A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T Ü V W Z

Judenmission

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Judenmission

Zur Judenmission in der Urkirche vgl. Judenchristen. Seit dem Bar Kochbar-Aufstand (132-35) schloss sich das Judentum in nationalistischer Enge gegen die universale Kirche ab und schuf seit Ende des 2. Jahrhunderts im Talmud eine fast unüberwindliche Schranke. Die Judenmission war seitdem auf Einzelerfolge angewiesen. Literarische Judenmission übten im 2./3. Jahrhundert Justins Dialog mit Tryphon und Tertullians „Adversus Judaeos“, im 6. Jahrhundert Cassiodors Psalmen-Kommentar.

Die Päpste widerstanden gewalttätigen Bekehrungsversuchen, besonders Gregor I. Im mittelalterlichen Spanien widmeten sich Isidor v. Sevilla und jüdische Konvertiten, besonders aber die Dominikaner der Judenbekehrung. Der Dominikaner-General Raimund v. Pennafort schuf hierfür seit 1238 Studienhäuser für orientalische Sprachen; Pablo Christiani OP hielt 1263 die berühmte Disputation zu Barcelona mit Mose Nachmani; Raimund Martini OP schrieb 1278 sein „Pugio fidei“; Vincentius Ferrer OP bekehrte ca. 25000 Juden durch seine Predigten. Erfolgreich war die öffentliche Disputation Februar 1413 bis November 1414 zu Tortosa.

Gegen die zahlreichen Scheinbekehrungen (Marranen) ging die Inquisition seit 1480 scharf vor. In Italien nahmen sich außer den Päpsten bedeutende Ordensleute, so Albert v. Trapani, Bernhardin v. Feltre, Johannes v. Capestrano, Laurentius v. Brindisi, der Judenmission an.

In Rom mussten die Juden an bestimmten Tagen der christlichen Predigt beiwohnen; dasselbe verordneten auch das Baseler Konzil und später protestantische Regierungen. 1534 errichtete Ignatius v. Loyola zu Rom ein noch bestehendes Heim für jüdische Konvertiten, 1549 Paul III. ein Institut für Judenmission. Pius V. taufte selbst zahlreiche Juden. Karl Borromäus nahm sich auf der Mailänder Diözesansynode 1565 eifrig der Judenmission an.

In Frankreich waren im Mittelalter nur der aus jüdischem Geschlecht stammende Nikolaus v. Lyra († 1340), im 19. Jahrhundert dagegen hervorragende jüdische Konvertiten für die Judenbekehrung tätig, so die Brüder Lémann (Priester der Diözese Lyon), der Abbé Bauer und besonders die Brüder Ratisbonne, die 1843 zu Paris die „Töchter ULF v. Sion“ zur Erziehung jüdischer Konvertitinnen gründeten. M. Alphonse Ratisbonne erbaute ihnen 1856 das Ecce-homo-Kloster zu Jerusalem, bei dem die „Erzbruderschaft des Gebets für die Bekehrung der Juden“ (Zentrale für die deutschen Länder: Kloster ULF v. Sion in Wien) errichtet wurde.

In England gründete um 1200 der Prior v. Bermondsey ein Heim für jüdische Konvertiten, ebenso die Dominikaner in Oxford und Heinrich III. in London. Seit 1917 arbeitet die Catholic Guild of Israel mit Zweigstellen in Nordamerika, Frankreich und Holland. Das katholische Deutschland hatte und hat keine ähnliche Einrichtung. Die 1926 in Rom gegründete Vereinigung der Amici Israel wurde 1928 vom Hl. Offizium aufgelöst.

Die Schwierigkeiten liegen in der engen Verbundenheit des Einzel-Juden mit seinem Volk trotz aller geographischen Zerstreuung, in der geistigen Zersetzung des liberalen und in der religiösen Erstarrung des orthodoxen Judentums, dem Misstrauen christlicher Kreise gegen jüdische Konvertiten, dem zunehmenden Zionismus und dem Antisemitismus. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. V, 1933, Sp. 679 – Sp. 680

Tags: Judentum
Buch mit Kruzifix
Konrad I. bis IV. deutsche Könige
Buch mit Kruzifix
Gaonat

Weitere Lexikon-Einträge

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Scheeben, Matthias Joseph Scheeben, Matthias Joseph, der historisch und spekulativ begabteste, mystisch-innige Theologe der Neuscholastik, * 1.3.1835 zu Meckenheim bei Bonn, studierte 1852-59 als Alumnus des Germanikum an der gregorianischen Universität in Rom, wo…
Buch mit Kruzifix

Paschasius Radbertus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Paschasius Radbertus Paschasius Radbertus, der hl., OSB, einer der gelehrtesten Theologen seiner Zeit, war um 786 zu Soissons geboren und trat unter dem heiligen Abt Adalhard ind as Kloster zu Corbie in der Picardie.…
Buch mit Kruzifix

Abendmahlsbulle

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Abendmahlsbulle Abendmahlsbulle, Sammlung von Exkommunikations-Sentenzen, ursprünglich aus wenigen Sätzen, im Laufe der Jahrhunderte erweitert und unter Pius V. zum kirchlichen Strafgesetz erhoben; zuletzt von den Päpsten nur noch am Gründonnerstag (daher Bulla in coena…
Buch mit Kruzifix

Lucifer von Calaris

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Lucifer von Calaris Lucifer, Bischof von Calaris (Cagliari) auf Sardinien, † 370 oder 371. Lucifer hat mit rücksichtslosem Freimut in Wort und Schrift die nicänische Orthodoxie und den hl. Athanasius gegen den arianischen Kaiser…
Buch mit Kruzifix

Eudoxius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Eudoxius Eudoxius, einflußreicher arianischer Bischof, * ca. 300 zu Arabissus (Kappadokien), † 370 als Bischof von Konstantinopel. Wahrscheinlich in der antiochenischen Schule gebildet (lucianischer Einfluß), wurde Eudoxius nach 330 Bischof von Germanicia, nahm als…

Weitere Lexikon-Beiträge

Buch mit Kruzifix

Samaria

Antike
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Samaria Samaria: I. die von Amri auf dem einem gewissen Somer abgekauften Berg neu gegründete (vorher nur spärliche Siedlung in der Bronzezeit!) Hauptstadt des Königreichs Israel (1. Kg. 16, 4). Von Natur und Menschenhand stark befestigt, trotzte sie wiederholten Anstürmen der Aramäer (1. Kg. 20, 1ff; 2. Kg. 6,…
Buch mit Kruzifix

Esdras

Altes Testament
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Esdras Esdras („Hilfe“), Esra, Ezra, jüdischer Schriftgelehrter und Priester aus der Familie des Hohenpriesters Saraias, den Nebuchodonosor hatte hinrichten lassen (2. Kg. 25, 18-21). In der Verbannung zu Babylonien aufgewachsen, erwarb sich Esdras hebräische Bildung („ein Schriftgelehrter, bewandert im Gesetz des Moses“, Esr. 7, 6) und eine einflussreiche (amtliche?)…
Buch mit Kruzifix

Makkabäerbücher

Altes Testament
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Makkabäerbücher II. Makkabäerbücher 1) Die kanonischen (bei Juden und Protestanten aber für apokryph geltend): Das 1. Buch der Makkabäer behandelt nach kurzem Rückblick auf Alexander und die Gründung des Seleukiden-Reiches (1, 1-10) die jüdische Geschichte vom Regierungsantritt des Antiochus Epiphanes (175) bis zum Tod des Simon (134). Es ist…
Buch mit Kruzifix

Samaritaner

Altes Testament
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Samaritaner Die nichthellenistischen Bewohner dieser Landschaft (Samaria) bezeichnet man als Samaritaner. 1) Geschichte: Die im Jahr 722 von dort deportierten Israeliten wurden durch Kolonisten aus verschiedenen Gegenden des Assyrerreiches ersetzt (2. Kg. 17, 24), welche mit dem im Land zurück gebliebenen Teil der einheimischen Bevölkerung verschmolzen. Da unter den…
Buch mit Kruzifix

Halacha

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Halacha Halacha, Plural Halachoth („Gang“, übertragen = was gang und gäbe ist, brauch, Norm), bezeichnet in der jüdischen Schulsprache das im Leben zur Geltung gekommene Gewohnheitsrecht, die normierte Satzung, die religionsgesetzliche Vorschrift, die festzustellen Aufgabe und Befugnis der anerkannten Gesetzeslehrer war. Die Halachoth wurden in den Schulen anfangs nur…
Buch mit Kruzifix

Karäismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Karäismus Karäer (= Schriftkundige oder = Anhänger der Schrift), jüdische Sekte, welche die rabbinische Tradition und damit den Talmud verwirft. Unrichtig ist, daß sie aus dem Sadduzäismus hervorgegangen seien, wenn sie sich auch sadduzäische Lehrmeinungen, soweit solche in der talmudischen Literatur noch vorhanden waren, zu eigen machten. Als Grund…