Offenbarung der heiligsten Dreieinigkeit

Das Kirchenjahr Weihnachtskreis, Osterkreis, Pfingstkreis: In dem Bild sieht man die allerheiligste Dreifaltigkeit, Gott Vater, Gott Sohn Jesus Christus, Gott Heiliger Geist als Taube; links und rechts davon sind Blumengirlanden, durch die sich ein Band zieht mit dem Schriftzug Im Namen des Vaters des Sohnes und des heiligen Geistes.

P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung

§ 2. Die heiligste Dreieinigkeit

Die heiligste Dreieinigkeit in ihrem Wesen

Warum sagen wir: Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater?

Wir sagen so, 1. weil Gott unser unsichtbarer Vater im Himmel ist.

a) Schon als Schöpfer, dem wir das natürliche Leben verdanken, ist Gott der Vater aller Menschen, wie geschrieben steht: „Haben wir denn nicht alle einen Vater? Hat uns nicht ein Gott erschaffen?“ (Mal. 2, 10) und wiederum: „Ist er nicht dein Vater, der dich gemacht und erschaffen hat?“ (5. Mos. 32, 6) – b) Als Urheber der Gnade hat uns Gott noch ein höheres, übernatürliches Leben gegeben. Jeder, der dieses Leben empfängt, ist „aus Gott geboren“ und darum in einem wahren und eigentlichen Sinne Kind Gottes. Gott ist daher noch besonders der Vater aller Gerechten. Deshalb schreibt der hl. Johannes: „Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, daß wir Kinder Gottes heißen und sind!“ (1. Joh. 3, 1)
Im apostolischen Glaubensbekenntnis wird aber Gott auch deshalb „Vater“ genannt,

2. weil in Gott mehrere Personen sind, von denen die erste Vater heißt.

Dieses ist der Hauptgrund, warum wir sagen: „Ich glaube an Gott den allmächtigen Vater“. Dadurch unterscheiden wir Gott den Vater, der uns erschaffen, von Gott dem Sohne, der uns erlöst, und von Gott dem Hl. Geist, der uns geheiligt hat.

Wie viele Personen sind denn in Gott?

Es sind drei Personen in Gott, der Vater, der Sohn und der Hl. Geist.

Die Lehre von dem einen Gott in drei Personen ist ein großes Geheimnis. Wir nennen es das Geheimnis der heiligsten Dreifaltigkeit oder Dreieinigkeit. Kein geschaffener Verstand ist fähig, es vollständig zu begreifen; doch können wir seinen Sinn einigermaßen erklären, wie wir das in den nachfolgenden Fragen tun werden. Vorläufig genügt es, nur dieses festzustellen: es sind drei unterschiedene Personen in Gott, der Vater nämlich, welcher von keinem gezeugt ist, der Sohn, welcher von Ewigkeit her vom Vater gezeugt ist, und der Hl. Geist, welcher von Ewigkeit her vom Vater und vom Sohne ausgeht. Diese geheimnisvolle Lehre können und müssen wir glauben, da Gott, die ewige Wahrheit, sie auf auf das bestimmteste geoffenbart hat.

1. Schon in den Büchern des Alten Testamentes sehen wir sie angedeutet, so z. B. wo Gott in der vielfachen Zahl spricht: „Lasset uns den Menschen machen nach unserem Bild und Gleichnis“ (1. Mos. 1, 26); oder: „Siehe, Adam ist geworden wie einer aus uns“; bestimmter (im Ps. 109): „Es sprach der Herr (Gott) zu meinem Herrn (dem Messias): Setze dich zu meiner Rechten… Aus meinem Innern erzeugte ich dich vor dem Morgenstern“, auf welche Stelle Jesus selbst die Juden aufmerksam machte. Zudem ist es sehr wahrscheinlich, daß die jüdische Synagoge eine heilige Überlieferungs-Lehre besaß, die manches erklärte, was in der Bibel nur dunkel angedeutet war. Von einer solchen Überlieferung besitzen die Juden noch mehreres in dem Buch Zohar, wo unter anderem auch über 5. Mos. 6, 4 die Erklärung gegeben wird: „Es sind zwei, womit sich noch eines vereint! Und es sind drei, und die drei sind nur eins.“ Dies alles war jedoch nur ein matter Schimmer, der erst mit Jesus Christus sich in helles Licht verwandeln sollte. Es scheint, daß Gott den Juden eine leise Ahnung dieses hochheiligen Geheimnisses geben wollte, damit sie nicht vorgeben könnten, die Lehre Jesu stehe im Widerspruch mit der Lehre Moses`. Doch wollte er ihnen dieselbe nicht ganz enthüllen, damit sie bei ihrer natürlichen Neigung zur Vielgötterei nicht Anlass nähmen, drei Götter zu verehren.

Erst durch Jesus Christus sollte dieses hochheilige Geheimnis uns völlig erschlossen werden. Die drei göttlichen Personen gaben sich in feierlicher Weise kund, sobald der Heiland sein öffentliches Lehramt antrat. Bei der Taufe Christi öffnete sich der Himmel über ihm, und der Geist Gottes schwebte in Gestalt einer Taube über ihn herab. „Und siehe eine Stimme erscholl vom Himmel: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ (Matth. 3, 16 und Luk. 3, 21. 22) Da hören wir den Vater in der vom Himmel kommenden Stimme, sehen den Sohn in der Gestalt eines Menschen und den Hl. Geist in der Gestalt einer taube. Damit begann der Heiland, aber dabei blieb er nicht stehen. Während der drei Jahre seines Lehramtes redete er unzählige Male bald von Gott, bald vom Hl. Geist, dem Geist der Wahrheit, den der Vater und er in die Welt senden würden. Besonders merkwürdig sind die Worte Christi (bei Joh. 14, 16. 17): „Ich will den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Tröster geben… den Geist der Wahrheit“; und an derselben Stelle (V. 26) „Der Tröster, der Hl. Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, derselbe wird euch alles lehren.“ Hier ist offenbar von drei verschiedenen Personen die Rede. Denn unstreitig ist der Vater, der gebeten wird, ein anderer als der Sohn, der bittet, und der Hl. Geist, der gesandt werden soll, wiederum ein anderer. Endlich vor dem Hintritt aus dieser Welt schloss Christus sein göttliches Lehramt mit den ebenso bestimmten als feierlichen Worten: „Gehet hin, lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes.“ (Matth. 28, 19) Hier werden die drei göttlichen Personen klar und bestimmt nebeneinander gestellt; es sind ihrer drei, aber sie sind einander gleich.

2. Diese göttliche Lehre haben denn auch die heiligen Apostel dem Auftrag Christi gemäß aller Welt gepredigt. Das ersehen wir noch heute aus ihren Briefen an die christlichen Gemeinden, in denen sie den Gläubigen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes ihren apostolischen Gruß entbieten und jede der drei Personen unzweideutig als Gott bezeichnen. (Dieses wird ausführlicher bei der Erklärung des zweiten und achten Glaubensartikels nachgewiesen werden.)

3. Diese Lehre haben die heiligen Kirchenväter von den Aposteln empfangen und einhellig sowohl schriftlich als mündlich überliefert. Wir finden dieselbe schon in den Schriften der nächsten Nachfolger der Apostel, beim hl. Papst Klemens, dem hl. Bischof Ignatius, dem hl. Märtyrer Justinus u. s. f. Ihr begegnen wir in den Kirchenversammlungen der ersten Jahrhunderte, und in allen heißt es: So glauben, bekennen und lehren wir, weil unsere Vorfahren, die Nachfolger der Apostel, so geglaubt, bekannt und gelehrt haben. Der hl. Kirchenlehrer Augustinus (Bch. 1 üb. die Dreieinigkeit K. 4) beteuert, daß er keinen katholischen Schriftsteller gefunden, der über die heiligste Dreieinigkeit etwas anderes gelehrt habe (als was die katholische Kirche heute noch vorträgt). Und schon der hl. Bischof und Blutzeuge Irenäus (Bch. 1 geg. die Häres. Nr. 10), der nur einige Jahrzehnte später als die Apostel lebte, schreibt: „Die auf dem ganzen Erdkreis bis ans Ende der Erde ausgebreitete Kirche hat sowohl von den Aposteln als von ihren Schülern denselben Glauben empfangen, der da ist an einen Gott, den allmächtigen Vater, und an Jesus Christus, den Sohn Gottes, und an den Hl. Geist.“ Wollte man alle die Texte und Schriften der hl. Väter über dieses Geheimnis anführen, so müsste man viele Bücher damit anfüllen.

4. Diese Lehre haben die heiligen Märtyrer im Angesicht des Todes standhaft bekannt und mit ihrem Blut besiegelt. Wir besitzen noch die zuverlässigen Urkunden mehrerer Blutzeugen, z. B. des hl. Polykarpus, Epidopius, Vinventius, Euplus, Cyricus, Faustus und Januarius, der hl. Afra u. a. m., welche ihren Geist aushauchten, während sie den dreieinigen Gott, den Vater, den Sohn und den Hl. Geist, mit lauter Stimme lobpriesen, oder welche noch vor ihrem Tod laut bekannten, daß sie keinen anderen Gott anbeteten als den Vater, Sohn und Hl. Geist, den Schöpfer und Regierer der ganzen Welt.

5. Diese göttliche Lehre hat endlich die katholische Kirche stets siegreich verfochten. Schon in den ersten Jahrhunderten verdammte sie die Lehre der Sabellianer und Paulianer, welche den Unterschied der göttlichen Personen aufhoben; dann die der Arianer, welche die Gottheit des Sohnes, und die der Macedonianer, welche die Gottheit des Hl. Geistes leugneten. Später bekämpfte sie die Lehre der Tritehisten, so genannt, weil sie die Gottheit in drei Götter teilten, und in den letztverflossenen Jahrhunderten die der Sozinianer und Arminianer, welche dem modernen Rationalismus den Weg bahnten…

Aus dem Gesagten geht gewiß dieses eine hervor: wenn irgend eine Lehre unzweifelhaft von Gott geoffenbart ist, so ist es die Lehre von der heiligsten Dreifaltigkeit. Unser Glaube an dieselbe ruht somit auf felsenfestem Grund, und jeder freiwillige Zweifel in dieser Sache wäre Torheit und Sünde. –
aus: P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung, Ein Hilfsbuch für die Christenlehre und katechetische Predigt, 1. Band Lehre vom Glauben, 1911, S. 163 – S. 166

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