Fest der Reinheit Unserer Lieben Frau

Ein Engel mit einem Lilienzweig in der Hand steht auf einer Wolke; mit der linken Hand hält er ein Spruchband, auf dem mit schönen großen Buchstaben das Wort Maria steht

Das Fest der Reinheit Unserer Lieben Frau

Dieses liebliche Fest ist erst in neuerer Zeit in der heiligen Kirche allgemein eingeführt und seine Feier für den dritten Sonntag im Oktober festgesetzt worden. Das Oberhaupt der Kirche hat damit einen neuen glänzenden Edelstein in die Strahlenkrone der Himmelskönigin gefügt, – einen Edelstein, den an Glanz und Kostbarkeit nur die unschätzbare, unvergleichliche Perle der unbefleckten Empfängnis übertrifft. –

Durch dieses Fest will die heilige Kirche ihren Glauben von der immerwährenden Jungfräulichkeit der Gottesmutter und der über Alles erhabenen Reinheit dieser Jungfräulichkeit öffentlich bezeugen, und zugleich diese reinste Jungfräulichkeit als Spiegel und Beispiel zur Nachahmung der Welt vor Augen halten. Darauf weisen auch die Lektionen oder Lesungen des Offiziums dieses Tages hin. –

Daß die gebenedeite Gottesmutter vor, bei und nach der Geburt ihres göttlichen Sohnes Jungfrau gewesen und immerwährende Jungfrau geblieben, welcher Christ wagt es, dies zu bezweifeln, ohne zu fürchten, Christo dem Herrn, und seiner glorwürdigen Mutter die größte Schmach zuzufügen!? Zur Zeit des heiligen Hieronymus, der im Jahre 420 starb, wagten es einige Gott vergessene Männer, Helvidius und Jovinian, die Ehre der Jungfräulichkeit der Gottesmutter anzugreifen. Sogleich erhob sich der heilige Kirchenlehrer gegen diese Lästerer und kämpfte diese Verunglimpfung der reinsten Jungfrau nieder, und der heilige Papst Siricius verdammte auf einem Konzil in Rom feierlich diese Ketzerei. Jovinian starb plötzlich bei einem Saufgelage.

Die beständige, heilige Überlieferung von den Zeiten der Apostel an lehrt ausdrücklich, daß Maria vor und nach der Geburt eine Jungfrau gewesen und stets Jungfrau geblieben, und die heilige Kirche nennt Maria in ihren öffentlichen Gebeten und in ihren Konzilien die immerwährende Jungfrau, oder auch, um ihren Vorzug vor allen anderen Jungfrauen anzudeuten, einfach „die Jungfrau“. Die heiligen Väter nennen Maria die Fahnenträgerin, die Verkünderin des Evangeliums der Jungfräulichkeit. Sie war es, welche zuerst die Fahne der Jungfräulichkeit erhob, sie hat zuerst in der Kirche zu all den reinen Lilien, die im Garten Gottes blühen, den Samen gestreut, sie, die Königin der Engel, hat die Erde mit Engeln bevölkert, und die leeren Plätze des Himmels wieder ausgefüllt. Ja sie ist die Königin aller Engel, denn wie die seligen Geister Jungfrauen des Himmels sind, ebenso sind die geweihten Jungfrauen die Engel der Erde.

Daß dem so sei, lehrt das Evangelium; denn als Maria aus des Engels Mund vernahm, daß sie den Sohn des Allerhöchsten empfangen solle, erwiderte sie: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne!“ Sie hatte also, wie dies auch die allgemeine Meinung der heiligen Väter ist, das Gelübde der Jungfräulichkeit abgelegt, sie wollte lieber auf die höchste Ehre der Mutterschaft verzichten, als ihre Jungfräulichkeit opfern. –

Wenn der heilige Apostel Paulus allen Christinnen den steten Jungfrauschaft als einen Vorzug anrät, wie hätte nun Maria, die Zierde des weiblichen Geschlechtes, diesen Vorzug entbehren, wie hätte sie ihren Leib, den Gott sich selbst zu seiner Wohnstätte ausersehen hatte, den das Weib im Evangelium selig gepriesen, wie hätte sie diesen ihren reinsten unbefleckten Leib zur gemeinen Herberge eines von der Erbsünde befleckten Menschen hergeben können?

Daher sagt auch der heilige Ambrosius: „Es läßt sich gar nicht denken, daß diejenige, welche in ihrem Schoß einen Gott geboren, nachher einen durch die Erbsünde verunreinigten Menschen in dieses Heiligtum aufgenommen habe.“ Allerdings spricht das Evangelium von Brüdern Christi, allein darunter werden, nach dem Sprachgebrauch der Juden, nur die nächsten Verwandten seiner göttlichen Mutter verstanden. –

Den Glauben der Kirche an die stete Jungfrauschaft der Gottesmutter spricht der heilige Augustin mit den schönen Worten aus: „Eine Jungfrau hat empfangen, eine Jungfrau hat geboren, und ist nach der Geburt eine Jungfrau geblieben.“

Wer vermag aber die unvergleichliche Reinheit dieser immerwährenden Jungfrau zu schildern! „Vergebens“, sagt ihr großer Diener, der heilige Anselm, „sucht ihr auf Erden oder im Himmel eine Reinheit, die der Reinheit Mariens gleicht.“ Es kann auch nicht anders sein, als daß sie an Reinheit alle übrigen Geschöpfe über alle unsere Vorstellungen übertrifft, da der ewige Vater sich bewogen fühlte, sie als seine Tochter auszuwählen und zur Mutter seines eingeborenen Sohnes zu machen, da der Sohn sei gern dafür anerkennt und der heilige Geist sie zu seiner Braut zu haben wünschte. –

Als, von Ewigkeit her, auserwählte Tochter des himmlischen Vaters musste sie ihm am ähnlichsten sein, und sie war es auch, denn sie war frei von jeglicher auch der kleinsten Makel der Sünde. Daher wurde sie genannt: Schön wie der Mond, auserwählt, wie die Sonne; daher heißt es von ihr: „Du bist ganz schön und keine Makel ist an dir.“ Sie war aber nach der Lehre der Väter nicht bloß frei von jeglicher Makel der Sünde, sondern auch von der Möglichkeit zu sündigen. Christus hatte diese Unsündlichkeit von Natur aus, Maria von der Gnade. Sie war ohne Zunder der Sünde, weil sie frei von der Erbsünde, niemals auch nur den kleinsten Reiz zur Sünde fühlte, und weil in ihrer Seele niemals ein Bild, eine Vorstellung oder ein Gedanke von einer unreinen Sache den Eingang fand. Sie war ohne unordentliche Leidenschaften, denn wo die Wurzel der Sünde fehlte, dort konnten auch die Äste nicht sein; sie war für innerliche, sündhafte Eingebungen gar nicht empfänglich, weil die Herrschaft, welche sie über ihre Kräfte hatte, die Empörung nicht aufkommen ließ, und wenn der Teufel sich erkühnte, sie von außen zu versuchen, so zertrat sie kräftig sein giftiges Haupt. Sie war reiner als selbst die Engel, die, wenn sie gleich nicht mehr sündigten, doch sündigen konnten, und obwohl sie rein waren, so entspringt doch ihre Reinigkeit notwendig aus ihrer Natur, nicht aber aus der Gnade durch Verdienst wie bei Maria. Sie war endlich nicht nur die reinste in sich selbst, sondern auch in anderen, weil sie durch ihren bloßen Anblick denen die Reinigkeit einflößte, die sie anschauten, gleich dem Schnee, der, wenn ihr ihn in der Nähe anseht, euch zu Eis zu machen scheint. –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Zweiter Teil, 1869, Sp. 2365 – Sp. 2368

Fortsetzung: Warum Maria die höchste Reinheit gebührt

Bildquellen

  • Hattler Engel Mit Namen Maria: Bildrechte beim Autor
Category: Marienfeste, Ott
Tags: ,

Verwandte Beiträge

Buch mit Kruzifix
Augustinus gegen den Pelagianismus
Maria Retzbach im grünen Tal Wallfahrtsort
Menü