Das Pontifikat von Papst Innozenz II. (1130-1143)

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Die Päpste und das hl. Grab in Jerusalem

Das Pontifikat von Papst Innozenz II. (regierte von 1130-1143)

Noch vor dem Tode Honorius II. trafen 30 Kardinäle und viele angesehene Römer Anstalt, den reichen Kardinal Petrus Leonis zum Papst zu wählen. Er stammte aus einer jüdischen Familie. Der Großvater hatte sich taufen lassen und zu Ehren des Papstes Leo den Namen Leo angenommen. Er war sehr reich und durch seinen Reichtum gelang es ihm, seine Söhne und Töchter mit den Vornehmsten der Stadt in Familien-Verbindungen zu bringen. Dadurch wuchs die Macht und das Ansehen dieser Familie, und das umso mehr, als sie sich im Investiturstreit auf die Seite der Päpste gestellt hatte. Petrus, der Enkel Leos und Sohn des Petrus, trat in den geistlichen Stand und wurde Kardinal, behielt aber die weltlichen Sitten bei. Durch sein großes Vermögen und durch den Einfluß seiner Familie gewann er einen bedeutenden Anhang. Als aber die eifrigen, streng kirchlich gesinnten Kardinäle von diesen Umtrieben Kenntnis erhielten, trachteten sie der Gegenpartei zuvor zu kommen und wählten gleich nach dem Ableben des Honorius den Kardinal Georgius Papareschi am 14. Februar vormittags zum Papst, der den Namen Innozenz II. annahm. Er war ein geborener Römer, ein überaus würdiger und in jeder Beziehung ausgezeichneter Mann. Entschieden weigerte er sich anfangs die Wahl anzunehmen und konnte erst durch inständiges Bittender Kardinäle, die ihn sogar mit der Exkommunikation bedrohten, zur Annahme der Würde bewogen werden. Nachmittags wurde Petrus Leonis von seiner Partei gewählt und nahm den Namen Anaklet II. an. Innozenz konnte sich dem mächtigen Gegenpapst gegenüber in Rom nicht halten. Er begab sich nach Frankreich und wurde von Ludwig VI., unter dessen Regierung fünf Päpste in Frankreich eine Zuflucht gefunden, aufs ehrenvollste aufgenommen.

Der hl. Bernhard war die Stütze des Papstes; er erklärte sich für Innozenz, weil dieser zuerst gewählt, seinem Wandel nach ungleich würdiger und von dem berechtigten Bischof von Ostia konsekriert worden sei, während die Wahl des Gegenpapstes simonistisch und mit Verletzung der bestehenden Ordnung stattgefunden habe. Auf diese Erklärung hin wurde Innozenz auf der Synode von Etampes als rechtmäßiger Papst proklamiert. Auch Spanien anerkannte Innozenz als rechtmäßigen Papst. In Deutschland trat der hl. Norbert entschieden für Innozenz ein. Am 22. März 1131 fand eine Zusammenkunft zwischen dem Papst und dem deutschen König in Lüttich statt. Lothar machte sich verbindlich, den Papst nach Rom zu führen, während Innozenz ihm die Kaiserkrone aufzusetzen versprach. Als Lothar das Begehren stellte, ihm wieder die Investitur zu gestatten, weigerte sich dessen der Papst mit aller Entschiedenheit.

So hatte sich beinahe die ganze Christenheit Innozenz unterworfen, nur der Herzog von Aquitanien, der Erzbischof von Mailand und einige Kirchen Italiens huldigten dem Gegenpapst, der auch Rom in Besitz hatte. Überdies hatte Anaklet den ehrgeizigen Herzog Roger von Sizilien gewonnen. Der Gegenpapst sagte ihm die Belehnung mit Kapua und Neapel zu, verlieh ihm den Titel eines Königs von Sizilien und ließ ihn durch einen Kardinal in Palermo krönen. Der Papst zog in Begleitung des hl. Bernhard dem König nach Italien voraus und wurde am 30. April 1133 von Lothar in Rom eingeführt. Am 4. Juni erhielten Lothar und seine Gemahlin im Lateran die Kaiserkrönung, während der Gegenpapst noch die Engelsburg und St. Peter besetzt hielt. Nach dem baldigen Abzug des Kaisers von Rom, der sich zu schwach sah, um den gewalttätigen Roger zu bekriegen, fühlte sich auch Innozenz in Rom nicht sicher. Er begab sich nach Pisa und hielt daselbst eine große Synode ab, auf welcher Anaklet neuerdings mit dem Bann belegt wurde. Bernhard hatte dem rechtmäßigen Papst unterdessen viele Bischöfe und Große Italiens, wie auch die Mailänder gewonnen. Da König Roger I. von Sizilien Italien immer mehr bedrängte, kam Lothar auf Bitten des Papstes abermals nach Italien, besiegte den König und eroberte den größten Teil von Apulien.

Die Hitze und ausgebrochene Krankheiten, sowie das Murren der Vasallen drängten den Kaiser zur Heimkehr. Längere Zeit hielt er sich in Monte Cassino auf. Petrus Diakonus berichtet gelegentlich dieses Besuches folgenden rührend schönen Zug von der Frömmigkeit Lothars: „Von früh morgens bis abends, weder durch Speise noch Trank sich erquickend, ging der Kaiser von da nicht hinaus und zeigte unter dem kaiserlichen Gewand den Gürtel eines anderen Rittertums (Bußgürtel). Auf jedem Marsch, auf welchem ich bei ihm war, hörte er bei Tagesanbruch die Messe für die Verstorbenen, dann für das Heer, endlich die Tagesmesse. Alsdann wusch er mit der mildesten Kaiserin den Witwen und Waisen die Füße, trocknete sie mit dem Haupthaare, küßte sie und reichte ihnen Speise und Trank im Überfluß. Dann half er Klagen und Bedrückungen der Kirche ab, endlich nahm er Reichsgeschäfte vor.“ Leider waren Lothars Lebenstage gezählt, krank und den Todeskeim im herzen, verließ er Italien. Auf dem Heimwege hauchte er in einer einfachen Bauernhütte zu Breitenwang in Tirol seine Seele am 4. Dezember 1137 aus. Seine glanzvolle Regierung, schreibt Weiß, zeigt, wie richtig seine Politik, die des Friedens mit der Kirche gewesen war.

Während Innozenz noch in Benevent weilte, starb zu Rom in der Engelsburg am 23. Jänner 1138 der Gegenpapst Anaklet. Zwar wählten seine Anhänger mit Bewilligung und Gutheißung Rogers den Kardinalpriester Gregor zum Papst und nannten ihn Viktor IV. Doch auf die eindringlichen Vorstellungen des hl. Bernhard hin legte er seine angemaßte Würde nieder und unterwarf sich dem Papst, ebenso unterwarfen sich die Brüder des Gegenpapstes Anaklet und schworen dem Innozenz Treue. Im April 1139 hielt Innozenz II. zu Rom das zehnte allgemeine oder das zweite Lateranensische Konzil, auf welchem gegen 600 Bischöfe und eine ungezählte Menge von Äbten und Geistlichen anwesend gewesen sein sollten. Auf diesem Konzil wurden mehrere Mißbräuche bei Klerus und Volk wie auch einige Irrlehren verworfen, die Anhänger Arnolds von Brescia, welche das Recht der Kirche und der Geistlichen auf den Besitz zeitlicher Güter bestritten, verurteilt und über Roger, der Apulien wieder an sich gerissen, der Bann ausgesprochen. Unter andern wurde auf diesem Konzil das berühmte Dekret erlassen, durch welches jeder der Exkommunikation verfällt, der in böswilliger Absicht an einem Kleriker sich vergreift. Durch diesen kirchlichen Schutz des Klerus vor tätlichen Mißhandlungen soll die Achtung und Ehrfurcht vor der Religion gehoben werden. Das durch dieses Dekret erteilte Privileg wird das Privilegium Kanonis genannt. Wie die weltlichen Regierungen ihre Amtspersonen durch besondere Strafparagraphen schützen zur Wahrung der staatlichen Autorität, so will die Kirche zur Wahrung der kirchlichen Autorität und der Ehrfurcht vor der Religion durch obiges Dekret auch ihre Amtspersonen, die Kleriker, schützen.

Nach dem Konzilium hatte Innozenz wieder mit dem herrschsüchtigen und rücksichtslosen Roger von Sizilien zu schaffen. Dieser achtete weder Rechte noch Bann. Daher sah sich der Papst genötigt, gegen ihn zu Felde zu ziehen. Jedoch der Feldzug mißlang; der Papst wurde überfallen und gefangen genommen. Innozenz mußte ihn mit Sizilien, Apulien und Kapua belehnen und die ihm von Anaklet erteilte Königswürde bestätigen. Auch mit König Ludwig VII. kam Innozenz in Streit, da jener den rechtmäßigen erwählten Erzbischof von Bourges nicht anerkennen und einen anderen der Diözese aufdrängen wollte. Der Friede kam erst unter dem folgenden Papst Cölestin II. zustande. Im Kirchenstaat selbst hatte Innozenz gleichfalls mit der Empörung mehrerer Städte zu kämpfen, die sich von der Unterwürfigkeit gegen den römischen Stuhl losgesagt hatten. Nach der Unterwerfung der Stadt Tivoli verlangten die Römer, welche auf diese Stadt eifersüchtig waren, vom Papst, er solle ihre Mauern niederreißen und die Bewohner zwingen, sich anderswo anzusiedeln. Da der menschenfreundliche Papst auf dieses grausame Ansinnen nicht einging, kündigten die Römer dem Papst den gehorsam und errichteten auf dem Kapitol eine unabhängige städtische Obrigkeit. Mitten unter diesen Wirren beschloß Innozenz sein bedrängnisvolles Leben am 24. September 1143.

aus: Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, III. Band, 1907, S. 378-381

Category: Papsttum
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