Unterricht über die Hochzeit zu Kana

Das Bild zeigt die Hochzeit zu Kana, wo Jesus bei den Brautleuten sitzt und durch seine Anwesenheit und sein Wunder die Ehe geheiligt hat; im Vordergrund stehen die Krüge, mit Wasser gefüllt, der Diener, der am Boden kniet, reicht dem älteren Mann einen Becher, der nun statt Wasser Wein enthält;

Unterricht für den zweiten Sonntag nach Erscheinung – Hochzeit zu Kana

Im Eingang zur heiligen Messe lädt uns die Kirche ein, Gott für die Menschwerdung seines Eingebornen zu danken. „Alles Land bete Dich an, lobsinge deinem Namen. – Jauchzet zu Gott, alle Lande, lobsinget seinem Namen; lasset herrlich erschallen sein Lob!“ (Ps. 65, 1-4)

Gebet der Kirche.
Allmächtiger, ewiger Gott, der Du alles, was im Himmel und auf Erden ist, regierest, erhöre nach deiner Milde auch die Bitten deines Volkes und schenke uns ruhige, friedliche Tage; durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen.

Evangelium nach dem hl. Johannes. Kap. 2, Vers 1-11

Zu derselben Zeit war eine Hochzeit gehalten zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war dabei. Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit geladen. Und als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu Ihm: Sie haben keinen Wein! Jesus aber sprach zu ihr: Weib! Was habe Ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Da sagte seine Mutter zu den Dienern: Was Er euch sagt, das tut. Es standen aber daselbst sechs steinerne Wasserkrüge, die zu den bei den Juden üblichen Reinigungen bestimmt waren, wovon ein jeder zwei bis drei Maß hielt. Jesus sprach zu ihnen: Füllet die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis oben. Und Jesus sprach zu ihnen: Schöpfet nun und bringt es dem Speisemeister! Und sie brachten es ihm. Als der Speisemeister das Wasser kostete, welches zu Wein geworden war, und nicht wußte, woher das wäre, (die Diener, welche das Wasser geschöpft hatten, wußten es), rief der Speisemeister den Bräutigam und sprach zu ihm: Jedermann setzt zuerst den guten Wein auf und dann, wenn man sich satt getrunken, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt. Diesen Anfang der Wunder machte Jesus zu Kana in Galiläa, und Er offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an Ihn.

Warum hat sich Jesus mit seiner Mutter und seinen Jüngern zur Hochzeit begeben?

1) Um die gottesfürchtigen Brautleute zu ehren. –

2) Um uns durch sein eigenes Beispiel zu zeigen, daß es erlaubt sei, bei unschuldigen Freuden zu erscheinen und mit den Fröhlichen fröhlich zu sein. –

3) Um uns zu lehren, daß der Ehestand Gott wohlgefällig sei. –

4) Um seinen Jüngern sich als Gott und Messias zu offenbaren und ihren Glauben an Ihn zu stärken.

O, wenn doch alle Hochzeiten so gefeiert würden, daß Jesus und Maria dabei sein könnten! Wie glücklich würden die Ehen werden!

Warum hat sich Maria dieser Brautleute angenommen, da es an Wein fehlte?

Weil sie sich ihrer erbarmte. Sie ist eine Mutter der Barmherzigkeit und eine mildherzige Fürsprecherin für alle betrübten und verlassenen Menschen, die Gott fürchten. – Lernen wir daraus, wie wir vorzüglich der verschämten Armen uns annehmen sollen und, wenn wir selbst nicht imstande sind, der Not unserer Mitmenschen abzuhelfen, ihnen wenigstens durch unsere Fürsprache zu Hilfe kommen und auch in unseren eigenen Nöten zu Maria unsere Zuflucht nehmen sollen.

Was bedeuten die Worte Jesu: „Weib! Was habe ich mit dir zu schaffen“?

Nach dem hebräischen Sprachgebrauch haben diese Worte nichts Abstoßendes, sondern ungefähr den Sinn: „Mutter sei unbekümmert; Ich werde für das Nötige sorgen, sobald der von meinem Vater bestimmte Augenblick kommt. Dieser aber ist noch nicht gekommen.“ Christus verletzte also mit diesen Worten die seiner Mutter schuldige Achtung nicht, wies sie aber doch darauf hin, daß Er von nun an nach den Befehlen eines Höheren, nämlich nach den Befehlen seines himmlischen Vaters handeln müsse. Dadurch wollte Er uns lehren, daß wir in allen Dingen die von Gott bestimmte Zeit abwarten und in den Gott und seine Ehre betreffenden Dingen, ohne alle menschlichen Rücksichten, nur nach der göttlichen Anordnung handeln sollen.

Warum befahl Christus, den Wein dem Speisemeister zu bringen?

1) Damit die Ordnung erhalten würde und die Gäste den Wein nicht missbrauchen könnten;

2) damit der Speisemeister davon kosten und das geschehene Wunder bezeugen könnte, auf daß die Jünger und alle Anwesenden an Ihn glauben möchten.

Was bedeutet der Mangel an Wein im geistigen Leben?

Es kann darunter der Mangel an wahrer christlicher Liebe unter den Eheleuten verstanden werden, welcher bei denen vorkommt, die nur aus irdischen oder gar sündhaften Gründen den Ehestand antreten. Über diese wird viel Leid kommen. Wenn sie aber Gott und Maria recht bitten, wird Gott die Wasser der Trübsale verwandeln in den Wein duldender Liebe.

Übung.
In leiblicher und geistiger Not nimm deine Zuflucht vertrauensvoll zu Maria, besonders wenn du im Ehestand bist und viele Leiden hast.

Gebet.
O mein liebster Jesus! Gib, daß auch ich Dich als meinen Gott und Heiland erkenne. Verwandle in mir das Wasser der Lauigkeit in den Wein feuriger Liebe zu Dir und zu meinen Mitmenschen, damit ich durch diese Liebe einst zu den ewigen Freuden gelange. Amen. –
in: Leonhard Goffine, Ord. Praem.; Unterrichts- und Erbauungsbuch oder Katholische Handpostille, 1885, S. 89 – S. 92

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