Der selige Johannes Columbini

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

31. Juli

Der selige Johannes Columbini, Ordensstifter

Johannes Columbini, Sohn einer adeligen und reichen Familie aus Siena, widmete sich dem Handelsstand und stieg in den öffentlichen Ehren bis zur Würde des Bannerherrn, d. h. des Oberhauptes der Republik Siena empor und nahm zu – wie an Habsucht so auch an Stolz. Seine glückliche Ehe war mit einem Sohn, Petrus, und einer Tochter, Angela, gesegnet.

Eines Tages fühlte er ungewöhnlichen Hunger, eilte früher als sonst nach Hause und verlangte barsch zu essen. Seine Gattin begütigte ihn sanft, versprach das Essen in möglichster Eile zu bringen und reichte ihm ein Buch – eine Legende – dar mit der Bitte, sich damit unterdessen die Zeit zu verkürzen. Zornig warf er das Buch auf den Boden, schämte sich jedoch sogleich seiner Tat und fing an zu lesen. Von Ungefähr las er die wunderbare Bekehrung der hl. Maria von Ägypten. (3. April) Da fiel ein göttlicher Gnadenstrahl in sein Herz und rührte ihn zu dem Entschluss, sich ebenfalls zu bessern. Inzwischen rief ihn die Frau zum Essen; er aber erwiderte ganz sanft: „Habe noch Geduld, bis ich mit dieser Geschichte fertig bin.“ Hoch erfreut, daß der Zorn des Gemahls gänzlich verschwunden sei, dankte sie auf den Knien Gott. Columbini war ein ganz anderer Mann geworden; mit großem Eifer bereitete er sich auf eine Generalbeichte vor und empfing öfters die heiligen Sakramente; er wurde sehr freigebig und verkaufte die Waren um weit billigeren Preis, um so die Habsucht abzuschwächen und etwaige Ungerechtigkeiten gut zu machen. Man deutete dies als Geistesstörung; er aber arbeitete mutig an der Selbst-Vervollkommnung, lebte mit Einwilligung der Gattin enthaltsam, besuchte die Kranken in den Spitälern und versorgte viele Arme.

Bis dahin freute sich seine Gattin über die Frömmigkeit ihres Mannes; aber nun schlug er ein Benehmen ein, das ihr nicht mehr gefiel. Er legte nämlich die ärmlichsten Kleider an, trug auf den Schultern dürftige Kranke ins Haus, pflegte sie und küßte ihre Wunden. Selbst fieberkrank schlich er sich heimlich fort und legte sich zu den Kranken im Armenspital, um sich der zu sorgsamen Pflege der Seinen zu entziehen. Solcher verdroß die Gemahlin, doch als sie ihn einmal im Zimmer belauschte und von himmlischem Glanz umleuchtet sah; als ein anderes Mal ei Aussätziger, den der Gatte ins Haus getragen hatte, plötzlich verschwand und im Zimmer einen wunderbaren Wohlgeruch zurück ließ, ehrte sie ihn wieder mit inniger Hochschätzung und unterstützte ihn bei allen guten Werken. Ja, sie willigte ein, als er nach dem Tod des Sohnes Petrus sein ganzes Vermögen dem Krankenhaus in Siena und dem Kloster der Benediktinerinnen, in welches die Tochter Angela eingetreten war, vergabte und für sie, die Gemahlin, eine jährliche Leibrente bedingte.

Von da an lebte Johannes mit seinem Freund Franz Vinzenz Mini, der ebenfalls sein großes Vermögen den Armen ausgeteilt hatte, in apostolischer Armut. Sie verrichteten in Spitälern und Privathäusern die niedrigsten Dienste und Columbini mit Vorliebe dort, wo er früher als Bannerherr die schmeichelhaftesten Ehrenbezeugungen empfangen. Da fehlte es nicht an bitterem Spott, er aber bewahrte seine unerschütterliche Gemütsruhe und mahnte mit wohlwollendem Ernst die Spötter an die ewigen Wahrheiten. Solche kürzere oder längere Reden aus seinem von Liebe brennenden Herzen wirkten oft sehr heilsam, so daß alsbald mehrere vornehme Herren auch ihren Besitz an die Armen verteilten und sich ihm anschlossen. Darüber ärgerte sich der Senat von Siena und verbannte ihn mit 27 seiner Gefährten aus der Stadt. Doch bald wurde dieselbe von einer pestartigen Krankheit bedrängt; das Volk erkannte darin eine Strafe Gottes wegen Verbannung der besten Mitbürger und verlangte ihre Zurückberufung. Sie hatten unterdessen in Städten und Dörfern durch ihr Beispiel und ihre Ermahnungen viele Sünder bekehrt, viele Lauen zu neuem Eifer ermuntert. Sie folgten der Einladung in die Heimat, wo Gott durch Columbini große Wunder wirkte, und richteten sich ein, zuerst nach der Regel des hl. Benedikt, später nach der des hl. Augustin. Sie wurden von dem Volk die „Jesuaten“ genannt, weil sie immer den Spruch im Munde führten: „Gelobt sei Jesus Christus, es lebe Jesus in allen Herzen!“

Der Feind alles Guten verleumdete diese Genossenschaft, daß sie der Ketzerei der Fraticellen anhange, sich für das allein berechtigte Lehramt der katholischen Kirche ansehe…; aber Papst Urban V. überzeugte sich von ihrer Unschuld und erteilte ihr die höchste kirchliche Bestätigung. Treu ihrem Zweck, die Armen zu unterstützen, die Kranken zu pflegen und durch strenge Abtötung der Welt die so notwendige Buße zu predigen, breiteten sich die Jesuaten über ganz Italien aus und erlangten großen Ruhm in der Arzneikunde, weil sie treffliche Medizinen den Armen unentgeltlich gaben.

Nachdem dieses schöne Werk fest gegründet war, erkrankte Columbini, empfing, mit einem Strick um den Hals und auf den Knien liegend, die heiligen Sterbesakramente, gab den versammelten Brüdern die ergreifendsten Ermahnungen und endigte sein hoch begnadigtes Leben am 31. Juli 1367 mit den Worten: „Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist!“ Sein Leichnam hauchte einen überaus lieblichen Wohlgeruch aus, und sein Angesicht verklärte ein freundliches Lächeln. Die Bollandisten zählen viele Wunder auf, die auf seine Fürbitte geschahen. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 562 – S. 563

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