Die Berufsgnade des Apostolates

Die Wahl und Benennung zum Apostolat

Was ein Apostel sei, deutet uns der Name an; denn dieses Wort bedeutet so viel als „Gesandter“; aber es bedeutet nicht den Gesandten irgend eines Fürsten, eines Königs, oder eines Kaisers; nicht den Gesandten irgend einer menschlichen Autorität; nicht den Gesandten eines Engels oder Erzengels, eines Seraphs oder Cherubs: sondern es bedeutet im eigentlichen Sinne ganz einfach einen Gesandten Jesu Christi; einen Gesandten Jesu Christi, der nicht aus den Himmelsfürsten, sondern aus den Menschenkindern genommen ist; den Jesus Christus nicht durch einen andern Menschen, etwa durch einen weltlichen Machthaber, oder durch einen Patriarchen oder Propheten oder durch seine Kirche, sondern unmittelbar selbst in eigener Person und durch den heiligen Geist sendet; es bedeutet einen von Jesus Christus unmittelbar selbst gesendeten Menschen.

Die Wahl und Benennung der Apostel

Diese Wahrheit beruht auf einer geschichtlichen Tatsache, welche das Evangelium auf folgende Weise erzählt: „Es geschah aber in jenen Tagen, daß er hinaus ging auf den Berg, um zu beten; und er brachte die Nacht im Gebet mit Gott zu. Und als es Tag geworden war, berief er seine Jünger und wählte aus ihnen zwölf, welche er auch Apostel nannte.“ (1) Die erste Wahl und Benennung ist also unmittelbar von Christus ausgegangen; und wenn auch später an die Stelle des Verräters Judas Matthias gewählt wurde, so geschah dies von Seite der Apostel auf Eingebung und unter dem Beistand Jesu Christi und seines heiligen Geistes: „Da stellten sie zwei vor, Joseph, Barsabas genannt, mit dem Zunamen der Gerechte, und Matthias. Und sie beteten und sprachen: Herr, Du Herzenskundiger Aller, zeige an, welchen von diesen Beiden zu erwählet habest, die Stelle dieses Dienstes und des Apostelamtes zu empfangen, von welcher Judas entwichen ist, um hinzugehen an seinen Ort. Da warfen sie das Los über sie; und das Los fiel auf Matthias, und er ward den elf Aposteln beigezählt.“ (2) Dasselbe geschah in Bezug auf die Wahl der heiligen Apostel Paulus und Barnabas; denn nicht nur hat Christus die Wahl und Bestimmung des Ersteren ausdrücklich ausgesprochen: „Dieser ist mir ein Gefäß der Auserwählung, meinen Namen vor die Heiden und Könige und Kinder Israels zu tragen“ (3); sondern Beide wurden auch überdies noch vom heiligen Geist eben so ausdrücklich für das Apostelamt bestimmt: „Der heilige Geist sprach zu ihnen: Sondert mir ab Saulus und Barnabas zu dem Werk, wozu ich sie aufgenommen habe. Alsdann fasteten sie; und sie beteten und legten ihnen die Hände auf; und sie ließen sie ziehen. Und diese nun, ausgesendet vom heiligen Geist, zogen nach Seleucia.“ (4)

(1) Luk. c. VI, v. 12.13.
(2) Act. Ap. c. I. v. 23-26
(3) Ibid. c. IX. v. 15
(4) Act. Ap. c. XIII. v. 2-5.

Die Sendung der Apostel

Auch die Sendung der Apostel ist unmittelbar von Christus und vom heiligen Geiste ausgegangen. Denn zuerst sendete sie Christus an die Juden in Palästina: „Diese Zwölf sendete Jesus aus, gebot ihnen und sprach: „Gehet hin nicht zu den Heiden und ziehet nicht in die Städte der Samariter, sondern gehet vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.“ (5) Nach seiner Auferstehung aber und vor seiner Himmelfahrt gab er ihnen die Sendung für die ganze Welt: „Gehet hin in die ganze Welt.“ (6)

Christus, der Herr, betraute die Apostel mit seiner eigenen Sendung; denn auch er selbst war gesendet, war ei Gesandter seines himmlischen Vaters an die gesamte Menschheit: „Ich bin von Gott ausgegangen und gekommen; denn ich bin nicht von mir selbst gekommen, sondern er hat mich gesendet“ (7); und in diesem Sinne ist auch er ein Apostel, der Erste der Apostel, in dem das ganze Apostolat ruht, und von dem alles Apostolat ausgeht; wie Paulus an die Hebräer schreibt: „Darum, heilige Brüder, Mitgenossen der himmlischen Berufung! Sehet auf den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Jesum.“ (8) Weil er aber nicht immer sichtbar unter den Menschen leben, und nicht an allen Menschen aller Orte und Zeiten seine Sendung in Person vollziehen wollte; übertrug er dieselbe auf die Apostel und deren Nachfolger: „Mit ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin“ (9) und: „Wie mich der Vater gesendet hat, so sende auch ich euch.“ (10) Wie er die Gewalt hatte, seine Sendung auf sie zu übertragen, so sollten sie nicht nur seine Sendung, sondern auch, wie er, die Gewalt haben, ihre Sendung wieder auf ihre Nachfolger zu übertragen, damit seine Sendung fortdauerte bis an das Ende der Welt.

(5) Matth. c. X. v. 5.6.
(6) Mark. c. XVI. v. 15
(7) Joann. c. VIII. v. 42.
(8) Hebr. c. III. v. 1.
(9) Matth. c. XXIII. v. 18.19.
(10) Joann. c. XX. 21.

Ansehen und Autorität der Apostel

Mit dieser Sendung übertrug der Herr auch sein Ansehen und seine Autorität auf die Apostel, und verpflichtete alle Menschen ohne Ausnahme unter der Strafe des Ausschlusses vom Himmelreich und der ewigen Verdammnis, sie, wie ihn selbst aufzunehmen und anzuhören und ihnen, wie ihm selbst, zu gehorchen, und zu folgen: „Wahrlich, wahrlich sage ich euch: Wer Jemanden aufnimmt, den ich senden werde, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesendet hat“ (11); und: „Wer euch hört, der hört mich, und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesendet hat“ (12); und: „Wer immer euch nicht aufnimmt, und eure Reden nicht anhört, aus dessen Hause oder Stadt geht hinaus, und schüttelt den Staub von euren Füßen. Wahrlich sage ich euch: „Es wird dem Lande der Sodomiter und Gomorrhäer erträglicher ergehen am Tage des Gerichtes, als jener Stadt.“ (13) Dies alles liegt selbstverständlich in der Natur dieser Sendung; denn es ist doch die ganze Menschheit verpflichtet, den Sohn Gottes, der von Gott dem Vater an sie gesendet worden, aufzunehmen, anzuhören und ihm zu folgen; dieselbe Verpflichtung, weil dieselbe Autorität, tritt auch in dessen rechtmäßigen Gesandten an sie heran; die Verweigerung dieser Pflichterfüllung ist somit eine Empörung gegen Gott und ein vollendeter Abfall von ihm; daher ist die Verwerfung von Gott und die ewige Verdammnis nur die notwendige und aller gerechteste Strafe dafür. Dies ist um so klarer, als die Menschheit, ohne daß sie diese Gesandten aufnimmt, anhört, und ihnen folgt, ihr Heil nicht wirken, und der ewigen Seligkeit nicht teilhaftig werden kann; denn ohne Christus gibt es für sie keine Erlösung, kein Heilsmittel und keine Gnade; die Vermittlung seines Erlösungs-Werkes und des Heiles hat aber Christus ordentlicher Weise auf seine Gesandten übertragen; daher kann ohne diese Gesandten desselben ordentlicher Weise auch die Erlösung und das ewige Heil nicht vermittelt werden. Wer daher diese Gesandten Christi von sich weist, weist mit ihnen auch seine Erlösung und sein Heil von sich, und muss zu Grunde gehen. Das erhellt aus dem Zweck, zu welchem Christus seine Apostel in die Welt gesendet hat.

(11) Joann. c. XIII. 2. 20.
(12) Luc. c. X. v. 16.
(13) Matth. c. X. v. 14. 15.

Übermittlung der göttlichen Lehre als Pflicht

Denn er hat ihnen die Vermittlung seiner Erlösung an die Menschen, und zwar an jeden einzelnen Menschen übertragen. Er hat ihnen die Übermittlung seiner göttlichen Lehre zur Pflicht gemacht: „Lehret alle Völker“ (14); und: „Predigt das Evangelium jedem Geschöpf.“ (15) Er hat ihnen die Übermittlung der Sünden-Vergebung, der Rechtfertigung, der Heiligung, des übernatürlichen Gnaden-Lebens, der Kindschaft Gottes durch die Taufe und Buße übertragen: „Taufet sie im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes“ (16); und den Beisatz gemacht: „Wer glaubt, und sich taufen läßt, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden“ (17); und: „Wenn Jemand nicht wieder geboren wird aus dem Wasser und dem heiligen Geist, so kann er in das Reich Gottes nicht eingehen.“ (18) Von der Sünden-Vergebung nach der Taufe aber hat er den Ausspruch getan: „Nehmet hin den heiligen Geist. Welchen ihr die Sünden nachlassen werdet, denen sind sie nachgelassen; und welchen ihr sie vorbehalten werdet, denen sind sie vorbehalten.“ (19) Er hat ihnen die Vermittlung der Verdienste seines Erlösungs-Opfers am Kreuz durch dessen unblutige Fortsetzung in der heiligen Messe befohlen, und zu diesem Zweck sie zur Teilnahme an seinem Hohenpriestertum erhoben: „Dies tuet zu meinem Andenken.“ (20) Er hat ihnen die Ausspendung aller seiner Geheimnisse und Gnadenmittel anvertraut, wie der heilige Apostel Paulus bezeugt: „So halte uns Jedermann für Diener Christi und Ausspender der Geheimnisse Gottes.“ (21) Er hat sie endlich zur Regierung seiner ganzen Kirche bevollmächtigt, wie er dazu in Bezug auf die oberste Regierung der ganzen Kirche den Petrus bestimmt: „Weide meine Lämmer. – Weide meine Schafe“ (22) und wie der heilige Apostel Paulus von den Nachfolgern der Apostel im Episkopat in Bezug auf die ihnen anvertrauten Teile der Kirche unter der obersten Regierung des Nachfolgers des heiligen Petrus bezeugt: „Habe Acht auf euch und die ganze Herde, in welcher euch der heilige Geist zu Bischöfen gesetzt hat, die Kirche Gottes zu regieren, die er mit seinem Blut sich erworben hat.“ (23) Dies ist der Zweck, zu welchem Christus seine Apostel gesendet, und dies sind die göttlichen Vollmachten und Mittel, mit welchen er seine Gesandten zur Erreichung dieses Zweckes ausgerüstet hat.

(14) Matth. c. XXVIII. v. 19.
(15) Marc. c. XVI. v.15.
(16) Ibid. v. 19.
(17) Marc. c. XVI. v. 16.
(18) Joann. c. III. v. 5.
(19) Ibid. c. XX. v. 22. 23
(20) Luc. c. XXII. v. 19.
(21) I. Cor. c. IV. v. 1.
(22) Joann. c. XXI v. 15. 16. 17.
(23) Act. Ap. c. XX. v. 28.

Die Fülle des heiligen Geistes

Überdies gab er ihnen zur Bescheinigung und Bestätigung seiner Sendung auch noch die Fülle des heiligen Geistes mit allen seinen Gaben und die Wunderkraft mit auf den Weg. Die Verheißung dessen berichtet der heilige Evangelist Lukas: „Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der über euch kommen wird, und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem, und in ganz Judäa und Samaria, und bis an die Grenzen der Erde“ (24); so wie er auch dessen Erfüllung am ersten Pfingstfest bezeugt: „Und alle wurden mit dem heiligen Geist erfüllt, und fingen an, in verschiedenen Sprachen zu reden, so wie der heilige Geist es ihnen eingab auszusprechen.“ (25) Von der Gabe, Wunder zu wirken, sprach der Herr selbst zu ihnen: „Heilet die Kranken, erweckt die Toten, reinigt die Aussätzigen, treibt die Teufel aus; umsonst habt ihr es empfangen, umsonst gebt es hin.“ (26) Daß sie aber von dieser Vollmacht mit allem Erfolg wirklich Gebrauch gemacht haben, bezeugt der heilige Evangelist Markus: „Sie aber gingen hin, und predigten überall, und der Herr wirkte mit ihnen, und kräftigte das Wort durch die darauf folgenden Wunder.“ (27)
Endlich versprach ihnen der Herr seinen eigenen Beistand: „Sehet, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.“ (28) So ausgerüstet sendete der Herr seine Apostel an seiner Statt in die Welt, vor welcher sie in der Tat wie andere Christus erschienen und wirkten.

(24) Ibid. c. I. v. 8.
(25) Ibid. c. II. v. 4.
(26) Matth. v. X. v. 8.
(27) Marc. c. XVI. v. 20.
(28) Matth. c. XXVIII. v. 20.

Apostolat mit dem Märtyrertod

Wie sie aber das Apostolat Christi besaßen, so sollten sie auch seine Geschicke teilen, wie er es ihnen voraus gesagt hat: „Sehet, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. – Sie werden euch den Gerichtsstellen übergeben, und in ihren Synagogen euch geißeln. Und vor Statthalter und Könige werdet ihr geführt werden um meinetwillen, ihnen und den Heiden zum Zeugnis.“ (29) – „Ihr werdet von Allen gehaßt werden um meines Namens willen.“ (30) „Wenn euch die Welt haßt; so wisset, daß sie mich vor euch gehaßt habe. Wäret ihr von der Welt, so würde die Welt das Ihrige lieben; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch von der Welt auserwählt habe, darum hasset euch die Welt. Gedenket meiner Rede, die ich zu euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen.“ (31) – „Alsdann werden sie euch der Trübsal überliefern und euch töten.“ (32) – „Sie werden euch aus den Synagogen ausstoßen; ja es kommt die Stunde, daß Jeder, der euch tötet, Gott einen Dienst zu tun glauben wird.“ (33) Das Alles haben die Apostel von den Juden und von den Heiden und von den falschen Brüdern erfahren; daß der heilige Apostel Paulus schreiben konnte: „Ich glaube, Gott habe uns Apostel als die aller Geringsten dargestellt, als die zum Tode Bestimmten; denn zum Schauspiel sind wir geworden der Welt, den Engeln und Menschen. – Bis zu dieser Stunde hungern und dürsten wir, sind entblößt, werden mit Fäusten geschlagen, und haben keine bleibende Stätte. Wir arbeiten und mühen uns mit unsern Händen; man verflucht uns, und wir segnen; man verfolgt uns, und wir dulden; man lästert uns, und wir beten; wie ein Auswurf dieser Welt sind wir geworden, wie ein Abschaum von Allen bis zu dieser Stunde.“ (34) – Zuletzt aber krönten sie ihre Arbeit und ihre Leiden als Blutzeugen Jesu Christi mit dem Märtyrertod. Es sollte das Apostolat nicht ohne das Martyrium vollbracht werden.

(29) Ibid. c. X. v. 16. 17. 18.
(30) Ibid. v. 22.
(31) Joann. XV. v. 18. – 20.
(32) Matth. c. XXIV. v. 9.
(33) Joann. c. XVI. v. 2.
(34) I. Cor. c. IV. v. 9. 11.-14.

Im Martyrium die Kirche ausgebreitet

Die Apostel hatten eben die ganze damalige Welt mit allen ihren religiösen, staatlichen, bürgerlichen, wissenschaftlichen Verhältnissen, einer Welt voll der geistigen Irrtümer und der moralischen Laster, alle menschlichen Leidenschaften und die ganze Bosheit der Hölle wider sich; und diese Welt, in deren Händen alle irdische und menschliche Macht lag, sparte keine List und keine Grausamkeit, um sich dem Wirken der Apostel zu widersetzen, und sie samt ihren Werken zu vernichten. Aber wie Christus durch sein Wirken, durch sein Leiden und durch seinen Tod die Menschheit erlöst hat; so sollten seine Apostel eben durch ihr Wirken, durch ihr Leiden und durch ihren Tod der Menschheit dessen Erlösung übermitteln; und wie Christus im Tod den Sieg errungen über alle Feinde des menschlichen Heiles, so haben die Apostel eben in ihrem scheinbaren Untergang die Kirche Christi unter den Völkern der Erde gegründet, ausgebreitet und festgestellt. Daher schreibt der heilige Augustinus: „Niemand kann erklären, auf welcherlei Arten der Tod der Apostel kostbar zu erachten ist. Sie sterben verachtet, und nehmen die Herrschaft des Erdkreises in Besitz. Sie sterben alles irdischen Ansehens entäußert, und von ihnen wird der Himmel erschlossen und geschlossen“ (35); und „durch sie ist das Heil der Gläubigen befestigt worden; weil wie sie die Wahrheit, welche sie durch Predigen verkündigt haben, durch Sterben bekräftigen gesehen, indem sie durch die Tat, nicht mit Worten bloß, bezeugt haben, ein wie großes Gut es sei, das in der Hoffnung gewiß, in der Vergeltung herrlich, im Besitz beseligend ist, um dessentwillen kein (dagegen stehendes) Gesetz geachtet, kein Schwert gefürchtet, das Leben unbedenklich preisgegeben wird.“ (36) Paulus konnte schon zu seiner Zeit in dem Brief an die Römer das Zeugnis geben: „Vor Allem danke ich meinem Gott durch Jesum Christum für euch Alle, weil euer Glaube in der ganzen Welt verkündigt wird“ (37); und im Brief an die Kolosser, in dem er von dem Wort der Wahrheit des Evangeliums sagt: „Das zu euch gekommen, wie es auch in der ganzen Welt ist, Früchte bringt und zunimmt, gleichwie unter euch seit dem Tage, da ihr gehört und erkannt habt die Gnade Gottes in der Wahrheit.“ (38)

(35) Serm. 1. de Ss. Ap. Petr. et Paul.
(36) Serm. 5. de dedicat. Eccles.
(37) Rom. c. I. v. 8.
(38) Coloss. c. I. v. 6.

Der Erfolg der Apostel

Dieser Erfolg der Apostel: Eine bekehrte und umgewandelte Welt zu den Füßen der Fischer aus Galiläa; ist ein größeres Wunder, als alle übrigen Wunder, die sie gewirkt, und bildet das göttliche Siegel ihrer apostolischen Tätigkeit; es ist eben das Werk Gottes durch Menschen in den Menschen vollbracht; weshalb der heilige Chrysostomus schreibt: „Der Apostel ist ein Glied und ein Gefäß des Leibes Christi, von dem er Alles empfängt, der durch die Reden, wie durch Blut- und Pulsadern, das ewige Leben in alle ausströmen macht.“ (39) „Die Apostel sind Wohnsitze Gottes; und es ist kein kleiner Ruhm der Apostel, daß ihre Worte in den gläubigen Menschen sitzen, wie die Worte Christi.“ (40) Christus und der heilige Geist redeten, und wirkten in den Aposteln, wie der heilige Apostel Paulus sagt: „Wir sind Gesandte an Christi statt, indem Gott gleichsam durch uns ermahnt“ (41); über welche Worte der heilige Chrysostomus schreibt: „Das Amt eines Apostels ist etwas, das an unendlichen Gütern Überfluss hat, größer, als alle Gnaden, ist, und alle Gaben in sich begreift. Denn was kann man mehr sagen, als daß Christus eben dasjenige, was er, während er unter uns wandelte, selbst getan hat, ihnen übertragen habe, und so endlich von uns weg gegangen sei?“ (42)

(39) Serm. 11. in Epist. ad Ephes.
(40) Homil. 33. in Psalm XLVI. In: Deus sedet super sedem sanctam suam.
(41) II. Cor. c. V. v. 20.
(42) Homil. 1. in Epist. ad Rom.

Die apostolische Gewalt der Apostel

Die Apostel sind durch ihre göttliche Wissenschaft, Weisheit und Lehre „das Licht der Welt“ (43), durch ihre Wirksamkeit „das Salz der Erde“ (44); durch ihre Glaubensstärke „die Säulen“ (45) der Kirche, durch ihre einfache und völlige Hingabe an Christus und an dessen Werk „Tauben und Lämmer“ (46), durch ihre Macht der Schrecken der Hölle, der Tod der Sünde, die Beherrscher der Natur, die Sieger über die Herzen der Fürsten und Völker, durch ihr ganzes Wirken „Stellvertreter Christi“ (47) und „Mitarbeiter Gottes“ (48), durch ihr Wort, durch ihren Wandel, durch ihr Leiden und durch ihren Tod „Zeugen Jesu Christi“ (49). Das Alles, das ganze Apostolat faßt der heilige Apostel und Evangelist Johannes in folgenden Worten zusammen: „Was vom Anfang war, was wir gehört, was wir mit unsern Augen gesehen, was wir beschaut, was unsere Hände betastet haben, von dem Worte des Lebens, (denn das Leben hat sich geoffenbart, und wir haben es gesehen, und geben Zeugnis davon, und verkündigen euch das ewige Leben, welches bei dem Vater war, und uns erschienen ist), was wir gesehen, und gehört haben, verkündigen wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft habet mit uns, unsere Gemeinschaft sei mit dem Vater und mit seinem Sohne Jesu Christo.“ (50) Der heilige Chrysostomus aber schreibt: „Christus hat die Apostel gesendet, wie die Sonne ihre Strahlen, wie die Rose ihren Wohlgeruch, wie das Feuer seine Funken ausstreut, damit, wie die Sonne in den Strahlen erscheint, wie die Rose in ihrem Wohlgeruch empfunden, wie das Feuer in seinen Funken gesehen wird, also in deren Tugenden die Macht Christi anerkannt werde. Denn wer preist nicht, wenn er die jünger so wohl ausgerüstet sieht, die Wissenschaft des Lehrers?“ (51) Der heilige Augustinus endlich sagt: „Der Herr hat den Aposteln Gewalt gegeben über die Natur, um sie zu heilen, über die Teufel, um sie zu stürzen, über die Elemente, um sie umzuwandeln, über den Tod, um ihn zu verachten, über die Engel, um den Leib Christi zu konsekrieren.“ (52)

(43) Matth. c. V. v. 14.
(44) Ibid. v. 13.
(45) Galat. c. II. v. 9.
(46) Matth. c. X. v. 16.
(47) II. Cor. c. VI. v. 1.
(48) I. Cor. c. III. v. 9.
(49) Act. Ap. c. I. v. 8
(50) I. Joann. c. I. v. 1-4.
(51) In Matth. c. X.
(52) Serm. 1. de Apost. Petr. et Paul. –
aus: Georg Patiss SJ, Paulus in seinen apostolischen Tugenden, 1881, S. 16 – S. 25

Verwandte Beiträge

Natürliche und christliche Menschenliebe
Notwendigkeit des kostbaren Blutes Jesu
Menü