Heilige Eudoxia Büßerin und Märtyrerin

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

1. März

Die heilige Eudoxia Büßerin und Märtyrerin

Viele junge Leute, besonders Mädchen, bilden sich so viel ein auf ihr schönes Gesicht und ihre Wohlgestalt, bedenken aber nicht, daß alle jugendliche Schönheit nicht lange dauert, und daß gerade die Schönheit ohne Eingezogenheit, Keuschheit und Gottesfurcht ein Fallstrick zum Verderben wird. Mit Recht heißt es daher im Buch der Sprichwörter: „Ein schönes, aber törichtes, das heißt, leichtfertiges Weib ist wie ein Schwein mit einem Ring in der Nase oder in den Ohren“ (Sprüche 11,22); denn ein solches Weib verliert nach und nach alle Schamhaftigkeit und wälzt sich wie ein Schwein im Kot abscheulicher Laster. Dies kannst du deutlich sehen an der schönen Eudoxia. Sie wurde zu Samaria unter der Regierung des Kaisers Trajan geboren. In ihrer Kindheit hatte sie keine gute Erziehung genossen, aber dafür besaß sie einen hellen Verstand, ein heiteres Gemüt und eine seltene Schönheit. Auf diese Schönheit war sie stolz, sie suchte damit zu prahlen, und bald sammelten sich um sie leichtfertige junge Leute, die ihr schmeichelten und durch schlüpfrige Reden ihr Herz vergifteten. Die holde Schamhaftigkeit verließ sie und der erste Schritt zum Fall war getan. Sie fand Gefallen an sündhaften Bekanntschaften und nicht lange, so verlor sie ihre Unschuld, sie wurde verführt und sank immer tiefer in den Schlamm der Unreinigkeit. Noch hatte sie eine Scheu vor ihren Eltern und Verwandten, aber zuletzt vergaß sie auch diese, und um ungehindert und nach ihrem Gefallen der Sünde sich hingeben zu können, ging sie nach Heliopolis, einer großen Stadt in Cilizien. Dort überließ sie sich ihren Begierden, lockte eine Menge unbesonnener Jünglinge in ihr Netz und wurde bald zum allgemeinen Ärgernis der ganzen Stadt. Aber nun geschah an dieser armen Sünderin, was der Apostel sagt: „Da die Sünde überschwänglich ward, ist die Gnade noch überschwänglicher“, der liebe Gott öffnete dem leichtfertigen Weib die Augen und zog die Unglückliche aus der Tiefe ihres Elends.

Auf einer Reise kehrte ein frommer Mönch, Germanus mit Namen, zu Heliopolis bei einem seiner Verwandten ein, dessen Haus mit jenem der Eudoxia zusammen stieß. Um Mitternacht stand Germanus auf, um nach dem Gebrauch der Mönche zu beten; nach dem Gebet hielt er laut eine geistliche Lesung von den Strafen der Hölle und den unaussprechlichen Freuden des Himmels. – Die Kammer des Mönches war nur durch eine dünne Scheidewand von dem Schlafzimmer der Eudoxia getrennt. Das laute Beten und Lesen weckte sie aus dem Schlaf, sie horchte und hörte von Dingen lesen, die sie noch nicht gehört hatte. Aus Neugierde ließ sie am Morgen den Mönch zu sich bitten, um von ihm zu erfahren, was sein Beten und Lesen für eine Bedeutung hätte. Der gutmütige Mann, der sie noch nicht kannte, ging zu ihr. Eudoxia befragte ihn über seine Lebensweise, über sein lautes Beten und bat ihn um Erklärung dessen, was er von der Hölle und dem Himmel gelesen hatte. Der fromme Mann durchschaute die Sünderin und noch voll der Rührung von der nächtlichen Lesung, machte er ihr eine eindringliche Schilderung von den Qualen der Hölle, in der die verstockten Sünder leiden müssen und von den Freuden des Himmels, welche die frommen und bußfertigen Diener Gottes genießen.

Wie ein Schwert drangen die Worte des Mönches durch das Herz der Sünderin; sie seufzte laut auf und rief jammernd: „Wenn es so ist, dann bin ich auf ewig verloren; auf ewig von den Freuden des Himmels ausgeschlossen, dann bin ich verdammt!“ Wes Glaubens bist du? fragte Germanus. „Ich bin“, erwiderte sie, eine Samaritanerin, habe aber gar keine Religion; ich habe bisher geglaubt, was ich wollte, und nur nach den abscheulichen Trieben meines bösen Herzens gelebt. Sage mir, kann ich der Hölle noch entkommen?“ Voll Mitleid sagte der Mönch: „Wenn du dich von Herzen bekehrst, so ist Gott gnädig und vergibt dir um Jesus, seines Sohnes willen, der für alle Sünder am Kreuz gestorben, deine Sünden.“ „Was muss ich denn tun?“ fragte die Sünderin. „Du musst glauben“, entgegnete der Mönch, „dich taufen lassen und Buße tun. Höre also auf zu sündigen, lasse einen Priester kommen, der dich unterrichtet, und wenn du fest entschlossen bist, nicht mehr zu sündigen, so wird er dich taufen und dich von all deinen Sünden reinigen.“ Mit Dank gegen Gott und den Mönch ließ Eudoxia sogleich einen katholischen Priester rufen. Der Priester kommt, aber wie erschrickt er, als er die stadtkundige Sünderin vor sich sieht, sie sich ihm mit heißen Tränen, wie einst Magdalena, zu Füßen wirft und flehentlich bittet, sich ihrer zu erbarmen und sie mit Gott der Christen bekannt zu machen, der den reumütigen Sündern so gerne verzeiht. Der Priester, voll Verwunderung über die unendliche Barmherzigkeit Gottes gegen die Sünder, hörte sie voll Mitleid an und gebot ihr die eitlen Kleider abzulegen, die bisherigen Gesellschaften zu verlassen, acht Tage zu fasten und ihr Sündenleben in der Einsamkeit zu beweinen, auch begann er sogleich, sie im heiligen Glauben zu unterrichten. Als nach acht Tagen der fromme Germanus sie besuchte, fand er sie ganz umgewandelt; ihr Leib war ganz abgezehrt und in züchtige Kleidung gehüllt; ihre frechen Augen niedergeschlagen, ihr Antlitz von Tränen der Reue befeuchtet und mit sanfter Stimme erzählte sie ihm, daß sie sechs Tage hindurch über ihre Sünden die bittersten Tränen vergoß, am siebenten Tag, fuhr sie fort, lag ich voll Reue auf der Erde und betete, da sah ich plötzlich einen glänzenden Jüngling neben mir, der hob mich auf und führte mich zum Himmel empor. Dort zeigte er mir eine Menge himmlischer Geister, die sich meiner freuten und mir Glück wünschten, daß ich nun in ihre Gesellschaft gehöre. Während ich dieses Gesicht betrachtete, hörte ich an meiner Seite das Geheul eines Ungeheuers, das sich über meinen Verlust beklagte, denn ich war ihm entkommen: aber eine himmlische Stimme vertrieb das Untier mit den Worten: „Gott gibt nach seinem Wohlgefallen Gnade dem reuigen Sünder!“ Getröstet von dieser Stimme, kam ich wieder zu mir und nun bitte ich euch, frommer Mann, zeigt mir den Weg, den ich von nun an wandeln soll, um Gott zu dienen. Germanus hielt sie für würdig der Taufe und führte sie zum Bischof Theodoret. Nachdem sie dieser geprüft hatte, erteilte er ihr die Taufe und nahm sie in die Kirche auf.

Als nun Eudoxia durch die Taufe ein Kind Gottes geworden, faßte sie einen großmütigen Entschluss. Nach Hause gekommen, rief sie ihre Diener und Mägde zu sich, gab ihnen reichliche Geschenke und entließ sie mit den Worten: „Ich habe euch leider ein Beispiel der Sünde gegeben; folgt mir jetzt nach.“ Sie verteilte nun all ihr Vermögen unter die Armen und verschenkte die Kostbarkeiten, die sie auf sündhafte Weise erworben hatte; ihre Tage brachte sie in Armut und Buße zu. Nach einigen Tagen kam Germanus wieder zu ihr; und da er mit Freuden ihren großen Bußeifer wahrnahm, zugleich aber fürchtete, sie möchte in der Stadt, wo sie so viele Gelegenheit zur Sünde gefunden, wieder in die alten Sünden zurück fallen, gab er ihr den Rat, sich in eine Einöde zurück zu ziehen, wo sie ungestört ihrem Seelenheil abwarten könnte. Willig befolgte sie den Rat, aber nun kam auch eine schwere Prüfung über sie. Ein junger Mensch, der früher mit ihr Umgang gehabt, verkleidete sich als Einsiedler, suchte sie auf und bat sie um Erlaubnis, in ihrer Nähe bleiben zu dürfen. Aber Eudoxia erkannte ihn und verwies ihm streng seine böse Absicht, worauf er tot zu Boden stürzte, getroffen von der strafenden Hand Gottes. Tief ergriffen wirft sich Eudoxia auf die Knie und fleht inbrünstig zu Gott, er möge dem armen Sünder, wie ihr, die Gnade der Buße verleihen. Und siehe da, ihr Gebet wird erhört, der Tote erwacht und verläßt, von ihr zur Buße ermahnt, reuevoll die heilige Büßerin. Diese aber setzte beharrlich ihr frommes Leben fort und hatte sonst kein anderes Verlangen mehr, als ihren sündhaften Leib für Jesus der Marter zu weihen. Ihr Verlangen wurde gestillt. Kaiser Trajan ließ die Christen verfolgen; auch Eudoxia wurde angegeben und auf Befehl des Statthalters Vinzentius am 1. März 114 enthauptet.
Sie wird abgebildet als Matrone mit dem Schwert in der Hand. –
aus: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Bd. 1, 1904, S. 301 – S. 305

Bildquellen

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