Heiliger Petrus Fourier Ordensstifter

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

 Heiligenkalender

9. Dezember

Der heilige Petrus Fourier Ordensstifter

Der heilige Petrus Fourier (oder Forerius) wurde im Jahre 1565 zu Mirecourt in Lothringen geboren. Seine tugendhaften und wenig bemittelten Eltern (Dominicus Fourier und Anna, geborene Vaccua) gaben ihm eine sorgfältige und fromme Erzieheung. Von Kindesjahren an bemerkte man an ihm eine englische Eingezogenheit und innige Andacht. Zu Pont à Mousson widmete er sich den Studien mit ausgezeichnetem Fortgang, sowohl in den Wissenschaften als in den Tugenden. 20 Jahre alt, begab er sich in die Abtei der regulierten Chorherren des heiligen Augustinus von Chamousey bei Mirocourt, um Gott dem Herrn vollkommener zu dienen. Nach beendigtem Probejahr setzte er seine Studien am erst erwähnten Orte fort und wurde nach seiner Rückkehr zum Priester geweiht.

Der außerordentliche Eifer, den der Diener Gottes in der Übung aller Tugenden bezeigte, erregte den Neid und den Überdruß der lauen Priester, und sie trachteten, ihn zu entfernen. Auf ihr Betreiben wurden dem Petrus drei Pfarreien angetragen; aus ihnen sollte er eine wählen und dort seinen Seeleneifer ohne Hindernis betätigen. Er fragte einen ihm nahe verwandten Jesuiten, Johann Forerius, um Rat, welche aus den dreien er erwählen solle. Johannes antwortete: Die zwei ersteren sind einträglich und ruhig, die dritte aber hat schlechte Einkünfte und Arbeit genug. Petrus, der nur die Ehre Gottes suchte, wählte die dritte, genannt Matincourt, 1597. Die Sitten der Einwohner waren so verdorben, daß man Matincourt das kleine, wegen seines Irrglaubens so verschriene Genf nannte. Der eifrige Seelenhirt brachte es innerhalb drei Jahren durch sein beständiges Ermahnen, liebreiches Zureden und noch viel mehr durch sein Tugendbeispiel dahin, daß Matincourt nach dem Zeugnis der Bischöfe selbst allen anderen Pfarreien zum Vorbild diente. Er suchte auch die Irrgläubigen zu bekehren und gab sich viele Mühe, in den Klöstern die Ordenszucht wieder herzustellen.

Das vorzüglichste Werk des Petrus Forerius ist die Stiftung der Kongregation (Versammlung) der Mädchen von unserer lieben Frau. Auf den Rat diese für das Heil des Nächsten unermüdlichen Dieners Gottes gelobten mehrere Jungfrauen ihre jungfräuliche Reinigkeit Gott dem Herrn und machten sich zugleich verbindlich, die Kinder im Lesen, Schreiben, Nähen und anderen dergleichen notwendigen Kenntnissen, besonders aber in der Tugend und Gottesfurcht zu unterrichten. Die Versammlung dieser Jungfrauen und Lehrerinnen, welche Petrus unter dem Schutze der seligsten Jungfrau errichtete, ward in der Folge vom Papst Paul V. 1615 gut geheißen und breitete sich noch bei Lebzeiten des heiligen Stifters sehr aus. Nachdem nun der heilige Stifter dieser von ihm errichteten Versammlung geistvolle Vorschriften gegeben hatte, musste er im Auftrag des Bischofs von Toul, der vom Papst hierzu bevollmächtigt war, die Chorherren reformieren. Jene, welche die Reform annahmen, erhielten den Namen (regulierte Chorherren) der Kongregation unseres Erlösers. Den von ihm reformierten Chorherren musste er nun auch als Oberer vorstehen und er leitete sie mit Wort und Beispiel zu allem Guten an. Endlich wurde er mit noch einigen derselben im Jahre 1636 aus Lothringen bei den damals wütenden Kriegsunruhen vertrieben, kam mit ihnen in die Grafschaft Burgund und hielt sich einige Zeit in einem Flecken, Gray genannt, auf. Auch gab er sich mit allem Eifer dem Unterricht der Jugend hin.

Nach zwei Jahren schickte ihm Gott der Herr, welcher seinen Diener zur ewigen Belohnung abfordern wollte, ein heftiges Fieber, das er als einen Vorboten des Todes ansah, und bereitete sich zu demselben durch den andächtigen Empfang der heiligen Sakramente. Die Zeit brachte er mit Gebet und frommen Anmutungen zu; bald ergriff er das Bild des Gekreuzigten und küßte dasselbe, bald richtete er seine Augen auf ein Marienbild und sprach: „Maria, zeige, daß du eine Mutter bist! Und weil ich dich jederzeit als eine solche angerufen habe, so erkenne auch du mich für dein obwohl unwürdiges Pflegekind.“ Er verlangte auch, man sollte ihm mehrmals diese Worte vorsprechen: „Wir haben einen gütigen Herrn. Wir haben eine gütige Frau.“ Ein anderes Mal ließ er sich etwa aus einem geistlichen Buch vorlesen; denn nicht einen einzigen Augenblick wollte er ohne Nutzen vorüber gehen lassen. Seine letzte Freude war, daß er das Fest der unbefleckten Empfängnis Mariens auf das andächtigste begehen konnte. Am darauf folgenden Tage, nämlich am 9. Dezember 1640, bezeichnete er sich dreimal mit dem heiligen Kreuzzeichen und übergab seine mit so vielen Tugenden gezierte Seele unter dem Schutz der jungfräulichen Mutter, die er von frühester Jugend an kindlich verehrt hatte, zu Gray in die Hände Gottes.

Seine Liebe zu Gott war so groß, daß man ihn öfters zur Zeit des Gebetes mit himmlischem Glanz umgeben, im Angesicht ganz entzündet und über die Erde erhoben, in einer tiefen Verzückung antraf. Von nichts wollte er reden, als von Gott und von dem, was zur Ehre Gottes gereichen konnte. Oft hörte man ihn zu Gott rufen: „Mein Gott! Ich bin dein, und du bist mein. Du bist Gott und mein Gott!“ Die Zeit, die zu seinen Berufsgeschäften und zur notwendigen Nachtruhe nicht notwendig war, verwendete er zu Andachtsübungen und Werken der Nächstenliebe, die sich besonders in den Bemühungen für das Seelenheil seiner Pfarrkinder zeigte. Er wird gewöhnlich abgebildet mit einer Lilie und mit seinem Kreuz in der Hand, als Sinnbilder seiner unbefleckten Keuschheit und beständigen Abtötung zur Erhaltung derselben. Petrus wurde vom Papst Leo XIII. den 27. Mai 1897 den Heiligen beigezählt.

aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 994-996

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