Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Pombal

Pombal, Marquis v., eigentlich Sebastião José de Carvalho e Mello, portugiesischer Staatsmann und Aufklärer, * 13.5.1699 zu Lissabon, † 8.5.1782 zu Pombal bei Lissabon; 1738ff Gesandter zu London und Wien, 1750 Minister des Auswärtigen, seit 1756 Premierminister; 1759 Graf v. Oeyras, 1770 Marquis v. Pombal. Herrschte unter dem haltlosen König Joseph I. (1750-77) fast unumschränkt, zwar verdient um die Hebung der Verwaltung, der Finanzen und des Handels in dem sehr danieder liegenden Lande, aber ausgesprochener Absolutist, machtgierig, tyrannisch und in den Mitteln nicht wählerisch.

Er suchte vor allem die Macht des Adels und den Einfluss des Klerus zu brechen und gab den ersten Anstoß zum Sturm gegen die Jesuiten, die Hauptgegner seiner Politik. Der Aufreizung der Indianer in Paraguay („Krieg der 7 Reduktionen“), verderbter Moral und unerlaubter Handelsgeschäfte beschuldigt, wurden sie vom Hofe ausgeschlossen, der Kardinal Saldanha, ein Verwandter Pombal`s, von Benedikt XIV. zu ihrem Visitator bestellt; der Patriarch Atalaya von Lissabon suspendierte sie (7.6.1758) von Kanzel und Beichtstuhl.

Nach einem angeblichen Attentat auf den König (3./4.9.1758) ging Pombal aufs brutalste vor: die Jesuiten wurden als „Mitverschworene“ aus Portugal und seinen Kolonien verbannt, die meisten mittellos nach dem Kirchenstaat geschafft, 50-60 (auch deutsche Missionare) jahrelang eingekerkert, die Güter des Ordens beschlagnahmt. Proteste Klemens XIII. waren vergeblich. Pombal wies 1760 den Nuntius F. Acciaioli aus und ließ 1761 den greisen Gabriel Malagrida SJ durch die gefügige Inquisition als „Ketzer“ und „Hochverräter“ verurteilen und hinrichten.

Der Bruch mit Rom dauerte fast 10 Jahre. Pombal erreichte mit Spanien und Frankreich schließlich die völlige Aufhebung des Jesuitenordens durch Klemens XIV. Nach der Thronbesteigung der frommen Königin Maria I. wurde Pombal entlassen, in Prozess genommen und 1781 zum Schadenersatz verurteilt; viele seiner Verordnungen wurden rückgängig gemacht. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VIII, 1936, Sp. 361 – Sp. 362

In kurzer Zeit brachte er es dahin, alle Hauptämter des Königreiches in seiner Hand zu vereinigen, und so herrschte er an Stelle des schwachen Königs mit absoluter Gewalt bis zu dessen Tode (am 24. Februar 1777). In der innern Politik ging Pombals Hauptbestreben dahin, die Macht des Adels und den Einfluss der Geistlichkeit zu brechen, das ganze Land in allen Zweigen der Verwaltung, des Handels und des Verkehrs nach seinen Ideen umzugestalten, sich selbst und seine Familie nach Möglichkeit zu erhöhen und zu bereichern. In der auswärtigen Politik wagte er es, den Kampf mit Spanien aufzunehmen, nicht aber, das drückende Joch Englands abzuschütteln. –

… Nicht allein in Portugal, sondern auch in dessen Kolonien in asien, Afrika und Amerika wurden sämtliche Jesuiten durch königliche Dekrete vom 19. Januar und 3. September 1759 gefangen genommen … Auch viele andere der besten Welt- und Ordens-Geistlichen wurden verhaftet, ebenso der Bischof von Coimbra wegen eines Hirtenbriefes, in welchem er die Lesung von Schriften Voltaire`s, Rousseau`s u.A. verboten hatte. Um vollständig frei schalten zu können, veranlasste Pombal den Bruch mit Rom durch die Verweisung des apostolischen Nuntius Philipp Acciajoli am 15. Juni 1760. Erst nach dem Tode Klemens XIII. knüpfte Carvalho die Verbindung mit Rom wieder an, verfuhr aber auch dann ebenso willkürlich wie bisher …

Solange der schwache König Joseph I. lebte, vermochte Pombal sich auf der Höhe seiner Macht zu halten. Mit dem Regierungsantritt der Königin Maria (1777) trat in der Staatsverwaltung eine Änderung ein. Zahlreiche, schon seit langem in den Kerkern schmachtende Gefangene wurden aus den Gefängnissen entlassen, die Prozessakten vom Jahre 1759 wegen der angeblichen Verschwörung revidiert und die Verurteilten nachträglich frei gesprochen.

Pombal erhielt zunächst seine Entlassung und zog sich vom öffentlichen Leben zurück. Bald darauf aber wurde ein Proezss gegen ihn angestrengt, der in einer Verurteilung durch königliches Dekret vom 23. August 1781 seinen vorläufigen Abschluss fand. Die verdiente Leibesstrafe wurde Pombal erlassen, den Parteien und dem Fiskus die weitere Verfolgung anheim gegeben. Verbannt vom Hofe, starb Pombal am 8. Mai 1782.

… Dass Pombal der erste und eifrigste Betreiber der völligen Aufhebung der Gesellschaft Jesu war, ist eine Tatsache und zugleich sein unvergänglicher Ruhmestitel bei allen Gegnern der katholischen Kirche. –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 10, 1897, Sp. 154 – Sp. 156

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