christi sei, welchen er von der gesegneten hl. Maria genommen und ihn mit seiner Gottheit ohne Verwirrung, ohne Vermischung, ohne Veränderung vereinigt hat.“

Selbst bei den Religionsparteien, welche sich schon in früher Zeit, mehr als tausend Jahre vor der Reformation, von der katholischen Kirche getrennt haben, zeigt ihre Gottesdienstordnung, daß sie von jeher an die wahre, vollständige Gegenwart Christi im heiligen Abendmahl geglaubt haben. In der Liturgie der Nestorianer oder Thomaschristen, welche im Jahre 431 von der Kirche sich trennten, heißt es: „Wir wollen uns mit Furcht und Ehrerbietung dem Geheimnis des Leibes und kostbaren Blutes unseres Erlösers nahen.“ Und in einer Art Brevier der Nestorianer heißt es: „Die Cherubim stehen in Ehrfurcht vor dir; die Seraphim können deinen Blick nicht ertragen: und wir, wir sehen dich alle Tage auf dem Altare, wir genießen deinen Leib und dein kostbares Blut. – Der Leib Jesu Christi und sein kostbares Blut ist auf dem Altare; laßt uns mit Furcht und mit Liebe hinzu treten und mit den Engeln sprechen: ‚Heilig, heilig, heilig ist der Herr, Gott!‘“

Selbst der berühmte Hugo Grotius, ein sehr gelehrter Protestant, schreibt also: „In allen griechischen, lateinischen, arabischen, syrischen und andern Liturgien finde ich Gebete zu Gott, er wolle die dargebrachten Gaben durch seinen Heiligen Geist heiligen und sie zum Leib und Blut seines Sohnes machen. Man hätte daher einen so alten allgemeinen Gebrauch, deren Ursprung man von den ersten Zeiten herleiten muss, nicht abändern sollen.“ (Siehe seine Streitschrift gegen den calvinischen Prediger Rivet.)

Weil auf diese Weise die Christen stets fest daran hielten, daß sie Fleisch und Blut im heiligen Abendmahl genießen, so läßt sich auch ferner begreifen, wie die Heiden auf eine sonderbare Verleumdung verfallen sind. Sie sagten nämlich allgemein: wenn die Christen ihre gottesdienstlichen Versammlungen halten, dann werde ein Kind, ein Knabe, geschlachtet, und die Erwachsenen essen sein Fleisch, und Dort, welches mit seinem Blut getränkt ist. Dieses war zuweilen dann ein Vorwand für die heidnische Obrigkeit, um die Christen vorgeblich als Verbrecher um das Leben zu bringen. Daß dieses nur eine Verleumdung war, weiß jetzt alle Welt; aber selbst diese Verleumdung hatte offenbar eine gewisse Wahrheit zum Grund. Juden und Heiden wären, nicht auf die seltsame Behauptung gekommen, daß die Christen Kinder schlachten und essen, wenn sie nicht davon gehört hätten, daß bei den Christen im Abendmahl Fleisch und Blut des Menschensohnes genossen werde. Juden und Heiden konnten dieses aber nicht verstehen, zumal da es bei den Christen vorgeschrieben war, denen, die nicht schon hinlänglichen Unterricht im Glauben in den ersten Wahrheiten des Christentums hatten, nichts von den Sakramenten zu reden. Deshalb dachten sie sich dieses Essen auf eine natürliche Weise, indem ein Kind geschlachtet werde.

So haben wir also außer der Heiligen Schrift noch die besten alten Zeugen, daß im Beginn des Christentums stets die wahre wesentliche Gegenwart Christi im heiligen Abendmahl gelehrt, geglaubt und festgehalten worden ist.

Fortsetzung: Falsche Auslegung des Abendmahles

aus: Alban Stolz, Gesammelte Werke, Kleinigkeiten, Erste Sammlung, 1909, S. 68-71

Bildquellen

  • Ott Jesus Christus Eucharistie: Bildrechte beim Autor

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