Die Missionen in Brasilien

Heilige Messe von Missionaren in Brasilien; Indianer schauen von einiger Entfernung zu

Die Missionen in den ehemals portugiesischen Besitzungen (Brasilien)

Brasilien wurde im Jahre 1500 von dem Portugiesen Cabral zufällig entdeckt. Franziskaner waren seine ersten Missionare. Im Jahre 1549 kamen ihnen Jesuiten zu Hilfe, und der hl. Ignatius konnte Brasilien 1553 noch zu einer eigenen Ordensprovinz erheben. Die Einwohner der Küstenstriche wurden verhältnismäßig rasch bekehrt, aber auch zu den wilden Kannibalen des Binnenlandes drangen die Jesuiten mit unendlicher Mühe vor, gewannen sie und vereinigten sie in zahlreiche blühende Reduktionen (hier Aldeas genannt). Unter den ersten Glaubensboten arbeitete der große Wundertäter Joseph Anchieta mit besonderem Erfolg. Schon 1580 hatten die Jesuiten 32 große Dorfschaften gegründet, in denen christliche Sitte und Ordnung herrschte, und 1630 zählte man über 70000 Neophyten. Im Jahre 1551 wurde das Bistum Bahia gegründet; 1676 zum Erzbistum erhoben, erhielt es die Suffragansitze Rio de Janeiro und Pernambuo. Von letzterem wurde schon 1677 Maranho (St. Luis) abgezweigt, von diesem 1719 Para. Rio de Janeiro wurde 1746 in fünf Sprengel geteilt.

Wiederholt versuchten die Holländer die Kolonie zu erobern, und nur den Missionaren und deren Neubekehrten verdankte Portugal den Sieg. Als einzigen Lohn forderten sie das gesetzliche Verbot, daß die Eingeborenen nicht mehr als Leibeigene zu behandeln seien. Es wurde gewährt, machte aber die Jesuiten den goldgierigen Kolonisten ungemein verhasst. P. Vieira, das Las Casa Brasiliens, ließ sich dadurch nicht einschüchtern. Wiederholte Stürme, ja Vertreibungen aus Brasilien waren die Folge des Schutzes, den die Jesuiten den Neubekehrten zuwendeten; so 1662, 1730 bis 1736.

Endlich ließ Pombal sie 1759 nach Portugal schleppen und zum Lohn für ihre apostolischen Arbeiten in den elendsten Kerkern lebendigen Leibes vermodern. Neben den Jesuiten haben sich vorzüglich die Kapuziner und Karmeliten ausgezeichnet. Um 1718 werden 15 Aldeas der Kapuziner, 12 der Karmeliten und 5 der Merciarier angeführt. Die Negersklaven wurden gleichfalls bekehrt. Die Synode von Bahia (1707) suchte das gesamte kanonische Recht für Brasilien zu kodifizieren (Coll. Lac. I, 847). Im Jahr 1808 riss die französische Invasion unter Napoleon I. in Portugal Brasilien los, und 1822 entstand das Kaisertum Brasilien. –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 1, 1882, Sp. 723 – Sp. 724

Brasilien, das zukunftsreiche Land, welches von 1500 bis 1520 Tierra de Santa Cruz hieß und erst von da an den jetzigen Namen erhielt, ist in der Tat für das Kreuz erobert, wenn auch noch nicht ganz dafür gewonnen. Als der portugiesische Seefahrer Cabral am 24. April d. J. 1500 bei Porto Seguro (in der jetzigen Provinz Espiritu Santo) landete, ließ er unter Musik und Kanonendonner ein noch heute mit Ehrfurcht bewahrtes Kreuz aufpflanzen. Im Kreis staunender Indianer wurde sodann ein Hochamt gehalten und das Land unter dem Namen „Santa Cruz“ für Portugal in Besitz genommen. Gleich beim Beginn der Kolonisation wurden von verschiedenen Welt- und Ordensgeistlichen Versuche gemacht, das Christentum unter den Eingeborenen auszubreiten. Doch erzielten diese Glaubensboten nur unbedeutende Erfolge, da ihrer zu wenige waren, und eine höhere Leitung ihnen fehlte. Zudem wurden ihre Anstrengungen durch die grausame Habsucht und Herrschbegierde der portugiesischen Eroberer vereitelt. Welche die Eingeborenen gewaltsam zur Sklaverei zwangen und sie veranlassten, größtenteils in ihre Wälder zu fliehen.

Jesuitisch Reduktion bei den Tapuyo-Indianern in Brasilien

Eine jesuitische Reduktion bei den Tapuyo-Indianern in Brasilien

Erst als im Jahr 1549 von König Johann III. mit dem trefflichen Statthalter Thomas de Souza sechs Jesuiten unter Führung Emmanuel Nobrega`s nach Brasilien gesandt wurden, konnte das Bekehrungswerk mit besserem Erfolg begonnen werden. Indes stellten sich demselben Schwierigkeiten aller Art hemmend in den Weg. Insbesondere stand die Anzahl der Missionare in keinem Verhältnis zu der Größe des unermesslichen Arbeitsfeldes. Nur äußerst schwer waren die Indianer dahin zu bringen, daß sie ihre Wälder verließen und in geschlossenen Ortschaften (Aldeas) ein geordnetes Leben führten. Gleichwohl gelang es den Glaubensboten, die wiederholt Verstärkung erhielten, binnen 15 Jahren 11 Stämme in ebenso vielen Ansiedlungen um die Bai von San Salvador (Bahia) zu sammeln und 5000 Eingeborene zu taufen. Auch anderwärts entstanden christliche Gemeinden, namentlich in der Gegend von Rio de Janeiro. Dort wurde, sobald der Eroberung ein friedliches Verhältnis mit den Eingeborenen folgte, das Evangelium mit Segen gepredigt, so daß bereits im Jahr 1586 gegen 10000 Neubekehrte in jenem Gebiet gezählt wurden. Je glänzender die Hingebung und Opferfreudigkeit der Väter aus der Gesellschaft Jesu sich entfaltete, desto höher stieg ihr Ansehen und ihr Einfluss auf die Eingeborenen.

Ein schweres Unglück betraf die brasilianischen Missionen im Jahr 1570; damals gerieten mehr als 60 Jesuiten, welche sich unter Führung des P. Ignaz Azevedo nach Brasilien eingeschifft hatten, in die Hände französischer Calvinisten und wurden von ihnen grausam ermordet (vgl. Marshall, Christl. Missionen III, 44 ff, wo auch die Gräueltaten geschildert werden, welche holländische Kalvinisten in Brasilien verübt haben). Trotz einem so schmerzlichen Verlust an Arbeitskräften hatten die Missionen einen günstigen Fortgang. Vorzüglich diente das Beispiel des P. Joseph Anchieta dazu, seine Ordensgenossen zum glühendsten Eifer zu entflammen. Auch durch Märtyrerblut wurde die junge brasilianische Kirche befruchtet.

Im Jahr 1630 zählte man bereits 70000 bekehrte Indianer. In den Missionen unter ihnen arbeiteten mehr als 100 Jesuiten. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war ein beträchtlicher Teil des Landes für das Christentum gewonnen, obwohl eine Reihe von verderblichen Kämpfen der Brasilianer unter einander und mit Holländern, Franzosen und Engländer voraus gegangen waren. Ohne Zweifel würden die Bemühungen der stets zahlreicher gewordenen Missionare aus dem Orden der Jesuiten, denen sich allmählich Kapuziner, Karmeliten, Mercedarier, Franziskaner, Dominikaner, Augustiner zugesellt hatten, das Heidentum der Eingeborenen überwunden haben, wenn nicht die Regierung eines Pombal Verderben über die brasilianische Kirche gebracht hätte. Die besten der brasilianischen Missionare, deren hervorragende Verdienst allen unbefangenen Berichterstattern anerkannt werden, erlagen dem Hass des kirchenfeindlichen Staatsmannes. Mehr als 300 Jesuiten wurden auf seinen Befehl gefangen genommen und nach Portugal deportiert (1759). Ihre Missionsdörfer kamen in die Gewalt habgieriger Direktoren, und als diese in der Folge abgeschafft wurden, blieben die Indianer sich selbst überlassen.

Erst mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Missionen unter den Eingeborenen wieder begünstigt. Bei der politischen Verwirrung, welche bis zum Jahr 1849 im Land herrschte, konnte übrigens das Missionswerk nicht den gewünschten Erfolg haben. Mit besonderem Glück arbeiteten für dasselbe italienische Kapuziner (Canstatt, Brasilien, Land und Leute, 189). –

Eine noch viel wichtigere Aufgabe, als die Bekehrung der Indianer und ihrer Mischlinge, entstand für die katholische Kirche durch die außerordentlich starke Einführung von Negersklaven in diesem Land. Letztere haben sich so vermehrt, daß sie mit ihren verschieden farbigen Abkömmlingen (Mulatos, Carabocos usf.) drei Fünftel der Bevölkerung bilden. Da die Brasilianer ihre Sklaven im Allgemeinen menschlich behandelten, wurden diese zur Annahme des Christentums leicht geneigt, und die gesetzliche Bestimmung, daß nur getaufte Sklaven gehalten werden dürften, war leicht durchzuführen. Heutzutage sind fast alle Neger und deren Mischlinge für das Christentum insoweit gewonnen, als es unter den gegebenen Umständen möglich war.

Obwohl Brasilien ein „durchaus katholischer Staat“ ist, haben sich in demselben doch in neuerer Zeit bedeutende protestantische Gemeinden gebildet, vorzugsweise in den südlich von Rio gelegenen Küstenprovinzen, wo von mehr als 80000 deutschen Einwanderern die größere Hälfte nicht katholisch ist. –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 2, 1883, Sp. 1202 – Sp. 1205

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