Den an Leib und Seele Demütigen erhöht Gott

Die Demütigen erhöht Gott

Das demütige Gebet

Ja es ist wahr, wie immer, so ist auch gerade jetzt der liebe Herrgott im Himmel damit beschäftigt, die Stolzen zu erniedrigen, die Demütigen zu erhöhen. Das hat schon lange vor dem hl. Notker die allerweiseste Jungfrau Maria in ihrem Magnifikat (Luk. 1,52) gesagt. Auch heute noch – bedenke es wohl – erhöht dich der liebe Gott gerne, wenn du dich vor Ihm wahrhaft verdemütigst, in deiner Seele und in deinem Leib. Wie soll das geschehen?

1. Du verdemütigst dich vor Gott in deiner Seele, wenn du betend Ihm nahest mit dem lebhaften Bewusstsein, daß du ein Nachkomme des sündigen Adam bist und du von diesem Vater eine dreifache schlimme Erbschaft besitzest:
a) Du hast geerbt eine große Unwissenheit in Bezug auf Gott und göttliche Dinge. Du bist zwar getauft, hörst die Predigt des Evangeliums, hast den heiligen Geist selbst zum Lehrer; aber du hast dir schwerlich in Bezug auf Fleiß und Fortschritt ein Zeugnis verdient, mit dem der himmlische Vater zufrieden sein kann, weil du hochmütig den Katechismus bei Seite legst und weltliche Sachen für wissenswürdiger hältst.
b) Du hast geerbt eine große Neigung zum Bösen, zur Selbstgefälligkeit, die wie pharisäischer Sauerteig die ganze Masse deiner Gedanken, Worte und Werke durchsäuert und dich zum Dieb an den Opfern macht, welche du Gott deinem Herrn und Vater schuldig bist.
c) Du hast geerbt die Sterblichkeit, die beständige Todesgefahr, an welche dich tägliche Vorkommnisse lebhaft genug erinnern. Diese Todesgefahr ist noch um so bedenklicher, je giftiger der Hauch der bösen Beispiele und Ärgernisse ist, mit dem die jetzige Welt auf dich einwirkt, je feindlicher der Haß ist, mit dem die Hölle dich aus der Gnade Gottes in ihre Flammen hinabzuziehen sich anstrengt.

Dieses dreifache Bewusstsein zeigt dir in der Hoffnung auf die Barmherzigkeit Gottes die einzige Rettungshand, welche dich über den Wassern dieser Trübsale zu halten vermag, und deine so gedemütigte und um Hilfe rufende Seele gewiß empor zieht – erhöht.

2. Du verdemütigst dich vor Gott in deinem Leibe, wenn du diese deine Hoffnung vor Ihm in demütiger Haltung, mit gebogenen Knien, gefalteten Händen, nieder geschlagenen Augen aussprichst. Jesus rühmt das Benehmen des Zöllners im Tempel: „Er stand von ferne, wollte nicht einmal die Augen gen Himmel erheben, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott sei mir Sünder gnädig!“ (Luk. 18) und Er selbst, der „viel geliebte Sohn“, wie hat Er mit dem Vater gesprochen? Das heilige Evangelium sagt es klar: „Er kniete nieder, fiel auf sein Angesicht und betete.“ (Matth. 26; Mark. 14) Durch den Anblick des betenden Jesus tief erschüttert ruft der hl. Cäsarius, Bischof von Arles, aus: „Siehe da! Die Barmherzigkeit wirft sich hin auf den Boden zum Gebet, und du, die Armseligkeit, du sollst dich schämen zu knien: die Heiligkeit verdemütigt sich bis zur Erde, und du, die Schlechtigkeit, du sollst dich weigern, nur die Hände zu falten: der Richter selbst fällt nieder auf das Angesicht, und du, der todesschuldige Sünder, du solltest dir erlauben zu stehen, zu sitzen, oder andere Ungebühr zu treiben!“ Ja nur den an Seele und Leib Demütigen erhöht Gott. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 263

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