Der Liberalismus und seine falsche Liebe

 Liberalismus ist Sünde

Der Liberalismus und seine falsche liberale Liebe

Auszug aus Teil 3: Liberalismus ist eine Sünde

Intoleranz! Unduldsamkeit! Höre ich hier einen beträchtlichen Teil meiner Leser, die mehr oder minder vom Liberalismus im Schlepptau gehalten werden, ausrufen… Wie wenig christliches Benehmen! Ist der Anhänger des Liberalismus nicht auch so gut wie jeder andere unser Nächster? Wohin werden uns solche Ideen führen? In welch` schamloser Weise schärft man uns gegen die Liberalen die Außerachtlassung der Liebe ein?

„Das scheint bloß!“ rufen wir hingegen aus, wenn man uns schon den Vorwurf des Mangels an Liebe macht. Wohlan wir wollen diesem Tadel begegnen, der für manche das wahre Streitross in der Frage ist und wenn nicht das, so doch wenigstens unsern Feinden zum eigentlichen Schild und zur Brustwehr dient. Man macht es hier eben, wie sich ein Schriftsteller sehr treffend ausdrückte, die Liebe zur Schanze und Barrikade gegen die Wahrheit.

Zuvörderst müssen wir wissen, was das Wort Liebe bedeutet.

Die katholische Theologie gibt uns davon eine Begriffsbestimmung durch das passendste und ansehnlichste Mittel der volkstümlichen Glaubensunterweisung, nämlich durch den weisen, tiefphilosophischen Katechismus. Dieser sagt uns: Die Liebe ist eine übernatürliche Tugend, die uns antreibt Gott über alles und den Nächsten wie uns selbst zu lieben aus Liebe zu Gott. Aus dieser Definition ergibt sich, daß wir nach jenem, was Gott betrifft, den Nächsten lieben sollen, wie uns selbst, und dies nicht auf jede beliebige Weise, sondern in der gehörigen Ordnung und mit Unterwerfung unter das Gesetz Gottes und aus Liebe zu Gott…. So faßt es der moderne Liberalismus nicht auf; jedoch wer es nicht so auffaßt, hat eine verfehlte Auffassung. Indes hat er selbst einen falschen Begriff von der Liebe, und hört nie auf, die überzeugungstreuen Katholiken zu necken und zu belästigen mit der wiederholten Anschuldigung der Intoleranz, Unverträglichkeit und Unduldsamkeit. Unsere Formel läßt an klarer und konkreter Fassung nichts zu wünschen übrig. Sie lautet also: die größte katholische Unduldsamkeit ist die größte katholische Liebe.

All` dies ist reine Unverträglichkeit oder Unduldsamkeit in der wahren Liebe und deswegen die höchste Gottes- und Nächstenliebe und demnach sind die Vorbilder dieser Unduldsamkeit die erhabensten Helden der Liebe, wie sie die wahre Liebe versteht. Darum gibt es wenige Unduldsame, gibt es heutzutage so wenige, welche wahrhaft lieben. Die liberale Liebe, die heute im Schwunge und in der Mode ist, besteht in bloßen äußeren Formen, in Schmeicheleien, in der Willfährigkeit und in affektierter Zärtlichkeit, im Grunde aber ist sie die wesentliche Verachtung der wahren Güter des Menschen und der erhabensten Interessen der Wahrheit und des Allerhöchsten. –
aus: Félix Sardá y Salvany, Der Liberalismus ist Sünde, Brennende Fragen, 1889, S. 62 – S. 65

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