Heiliger Roman von Antiochia Märtyrer

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

18. November

Der heilige Roman von Antiochia, Märtyrer

(Selbständigkeit der Seele)

Diokletian war einer der ärgsten unter den römischen Kaisern, welche die Christen verfolgten und das Christentum mit Gewalt unterdrücken wollten. Zur Zeit, da wieder eine solche Verfolgung ausbrach, hielt sich in der Stadt Antiochia ein junger Mann auf, Namens Romanus. Derselbe bekleidete eine kirchliche Würde, er war Diakon, wie einst Stephanus und Laurentius auch Diakone gewesen waren. Als Roman sah, wie die christlichen Kirchen zerstört wurden, wie Männer, Frauen, Kinder aus Angst den Götzen opferten, wie selbst einige Priester so schwach sich zeigten, da brannte gleichsam seine Seele vor Schmerz und Eifer. Kühn und laut machte er denen Vorwürfe, welche geopfert hatten; ohne Rücksicht zu nehmen auf die Gefahr, der er sich aussetzte, versammelte er die Christen bei sich, welche aus Angst abgefallen waren, richtete sie wieder auf und bewirkte durch seine Aufmunterung nicht nur, daß die treu gebliebenen Christen befestigt wurden, sondern daß auch die gefallenen sich entschlossen, mutig ihr Leben für das Bekenntnis des Glaubens daran zu setzen.

Roman selbst aber ging Allen gleichsam voraus in Entschlossenheit; er stellte sich freiwillig dem Richter, um seinen christlichen Glauben zu bekennen; er wollte ihm zeigen, nachdem dieser schon über so viele schwache Christen gesiegt hatte, daß Jesus Christus auch Soldaten habe, welche sich in keiner Weise überwinden lassen. Auf Befehl des Richters Asklepiades wurde der hl. Roman alsbald ergriffen und in den Kerker geführt.

Der Richter meinte, Roman werde eben so wenig anhaltenden Widerstand leisten, wie die Andern; er ließ ihn vorführen und machte ihm Vorwürfe, daß er Schuld an dem Ungehorsam sei, welchen so viele Christen dem Befehl des Kaisers entgegen setzten. Der Hl. Roman leugnete eine Schuld nicht weg, die für ihn so ruhmvoll war, und erklärte seine Bereitwilligkeit deshalb Alles zu leiden, was nur die Grausamkeit des Richters ersinnen möge. Asklepiades befahl nun, den Jüngling auf die Folter zu spannen und ihm das Eingeweide zu zerfleischen. Allein man bemerkte ihm, daß Roman von vornehmer angesehener Herkunft sei; darauf änderte der Richter seinen Befehl, aber nur um einen noch grausameren zu geben – er sprach: „Ich will ihn strafen lassen, wie es seinem höheren Stand angemessen ist.“ Darauf ließ er ihn am ganzen Leib grausam hauen mit Geißeln, woran Bleistücke befestigt waren, und wandte alle erdenkliche Marter an, denn die Freimütigkeit, womit der Heilige zu ihm redete, hatte ihn ganz rasend gemacht. Dabei war es dem Richter nicht genug durch die Hände der Henker ihn peinigen zu lassen, sondern mit wütendem Blick und knirschenden Zähnen stand er manchmal vor Zorn auf und streckte die Arme gegen die Henkersknechte aus, um sie anzueifern in ihren Grausamkeiten.
Da der hl. Roman dessen ungeachtet laut erklärte, daß „Jesus Christus der wahre König“ sei, und daß er niemals dem Kaiser gehorchen werde, wenn dieser etwas Sündhaftes befehle: so nahm Asklepiades diese Erklärung als Hochverrat auf. Er befahl jetzt erst wieder, daß man den hl. Roman auf die Folter spanne und ihn mit eisernen Krallen zerfleische, bis man die Knochen sehe. Der Befehl wurde vollführt und die Henker peinigten den Heiligen, daß sie fast außer Atem kamen und die Schärfe ihrer Eisen sich abstumpfte an dem Gebein, ohne daß sie jedoch die Ruhe des hl. Roman stören und ihn abhalten konnten, sein Glück in den Martern zu preisen und die Unglückseligkeit seiner Feinde zu beklagen. Ergrimmt befahl nun der Richter, daß man ihm nicht mehr die Seiten, sondern das Gesicht zerfleische; der Heilige dankte ihm dafür und sagte, diese Grausamkeit öffne in seinem Gesicht mehr als einen Mund, womit er die Ehre Jesu Christi verkünden könne.

So wie mit der Zunge und Sprache des hl. Märtyrers verhält es sich überhaupt mit dem Leib, wodurch die Seele mit der Erde in Verkehr ist. Wenn im Tod deine Augen dunkel werden, das Gehör erlöscht, oder wenn in schwerer Krankheit oder hohem Alter Verstand und Gedächtnis schwinden, so kommt dies daher, weil die Seele im Leib gleichsam eingesperrt, im Erkennen gestört wird durch die schadhaften Werkzeuge des Leibes. Wie man aber besser sieht im Freien, als wenn man hinter trüben Fensterscheiben im Haus sitzt, so mag auch die Seele besser erkennen, wenn sie einmal aus dem schwerfälligen Leib heraus gegangen ist, oder zurück gekehrt in den umgewandelten verklärten Leib. Sorge dafür, daß du Gott treu lebest und sterbest, wie der Märtyrer Roman, so werden durch Gottes Macht, auch wenn der ganze Leib von Krankheit ruiniert im Grab liegt, alle Kräfte deiner Seele noch freier und herrlicher sich regen, als da sie noch in dem armseligen Leib eingeschnürt war.
Während der hl. Roman noch im Gefängnis saß, wurde das Fest des zwanzigsten Jahres der Thronbesteigung des Kaisers gefeiert. Bei solchen Anlassen war es Gewohnheit, alle Gefangenen los zu lassen. Der hl. Roman wurde allein von dieser Gnade ausgenommen, und statt die irdische Freiheit zu erlangen, empfing er die höhere Freiheit, – er wurde im Gefängnis erwürgt. –
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 4 Oktober bis Dezember, 1872, S. 285 – S. 291

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Category: Märtyrer, Stolz
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