Die Einstellung zu Christus ist der Maßstab

Die Einstellung zu Christus

Die Eigenliebe bestimmt nicht nur die Einstellung des Menschen zum Schöpfer und zur Schöpfung im allgemeinen, sondern auch die zu Christus im besonderen…

Lehnt (…) jemand es ab, die Christusfrage klar zu beantworten, so verwirft er damit von selbst die übernatürliche Leitung der Kirche und verneint dadurch ihr Wesen. Die Einstellung zu Christus ist daher der einzige Maßstab, um jede Einstellung zur Religion und zur Kirche richtig zu erfassen und zu bewerten.

Die Anerkennung der geschichtlichen Persönlichkeit Jesu von Nazareth ist noch keine Antwort auf die Christusfrage.

Der durch die Feder von Renan und Strauß ausgelöste Sturm, der sich kühn anschickte, die Geschichtlichkeit Jesu hinweg zu fegen, war lediglich eine vorüber gehende Erscheinung. Nicht aus der richtigen Quellen-Forschung, sondern aus einer mythologisierenden Geschichtsauffassung geboren, legte er sich bald,… Doch wer war diese geschichtliche Persönlichkeit, die unter Pontius Pilatus wirkte, litt und starb? War sie nur Marias und Josephs Sohn oder der Fleisch gewordene Logos? Ein vergänglicher Aufrührer in der Geschichte Israels oder – Offb. 22, 14 – „der Anfang und das Ende“ der Weltgeschichte? …

Der antichristliche Geist erkennt die Geschichtlichkeit Jesu an, hält ihn aber nur für einen Vorgänger.

Im Wesen ist es durchaus belanglos, wessen Vorgänger Christus sein solle… Unser Zeitalter neigt immer mehr dazu, Christus für den Vorgänger der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung zu halten. Er soll Grundlagen für die Demokratie, das Sozialleben, den Frieden, die Moral geschaffen haben. Er soll der erste Vorkämpfer für Menschenrechte, der erste Sozialreformator, der erste Pazifist und Demokrat, ja sogar der erste Kommunist gewesen sei. Christus wird heute als Vorläufer der gegenwärtigen Entwicklung der Welt gefeiert…

Was der Vorläufer seiner Natur nach ist, enthüllte uns der hl. Johannes der Täufer, als er auf seine eigene Beziehung zu Christus hinwies. Als Christus, nachdem er sich von Johannes hatte taufen lassen, in Palästina zu wirken anfing, verließen die Leute Johannes und gingen zu Jesus von Nazareth. Da machten sich die Jünger des Täufers Sorgen, denn sie sahen, wie unausweichlich sich die Wirkung ihres Meisters dem Ende näherte. Sie kamen deshalb zu Johannes und klagten ihm ihr Leid: „Der jenseits des Jordans bei dir war und dem du Zeugnis gabst, der tauft, und alle kommen zu ihm“ (Joh. 3, 26). Johannes aber grämte sich darüber gar nicht. Im Gegenteil, er freute sich dieses sinnvollen Ereignisses, weil er gerade darin die Erfüllung und den Abschluss seiner Sendung sah. Er war doch nicht der Messias sondern nur sein Herold, sein Wegbereiter. Gehen also die Leute zu Jesus, so ist dies eben ein Zeichen, daß die Pfade zum Messias bereits geebnet sind und die Stimme des Verkünders Widerhall gefunden hat. Wie der Freund des Bräutigams an dessen Freude teilnimmt, so freut sich auch der Vorgänger über den Erfolg desjenigen, der nach ihm kommt. „So ist auch meine Freude jetzt vollkommen“, antwortete Johannes seinen Jüngern und fügte hinzu: „Er muss wachsen und ich abnehmen“ (Joh. 3, 30).

Die Aufgabe des Vorgängers

Diese Worte drücken das eigentlich Wesen jedes Vorgängers aus. Der Vorgänger ist Verkünder des Kommenden, nicht aber das Kommende selbst. Er schafft die künftige Wirklichkeit nicht, er verkündet sie nur, weist auf sie hin, läuft ihr nur vor. Er ist nicht das Licht, sondern er soll nur vom Licht Zeugnis geben (vgl. Joh. 1, 8). Der Vorgänger ist nur das Zeichen des Kommenden,s ein Symbol, sein Ruf. Er tauft nur mit dem Wasser, d. h. mit einem Element, das zwar reinigt, aber keinen Bestand hat. Aufgabe des Vorgängers ist es, in der von ihm selbst angekündigten Wirklichkeit aufzugehen und nur auf diese Weise weiter zu leben. Das ist der Sinn und zugleich auch sein natürliches Ende. Der Vorgänger ist von Natur aus unselbständig und vergänglich. Ein ewiger und selbständiger Vorgänger ist ein Widerspruch in sich.

Ist daher Christus nur ein Vorgänger, so ist er bereits in der Geschichte aufgegangen und lebt nur noch als einer ihrer Bestandteile weiter. Zwar verkündete er ein neues Zeitalter, dennoch schuf er selbst es nicht: er hat es nur eingeleitet. Zwar legte er die Fundamente für den Bau des neuen Lebens, doch den Bau selbst errichteten schon die anderen. Deshalb kann Christus als Vorgänger nur aus dem gesamten Prozess der zweitausend jährigen Geschichte verstanden und gedeutet werden. Er leuchtet nicht von selbst, sondern wird von der Höhe der gegenwärtigen Kultur beleuchtet. Die Kultur war jenes Stärkere, dem Christus einen Weg ebnete, die ihn aber überholte und in sich eingliederte. Ist Christus nur ein Vorgänger, so bildet er nur eine Zelle – sei diese auch die Grundzelle – im Wachstum des weltgeschichtlichen Baumes. Er enthält in sich nicht den ganzen historischen Prozess. Er ist nur der Beginnende, nicht der Abschließende; das Alpha, nicht das Omega, denn der Abschluss ist nie die Sache des Vorgängers. Der antichristliche Geist gibt leicht zu, Christus stehe wohl am Anfang, wie auch das römische Recht, die Medizin des Hippokrates, die arabische Mathematik, die Strategie Hannibals am Anfang stehen. All diese Ideen sind ja ebenfalls heute noch lebendig, wenn auch bereits in höhere Ganzheiten aufgenommen. Diese Ganzheiten aber sind schon Schöpfungen der gesamten historischen Entwicklung. So ist es auch mit Christus, wenn er nur ein Vorgänger ist. Wohl liegen seine Ideen unserer Kultur zugrunde: ohne die Grundsätze Christi können wir unsere Epoche weder verstehen noch bewerten. Doch Gegenwart selbst ist im Wesen etwas anderes als Christus und sein Evangelium. Die Gegenwart ist jenes Stärkere, das nach Christus kam. Die geschichtliche Entwicklung wuchs, Christus aber nahm ständig ab. –

Diese Folgerungen zieht man von selbst und unbedingt deshalb, weil die Idee des Vorgängers auf der Verneinung Christi als Letzten beruht.

Das Werk Christi entwickelt sich in der Geschichte

Gewiß entwickelt sich das Werk Christi ebenso wohl in der Geschichte. Darauf wies Christus selbst hin, als er das Himmelreich mit einem Senfkorn verglich, das zwar „das kleinste unter allen Samenkörnern“ ist, aus dem aber ein Baum wird, so daß „die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen wohnen“ (Mt. 13, 32). Und dennoch folgt diese Entwicklung nicht den Gesetzen des natürlichen Verlaufs der Geschichte, sondern sie geht die vom Heiligen Geist von vornherein vorgeschriebene Bahn. Wie das Samenkorn, in die Erde gesät, lebt und wächst nicht durch die Gestaltung des Bodens, sondern durch die Lebenskraft seiner eigenen Natur, so ist das gleiche auch mit der Kirche Christi. Die Erde gibt dem Samen nur den Stoff, dessen dieser zu seiner Sichtbarkeit bedarf. Sie ist nur eine anregende Umwelt, welche die Lebenskraft des Samens in Tätigkeit zu treten veranlaßt. Das gleiche wiederholt sich auch bei der Geschichte in ihrer Beziehung auf die Kirche. Die Geschichte ist nur die Bühne, auf der das Drama der Erlösung vor sich geht. Sie ist nur der Boden, in den das Samenkorn Christi fällt. Sei dieser steinig oder dürr, dornig oder auch fruchtbar, das Samenkorn selbst fällt in jedem Fall von oben herunter. Es ist nicht ein Produkt des Weges, des Felsens, der Dornen, ja auch der guten Erde nicht. Es ist nicht von hier, es ist eine andere und höhere Wirklichkeit. Der Samen ist ein Symbol der übernatürlichen Herkunft der Kirche, gleichzeitig aber auch ein Hinweis auf die organische Ganzheit des Himmelreiches. Der Samen ist kein Vorgänger des Baumes: es ist der Baum selbst in seinem latenten Zustand. In ihm liegt schon der ganze Organismus mit all seiner Zukunft. Der Baum ist nichts anderes als die sichtbare Entfaltung der unsichtbaren, aber durchaus vorhandenen Möglichkeiten des Keimes.

Das Reich Christi ist Christus selbst

Aus diesem Grund hat Christus sein Reich nicht mit einem Kulturwerk, zum Beispiel mit dem Römischen Imperium, verglichen, das sich, vom legendären Romulus begründet, in der Jahrhunderte langen Geschichte ebenso entwickelte und zu einem höchst gegliederten Gebilde ward. Nein, er verglich es mit einem Senfkorn, mit dem Sauerteig, d. h. mit solchen Elementen, die sich durch ihre eigene Kraft entfalten und dadurch ihre Umgebung assimilieren, um diese nach sich zu verwandeln. Kulturwerke wachsen nicht wie Samen, denn sie sind bereits in sich abgeschlossen. Kulturwerke entwickeln sich nur durch ihre immer währende Neuschöpfung. Im Kulturprozess gibt es keine ontologische Identität und daher auch keine organische Kontinuität. Die echte Identität des Vergangenen mit dem Gegenwärtigen besteht nur in der Natur und in der Übernatur. Das Gesetz des lebendigen Wachstums, nicht aber das des Neuschaffens beherrscht alle beiden. Infolge dessen entfaltet sich auch das Reich Christi nicht auf die Art und Weise der Kultur, d. h., es wird nicht jedesmal im Laufe der Zeit erschaffen, sondern es wächst nach den Gesetzen des Samenkorns, d. h., es wirkt in ihm ewig dieselbe innere Kraft. Das Reich Christi ist nicht von Christus selbst verschieden, wie das Römische Imperium von Romulus, Augustus, Cäsar, Julian, die es gestalteten und verteidigten. Das Reich Christi ist Christus selbst. Es besteht im Fließen der Dinge nicht durch Petrus, Sixtus, Leo oder Pius, sondern durch denselben Christus, der es durch seine Menschwerdung begründet hat und durch seine persönliche Präsenz vom Vergehen beständig errettet. Wohl sind Päpste und Bischöfe Vertreter Christi auf Erden. Doch sie sind nur Vertreter, nicht selbständige Schöpfer. Ihre Aufgabe ist,d as Senfkorn Christi zu pflanzen und zu begießen, nicht aber neue Samen nach ihrem eigenen Ermessen zu säen. Sie sind Mitwirkende an der geschichtlichen Entfaltung der Präsenz Christi. Die christliche Religion ist angefüllt mit dieser Präsenz in ihrer Lehre, in ihrer Verwaltung, in ihren Sakramenten. Christus ist es, der lehrt, regiert und heiligt.

Die Kirche unterscheidet sich von jedem menschlichen Werk

Durch diese persönliche Präsenz Christi unterscheidet sich die Kirche von jedem menschlichen Werk. Kein Schöpfer der Kulturwerke lebt in ihnen persönlich weiter. Sie tragen zwar seinen Charakter, seine Erlebnisse, Gefühle, Ideen, sogar seine Weltanschauung, immer aber nur auf symbolische, zeichenhafte, figurative Weise. Das Kulturwerk deutet auf seinen Urheber hin, es enthält ihn aber nicht. Es gibt keine reale Präsenz der Person in menschlichen Schöpfungen. Indessen ist die Kirche die persönliche Wirklichkeit Christi. Es gibt keine höhere Ganzheit, in welche die Kirche aufgenommen und nach deren Gesetzen sie geleitet würde. Christus selbst ist hier der Beginnende, Führende und Abschließende. Er ist kein Vorgänger dieser geschichtlichen, von außen so kompliziert aussehenden Realität, die wir Kirche nennen: er ist ihr Haupt, und die Kirche ist sein Leib. Daher Christus für einen Vorgänger halten heißt die Kirchen-Entwicklung im Prozess der Weltgeschichte aufgehen lassen. Die Idee des Vorgängers birgt in sich eine Verweltlichung des Kirchenbegriffs. Die Kirche wird hier auf dieselbe Ebene mit den menschlichen Kulturwerken gestellt und für eine rein menschliche Schöpfung gehalten. Ist aber die Kirche nur weltlich, so ist auch Christus nur ein Mensch. Bildet die Entwicklung der Kirche nur einen Teil des gesamten Weltprozesses, so ist auch die Tat Christi darin aufgegangen. In diesem Sinne ist die Idee des Vorgängers eine deutliche Verneinung der Göttlichkeit Christi. Vorgänger zu sein, ist die wesentliche Berufung des Menschen. Gott ist nie und nimmer Vorgänger. Gott ist der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende, das Alpha und das Omega. Auch geschichtlich betrachtet ist er das Ganze.

Hält man also Christus nur für einen Vorgänger, so zerstört man von selbst seine gottmenschliche Ganzheit. Wohl bleibt er auch dann ein Genius, ein Prophet, ein Heiliger, aber doch nur ein Mensch unter Millionen anderen Menschen. Er hat gewiß in Palästina zur Zeit „des Herodes, des Königs von Judäa“ (Lk. 1, 5), gelebt und gewirkt. Er hat erstaunlich hohe sittliche Lehren hinterlassen. Doch sein persönliches Leben hat ein Ende genommen. In der Geschichte lebt er nur in seinem Werk weiter wie auch alle anderen geschichtlichen Persönlichkeiten. Die Verneinung der Göttlichkeit Christi ist eine logische Folgerung aus der Idee des Vorgängers. Der antichristliche Geist bedient sich dieser Idee als des erfolgreichsten Mittels, um den Blick des Menschen von der gottmenschlichen Fülle Christi abzulenken und ihn somit im Wesen zu verneinen. Die Idee des Vorgängers ist die moderne Ausdrucksweise, in der sich die Einstellung des Antichrist zu Christus konkret offenbart…

In welchem Fall könnte Christus der Anfang und das Ende sein?

Selbstverständlich nur dann, wenn er gegenwärtig ist, wenn seine Existenz dauert, doch nicht nur als eine geschichtliche Erinnerung oder als ein objektives Werk, sondern persönlich. Nur durch die eigene Person kann Christus der Erste und der Letzte, das Alpha und das Omega sein, nur wenn er lebt, wenns ein Tod am Kreuz lediglich ein Übergang war, nicht aber etwas Endgültiges und Unwiderrufliches. Anders gesagt: Christus ist der Anfang und das Ende nur dann, wenn er auferstanden ist. Ist er nicht auferstanden, so lebt er durch seine persönliche Präsenz in der Kirche nicht, so ist dann auch die Kirche nur eine geschichtliche Entfaltung der Erinnerung an Christus, nicht aber Christus selbst. Hat dagegen Christus den Tod besiegt, ist er auferstanden, so ist sein Wirken in der Geschichte nicht nur eine Erinnerung, nicht nur ein symbolischer Hinweis auf die vergangene Existenz, sondern diese Existenz selbst, und zwar in ihrer persönlichen Daseinsweise. Die Auferstehung ist das Zeichen, aus dem sich erkennen läßt, wer eigentlich Christus war: nur ein Vorläufer oder der Erste und der Letzte.

Die Auferstehung Christi ist das Schwert der Scheidung

… Der Antichrist erkennt die Geschichtlichkeit der Person Jesu an, glaubt an ihn als an den Messias, schätzt sogar sein historisches Vermächtnis, redet von der segensreichen Einwirkung des Christentums auf die Kunst, die Wissenschaft, die Gesellschaft, die Erhaltung und Verwirklichung des Friedens, doch er lehnt entschieden seine Auferstehung ab. Er nimmt an unserer Weihnachtsfeier teil und singt am Karfreitag unser Klagelied: „Weinet, ihr Engel“, mit. Er kann sich aber nicht unserer Osterprozession anschließen und den Triumph des Auferstandenen mitfeiern. Denn den auferstandenen Christus anerkennen heißt ihn für den Einzigen halten, „der ist, der war und der kommen wird“ (Offb. 1, 4). Die Wahrheit der Auferstehung ist das Schwert, das die Geister scheidet.

Ist aber Christus nicht auferstanden, „so ist unsere Predigt ohne Sinn, ohne Sinn auch der Glaube“ (1. Kor. 15, 14), denn in diesem Fall bleibt der Tod unbesiegt und mit ihm auch die Sünde. Anders gesagt: ohne Auferstehung gibt es keine Erlösung. Ist Christus nicht auferstanden, dann herrscht die Epoche des alten Adam immer noch, dann ist die Verworfenheit der Menschheit noch nicht überwunden und ihre Beziehung zu Gott nicht wieder hergestellt. Dann „sind wir bejammernswerter als alle Menschen“ (1. Kor. 15, 19). Wir setzen unsere Hoffnung wohl auf Christus; ist er aber im Grab verfault, dann „sind auch die in Christus Entschlafenen verloren“ (1. Kor. 15, 18), dann haben keine Hoffnung, keine Tat und kein Opfer einen Sinn. „Wenn ich nur nach Menschenart in Ephesus mit wilden Tieren gekämpft habe, was nützt es mir, wenn Tote nicht auferstehen?“ (1. Kor. 15, 32) Im Falle der Nicht-Auferstehung bedeutet der Tod die Rückkehr zum Nichtsein. „Laßt uns dann essen und trinken, denn morgen sind wir tot“ (1. Kor. 15, 32). Ohne die Auferstehung wird die Erde zur alleinigen Heimat des Menschen; Essen und Trinken werden zu den Hauptfunktionen des Daseins. Das alles aber zu erreichen, die Hoffnung auf das Jenseits zu vernichten und die Menschen zu überzeugen, sie seien die endgültigen Bewohner der Erde, ist gerade die Grundbestrebung jeder antichristlichen Macht. Daher spricht sie allzeit ziemlich laut von Christus als Vorläufer, als Messias, verschweigt oder verneint gar Christus als Auferstandenen und Triumphierenden. Die Herabsetzung oder Beseitigung der Wahrheit der Auferstehung ist das Zeichen des antichristlichen Sieges sowohl im Bewusstsein des Einzelnen als auch in der öffentlichen Meinung einer geschichtlichen Epoche. (*)

(*) Es ist daher durchaus verständlich, warum die ersten Christen die Wahrheit der Auferstehung so entschieden bejahten und ihren Glauben auf sie stützten. In der Auferstehung Christi sahen sie die einzige Rettung der Geschichte aus der Diesseitigkeit und der Sinnlosigkeit. Der auferstandene Jesus galt ihnen als himmlische Bürgschaft, als existentieller Beweis, daß die Toten auferstehen und daß dadurch unsere Geschichte einen Sinn gewinnt. Leider spielt diese Wahrheit im Bewusstsein des modernen Menschen keine bedeutende Rolle mehr. Selbst bei vielen Christen ist sie verblaßt. Oder scheint es uns heute nicht, daß wir doch einen Sinn im Christentum finden könnten, wenn Christus auch im Grab verfault wäre? –
aus: Antanas Maceina, Das Geheimnis der Bosheit, 1955, S. 54 – S. 65

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