Tautropfen für ein kleinmütiges Herz

Jesus steht mit ausgebreiteten Armen, auf der Brust das Herz mit Dornenkrone und einem Kreuz, links sind Geistliche und Fürsten, rechts eine Mutter mit zwei Kindern, ein Mann und ein Kranker mit Krücken, alle knien vor Jesus

Tautropfen für ein verzagtes trostloses Herz

Ein Mirakelbild

Auf einem schön umrahmten Bild sieht man Jesus mit der Dornenkrone auf dem Haupt das Kreuz aus seiner Schulter tragen; die Soldaten und Schergen sind in mittelalterlicher Kleidung zu sehen

Es mag sein, daß dich schon lange ein Leid plagt; du siehst, wie ohne dein Verschulden dein Hauswesen den Krebsgang macht, und hast keine Aussicht auf Besserwerden, oder du merkst, es sitzt dir eine Krankheit im Leibe und saugt wie ein Blutegel an deinem Leben und es wird früher oder später dazu kommen, daß du bettlägerig wirst, oder bist nicht nicht du selber es, musst du sehen, wie deine Ehehälfte oder das Kind langsam hinsiecht; oder du musst sehen, wie das Kind schlechte Wege wandelt und sich von dir nicht mehr zurechtweisen läßt oder wie es im Ehestand lebenslang an ein lebendiges Kreuz, an ein liederliches Weib oder an einen wilden Trunkenbold, gebunden ist. Derlei sitzt dir schwer im Herzen; du bringst es nicht aus dem Sinn; überall hin verfolgt dich der Gedanke daran und dem Gedanken folgt Traurigkeit und Verzagtheit.

Da geh denn hin vor das Bild des Herzens Jesu. Schau da, wie ihm ein Kreuz aufgesetzt ist als wäre es aus ihm hervor gewachsen, die Wurzel tief im Herzen. So war es auch in Wirklichkeit. Auch dein Heiland ist lebenslang von einem Kreuz gepeinigt worden. Er hat gesehen, wie es ihm kommen werde, wie eines Tages in der schönsten Lebenszeit werde daran unsäglich grausam gemartert werden. Dieser Gedanke hat ihm als Kind schon sein armes Herz gepeinigt, und später, wo er häufig nach Jerusalem gekommen, und den Ölgarten und die Schädelstätte gesehen hat, wie mag ihm da geworden sein in klarer Aussicht auf die entsetzlichen Stunden, die er dort zubringen wird? Und doch hat er es erduldet und zwar in Liebe zu dir, auf daß du noch viel Schrecklicherem entgehen mögest. Solltest du denn nicht auch in Liebe zu dir selbst deine Leiden erdulden? Musste nicht auch der edle Sohn Gottes leiden und dadurch in seine Herrlichkeit eingehen? Weißt du denn einen anderen Weg dorthin als den Kreuzweg?

So und derlei bedenke beim Anblick des Kreuzes in Christi Herzen. Das stillt einigermaßen deinen Schmerz, andererseits hilft es vor Verzagtheit und muntert dich auf, dein Kreuz geduldig und gottergeben zu tragen. Ich habe einen frommen Geistlichen gekannt. Der hatte viel von der weltlichen und geistlichen Obrigkeit und auch von Seinesgleichen zu leiden. Eines Abends bekam er ein böses Dekret zugeschickt. Das war ein Schuss, der zwar nicht tödlich aber blutig sein Herz getroffen hat, wie er selber schreibt. Dann aber heißt es weiter: „Als ich Nachts um 1 Uhr aufwachte, wollte mit dieser Entscheid schwer drückend vorkommen und das Leid fing an der Seele zu nagen an wie ein Raubtier an dem wehrlos nieder geworfenen Reh. Da stieg ein schönes heiliges Bild in der Seele auf, Jesus Christus, wie er das Kreuz trägt und ruft: „Wer mir nachfolgen will, der nehme sein Kreuz auf sich!“ – Dieses Bild hat den Vielgeplagten wieder aufgefrischt zu weiterem Kreuztragen. Es war der Professor Alban Stolz.

Du magst es anstellen wie du willst, allen Leuten wirst du es schwerlich recht machen. Und so kann es sein, daß es über dich Klagen und Tadel hagelt, oder daß böse Zungen an deiner Ehre herum dreschen und dich vor den Leuten anschwärzen, oder es flucht dir ein zorniger Nachbar über den Zaun hin ins Haus hinein, oder verlästert dein Kind – und das geht dir wie ein Stich ins Herz und macht dir wochenlang hartes Weh. Setz dich ein wenig hin vor das Herz-Jesu-Bild und schau es an und schau die Wunde an ihm. Dem Heiland haben sie eine Lanze nach dem Tod ins Herz gestochen, aber im Leben haben sie sein Herz mit ihren gotteslästerlichen Zungen viele tausendmal durchbohrt, und er hat es schwer empfinden müssen, je edler, zarter und unschuldiger er war. Aber er hat darauf nichts oder milde geantwortet, oder gar für seine Lästerer gebetet. Sein Herz war sanftmütig immerdar. Und er hat auch deswegen so gehandelt, daß du es ihm nachmachst. Willst du deinen hohen göttlichen Meister und Freund umsonst lehren lassen? Oder leidest du Ärgeres als Er? Und wäre es auch, bist du dafür nicht ein sündiger Mensch und Er der unschuldige, heilige Gott?

Auch die Dornen um sein Herz im Bild sind sehr trostreich für ein geplagtes Herz. Solche Dornenstiche in das Herz waren bei Jesu Lebzeiten der Undank der Juden für alle die Liebe, die er ihnen erzeigt, der Verrat seines Freundes Judas, die Verzagtheit der übrigen Jünger, die ihn bei seinem Leiden in Stich lassen; nach seinem Tod sind es Christenleute, die solches Verfahren fortsetzen. Aber auch dieses leid hat er über sich kommen lassen und hat es aufgeopfert für dich als Zahlung für deine Sündenschuld. Daran denk, wenn auch du von Seite der Deinigen Dornenstiche des Undankes, der Zurücksetzung, der Lieblosigkeit ins Herz bekommst. Denk, es geschehe, um dich hier gelind zu strafen, auf daß du drüben in der Ewigkeit nicht mögest tausendfach ärger gequält zu werden.

Denk, wie der obige Geistliche gedacht hat. Eines Abends hatte er von zwei untergebenen jungen Leuten kränkenden Widerspruch erfahren. Das hat ihm weg getan. Selbst am andern Morgen beim Aufwachen war sein Herz noch voll Bitterkeit, obgleich gegen seinen Willen. Da wandte er seinen Blick zu Jesus Christus, und alsbald senkte sich die Gnade in seinen Kopf und in sein Herz als Licht und Freude mit der süßen Lehre, den Widerspruch als Geißelstreiche von Seite Gottes willig anzunehmen und die zwei jungen Leute als die Riemen in Gottes Hand anzusehen und Gott dafür die Hand zu küssen. –
aus: Franz Ser. Hattler SJ, Christkatholisches Hausbrod für Jedermann, der gut leben und fröhlich sterben will., II. Band, VII. Teil, 1892, S. 130 – S. 132

Bildquellen

  • Hattler Jesus Traegt Das Kreuz: Bildrechte beim Autor
  • Hattler Herz Hesu Hirte: Bildrechte beim Autor

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