Heuchelei von Gleichheit und Brüderlichkeit

Heuchelei oder Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit

Katholikenverfolgung in Unterwalden

Die Heuchelei heutigen Tages

Wenn man von Heuchlern redet, so sind es gewöhnlich fromme Personen und Geistliche, welche damit gemeint werden. Zu Zeiten oder an Orten, wo die Frömmigkeit hoch in Ansehen steht, mag freilich manche nichtsnutzige Person, sei sie geweiht oder ungeweiht, sich stellen, als sei sie gar andächtig und zum Fasten aufgelegt. Allein heutigen Tages und hier zu Lande und bei unserem Regiment wäre einer ein Narr, wenn er der Menschen wegen sich fromm anstellen wollte; denn da wäre nichts zu profitieren als Hass, Spott und Zurücksetzung. Es gibt z. B. Ämter, zu denen man recht gern Gottesleugner oder Rongeaner oder Neuprotestanten oder Juden annimmt, aber keinen frommen Mann, den nimmt man gewiß nicht; und wenn er schon im Amt wäre, muss man ihn pensionieren, damit es Platz gibt.

Deshalb ist die Heuchelei heutigen Tags viel mehr bei den Weltmenschen zu finden, als bei den Christen; und zwar besteht diese Heuchelei darin, daß jene sich dick anstreichen mit dem Firnis der uneigennützigsten Gesinnungen und der edelsten Grundsätze, als seien sie todesmutige Kämpfer für Wahrheit und Recht; während diese Ehrenmänner oft gründlich faul sind, voll Lüge, Ungerechtigkeit, Hass, Parteisucht und Niederträchtigkeit in allen Farben.

Großmäulige Reden von Freiheit, Gleichheit, Humanität

In unseren Zeitungen wuselt es z. B. von großmäuligen Redensarten, als da sind: Freiheit, Gleichheit, Fortschritt, Aufklärung, Zivilisation, Humanität, Licht, Kulturkampf, höchste Güter der Nation u. dgl. Mit dem grünen Tannreis solcher wohlriechenden Worte soll der Sumpf wüster Verdorbenheit zugedeckt werden. Wer sind denn diese Zeitungsschreiber? Ein großer Teil sind verjährte Studenten, die auf der Universität sehr viel Bier getrunken, gesungen und gebrüllt haben, aber nichts studiert und darum es nie zu einem Examen gebracht, oder die vor dem Examen davon gelaufen sind. Eine Menge von Zeitungsschreibern sind Menschen, welche keine Religion haben und ganz das gleiche Geschäft treiben, das der Vater der Lüge schon im Paradies getrieben hat, indem er zu den ersten Menschen sprach: „Ihr werdet keineswegs sterben, sondern euch werden erst die Augen recht aufgehen, ihr werdet wie Gott sein.“ Darum sind die Leser gewisser Zeitungen Brüder und Vettern des verlorenen Sohnes; ihr Zeitungsblatt ist der Schweinetrog, wohinein verdorbene Subjekte alle Tage das Spülicht ihres Kopfes zusammen schütten. Und die betörten Leser verschlingen mit großem Appetit die Lüge und den Unrat darin; das schmeckt ihrer armen Seele besser als das gesunde Brot des Wortes Gottes.

Teuflische Lügenhaftigkeit bei Freiheitsmännern

Am gräßlichsten hat sich die teuflische Lügenhaftigkeit schöner Redensarten, wie sie bei den Freiheitsmännern üblich sind, in der französischen Revolution (siehe den Beitrag: Die gottlose und antichristliche französische Revolution) gezeigt, welche im Jahre 1789 zu Paris losgebrochen ist. Die christliche Religion wurde abgeschafft und dafür die Vernunft, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit auf den Thron und auf den Altar gesetzt. Unter dem Regiment dieser Vernunft, Freiheit und Gleichheit wurden dann solche Gräuel und Grausamkeiten ausgeübt, wie die Welt noch keine ärgeren gesehen hat. Ich will zur Probe nur einen einzigen kleinen Schweizer Kanton aufführen und zeigen, welche Sorte von Vernunft, Freiheit und Brüderlichkeit die französischen Revolutions-Apostel hinein gebracht haben.

Rauben, Morden, Schänden, Entweihungen durch die Freiheitsmänner

Es ist ein Buch in der Schweiz heraus gekommen mit dem Titel: „Der Überfall in Nidwalden im Jahr 1798 von F. J. Gut; Stans 1862“. In diesem Buch ist mit genauer Umständlichkeit erzählt, wie es die Franzosen in Unterwalden gemacht haben. Die Schweizer in diesem Kanton lebten einfach, fromm und friedsam und wählten zeitweise ihre Obrigkeiten. Da kamen die Franzosen in die Schweiz und wollten überall ihre französische Freiheit und Gleichheit einführen. Viele Kantone ließen sich verführen und nahmen willig an, was die Franzosen verordneten. Die Unterwaldner aber wollten ihre Religion und ihre wahre Freiheit nicht von den Franzosen verderben lassen, und begehrten: man solle sie in Ruhe lassen. Da wollten die Franzosen die Unterwaldner zu ihrer neumodischen Freiheit zwingen und drangen mit Gewalt in das kleine Bergland ein. Die Unterwaldner wehrten sich gegen diese fremden Räuber mit großer Tapferkeit; weil aber die Franzosen immer wieder neue Truppen schickten, so wurden die Unterwaldner zuletzt überwältigt – und nun soll einiges erzählt werden, wie diese Freiheits- und Menschenrechts-Apostel oder vielmehr Hetzhunde des Teufels verfahren sind.

Rauben, Morden, Brennen, Schänden, Entweihung alles Heiligen wurde in einer Weise geübt, wie sie selbst bei Heidenvölkern nicht ärger vorkommen.

„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“

Doch das sind allgemeine Redensarten, gleichsam verschlossene Schachteln; wir wollen sie öffnen, ich will einzelne Tatsachen erzählen, wie sie in den Registern von Unterwalden aufgezeichnet sind. Die Franzosen ermordeten daselbst an einem einzigen Tage bei 100 Weiber, männlichen Geschlechtes mehr als 100 Greise, kRanke und solche, die nicht mehr fliehen konnten, mehr als 50 Kinder wurden erstochen, zerhauen, verstümmelt, zu Tod gestürzt oder sonst gemartert. „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.“

547 Wohnhäuser, Kirchen undKapellen wurden mutwillig nieder gebrannt. Die Franzosen schossen hohle Kugeln, die mit Schwefel gefüllt waren, oder geschwefelte Pfropfen in die Häuser. Sie schlachteten nicht nur das Vieh, um es zu verzehren, sondern schlugen aus Bosheit mancher Kuh den Kopf ab, oder führten das Vieh fort und verkauften das Stück um ein paar Franken. Menschen jeden Geschlechtes und jeden Alters wurden lebendig in Häusern, Ställen, und Sennhütten verbrannt, und mit teuflischer Lust ihr Wehgeschrei belacht. Wöchnerinnen wurden grausam misshandelt, verstümmelt und gequält bis in den Tod. „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!

Kreuze umreißen, das Bildnis des Erlösers und der Heiligen mit den Säbeln zerhauen, Kirchenparamente zum Gespött missbrauchen, Tabernakel aufstoßen, Kelche stehlen, die heiligen Hostien auf den Boden werfen und zertreten, war bei diesen eingefleischten Teufeln etwas ganz Gewöhnliches. In der Kirche zu Stans wurden 13 Personen, die sich dorthin geflüchtet hatten, in verschiedener Weise ermordet; und als die Kirche später gereinigt wurde, hingen in den Stühlen Menschengedärme. „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.“

Wer Freiheit und Vaterland gegen die Franzosen verteidigt hatte, wurde für einen Rebellen erklärt; die Schweizer hingegen, welche es mit den Franzosen hielten, wurden die Regenten, die sogenannte helvetische Regierung. Dazu gehörte auch der Freimaurer Zschokke (*), welcher das bekannte Zuckerwasser-Buch „Die Stunden der Andacht“ geschrieben hat. Auf allen Erlassen, welche diese Menschen ergehen ließen, standen immer obenan die Worte Freiheit, Gleichheit“. Auf Anordnung dieser edlen Obrigkeit wurden eine große Anzahl Unterwaldner für das Verbrechen, daß sie Religion und Vaterland verteidigt hatten, in das sogenannte Aarburgerloch gesperrt. Dieses ist ein Gewölbe in der Festung Aarburg, das nur einige kleine Luftlöcher hatte, mit einer Türe zugesperrt. Da 186 Personen drin waren, so wurden einige ohnmächtig aus Mangel an Luft; wer kein Geld hatte, bekam nichts zur Nahrung als Wasser und Brot; und 20 Tage lang mussten die brävsten, rechtschaffensten Männer in dieser Mordhöhle zubringen, bis sie nur verhört wurden. „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.“

Wie neue Freiheit ausgeübt wurde

Ich will nun noch erzählen, wie die neue Freiheit an einzelnen Personen ausgeübt wurde. Der 68 Jahre alte Priester Kaiser las im Frauenkloster zu Stans die heilige Messe; da kamen die Franzosen, zogen ihn aus bis auf Hemd und Hosen, nahmen den Kelch, und als er fort ging, wurde er auf der Gasse erschossen. Der 72jährige Priester Lussi lag todkrank; die Franzosen stießen ihm den Säbel in die Brust. Desgleichen der 73jährige Priester Zelger wurde im Bett erstochen und sterbend die Stiege hinab geworfen. In ähnlicher Weise wurden noch mehrere wehrlose Geistliche ermordet. Im Kapuzinerkloster wurde eine ganze Anzahl der armen Patres erschossen, erstochen oder mit Säbelhieben getötet. Die Witwe Beng wurde wie ein Schlachtvieh in den Hals gestochen und zu Tod gemartert. Barbara Ganter hatte einen Knaben auf dem Arm; ein Franzose schoß ihr eine Kugel in den Leib und dem Knaben durch das Bein. Die Jungfrau Risi verteidigte tapfer ihre Keuschheit und bat, man solle sie lieber erschießen; die Franzosen erschossen sie wirklich und missbrauchten dann den Leichnam. E. Stulz wurde auf dem Todbett gräßlich ermordet. Einer Magd wurden die Augen ausgestochen und die Zunge ausgeschnitten; das Blut spritzte an den Wänden hinauf. K. Barmettler wurde in der Kirche erschossen,, während sie betete. Die Kindbetterin Rengger wurde furchtbar gemartert, weil sie sich für ihre Ehre wehrte. Wangen und Brust wurden ihr abgeschnitten und dann erst wurde sie erschossen. Die 71jährige Frau des Obervogts Kaiser wurde zuerst in das Bein geschossen, dann lebendig zum Fenster hinab gestürzt. Eine arme Kindbetterin, Namens Durer, wurde zuerst misshandelt und dann Geld von ihr begehrt. Sie sagte: den halben Batzen, den sie noch habe, brauche sie zur Milch für das Kind; die Franzosen antworteten damit, daß sie das Weib erschossen. M. Donni, selbst kränklich, saß bei seiner todkranken Frau; da kamen zwei Franzosen und begehrten sein Geld; er gab es ihnen, hierauf schossen sie ihm eine Kugel durch das Herz. Nun kamen noch fünf andere Franzosen, wovon jeder ein Kind am Bajonett stecken hatte; eines zappelte noch. Hernach wollten sie das Haus anzünden; da es aber nicht brannte, so zündeten sie den Stall an, holten die Bretter im Haus und warfen sie ins Feuer. Eine 86jährige lahme Person wurde mit dem Haus verbrannt, worin sie lag. „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.“

In dem Urkundenbuch, woraus ich dieses entnehme, sind noch eine ganze Menge weiblicher Personen mit Namen aufgezählt, welche von den Franzosen ermordet wurden, teils weil sie sich gegen Schändung wehrten, teils bloß aus Mordlust. Von der großen Menge wehrhafter Männer, welche nach dem Kampf noch gemordet wurden, will ich nur ein Beispiel anführen. In Buochs wurde der Schmied Durer mit einer Kette an das Haus gebunden, dann das Haus angezündet und er lebendig verbrannt. „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.“

Wehe vor denen, welche kein Christentum haben

Das ist ungefähr die Bedeutung der schönen Worte und Redensarten bei Menschen, welche kein Christentum haben. Sie sind meistens die abscheulichsten Heuchler und wollen nur Freiheit für sich, um andere zu tyrannisieren und misshandeln zu können. Wer ihnen glauben mag, der wird vielleicht selbst noch inne werden, wie wahr, aufrichtig und ehrlich diese Apostel des Lichtes und der Freiheit es meinen.

Anm.: Erst noch im Frühling 1871 haben die für die meisten Schlagwörter der Freimaurer ganz kannibalisch glühenden Kommunisten in Paris wie Teufel mit Mord und Feuer gewütet, und satanische Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit an den Tag gelegt. –
aus: Alban Stolz, ABC der großen Leute, S. 39 – S. 45

(*) nicht zu verwechseln mit unserem Autor Hermann Zschokke

Category: Neuzeit, Stolz
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