Heiliger Severin Apostel von Österreich

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

8. Januar

Der heilige Severin mit dem Wanderstab in der Hand, die linke Hand erhoben, grüßt die wartenden Frauen, Männer und Kinder, Hinter ihm stehen zwei Bürger; im Hintergrund sieht man einen Fluß und eine Kirche

Der heiliger Severin Apostel von Österreich

Um die Mitte des 5. Jahrhunderts gab es fast im ganzen römischen Reich keine Sicherheit mehr. Die staatliche und gesellschaftliche Ordnung war aufgelöst, nur die heilige Kirche hatte noch ihren wohltuenden Einfluß erhalten und übte denselben vorzüglich durch die Mönche aus. Die römischen Provinzen an der Donau wurden furchtbar heimgesucht von den wilden Horden der Alemannen, Rugier und Heruler, Ruinen und Blutbäche auf der Erde, Rauchsäulen und Feuerschein am Himmel kennzeichneten ihre Bahn. In dieser höchsten Not sandte Gottes Erbarmen nach Noricum d.h. in die Länder des heutigen Österreich und Bayern, einen Mann des Friedens und des Trostes. Es war Severin: eine hohe, Ehrfurcht gebietende Gestalt von würdevoller Freundlichkeit mit edlen, geistreichen Zügen und Sonne gebräunten Angesicht. Niemand wußte, woher er kam, noch wer er war. Als ihn einmal ein Priester, sein Freund Pirmenius darüber ausforschen wollte, gab er ihm die schöne Antwort: „Was soll ein Diener Gottes von seiner Heimat und Abkunft reden? Was kann ihm und seinen Mitbrüdern hieraus für ein Nutzen entstehen? Unser Vaterland ist der Himmel – nach dem Himmel wollen wir trachten!“ Seine Sprache jedoch ließ das römische Afrika als das Land seiner Abkunft vermuten, wo er vielleicht in der klösterlichen Schule des heiligen Augustin ist gebildet worden; sein strenges Leben zeugte von einem längeren Aufenthalt bei den Mönchen in den Wüsten des Orients, ehe er an die Donau kam, um hier das klösterliche Leben einzuführen. Er trug einen langen Rock auf bloßem Leib, bedeckte Haupt und Füße nie, nicht einmal im kältesten Winter, nahm erst nach Sonnenuntergang wenige und geringe Nahrung und ruhte von den Anstrengungen aus auf dem Boden der ärmlichen Zelle.

Seine erste Niederlassung mit einigen Schülern gründete er zu Favianä (jetzt Heiligenstadt?), die zweite zu Vindobana, dem heutigen Wien, und dehnte dieselben über das ganze Noricum aus. Als ein evangelischer Arzt und Hirte der Seelen entfaltete er eine wunderbare Tätigkeit und zeigte eine reiche Fülle von Heldenkraft, Geduld und Geschicklichkeit, um unter der bereits christlichen Bevölkerung den Glauben zu befestigen, das Leben und Eigentum dieser den Plünderungen so sehr ausgesetzten Völker zu schützen und die erobernden Horden, deren arianische Irrlehre ihre Grausamkeit noch erhöhte, zu bekehren. Mehr als einmal leitete er selbst, mit glücklichem Erfolg, die militärische Verteidigung der römischen Städte, welche von den Barbaren belagert wurden. Und wenn das Kriegsglück, was öfters der Fall war, die Letzteren begünstigte, war er unermüdlich besorgt, das harte Schicksal der Gefangenen zu mildern, Nahrung und Kleidung zu erkaufen. Rührend schreibt hierüber ein Zeitgenosse: „Durch Fasten und Abtötung für sich selbst gänzlich abgehärtet, fühlte er dennoch den Hunger mit ihnen, wenn sie hungerten, und zitterte mit ihnen vor Kälte, wenn sie aus Mangel an Kleidung vom Frost litten.“

Nicht nur die Römer, sondern selbst die Barbaren hatten tiefe Ehrfurcht vor ihm; der König der Alemannen, vom Anblick solch` unerschrockener Nächstenliebe gerührt, sagte ihm die Gewährung einer beliebigen Gnade zu. Severin bat ihn nun, die Länder der Römer zu schonen und die Gefangenen frei zu lassen. Gleiche Ehrfurcht hatte vor ihm der König der Rugier; seine Gemahlin Gisa aber, noch grausamer als der König selbst, und zudem eine erbitterte Arianerin, legte dem hl. Severin alle möglichen Schwierigkeiten in den Weg. Als der Heilige eines Tages für arme Römer Fürbitte einlegte, sagte sie zu ihm: „Höre, Mann Gottes, halte dich ruhig in seiner Zelle und bete und laß uns mit unseren Sklaven machen, was uns gut dünkt.“ Er aber ließ nicht nach und fast immer glückte es ihm, diese Seelen, die roh, aber noch nicht verdorben waren, zu gewinnen.

Merkwürdig ist der Besuch, den Odoaker, der Häuptling der Heruler, dem verehrten Abt machte, um von ihm den Segen für seinen Kriegszug nach Italien zu erbitten. Severin sprach zu ihm weissagend: „Ziehe hin nach Italien, du trägst jetzt einen schlechten Pelzrock, aber bald wirst du Vielen große Reichtümer verleihen können.“ Odoaker zog wirklich siegreich in Rom ein, stürzte den entehrten Thron der römischen Kaiser, schickte den letzten derselben, Romulus Augustulus, in die Verbannung und, ohne es der Mühe wert zu halten, Titel und Abzeichen dieser einst so berühmten Kaiserwürde für sich zu nehmen, ward er Herrscher über Italien. In dieser neuen Gewaltfülle erinnerte er sich an Severin`s Weissagung und bat ihn höflichst, er möge, was er wolle, von ihm verlangen, mit Freude werde er Alles gewähren. Severin bat nur – um die Begnadigung eines Verbannten.

Fast dreißig Jahre lang wanderte Severin in Noricum den Glauben belebend, die Sitten veredelnd, Wunder wirkend umher, mit unbegreiflichem Erfolg, daß ihm die christliche Dankbarkeit den Ehrennamen „Apostel“ gegeben hat, nicht weil er dieses Land zum Christentum bekehrt, sondern mit apostolischer Kraft in demselben erhalten hatte. Die bischöfliche Würde hat seine Demut beharrlich abgelehnt.

Sein Lebensende nahe fühlend, lud er noch den König und die Königin der Rugier an das Sterbebett. Nachdem er den König ermahnt, der Rechenschaft eingedenk zu bleiben, die er Gott werde geben müssen, legte er die Hand auf dessen Herz und sprach ernst zur Königin: „Gisa, liebst du diese Seele mehr als Gold und Silber?“ Und als Gisa versicherte, daß sie ihren Gemahl mehr liebe als alle Schätze der Welt, fuhr er fort: „Wohlan denn, so höre auf, die Gerechten zu verfolgen, damit ihre Unterdrückung nicht euer Untergang sei. Demütig bitte ich euch Beide in diesem Augenblick, wo ich zu meinem Herrn und Gott zurück kehre, euch vom Bösen zu enthalten; und euch selbst durch eure guten Handlungen zu ehren.“ Diese ergreifende Szene war der würdige Schlußakt dieses wahrhaft großen Mannes, dessen Gedächtnis heute noch in dankbarer Verehrung steht. Sechs Jahre nach seinem Tod zog die römische Bevölkerung dieses Landes nach Italien und nahm die Leiche des Heiligen, die noch vollkommen unversehrt war und lieblichen Wohlgeruch verbreitete, mit sich. Auf dem Weg geschahen viele Wunder. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 19 – S. 20

Verwandte Beiträge

Der Stern der Weisen wurde von Allen gesehen
Krieg der Kirchenfeinde gegen Pius IX.
Menü