Missionare auf dem Heiligen Stuhl Petri (590-715)

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

 Die Missionare auf dem Stuhl Petri

Einleitung

Sie regierten vom Jahre 590 – 715 und heißen:

Hl. Gregor I. der Große 590-604
Sabinian 604-606
Bonifatius III. 607
Hl. Bonifatius IV. 608-615
Hl. Deusdedit 615-618
Bonifatius V. 619-625
Honorius I. 625-638
Severinus 640
Johann IV. 640-642
Theodor I. 642-649
Hl. Martin I. 649-655
Hl. Eugen I. 655-657
Hl. Vitalian 657-672
Deusdedit II. 672-676
Donus 676-678
Hl. Agatho 678-681
Hl. Leo II. 682-683
Hl. Benedikt II. 684-685
Johann V. 685-686
Conon 686-687
Hl. Sergius I. 687-701
Johann VI. 701-705
Johann VII. 705-707
Sisinnius 708
Constantinus 708-715

Es war ein entscheidender Augenblick, als Papst Leo der Große dem Hunnenkönig Attila auf seinem Vernichtungszug entgegen trat und ihn zur Umkehr bewog! Afrika seufzte unter der Verfolgung der Vandalen, Spanien und Gallien waren größtenteils von den arianischen Goten besetzt. Die Kirche des Morgenlandes war von Irrlehrern, Mißbrauch der Gewalt, ehrgeizigem Streben einzelner Bischöfe heimgesucht. Es war eine Zeit der furchtbarsten Gefahr, da das Schicksal der kommenden Jahrhunderte, die Entwicklung der Geschichte von einem großen Entschluss, von einer begeisterten Tat abhing. Papst Leo I., der Große, faßte diesen Entschluss und vollbrachte diese Tat.
Den gleichen Dienst leistete dieser Papst den europäischen Staaten und allen Weltteilen, als er dem Vandalenfürsten Genserich entgegen ging und ihn durch seine Bitten bewog, sich mit der Plünderung der Stadt zufrieden zu geben und seinen Vorsatz aufzugeben, die Stadt mit Feuer und Schwert zu vernichten.

Wer hat die wilden Scharen der Mohammedaner in Spanien aufgehalten, als sie nach Deutschland vordringen wollten, um alles zu zerstören? Es waren die katholischen Franken, deren Bekehrung die Päpste gefördert hatten. Wären damals die Bischöfe in Rom nicht gewesen, so gäbe es wohl kein christliches Deutschland mehr.

Das ist die Bedeutung des unerschütterlichen Felsens, den wir im dritten Zeitabschnitt geschildert haben. An ihm haben sich die hoch gehenden Wogen der wilden Völker gebrochen. Der Fortschritt der neueren Zeit, der von Deutschland und Frankreich, überhaupt von Europa ausging, wäre unmöglich gewesen, wenn in den Stürmen der Völkerwanderung Rom untergegangen wäre. Wer findet Worte des Dankes für den Mut der Päpste, für ihre Selbstverleugnung, ihre Aufopferung! Wenn die Päpste seit jenen Tagen kein anderes Verdienst mehr aufzuweisen hätten, verdienten sie dadurch allein schon dauernden Dank. Und doch haben wir in diesem vierten Zeitabschnitt ein neues großartiges Werk der Päpste zu verzeichnen. Sie schickten die Friedensboten nach allen Gegenden Europas, um durch den Glauben und die frohe Kunde des Evangeliums die wilden Völker zu beruhigen. Diese Glaubensboten lehrten die Völker das Schwert mit dem Pflug vertauschen und die verwüsteten Einöden in lachende Fluren umwandeln. Wir nennen wiederum mit Recht die Päpste dieses Zeitabschnittes „die Missionare auf dem Heiligen Stuhl“.

An der blauen Donau, am sagenreichen Rhein, an der Elbe, an den Gestaden der Nord- und Ostsee ließen sich die römischen Glaubensboten, mit dem apostolischen Segen ausgerüstet nieder. Und dort, wo noch vor kurzem das wilde Schlachtengetümmel Schrecken verbreitete, blüht blad die zierliche Rebe, wogen ährenreiche Saatfelder, breiten sich wohl gepflegte Gärten aus, erstehen Städte und Dörfer, wohnt ein glückliches, zufriedenes Volk.
Das ist die Bedeutung der Missionen, welche in der Zeit, die wir jetzt zu beschreiben haben, von Rom ausgingen. Während Papst Gregor der Große mit der einen Hand die Wunden heilte, an denen Italien und besonders Rom bluteten, segnete er mit der anderen Missionar Augustin und schickte ihn in ferne Länder, das Evangelium zu predigen. Während er im Morgenland über die Reinheit der Lehre wachte, als die griechischen Kaiser sie fälschen wollten, sorgte er für die Sklaven in der ewigen Stadt und besserte ihre Lage.

Während der Völkerwanderung herrschten in Rom und in ganz Italien namenlose Not und bitterstes Elend. Das hinderte die Päpste nicht, sich auch noch der übrigen Kirchen anzunehmen. Sie entschuldigten sich nicht mit der Ausrede: „Wir haben mit uns selbst zu tun!“ Vielmehr verloren sie keinen Augenblick das Wohl der Völker aus dem Auge.
Während die Päpste in Rom die Not linderten, schlugen die kriegslustigen Feinde der Welt neue Wunden. Die Langobarden wollten ihr Reich über Italien ausdehnen. Dazu kam das treiben der Griechen, die nur darauf bedacht waren, dem römischen Bischof Sorgen zu bereiten. Kam ein Papst in bedrängte Lage, dann waren es gewiß die Patriarchen von Konstantinopel, welche die Gelegenheit schlau benützten, um ihre Macht ungebührlich auszudehnen.

An den deutschen Völkern konnten die Päpste so recht ihre weltumspannende Kraft offenbaren. Denn diese Völker besaßen keine weitere Bildung als die Kunst mit den Waffen in der Hand zu vernichten, was dem Feind gehörte.
Kaum begannen die Päpste das Missionswerk, als sich ihnen, wie von selbst die notwenigen Helfer darboten. Der heilige Papst Cölestin I. hat den Bischof Palladius nach Irland entsendet, um über jene schöne Insel die Segnungen des Glaubens auszugießen. Ihm folgte mit päpstlicher Sendung der heilige Patrick. Aus der „grünen Insel“ wurde eine „Insel der Heiligen“. Der Irländer Fridolin verkündete das Christentum in Alemannien. Der Ire Kolumban bekehrte die Pikten in Schottland, Kolumban und Gallus und andere Irländer kamen nach Deutschland und predigten in den Vogesen und in der Schweiz. Der Apostel der Deutschen wurde der heilige Bonifatius, ebenfalls ein Irländer.

Doch das sind nicht die einzigen Werkzeuge, welche sich den Päpsten darbieten, um den heiligen Glauben zu verbreiten. Für die Langobarden wurde die edle Fürstentochter Theodolinde aus Bayern das Werkzeug zur Einführung des wahren Glaubens. Weibliche Tugend brach den Trotz des Königs Agilulf. Von Rom reiste der Missionär Augustinus mit vierzig Gefährten nach England, um dort das Samenkorn des Evangeliums auszusäen. Am Rhein wirkte der Einsiedler Goar und stellte den reinen katholischen Glauben wieder her. Der fränkische Bischof Emmeram eilte nach Bayern und wurde dessen Apostel. Mit ihm verkündete die katholische Lehre der Mönch Kilian in Franken. Der heilige Willibrod predigte unter den fränkischen Friesen mit großem Erfolg und gründete das Bistum Utrecht. Wenige Jahre nach ihm erstand an dem Ufer der Isar, auf lieblicher Höhe, die Bischofsstadt Freising. Der dortige erste Bischof Korbinian erbaute die Gemüter durch seine Tugenden und den Glanz seines Wandels.

Der ehemalige wilde Sohn der germanischen Urwälder wirft das Schwert von sich und ergreift mit Freude den Pflug. Das hat die Wirksamkeit der Klöster gebracht.
An den Benediktinern fanden die Päpste die besten Helfer, um ihre Werke zu vollenden, Europa dem Christentum und dadurch der Bildung zuzuführen.
Die Klöster vermehrten sich, bald widerhallten die Gestade der deutschen Seen, die Ufer des Rheines, des Mains, der Donau, der Elbe, der Oder von den Lobgesängen der Söhne des heiligen Benedikt. Daher darf es uns nicht wundern, wenn die deutschen Wälder sich rasch lichteten, wenn die Sümpfe austrockneten und die Flüsse gar bald die Erzeugnisse des Kunstfleißes von einem Ort zum andern trugen.

… Einst haben römische Herrscher die Völker entzweit und gegeneinander gehetzt, um sie dann unterwerfen zu können. Nun erscheinen Herrscher in Rom, welche die kämpfenden Völker versöhnen, um ihnen die wahre Freiheit zu geben.
Wenn ein Sturmwind das Meer bis in die Tiefe aufgewühlt hat, so dauern die Bewegungen noch lange Zeit fort. Ebenso hatte der Sturm der Völkerwanderung sich gelegt; keine neuen Völker kamen mehr aus Asien, die früher angekommenen hatten feste Wohnsitze oder waren im Sturm untergegangen. In Italien wohnten die Langobarden, in Spanien die Westgoten, in Frankreich die Franken; in die Länder an der Mosel, am Rhein, am Main, ander Elbe und der Donau teilen sich verschiedene Stämme. Dennoch erfreut sich Europa längere Zeit noch nicht des vollen Friedens. Endlich brach die Fülle der Zeiten für Europa an. Nun erschien der Mann, der ein Friedensfürst werden sollte wie einst König Salomo. Es war der heilige Gregor I. der Große. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 177 – S. 179

Bildquellen

  • Hattler Das Leiden Der Kirche: Bildrechte beim Autor

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