Heiliger Papst Leo III. und Karl der Große

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Die Päpste werden unabhängige Fürsten

Eine alte Zeichnung der Peterskirche in ihrem Inneren: rechts und links Säulengänge, hinten der besondere Altarraum; die Halle selber ist leer, einige Leute sind dort zu sehen

Heiliger Papst Leo III. (regierte von 795-816)

Seine freundschaftliche Beziehung zu Karl dem Großen

Schon am Tage nach dem Tode Hadrians, am Fest des hl. Stephanus, wurde Leo einstimmig zum Papst gewählt. Er war geboren zu Rom und vom frühesten Alter an im Lateranpalast für den Dienst der Kirche erzogen worden. Vor seiner Wahl Kardinal-Priester an der Kirche der hl. Susanne, war er ein Mann von reinen Sitten, festem Mut und angenehmer Rede. Wenn er einen Mönch oder sonst einen ausgezeichneten Diener Gottes traf, hielt er sich in dessen Nähe, solange es ging, um sich mit ihm über göttliche Dinge zu besprechen oder zu beten. Er gab reichliche Almosen, besuchte kranke, tröstete und ermunterte sie; durch seine Ermahnungen und Beispiele bewog er auch andere zu gleichen Liebeswerken, so daß sich mehrere Personen dem Dienst der Armen bei Tag und Nacht widmeten. Leo unterhielt dieselben freundlichen Beziehungen mit Karl dem Großen, wie sein Vorgänger. Gleich nach seiner Wahl schickte er Abgesandte mit Geschenken an den Frankenherrscher und zeigte ihm seine Wahl an. Karl freute sich hierüber und sandte dem Papst in gleicher Weise reiche Geschenke. So freundlich und mild Leo war, so fanden sich doch Gegner, deren Zahl von Tag zu Tag zunahm. Unter den Gegnern waren höhere weltliche Beamte des päpstlichen Hofes und Personen aus dem Adel. Gelegentlich der Markus-Prozession, die der Papst im Jahre 799 abhielt, wurde er überfallen, mißhandelt und ins Gefängnis geworfen. Er entkam jedoch und eilte nach Deutschland zu Karl in das Lager von Paderborn, wo er die ehrenvollste Aufnahme fand. Schwere Anklagen seiner Feinde folgten ihm. Unter dem Schutz Karls kehrte Leo wieder nach Rom zurück, wo er eine große Versammlung von Erzbischöfen, Bischöfen und Äbten abhielt. Derselben wohnte auch König Karl, der mittlerweile dem Papst nach Rom gefolgt war, mit den fränkischen und römischen Großen sei. Als die wieder den Papst erhobenen Anklagen vorgetragen wurden, erklärten alle Erzbischöfe und Äbte, daß sie in dieser Sache nicht richten können, da ihnen über ihr gemeinsames Oberhaupt ein Urteil zu fällen nicht zustehe. Darauf erhob sich der Papst und legte freiwillig vor der ganzen Versammlung einen feierlichen Eid ab mit der Beteuerung seiner Unschuld vor Gott und seinen Engeln. Damit war die Sache abgetan.

Der heilige Papst Leo III. krönte Karl den großen zum Kaiser: Papst Leo in seiner päpstlichen Kleidung setzt Karl, der auf einem Gebetsschemel kniet, die Kaiserkrone auf; im Hintergrund sieht man Ministranten, die eine Fackel und den Bischofsstab halten

Die Krönung Karls des Großen zum römischen Kaiser

Zwei Tage nach obiger Versammlung fiel das Weihnachtsfest ein. Karl der Große erschien beim feierlichen Gottesdienst in St. Peter. Als er sich vom Gebet erhob, trat Papst Leo, umgeben von Erzbischöfen, Bischöfen und Äbten, auf den König zu und setzte ihm eine sehr kostbare Krone auf das Haupt. Das versammelte Volk brach unter lautem Jubel in den dreimaligen Zuruf aus: „Dem frommen, von Gott gekrönten, großen, friedliebenden römischen Kaiser Heil und Sieg!“

Nach dem Gottesdienst empfing Karl als Kaiser die Huldigung und vertauschte den früheren Titel eines römischen Patriziers mit dem neuen eines römisch-deutschen Kaisers. Das war das große bedeutungsvolle Ereignis des Weihnachtsfestes des Jahres 800. „Der wichtigste Tag im ganzen folgenden Jahrtausend“, wie der gelehrte Kirchenhistoriker Kraus sagt.

Der Papst hatte die Kaiserwürde verliehen, nicht aber das Volk, und so blieb die Verleihung derselben auch in der Folge ein unabhängiges Recht des Papstes. Der Papst wählte nach seinem Ermessen den für diese Würde Geeigneten. Und dieser musste persönlich nach Rom kommen und vom Papst die Kaiserkrönung empfangen. Wenn mehrere sich um diese Würde bewerben, so stand dem Papst allein das Recht der Entscheidung zu. Da manche Fürsten in der Folgezeit gerne Kaiser geworden wären, aber beim rechtmäßigen Papst keine Aussicht hatten, die Erfüllung dieses Wunsches zu erreichen, so trieb sie nicht selten der Ehrgeiz dahin, einen Gegenpapst aufzustellen und sich von diesem krönen zu lassen…

Am Abend seines Lebens wurde er aber noch mit manchen Bitterkeiten gekränkt. Karl war 814 gestorben, zu einer Zeit, wo vom Süden her die Sarazenen erobernd und verwüstend vordrangen und die Christenheit eines starken Armes bedurft hätte. In Rom wurde eine Verschwörung entdeckt, die es auf die Ermordung des Papstes abgesehen hatte. Wurde dieselbe auch sofort unterdrückt, so hatte der Papst doch mancherlei Ungemach zu erleiden und wurde nur durch den kräftigen Schutz des Herzogs von Spoleto von größeren Übeln bewahrt. Er starb am 12. Juni 816 und wurde in der Peterskirche begraben. Die Kirche verehrt den hoch verdienten und viel geprüften Papst als Heiligen und feiert sein Andenken am 12. Juni, seinem Todestage. Einen würdigen Abschluss findet diese Periode mit dem Papst Leo III. und der Krönung Karls des Großen zum römisch-deutschen Kaiser, einer für die katholische Kirche und Deutschland folgenreichen Tat, welche die Grundlage einer bedeutungsvollen Entwicklung der folgenden Jahrhunderte geworden ist. –
aus: P. Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste I. Band, 1907, S. 210 – S. 211

Eine Tat von weltgeschichtlicher Bedeutung

Das war eine Tat von weltgeschichtlicher Bedeutung. Die Kirche hatte nun einen treuen Beschützer, der Papst einen mächtigen Helfer. Karl, der römisch-deutsche Kaiser, begriff recht wohl seine hohe Würde, indem er sich nannte: „Karl, durch Gottes Gnade König und Beherrscher des Frankenreiches, ehrerbietiger Verteidiger der heiligen Kirche und in allem ein Helfer des Apostolischen Stuhles“.

Mit dieser Kaiserkrönung erhielt das deutsche Volk die Bestimmung, auf viele Jahrhunderte an die Spitze der Völker des Abendlandes zu treten. In jener Krönung lagen die großartigen Grundzüge eines christlichen Weltreiches. Schade war es, daß nur wenige Nachfolger Karls des großen die wahre Bedeutung derselben zu würdigen verstanden, manche sogar den segensreichen Einfluß des geistigen Regimentes auf das weltliche mißachteten, oder gar als Beschränkungen der ihnen eigenen Hoheitsrechte ansahen.

Mit der Übertragung der Kaiserwürde an Karl den Großen wurde zugleich die völlige Abtrennung Italiens und des Abendlandes von dem morgenländischen Reich für alle Zeiten ausgesprochen. Daß dem griechischen Kaiser dadurch etwas genommen worden sei, glaubte damals niemand. Erst viel später entstand die Fabel, der Papst hätte die Kaiserwürde von den Griechen auf die Franken übertragen. Kaiser Karl führte von nun an den Titel: „Der gnädigste Augustus, der von Gott gekrönte, der große, friedliebende Kaiser, der das römische Reich regiert.“

Für die Geschichte des Abendlandes beginnt ein neuer großer Abschnitt

Unter dem heiligen Papst Leo entstand ein eigenartiger Streit darüber, ob man im Glaubensbekenntnis beten solle „Ich glaube an einen heiligen Geist, der vom Vater und Sohne ausgeht“ oder bloß „der vom Vater ausgeht“, wie man bis dahin gewöhnlich überall gebetet hatte. Die neuere Form des Gebetes hatte sich seit dem siebentem Jahrhundert von Spanien her in den Bistümern der Franken verbreitet. Es handelt sich in der Sache nicht um einen Glaubenssatz, sondern nur um einen Gebrauch. In der Kaiserkapelle zu Aachen wurde auch nach der neueren Form bei Gottesdienst gebetet. In Rom aber war die alte Gebetsweise Gewohnheit geblieben, ebenso im Morgenland. Als nun fränkische Mönche auf dem Ölberg in Jerusalem das Glaubens-Bekenntnis mit diesem Zusatz „Der vom Vater und vom Sohne ausgeht“ beteten, wurden sie als Irrlehrer verklagt und wandten sich an den Papst, indem sie sich auf den Gebrauch in der Kaiserkapelle in Aachen beriefen. Kaiser Karl hatte inzwischen im Jahre 809 eine Kirchen-Versammlung in Aachen gehalten und bat nun den Papst, die neue Gebetsform einzuführen. Der heilige Papst Leo war aber der Ansicht, man solle bei dem bleiben, was die Väter getan haben und durch Neuerungen die Gemüter nicht unnötig aufregen. Wo jedoch die neue Gebetsform bereits eingeführt sei, möge sie bestehen bleiben. So hatte der Papst durch seine Klugheit und Weisheit einen Streit unterdrückt, der leicht schlimm hätte werden können. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 272 – S. 274

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