Das Pontifikat von Klemens XII. (1730 bis 1740)

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Das Zeitalter der Revolutionen

Das Pontifikat von Papst Klemens XII. (regierte von 1730 bis 1740)

Geboren 1652 zu Florenz, stammte Klemens XII. aus der berühmten Familie, die im 15. Jahrhundert der Kirche den hl. Bischof Andreas Corsini geschenkt hatte. Als 78jähriger Greis am 12. Juli 1730 zum Papst erwählt, entwickelte Klemens trotz seines hohen Alters und seiner Kränklichkeit einen unentwegten Eifer, um den Anforderungen seines Amtes wie den schwierigen Zeitverhältnissen gerecht zu werden. Ein Gönner der Künste und Wissenschaften, rief er großartige Baudenkmäler ins Leben, errichtete ein Museum für römische Altertümer und bereicherte die vatikanische Bibliothek mit wertvollen Handschriften, die im Orient erworben wurden. Freund und Wohltäter des Volkes, verminderte er die Lasten und suchte den Handel zu fördern. Als gemeinsamer Vater der Christenheit unterstützte der den Kaiser Karl VI. in seinem Kampf gegen die Türken (1736 bis 1739). Um die Wiedervereinigung der Griechen mit der abendländischen Kirche zu fördern, errichtete er für Unteritalien und Kalabrien das sogenannte Corsinische Seminar. Als Seelenhirt war er bemüht, die Kirchenzucht und die allgemeine Sittlichkeit zu beheben.

Er trat gegen die Freimaurer auf und sprach die Exkommunikation über sie aus (1738). Dieser Geheimbund war in England im Schoß des Protestantismus entstanden. Unter dem Vorwand, die allgemeine Menschenliebe zu fördern, wurde die Gleichwertigkeit der Religion verkündet, die Göttlichkeit des Christentums verleugnet und die katholische Kirche bekämpft. Dieser Geheimbund fand damals bereits in katholischen Ländern und namentlich in Frankreich Verbreitung und streute immer weiter seine Drachensaat aus. Daher trat Klemens XII. ihm ernstlich entgegen. Statt mit dem Papst Hand in Hand zu gehen und dem Treiben der Freimaurer sich zu widersetzen, gestatteten auch die katholischen Höfe denselben immer mehr Einfluss. Leider sahen dieselben immer nur in der Gewalt der Kirche und der Päpste die Gefahr für ihre Herrschaft. Besonders taten sich hierin um diese Zeit die Bourbonen hervor, die in Frankreich, Spanien und Neapel den Königsthron inne hatten und auf alle Weise in ihrem Übermut den wehrlosen Papst kränkten und dessen Rechte schmälerten. In dieser Tätigkeit, welche die Höfe als echte Regierungskunst ansahen, waren ihnen die zweideutigsten Charaktere als Gehilfen willkommen.

Dem Papst blieb nichts anderes übrig, als zu protestieren und zu dulden. So brachte Klemens XII. unter vielerlei Kränkungen seine Tage hin und obschon den größten Teil seiner Regierungszeit des Augenlichtes beraubt und jahrelang bettlägerig, blieb er unermüdlich bis zum letzten Lebenshauch tätig, so daß er noch auf dem Sterbebett Audienzen erteilte. Er starb als 88jähriger Greis am 6. Februar 1740. –
aus: Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, III. Band, 1907, S. 589 – S. 590

Sehr tätig war der heilige Vater für die Missionen. Er errichtete zu Bissignano in Kalabrien ein eigenes Seminar für die Morgenländer; auch suchte er den Protestanten in Sachsen die Rückkehr zur katholischen Kirche möglichst zu erleichtern. Die Türken aber betrachtete er nach dem Beispiel seiner Vorgänger als die größten Feinde der Christenheit und unterstützte den Kaiser eifrig im Krieg gegen dieselben.

Dieser Papst lieferte auch den Beweis einer großen Uneigennützigkeit. Es ergab sich eine Gelegenheit, um die Länder des Heiligen Stuhles zu vergrößern, aber Papst Klemens lehnte sie ab. Der Hergang war folgender:

Die Insel Korsika gehört zur Republik Genua, welche aber die armen Inselbewohner so bedrückte, daß dieselben den Statthalter verjagten und an den heiligen Vater eine Gesandtschaft mit der Bitte abordneten, die Insel dem päpstlichen Land einzuverleiben. Aber anstatt diese günstige Gelegenheit zur Vergrößerung seines Landes zu benützen, bot Klemens sich freiwillig als Vermittler an und versöhnte Korsika und Genua wieder miteinander.

Zu eben der Zeit wurde der Papst auch ein Beschützer der republikanischen Freiheiten. Mitten im Kirchenstaat, gleichsam wie eine Insel im Meer, lag die kleine Republik San Marino. Nachdem Papst Klemens die Regierung des Kirchenstaates übernommen hatte, erhoben sich dort große Zwistigkeiten, eine Partei bat den heiligen Vater, er möge das kleine Ländchen mit dem Kirchenstaat vereinigen und auf diese Weise den Frieden herstellen. Der Papst schickte aber einen Gesandten ab und stiftete frieden, so daß die kleine Republik San Marino ihre alten Freiheiten behielt.

Liebte man außerhalb Italien einen so gerechten und freisinnigen, in Wahrheit liberalen Papst?

In Frankreich ließ man gegen Klemens abscheuliche Flugschriften drucken und unter das Volk verbreiten. Der heilige Vater erwiderte die zugefügte Beleidigung damit, daß er den Franzosen Vinzenz von Paul heilig sprach. Die Franzosen anerkannten aber dies Heiligsprechung nicht. Sie gingen in ihrem Übermut so weit, daß sie die katholischen Priester zwangen, abgefallenen Katholiken die heiligen Sterbesakramente zu spenden. Um den heiligen Glauben auszurotten, durfte der Gottesleugner Voltaire ungehindert die Religion verspotten und sich über Jesus Christus lustig machen.

Auch König Philipp V. von Spanien war in seinem Benehmen gegen den Papst rücksichtslos. So verlangte er für seinen erst neunjährigen Sohn die Kardinalswürde und die Erzbistümer Toledo und Sevilla. Spanische Truppen plünderten den Kirchenstaat und schleppten sogar päpstliche Untertanen mit sich fort. Das führte zu wiederholten Aufständen, wobei der spanische Gesandte verspottet wurde. Sogleich hob König Philipp allen Verkehr mit Rom auf und erließ eine Reihe kirchenfeindlicher Gesetze. Doch bald wurde der Friede wieder hergestellt. Der Kelch der Bitterkeiten wurde so Papst Klemens reichlich zuteil.

Daß der Papst die zahlreichen Demütigungen nicht verdiente, beweist seine Regierung. Der Geschichtsschreiber Audisio sagte von ihm:

„Gebeugt von alter und Krankheit, gab dieser Papst das Beispiel höchster Tugend, freimütiger Gesinnung und würdevollen Edelmutes. Er hauchte den Missionaren die höchste Begeisterung für ihren hohen Beruf ein, schmückte Rom mit Bibliotheken, Kapellen, Brunnen und Wasserleitungen.“

Seine Grabstätte befindet sich in der schönen Kapelle, die er selbst dem heiligen Andreas Corsini in der Laterankirche geweiht hatte. Die Römer ehrten ihn, indem sie ihm eine Bildsäule errichteten. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 690 – S. 692

Category: Papsttum, Stangl
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