Ledochowski

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Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Ledóchowski

Ledóchowski, Mieczyslaw Halka Graf v., * 29.10.1822 zu Górki (Sandomir), † 22.7.1902 zu Rom; studierte mit Auszeichnung in Radom und an der Academia die Nobili Eccl. Zu Rom, 1845 zum Priester geweiht, 1851 Uditore der Nuntiatur in Lissabon 1855 ao. Apostolischer Delegat in Colombia und Chile, 1861 Nuntius in Brüssel und Titular-Erzbischof von Theben, Dezember 1865 zum Erzbischof von Gnesen und Posen gewählt und 8.1. 1866 präkonisiert. Ledóchowski zeigte anfangs dem Staat gegenüber weites Entgegenkommen. Er reiste November 1870 vergeblich nach Versailles, um von Bismarck Hilfe zur Wiederherstellung des Kirchenstaates zu erlangen. Bei Ausbruch des Kulturkampfes kam er in Konflikt mit der preußischen Regierung wegen der polnischen Sprache beim Religions-Unterricht in den niederen Klassen höherer Schulen, dann wegen der Maigesetze. 24.11.1873 erhielt Ledóchowski vom Oberpräsidium Posen die Aufforderung, sein Bistum aufzugeben. Weil er dies ablehnte, erfolgte in der Nacht zum 3.2.1874 seine Verhaftung und Internierung im Gefängnis zu Ostrowo, am 15. April seine Absetzung durch den preußischen Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten. Pius IX. ernannte ihn 15.3.1875 zum Kardinal. Februar 1876 aus dem Gefängnis entlassen, aber zugleich aus Preußen ausgewiesen, ging er nach Rom. Da er von hier aus seine Diözese weiter regierte, folgten noch weitere Verurteilungen wegen „Anmaßung der bischöflichen Rechte“ (9.2. u. 26.5.1877; 7.11.1878). nachdem ihn Leo XIII. 1883 im Staatssekretariat beschäftigt und 1885 zum Sekretär der Breven ernannt hatte, verzichtete Ledóchowski 1886 freiwillig zu Gunsten des Friedens auf sein Erzbistum. 1892 Präfekt der Propaganda. 1893 erfolgte eine offizielle Aussöhnung mit der deutschen Regierung während des Besuches Kaiser Wilhelms II. in Rom. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VI, 1931, Sp. 447 – Sp. 448

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