Klemens XIII und die Jesuitenverfolgung

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Das Zeitalter der Revolutionen

Papst Klemens XIII. und die Jesuitenverfolgung

Dieser edle Papst hatte wohl Ursache genug, sich gegen die Annahme der auf ihn gefallenen Wahl (6. Juli 1758) zu sträuben; standen doch Unheil verkündende Wolken am kirchlichen Horizont, die gewaltige Stürme ankündeten; dieser Papst wollte die Gesellschaft Jesu gegen all die Angriffe retten; denn er sah wohl wie jeder Tieferblickende, daß die Verfolgungen, denen die Jesuiten ausgesetzt waren, der Kirche galten.
Klemens hieß vor seiner Wahl Karl della Torre Rezzonico, wurde 1693 von vornehmen Eltern in Venedig geboren und kam, nachdem er in Padua Doktor der Rechte geworden, nach Rom, wo er in den kirchlichen Diensten von Stufe zu Stufe emporstieg, bis er von Klemens XII. (1737) den Purpur erhielt. Benedikt XIV. übertrug ihm das Bistum Padua, wo er durch seine Frömmigkeit und Hirtensorgfalt den Ruf eines Heiligen erwarb. Kaum auf den päpstlichen Stuhl erhoben, wurde er mit Anforderungen bestürmt, gegen die Gesellschaft Jesu vorzugehen.

Zuerst trat Portugal auf unter König Josef I., dessen Minister und Günstling der Emporkömmling Bombay war. Dieser Mann, von den Ideen der damaligen Freigeister erfüllt, haßte die Jesuiten, weil sie durch ihren Einfluß, wie er meinte, seinen religionsfeindlichen Plänen am meisten im Wege standen. Daher beschloß er ihren Untergang.

Durch Soldschreiber wurden die unsinnigsten Verleumdungen und Schmähungen gegen die Jesuiten verbreitet, die Klemens XIII. als Ausgeburten des Neides und der Rücksichtslosigkeit bezeichnete.
Da Papst Klemens sich der Angeklagten annahm, wurden einige Hundert auf schlecht ausgerüstete Schiffe geladen und nach dem Kirchenstaat gebracht. Noch schrecklicher das Los der 180 Jesuiten, welche in Portugal zurückbehalten, in dem schauerlichen Gefängnis am Tejo schmachteten; 79 von ihnen starben im äußersten Elend, andere erblindeten oder verloren den gebrauch der Vernunft. Ein ehrwürdiger Greis, der Jesuit Malagrida, der 40 Jahre in Brasilien unter den Wilden gearbeitet, der dem Vater und der Mutter des Königs in der schwersten Stunde – im Tode beigestanden, der als ein Heiliger im allgemeinen Ansehen stand, wurde als Ketzer mit zwei anderen zum Tode verurteilt und öffentlich in Gegenwart Pombals und des ganzen Hofes 1761 hingerichtet. Dann wurde der Leichnam verbrannt und die Asche ins Meer geworfen, damit das Volk keine Reliquie habe. Als Klemens XIII. von seinem Tode Kunde erhielt, rief er aus: „Die Kirche zählt einen Märtyrer mehr!“ Das war nicht genug; die Jesuiten wurden zugleich auf allen Kolonien ihrer Freiheit beraubt und auf Kriegsschiffe geschleppt, um nach Europa gebracht zu werden. Seit dieser Zeit begann der Verfall der Kolonien von Portugal. Nicht minder große Bitterkeiten hatte der Papst von Frankreich zu erleiden. Dort arbeiteten die Jansenisten, Hugenotten und ungläubigen Philosophen gemeinsam an der Vernichtung der Jesuiten und am Ruin der Kirche. So kam es endlich dahin, daß das Parlament von Paris im Jahre 1762 nicht weniger als 84 ihrer Kollegien aufhob. Vergebens waren alle Gegenvorstellungen und Bitten des Papstes.

Noch ärger ging`s in Spanien her. Karl III. (1759-1788) war von Neapel auf den spanischen Thron nach dem Ableben seines Bruders Ferdinand VI. gelangt. Sein Minister Aranda suchte sich im Kampf gegen die Söhne des hl. Ignatius hervor zu tun. Durch gefälschte Briefe wußte er den König gegen die Jesuiten aufs äußerste zu erbittern. Die Häuser der Jesuiten wurden vom Militär nachts umstellt, die Patres gefangen genommen, auf Schiffe gebracht und nach Italien deportiert. Dasselbe Schicksal traf zur nämlichen Zeit sämtliche Jesuiten in den spanischen Kolonien. Herzzerreißend war der Jammer der Indianer in den einzelnen Reduktionen, als man ihre Lehrer, Freunde und Beschützer weg führte. Die Zahl der Verwiesenen belief sich auf 6000. Der Protestant Coxe muss gestehen: „Soviel Willkür und Grausamkeit zeigte sich bei der Ausführung des Beschlusses, daß das Herz vor Unmut anschwillt.“ Der Papst schrieb eigenhändig dem König – vergebens. Trotz aller Gewaltmaßregeln von Seiten der verbündeten Mächte erklärte Papst Klemens, er nehme die Bulle, durch die er 1765 den Orden aufs neue bestätigt hatte, nicht zurück. Das ganze Pontifikat des seelenguten, frommen Papstes war nichts anderes als eine fortgesetzte Kette von Leiden und Bedrängnissen. Seinen einzigen Trost fand er im eifrigen Verkehr mit Gott. Den Leidenskelch zum Überfließen brachte die Forderung der bourbonischen Mächte, die Gesellschaft Jesu aufzuheben, widrigenfalls sie drohten, Rom zu blockieren. Große Sorge bereitete ihm auch die in Deutschland auftretende Sucht nach Neuerungen. Febronius hatte die göttlichen Rechte des Papsttums angegriffen und die Protestanten bedrohten die geistlichen Fürstentümer. Friedrich II. von Preußen arbeitete seit langem an deren Säkularisation. Das Gebet des Papstes, Gott möge ihn aus diesem bitteren Leben abberufen, ging in Erfüllung. In der Nacht vom 1. auf den 2. Februar 1769 schied fast ohne Krankenlager der edle Dulder von hinnen. Schmerz und Kummer hatten ihm das Herz gebrochen. –
aus: Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, III. Band, 1907, S. 594 – S. 596

In Neapel und andern Städten Italiens geschah dasselbe wie in Spanien. Der Herzog von Parma vertrieb dem Papst zum Trotz im Jahre 1768 ebenfalls die Jesuiten. Ja, die Städte schlossen einen förmlichen Bund gegen den heiligen Vater selbst; Frankreich besetzte das päpstliche Gebiet von Avignon und Venaissin, Neapel das von Benevent und Pontecorvo. Nur die Kaiserin Maria Theresia von Österreich und der König von Sardinien ließen sich in diesen Kampf gegen den heiligen Vater nicht ein.

Papst Klemens blieb auch in der höchsten Bedrängnis standhaft und verteidigte die Rechte der Kirche und die unschuldig verfolgten Ordensmänner. Aber der Schmerz über so viel Unrecht und die in Deutschland von den Protestanten geübte Bedrohung der geistlichen Fürsten brachten den fast 76jährigen Greis, dem Märtyrer auf dem Stuhl Petri, am 2. Februar des Jahres 1769 unerwartet früh ins Grab. Am Fest Mariä Lichtmess hatte er noch die heilige Messe gelesen. Gegen Abend besuchte er nach seiner Gewohnheit die Kirche, um vor dem allerheiligsten Altarsakrament zu beten. Bald darauf bekam er heftige Krämpfe und hauchte noch in der Nacht seine Seele aus. So erlebte Papst Klemens, dessen Regierung im Jahre 1764 auch noch durch eine große Hungersnot im Kirchenstaat getrübt wurde, wenig Freude. Die Regierung Papst Klemens war so eine fast ununterbrochene Kette von Kämpfen für die Rechte der Kirche und zur Verteidigung des verfolgten Jesuitenordens. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 698

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