Quas Primas Das Königtum Christi

Hut, bischöflicher Krummstab, Kleidungsstücke eines Papstes

Porträt des Papstes Er schaut nach rechts, ernst und vornehm

Pius XI. „Quas Primas“

Das Königtum Christi

Auszüge aus dem Rundschreiben „Quas Primas“

Die tiefste Ursache der Zeitübel: Abfall von Christus

61 Im ersten Rundschreiben, das Wir nach Antritt des Pontifikates an alle Bischöfe des katholischen Erdkreises gerichtet haben (vgl. Pius XI., Rundschreiben Ubi arcano, vom 23. Dezember 1922, AAS XIV (1922), sind Wir den Ursachen jener Missstände nachgegangen, von denen Wir die Menschheit schwer bedrückt und heimgesucht sahen. Wir erinnern Uns, dabei folgende Erkenntnisse klar ausgesprochen zu haben. Jene Flut von Übeln habe eben deshalb die Welt überschwemmt, weil die meisten Menschen Jesus Christus und sein heiligstes Gesetz sowohl aus ihrem persönlichen Lebenswandel als auch aus der häuslichen Gemeinschaft und dem öffentlichen Leben verbannt haben. Es werde aber auch nie eine sichere Hoffnung auf dauerhaften Frieden unter den Völkern geben, solange die einzelnen Menschen und die Staaten die Herrschaft Unseres Erlösers verleugnen und zurückweisen. Wie Wir nun gemahnt haben, den Frieden Christi im Reiche Christi zu suchen, so haben Wir Uns selbst vorgenommen, zur Erreichung dieses Zieles alles zu tun, was Uns möglich ist. Im Reiche Christi, sagten Wir, denn es schien Uns, daß man nicht erfolgreicher an der Wiederherstellung und Festigung des Friedens arbeiten könne, als durch die Bemühung um das Reich Unseres Herrn.

Dogmatische Grundlegung der Christkönigsverehrung

72 Daraus folgt, dass Christus nicht nur als Gott von den Engeln und Menschen die Anbetung gebührt, sondern dass ihm auch als Mensch die Engel und Menschen unterwürfig und gehorsam sein müssen, dass Christus also schon infolge der hypostatischen Einheit die Macht über alle Geschöpfe besitzt.

73 Möchten doch die vergeßlichen Menschen alle sich erinnern, was wir unserm Erlöser gekostet haben: Nicht mit vergänglichem Gold oder Silber seid ihr erlöst, sondern mit dem kostbarem Blute Christi, als eines unbefleckten und makellosen Lammes (1. Petr. 1,18-19). Wir gehören somit nicht mehr uns selber an, da Christus uns um hohen Preis (1. Kor. 6,20) erkauft hat. Selbst unsere Leiber sind Glieder Christi. (1. Kor. 6,15)

Wesen und Bedeutung des Königtums Christi

75 Was die richterliche Gewalt anbelangt, erklärt Jesus selbst vor den Juden, sie sei ihm vom Vater übertragen worden. Als sie ihn nämlich anklagten, er habe durch die Heilung des Lahmen den Sabbat entheiligt, antwortete er: Der Vater richtet niemanden, das ganze Gericht hat er vielmehr dem Sohne übergeben (Joh. 5,22). Darin ist auch das Recht inbegriffen, die Menschen schon während ihres Lebens zu belohnen und zu bestrafen, denn das läßt sich von der richterlichen Gewalt nicht trennen.

76 Ferner muss auch die ausführende Gewalt Christus zuerkannt werden, denn alle müssen seiner Befehlsgewalt gehorchen und kein Widerspenstiger wird der Strafe entgehen können, die Christus über ihn verhängt.

78 Anderseits würde derjenige sich schwer irren, der Christus als Mensch die Macht über alle zeitlichen Dinge absprechen wollte. Denn er hat vom Vater ein so unumschränktes Recht über alle Geschöpfe bekommen, daß alles seinem Willen unterstellt ist.

79 So umfaßt also das Reich unseres Erlösers alle Menschen, wie dies folgende Worte Unseres Vorgängers Leo XIII., unsterblichen Andenkens, ausdrücken und die Wir gerne zu Unsern eigenen machen: «Seine Herrschaft erstreckt sich nicht nur auf die katholischen Völker, auch nicht nur auf jene, die durch die Taufe von Rechts wegen der Kirche angehören, mögen auch irrige Anschauungen sie fern halten oder Uneinigkeit sie von der Liebesgemeinschaft scheiden, sondern sie umfaßt auch jene, die den christlichen Glauben nicht besitzen; somit untersteht im vollsten Sinne die ganze Menschheit der Herrschaft Jesu Christi». (Leo XIII., Rundschreiben Annum sacrum vom 25. 25. Mai 1899. ASS XXXI (1898-1899) 647)

80 Wenn daher die Staatenlenker Unversehrtheit ihrer Autorität sowie Gedeihen und Fortschritt des Vaterlandes bezwecken, so dürfen sie sich nicht weigern, in ihrem persönlichen Namen und mit ihrem ganzen Volke der Herrschermacht Christi ihre Verehrung und Ergebenheit öffentlich zu bezeugen.

81 Wenn daher die Menschen die königliche Macht Christi im persönlichen und öffentlichen Leben anerkennen würden, so würden notwendigerweise unglaubliche Wohltaten, wie gerechte Freiheit, Ordnung und Ruhe, Eintracht und Friede, die bürgerliche Gesellschaft beglücken.

85 O welchen Glückes könnten wir uns freuen, wenn Einzelmenschen wie Familien und Staaten sich von Christus leiten ließen! «Dann endlich wird man, um die Worte Unseres Vorgängers Leo XIII. zu gebrauchen, die er vor 25 Jahren an die Bischöfe des Erdkreises richtete, so viele Wunden heilen können, dann wird jedes Recht seine ursprüngliche Kraft wieder erlangen, dann endlich werden die kostbaren Güter des Friedens wiederkehren, und es werden die Schwerter und Waffen den Händen entgleiten, wenn alle bereitwillig Christi Herrschaft annehmen und ihm gehorchen werden, wenn jede Zunge bekennen wird, dass der Herr Jesus Christus in der Herrlichkeit Gottes des Vaters ist». (Leo XIII., Rundschreiben Annum sacrum vom 25. Mai 1899. ASS XXXI (1898-1899) 647)

Das Fest des Königtums Christi

88 Zu den Wohltaten, welche durch die öffentliche und liturgische Verehrung der Gottesmutter und der Heiligen im Himmel erlangt wurden, gehört auch, und zwar nicht an letzter Stelle, die Tatsache, daß die Kirche zu jeder Zeit die Pest der Häresien und Irrtümer siegreich abgewehrt hat. Da sie sogar aus dem Übel Gutes zu ziehen weiß, ließ sie es zu, dass Glaube und Frömmigkeit im Volke abnahmen, oder dass falsche Lehren sich der katholischen Wahrheit entgegenstellten. Doch war der Ausgang immer so, dass die Wahrheit in neuem Glanze erstrahlte, Glaube und Frömmigkeit sich von der Lauheit erholten und die Gläubigen nach größerer Vollkommenheit und Heiligkeit strebten.

Die Feierlichkeiten, welche in neuerer Zeit in den Kreislauf des liturgischen Jahres aufgenommen wurden, hatten einen ähnlichen Ursprung und trugen ähnliche Früchte. So das Fronleichnamsfest, das eingesetzt wurde, als die Verehrung und die Anbetung des allerheiligsten Altarssakramentes im Schwinden war. Es soll derart festlich begangen werden, dass die feierlichen Prozessionen und die Bittandachten, welche acht Tage hindurch gehalten werden, die Völker zur öffentlichen Anbetung des Herrn zurückführen. So auch das Fest des heiligsten Herzens Jesu; das eingeführt wurde, als die trostlose Lehre und düstere Härte des Jansenismus die Seelen derart niedergedrückt und entmutigt hatten, dass sie völlig erkalteten und von der Liebe zu Gott wie auch von aller Hoffnung auf das ewige Heil sich abwandten.

89 Wenn wir nun anordnen, Christus solle von der ganzen katholischen Welt als König verehrt werden, so wollen Wir damit auch dem Bedürfnis unserer Zeit entgegenkommen und ein wirksames Heilmittel jener Pest entgegenstellen, welche die menschliche Gesellschaft befallen hat. Die Pest unserer Zeit ist der sogenannte Laizismus mit seinen Irrtümern und gottlosen Absichten.

Ihr wißt, ehrwürdige Brüder, daß diese Plage nicht an einem Tage ausbrach, sondern seit langem die Staaten insgeheim bedrohte. Man begann damit, Christi Herrschaft über alle Völker zu leugnen; man stritt der Kirche ihr Recht ab, das aus dem Rechte Jesu Christi selbst hervorgeht, die Menschheit zu lehren, Gesetze zu geben, die Völker zu leiten, um sie zur ewigen Seligkeit zu führen. Nach und nach wurde die christliche Religion mit den andern, falschen Religionen gleichgestellt und auf äußerst entwürdigende Weise mit diesen auf eine Stufe gestellt; sodann unterwarf man sie der weltlichen Gewalt und lieferte sie der Willkür der Fürsten und Staatsmänner aus. Noch weiter gingen jene, die darauf sannen, die göttliche Religion zu ersetzen durch so etwas wie eine natürliche Religion oder eine bloß gefühlsmäßige Religiosität. Gewisse Staaten glaubten sogar, Gott entbehren zu können; sie machten den Unglauben zu ihrer Religion und bemühten sich, bewußt und absichtlich Gott zu vergessen.

91 Das fürderhin alljährlich wiederkehrende Christkönigs-Fest gibt Uns jedoch Anlass zu der Hoffnung, dass die Menschheit sich bald zu ihrem liebenswertesten Erlöser zurückfinden wird. Es wäre nun freilich Pflicht der Katholiken, mit eifriger Bemühung diese Rückkehr herbeizuführen und zu beschleunigen. Aber es scheinen viele unter ihnen nicht jene gesellschaftliche Stellung noch jenen Einfluß zu besitzen, die eigentlich jene haben sollten, welche die Fackel der Wahrheit hochhalten. Dieser Missstand ist vielleicht der Gleichgültigkeit und Furchtsamkeit der Guten zuzuschreiben, die des Kampfes sich enthalten oder nur schwachen Widerstand leisten. Dadurch werden aber die Feinde der Kirche umso unverfrorener und verwegener. Wenn aber einmal alle Gläubigen einsehen, dass sie unter dem Feldzeichen des Christkönigs mit Mut und Ausdauer kämpfen müssen, dann werden sie doch mit apostolischem Eifer danach trachten, die entfremdeten und unwissenden Seelen zum Herrn zurückzuführen, und sie werden sich bemühen, seine Rechte unverletzt zu bewahren.

92 Scheint es nun nicht, dass ein Christkönigs-Fest, das alljährlich und allerorten gefeiert würde, viel dazu beitragen könnte, jenen öffentlichen Abfall laut zu verurteilen und wieder gutzumachen, den der Laizismus zum größten Schaden der Gesellschaft herbeigeführt hat? Je mehr man bei internationalen Konferenzen und in den Parlamenten den liebreichsten Namen Unseres Erlösers mit ungebührlichem Schweigen übergeht, desto lauter müssen wir ihn in die Welt hineinrufen und die Rechte der königlichen Würde und Macht Christi überall verkünden.

Die Verkündigung des Festes

96 So setzen Wir denn kraft Unserer Apostolischen Autorität das Fest Unseres Herrn Jesus Christus als König ein und bestimmen, dass es in allen Ländern der Erde am letzten Sonntag des Oktobermonats gefeiert werden soll, also am Sonntag, der dem Allerheiligen-Feste unmittelbar vorangeht. Ferner verordnen Wir, dass alljährlich am gleichen Tage die Weihe der ganzen Menschheit an das heiligste Herz Jesu erneuert werden soll, wie dies Unser Vorgänger Pius X. seligen Andenkens alljährlich zu wiederholen anbefohlen hatte.

98 Der letzte Sonntag im Monat Oktober scheint Uns schließlich mehr als jeder andere für diese Feier geeignet zu sein, weil mit ihm der Kreislauf des liturgischen Jahres sozusagen abgeschlossen ist. So erfahren die im Verlaufe des Jahres gefeierten Geheimnisse des Lebens Jesu Christi durch das Christkönigs-Fest gleichsam ihre Vollendung und ihre Krönung; und ehe wir die Glorie aller Heiligen feiern, verherrlichen Wir den, der in allen Heiligen und Auserwählten triumphiert.

101 Für die Staaten aber wird die alljährliche Feier dieses Festes eine Mahnung sein, dass die Staatenlenker und Behörden, so gut wie die einfachen Bürger, die Pflicht haben, Christus öffentlich zu ehren und ihm Gehorsam zu leisten. Sie wird stets den Gedanken an jenes Jüngste Gericht in ihnen wachhalten, bei dem Christus, der aus dem öffentlichen Leben verbannt und aus Verachtung vernachlässigt und übergangen wurde, unerbittlich streng solch schmähliche Misshandlung rächen wird. Es ist eine Forderung seiner göttlichen Würde, dass die ganze menschliche Gesellschaft sich nach den göttlichen Gesetzen und den christlichen Grundsätzen sichte, sowohl in der Gesetzgebung und in der Rechtsprechung, wie auch in der Heranbildung der Jugend zu gesunder Lehre und zu sittlicher Unbescholtenheit.

102 Christus soll also herrschen über den Verstand des Menschen, der in vollkommener Unterwerfung seiner selbst den geoffenbarten Wahrheiten, den Lehren Christi fest und beständig beipflichten muss; herrschen soll Christus über den Willen, der den göttlichen Gesetzen und Vorschriften folgen muss; herrschen soll er über das Herz, das die natürlichen Gefühle zurückdrängen und Gott über alles lieben und ihm allein anhangen muss; herrschen soll er im Leibe und in seinen Gliedern, die als Werkzeuge oder, um mit dem Apostel Paulus zu reden, als Waffen der Gerechtigkeit für Gott (Röm. 6,13) zur inneren Heiligung der Seele dienen sollen. Wenn all diese Gedanken den Gläubigen zur Betrachtung und Beherzigung vorgelegt werden, so werden sie umso leichter zur höchsten Vollkommenheit gelangen. –
aus: Anton Rohrbasser, Heilslehre der Kirche, Dokumente von Pius IX. bis Pius XII., 1953, S. 55 – S. 76

Die gesamte Enzyklika findet sich hier:

Epistula Enzyklika „Quas Primas“ 1925. Das Königtum Christi.

Bildquellen

  • Papst Pius Xi: Bildrechte beim Autor
  • Bitschnau Paepstliche Insignien: Bildrechte beim Autor

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