Heiliger Cyrillus Patriarch von Alexandrien

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

 Heiligenkalender

9. Februar

Heiliger Cyrillus Patriarch von Alexandrien und Kirchenlehrer

Man kann sagen, daß der hl. Cyrillus von Gott erweckt worden sei, um das Geheimnis der heiligsten Menschwerdung des Sohnes Gottes in einer Zeit zu verteidigen, in der die Irrlehre alle Kraft aufbot, um es zu vernichten. Dieser heilige Lehrer wurde von seiner Kindheit an in den Kenntnissen der heiligen Schrift unter den Augen seines Oheims Theophylus, der Patriarch von Alexandrien war, heran gebildet. Er hing unerschütterlich an der Lehre der Väter des Altertums, so daß er nur nach ihnen, wie er selbst uns berichtet, die göttliche Lehre vortrug und man ihn deshalb mit vollem Recht den Lehrer des Dogmas der Menschwerdung nennen kann.

Im Jahre 412 wurde er auf den Patriarchenstuhl von Alexandrien erhoben und von dieser Zeit an trat er mit aller Kraft in den Kampf, um den Geist der Lüge und Irrlehre zu widerlegen und ruhte nicht bis zu seinem Tode. Er war auch ein inniger Verehrer der allerseligsten Jungfrau und vom Himmel ausersehen, ihre Ehre als Gottesmutter in Schutz zu nehmen, weshalb sie nicht zuließ, daß er einen Fehler beginge, der seinen Namen in den Augen des Volkes hätte beflecken können. – Unglücklicher Weise hatte sich unser Heilige gegen den heiligen Johannes Chrysostomus, den sein Oheim aus der Kirchen-Gemeinschaft ausgeschlossen hatte, einnehmen lassen; deshalb weigerte er sich auch lange Zeit den Namen dieses Heiligen in das Verzeichnis der Bischöfe einzutragen. Da geschah es, daß er einmal in einem Gesicht sich selbst vom hl. Johannes Chrysostomus, der wie von einer himmlischen Leibwache umgeben war, aus den Kirchen vertreiben sah. Als er darüber in Angst geriet, sah er die Mutter Gottes, wie sie bei dem hl. Johannes gleichsam Fürbitte für ihn einlegte und sagte, daß Cyrillus für ihre Ehre eifrig kämpfe, er möge ihn also wieder in Kirchen-Gemeinschaft zulassen. Durch dieses Traumgesicht aufgemuntert, verurteilte er sein bisheriges Verfahren, berief eine Synode und trug dann feierlich den Namen des hl. Chrysostomus in das Verzeichnis der Bischöfe ein im Jahre 419. Sobald der Papst Zosimus dieses erfuhr, versicherte er ihn durch briefe seiner Kirchengemeinschaft. Dies Alles was wir von dem Leben der heiligen Cyrillus bis zum Jahre 428 wissen.

Im Jahre 428 wurde der Priester und Mönch Nestorius auf den Patriarchen-Stuhl von Konstantinopel erhoben. Dieser besaß alle Eigenschaften, um sich die Liebe des Volkes, das zumeist nur am äußeren Schein hängen bleibt, zu erwerben. Er führte ein zurückgezogenes Leben, hatte das äußere Ansehen von Bußfertigkeit und Abtötung und verband mit einigen Kenntnissen eine große Leichtigkeit des Ausdruckes. Allein unter diesem Äußeren verbarg er eine tiefe Heuchelei, einen unerträglichen Stolz, einen Starrsinn, der unbesiegbar an seinen einmal gefaßten Meinungen haftete, und sie der gemeinsamen Lehre der heiligen Väter vorzog. Den Anfang seiner bischöflichen Würde machte er damit, daß er die Arianer, Macedonianer, Manichäer und andere Irrlehrer mit einer Art von Wut verfolgte und sie endlich aus seiner Diözese jagte. Wenn er sich durch ein solches Betragen den Ruf eines eifrigen Hirten erwerben wollte, täuschte er sich sehr; der wahre Eifer überschreitet nie die Grenzen der Mäßigkeit und christlichen Duldung. Übrigens leugnete Nestorius schon zu der zeit, in der er die oben genannten Irrlehrer verfolgte, mit den Pelagianern die Notwendigkeit der Gnade. Er trat sogar mit Cölestin und Julian, zwei Hauptverteidigern des Pelagius, in Gemeinschaft und teilte mit ihnen die heiligen Geheimnisse aus, nachdem dieselben von den Päpsten Innozenz und Zosimus in den Kirchenbann getan worden und selbst der Kaiser Honorius sie aus dem abendländischen Reich vertrieben hatte. Hierbei ließ er es aber noch nicht bewenden, er wagte es, öffentlich zu predigen und predigen zu lassen, es seien zwei Personen in Christus, die göttliche und die menschliche; Christus habe die menschliche Natur nur angenommen wie einen Tempel, in dem er wohne und folglich sei die allerseligste Jungfrau nicht Mutter Gottes, sondern nur die Mutter des Menschen oder des Christus. Diese gottlosen Neuerungen erregten bei den Gläubigen den gerechten Unwillen. Kaum hatte der heilige Cyrillus von diesen schändlichen Umtrieben gehört, als er sogleich den festen Entschluss faßte, sich denselben mit allem Nachdruck zu widersetzen. Zuerst sandte er ein Rundschreiben an die Mönche und Einsiedler Ägyptens, wo bereits die Schriften des Nestorius großes Unheil angerichtet hatten, in welchem er das ketzerische Gift aufdeckt und ihnen beweist, daß die seligste Jungfrau nach den Entscheidungen des Conciliums von Nicäa eine Gottesgebärerin genannt werden müsse. – auch an Nestorius schrieb er liebevolle Briefe, um ihm die Augen zu öffnen; allein er erhielt von demselben nur verächtliche Antworten. –

Selbst an den Kaiser Theodosius schrieb Cyrillus und verfaßte zwei schöne, gelehrte Abhandlungen für die Prinzessinnen, um sie im wahren Glauben zu stärken und vor den Umtrieben des Nestorius zu warnen. Ja sogar an den Papst wandte sich Cyrillus und schickte Gesandte nach Rom, um zu berichten, was sich in Konstantinopel und in den andern Provinzen durch Nestorius alles ereignet habe. Er bat den Stellvertreter Christi ein Urteil darüber zu fällen und die morgenländischen Bischöfe zu unterrichten, wie sie sich in dieser wichtigen Sache zu benehmen hätten. -Der heilige Vater schickte hierauf ein Schreiben an Nestorius, worin er ihn väterlich ermahnt, seine Irrtümer zu widerrufen; sollte aber dieser Widerruf binnen zehn Tagen nicht erfolgen, so sei er aus der Kirchen-Gemeinschaft ausgeschlossen. Die Vollziehung des Urteils übertrug er dem Cyrillus, als seinen Legaten. Doch Nestorius unterwarf sich nicht, sondern hatte noch die unerhörte Frechheit, selbst gegen den Papst, das Oberhaupt der Kirche, den Bannfluch zu schleudern und auf den Kaiser sich zu berufen, den er hinterlistig betrogen hatte. –

Diese Hartnäckigkeit veranlaßte die Zusammen-Berufung des dritten allgemeinen Conciliums, das 431 zu Ephesus eröffnet wurde. Zweihundert Bischöfe waren da versammelt mit dem heiligen Cyrillus, der im Namen des Papstes Cölestin den Vorsitz führte. Nestorius weigerte sich, dabei zu erscheinen, obgleich er in der Stadt gegenwärtig war. Seine Lehre, die man in der ersten Sitzung untersuchte, wurde verdammt, und über ihn selbst wurde das Absetzungs-Urteil ausgesprochen.

Sechs Tage nachher langte der Patriarch von Antiochien, Johannes, mit 14 Bischöfen des Morgenlandes an. Sie hatten sich nicht früher nach Ephesus begeben, weil sie glaubten, man lege dem Nestorius Irrtümer bei, die er nicht lehrte. Man rief von beiden Seiten den Schutz des Kaisers an, der Befehl gab, den hl. Cyrillus, samt Nestorius, zu verhaften; der Erstere, obgleich unschuldig, wurde am härtesten behandelt, und nicht viel hätte gefehlt, so wäre er des Landes verwiesen worden, so viel vermochten seine Gegner am Hofe. Glücklicher Weise gab die Ankunft der drei vom Papst Cölestin geschickten Legaten der Sache eine für den heiligen Cyrillus günstigere Wendung. Als die Legaten über den ganzen Hergang genaue Kunde eingezogen hatten, billigten sie die Handlungsweise unseres Heiligen, erklärten das gegen ihn ausgesprochene Urteil für nichtig und bestätigten die Verdammung des Nestorius. Der heilige Cyrillus wurde dann wieder auf seinen bischöflichen Stuhl eingesetzt. Die Bischöfe, welche sich von ihm getrennt hatten, söhnten sich 433 mit ihm aus, unterschrieben das Verdammungs-Urteil des Nestorius und gaben ein unumwundenes und der wahren Lehre der Kirche entsprechendes Glaubens-Bekenntnis.

Das Betragen des heiligen Cyrillus in diesem verwickelten Handel mit Nestorius verdient alles Lob. Zuerst wandte er die Mittel sanfter Schonung an, um den Irrlehrer zu gewinnen; als er ihn aber hartnäckig in seinen Irrtümern sah, bewaffnete er sich mit einem unerschrockenen Eifer. Umsonst erregten schleichende Ränke harte Verfolgungen gegen ihn, er sah sie als Prüfungen an, die Gott über ihn sende, und er würde freudig Blut und Leben zur Verteidigung des wahren Glaubens hingegeben haben. Da seine Gegenwart zu Ephesus nicht mehr notwendig war, kehrte er nach Alexandrien zurück den 30. Oktober 431. Seine übrigen Lebenstage arbeitete er mit aller Sorgfalt und reinem Eifer für seine geliebte Herde, bestrebte sich, den köstlichen Schatz des Glaubens in seiner ganzen Reinheit zu erhalten und den Frieden der Kirche, den die Ketzerei mehrere Jahre getrübt hatte, wieder herzustellen und zu befestigen. Er starb den 28. Juni 444. Der heilige Papst Cölestin schätzte ihn sehr hoch und gab ihm den Ehrennamen eines großmütigen Verteidigers der Kirche und des Glaubens, eines katholischen Lehrers, eines wahrhaft apostolischen Mannes. Im römischen Märtyrer-Verzeichnis ist sein Festtag auf den 28. Januar angesetzt. Unser glorreich regierender Papst Leo XIII. hat ihm im Jahre 1882 den Titel eines Lehrers der Kirche zuerkannt und sein Fest für die ganze Kirche auf den 9. Februar vorgeschrieben. –
aus: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Bd. 1, 1904, S. 149 – S. 152

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