Über die Notwendigkeit des Fastens

Vom Fasten wollen nur wenige wissen

Der heilige Romuald kündigte den Sinnen des Leibes, besonders der Esslust, einen beständigen Krieg an. Nur die notwenigste Speise zur Erhaltung seines Lebens nahm er zu sich, und selbst diese Speise war gering und schlecht. – Fasten war ihm zur Gewohnheit geworden. Er folgte hierin seinem göttlichen Heiland nach, der so viel und streng fastete; er folgte nach den heiligen Aposteln und allen Heiligen, die ebenfalls durch Fasten sich abtöteten. – Vom Fasten wollen nur wenige Menschen etwas wissen; den meisten kommt das Fasten gar so hart an; sie machen sich deshalb auch kein Gewissen mehr daraus, das Fastengebot der heiligen Kirche zu übertreten und wollen selbst an den wenigen Tagen des Jahres, wo das Fasten geboten ist, nicht nur sich keinen Abbruch tun, sondern nicht einmal vom Fleischessen sich enthalten. Gehörst etwa du, christlicher Leser, auch zu der Zahl dieser lauen Christen? Bedenke doch, daß kein Mensch selig werden kann, der seinen Leib nicht abtötet und seine Gelüste bezähmt. (siehe dazu den Beitrag: Was bedeutet Abtötung für einen Christen) Seitdem der menschliche Leib durch die Sünde verdorben ist, ist er der gefährlichste Feind unserer Seele. Der Leib will es nicht zulassen, daß du betetst und betrachtest, daß du sanftmütig, geduldig, demütig seiest, daß du still schweigst, daß du mit Ernst und Ausdauer ein geistliches Werk übst; der Leib will das Himmlische nicht, sondern nur das Irdische; er will ruhen; er will gut essen und trinken; er meidet alles, was Anstrengung kostet; er verlangt nur nach Vergnügen und Lust. Die Seele will das nicht, denn sie wird dadurch nicht befriedigt; allein der Leib hält die Seele fest und will über sie Herr sein. Wenn nun dein Leib die Herrschaft führt, wenn du deinem Leib nachgibst und in seine Begierden einwilligst, so führt er dich in die Sünde und läßt dich nicht zum Himmel empor steigen. – Willst du also selig werden, so musst du über deinen Leib Herr werden, du musst ihm seine Gewalt nehmen; du musst also fasten. Dieses Fasten besteht aber nicht bloß darin, daß du dir in Speis und Trank Abbruch tust, sondern auch darin, daß du alle deine Sinne, deinen Gaumen, deine Augen, deine Zunge bezähmst. Dies musst du aber alle Tage tun und dadurch wird nach und nach deine Seele frei von den Banden des Leibes; du wirst ein geistlicher Mensch werden; du wirst das Gute leicht tun können und das Himmelreich erringen. O christliche Seele, übe dich nur einmal in diesem Kampf und du wirst finden, daß viel Trost und Freude darin verborgen ist. Merke dir, daß ein fleischlicher Mensch nie zu Gott, dem vollkommensten Geist, gelangen kann.

Aussprüche des heiligen Romuald

Man bezähme die Esslust, damit nicht der Bauch, wenn er unmäßig mit Speisen angefüllt ist, auch die übrigen Glieder zur Sünde reize. – Auch die Zunge muss man beherrschen, denn wenn man ihr zu viele Freiheiten gestattet, wird die Kraft der göttlichen Gnade in der Seele geschwächt. -Die Gewohnheit macht uns ein rauhes und strenges Leben mild und lieb. – Das Leben der Heiligen geht mir durch Mark und Bein, wenn ich es lese; und wenn ich sehe, was ich tue, möchte ich vor Schamröte und Herzeleid sterben!

Gebet.
O göttlicher Heiland, der du gesagt hast, daß deine Braut, die heilige katholische Kirche, fasten werde, verleihe mir die Gnade, daß ich auf die Stimme dieser Kirche merke, als Mitglied derselben ihre Gebote halte und durch Abbruch in Speise und Trank meinen Leib abtöte und meine Seele rette. Amen. –
aus: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Bd. 1, 1904, S. 203 – S. 204

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