Sich in Armut dem Willen Gottes unterwerfen

Von der Ergebung in die Fügungen der göttlichen Vorsehung

Der Weg zum inneren Frieden

Wir sollen bei allen zeitlichen Verlusten, Armut und Beschwerlichkeit dem Willen Gottes unterwerfen

Wir sollen uns bei allen zeitlichen Verlusten an Geld und Gut in den Willen Gottes ergeben.

IV. In dieser Gesinnung müssen wir auch alle aufgenötigten Zahlungen leisten, selbst wenn sie uns ungerecht erscheinen und uns sehr schwer fallen, wie z. B. Summen für Waren, die wir zum zweiten Mal bezahlen sollen, weil wir die erste Zahlung nicht genügend beweisen können; Schulden eines andern, dessen Bürgen wir sind; Steuern, Abgaben aller Art usw. Wenn derjenige, der berechtigt ist, das Geld von uns zu fordern, von seinem Recht Gebrauch macht, so geschieht dies nur, weil Gott es so zuläßt. Gott selbst, müssen wir uns sagen, verlangt diese Summe von mir. Und ihm geben wir sie auch wirklich, wenn wir bei der Zahlung die Absicht haben, ihm durch unsere Ergebung in seinen heiligen Willen wohl zu gefallen. Wie viele Gnaden werden nicht dem zu teil, der in diesem Heist handelt! Willst du einen schwachen Begriff davon haben, so denke dir zwei Personen: die eine bezahlt in vollkommener Übereinstimmung mit dem göttlichen Willen eine Summe an den, der die Macht, wenn auch vielleicht nicht das recht hat, sie zu fordern; die andere gibt aus freien Stücken ein Almosen von gleichem Wert. Du weißt,, wie viele Verdienste und Gnaden uns das Almosengeben erwirkt, aber wisse, daß die erste Person doch noch mehr Verdienst hat. Denn sie bringt ihr Geld zum Opfer, nicht zu Gunsten eines selbst gewählten Armen, sondern im Geist der Gleichförmigkeit mit dem willen Gottes, und diese Handlung ist reiner und Gott wohlgefälliger als ein Almosen, weil sie von jedem Eigenwillen frei ist. Wenn nun schon das Almosengeben nach dem Zeugnis der heiligen Schrift und nach der Erfahrung aller Jahrhunderte den wohltätigen Familien zum größten Segen gereicht, so dürfen wir mit Recht von solchen unfreiwilligen Opfern noch viel reichere Früchte erwarten.

Wir sollen uns in der Armut und ihrer Beschwerlichkeit dem Willen Gottes unterwerfen.

V. Wir sollen uns in der Armut und all ihrer Beschwerlichkeit dem Willen Gottes unterwerfen. Dies wird uns nicht schwer fallen, wenn wir ganz von dem Gedanken durchdrungen sind, daß Gott über uns wacht wie ein Vater über seine Kinder, und daß er uns nur deswegen der Dürftigkeit preisgibt, weil es so am besten für uns ist. So aufgefaßt, erscheint uns die Armut in einem ganz andern Lichte; wir fühlen uns nicht mehr arm, sobald wir die Entbehrungen, welche unsere dürftigen Verhältnisse uns auferlegen, als heilsame Arzneien unseres himmlischen Arztes und Vaters betrachten.

Wenn ein mächtiger Fürst seinen kranken Sohn einer strengen, aber nötigen Kur unterwirft, wird dann der junge Prinz glauben, er sei arm, weil man ihm nur spärlich geringe Kost reicht? Wird er sich Sorgen über die Zukunft machen? Oder wird es irgend jemand einfallen, ihn für dürftig zu halten? Gewiß nicht. Und wir? Sind wir nicht die Kinder des Allerhöchsten, die Miterben Jesu Christi? – Was könnte uns fehlen? … Ja, kühn können wir behaupten, daß wir auf alles, was Gott besitzt, ein Anrecht haben, sobald wir durch Liebe und Vertrauen seine wahren Kinder sind. Dann gehört alles uns allein. Es ist nicht gut für uns, daß wir alles genießen; oft ist es selbst ratsam, daß wir vieles entbehren. Diese Entbehrungen sind nur Heilmittel für uns; hüten wir uns deshalb, daraus zu schließen, daß wir je an dem, was uns nützlich ist, Mangel leiden könnten. Glauben wir stets mit unerschütterlichem Vertrauen, daß unser allmächtiger Vater uns imm er unfehlbar alles geben wird, was uns für die Zukunft nötig oder wahrhaft zuträglich sein kann. Hat nicht der göttliche Heiland selbst gesagt: „Wenn ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute gaben zu geben wisset, um wieviel mehr wird euer Vater, der im Himmel ist, denen Gutes geben, die ihn darum bitten!“ (Matth. 7, 11) Die Lehre von der Vorsehung Gottes ist eine unumstößliche Wahrheit unseres heiligen Glaubens, und unsere Zweifel über diesen Punkt, unsere eitlen Sorgen und Befürchtungen für die Zukunft sind, wenn wir sie nicht entschieden ausschlagen, um so strafbarer und um so beleidigender für Jesus Christus, als dieser göttliche Heiland uns gerade hierüber an mehreren stellen der Heiligen Schrift die ausdrücklichsten Verheißungen hinterlassen hat (Matth. 6, 24-34). Er hat uns sei Wort gegeben, und zwar unter der einzigen Bedingung, daß wir zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit suchen und dieses Streben zu unserem größten, wichtigsten und einzigen Geschäft machen, das heißt, daß wir alle andern Dinge auf dieses eine zurück führen, bei allem nur das Gelingen dieses einen Unternehmens im Auge haben und zu diesem Zweck alle unsere Pflichten treu erfüllen. Unter dieser Bedingung entledigt uns Gott aller anderen Sorgen; er selbst nimmt alle unsere Bedürfnisse und die unserer Angehörigen auf sich, und er wird mit desto größerer Liebe für alles sorgen, je vertrauensvoller und hingebender wir uns in seine Arme werfen und je vollkommener wir uns der Gleichförmigkeit mit seinem heiligen Willen befleißen.

Wir sollen alles bereitwillig aus Gottes Hand annehmen

VI. Wir sollen uns in Glück und Unglück, in Ehre und Verdemütigung, in Ruhm und Schmach dem Willen Gottes unterwerfen und alles bereitwillig aus seiner Hand annehmen, weil alles dazu dienen muss, Gott durch unsere Ergebung die schuldige Ehre zu erweisen und unser ewiges Heil zu befördern. Als David aus Jerusalem flüchtete, um der Verfolgung seines Sohnes Absalom zu entgehen, ließ der Hohepriester Sadok ihm die Arche des Bundes nachtragen, damit sie dem König in seiner so drohenden Gefahr zum Schutz und schirm und ein Unterpfand seiner glücklichen Rückkehr werde. David aber sprach zu Sadok: „Trage die Lade Gottes wieder in die Stadt zurück; werde ich Gnade in den Augen des Herrn finden, so wird er mich zurück führen und sie mich mit ihrem Zelt sehen lassen; spricht er aber zu mir: ‚Du missfällst mir‘, so bin ich bereit; er tue, was in seinen Augen gut ist.“ (2. Kön. 15, 25-26) Und doch handelte es sich um seine höchsten irdischen Güter, nämlich darum, ob er auf dem Thron bleiben oder ein armes und verlassenes Leben führen sollte. Wie er, sollen auch wir sprechen, möge nun über uns kommen, was da will. Wir dürfen uns nicht damit entschuldigen, daß wir einer so erhabenen und vollkommenen Ergebung nicht fähig seien; Gott selbst bewirkt dieselbe in uns, wenn wir nur seiner Gnade nicht widerstehen. Cassianus erzählt uns von einem heiligen Greise, der diese Wahrheit wohl eingesehen hat. In Alexandrien umringte ihn einst eine ganze Schar von Ungläubigen, die ihn mit Schmach überhäuften, ihn schlugen, stießen und auf alle mögliche Weise beschimpften; er aber blieb ganz ruhig, schweigend und duldend wie ein Lamm; nur als man ihn höhnisch fragte, welche Wunder Christus gewirkt habe, antwortete er: „Das Wunder, welches Jesus Christus soeben gewirkt hat, ist, daß ich bei euern Beschimpfungen nicht zornig, ja nicht einmal aufgeregt geworden bin.“ –
aus: P. von Lehen S.J., Der Weg zum innern Frieden 1896, Kap. 2, S. 28 – S. 32

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