Die biblische Lehre über den Teufel

Kirchenlexikon: Die biblische Lehre über den Teufel

Die Namen für den Teufel im Alten und Neuen Testament

Der Teufel als Widersacher

1. Die Namen, welche im Alten und Neuen Testament dem Teufel beigelegt werden, kennzeichnen sein Wesen im Allgemeinen. Der Teufel in der Einzahl heißt im Alten Testament vor Allem Satan ( = befeinden, verfolgen, Widersacher sein), d. h. der Widersacher (1. Par. 21, 1; Job 1, 6 u. 9 u. 12; 2, 1 -4 u. 6 u. 7; Zach. 3, 1-2). Die Vulgata hat an allen diesen Stellen Satan, die LXX (Anm. Septuaginta) dagegen „diabolos“; nur 3. Kön. 11, 14 u. 23 (…) übersetzt die Vulgata das Wort mit adversarius, während die LXX 3. Kön. 11, 14 „Satan“ hat. Im Neuen Testament ist „Satanas“ die gewöhnliche Bezeichnung für den Fürsten der Teufel, wird aber auch für untergeordnete böse Geister gebraucht (Matth. 12, 26; vgl. Mark. 3, 23). Nur bei einer Gelegenheit erscheint das Wort im Neuen Testament als Gattungsname in der Bedeutung von „Gegner, Widersacher“ (Matth. 16, 23; Mark. 8, 33). –

als Diabolus

Als zweiter Hauptname des Teufels kommt in der heiligen Schrift das Wort „diabolus“ vor (= verleumden, nachstellen, anklagen, besonders fälschlich vor Gericht anklagen). Außer den schon genannten Stellen der LXX bezeichnet es nur noch im Buch der Weisheit 2, 24 den Teufel, sonst öfter einen Widersacher. Im Neuen Testament ist „diabolus“ neben Satanas der gewöhnliche Name für den Fürsten der bösen Geister; im appellativen Sinn von Verleumder, Ankläger kommt das Wort noch dreimal im griechischen Neuen Testament vor (1. Tim. 3, 11; 2. Tim. 3,3; Tit. 2, 3); die Vulgata bietet an letzteren Stellen eine Übersetzung desselben. Dieser zweite Hauptname des Teufels ist mit den entsprechenden Lautveränderungen auch in die neueren Sprachen übergegangen (franz. Diable; englisch devil, hochdeutsch tiuvel, teufel). –

als Luzifer

Der dritte, allgemein eingebürgerte Hauptname Luzifer (Lichtträger) kann den biblischen Namen nur insofern beigezählt werden, als er der bekannten Stelle Is. 14, 12 entlehnt ist, welche zwar nicht im eigentlichen Sinne auf den Teufel Bezug hat (s. nr. 2). Über die sonstigen Teufelsnamen, Abaddon, Asmodäus, Beelzebub, Belial s.d. betreffenden Artikel. Eins ehr gewöhnlicher allgemeiner Name für den Teufel insbesondere und für die bösen Geister überhaupt ist daemon, daemonium. Die Etymologie des Wortes ist unsicher; nach Einigen ist es gleichbedeutend mit = kundig und von = lehren herzuleiten, nach Anderen kommt es von = teilen und bedeutet den Verteiler der Lebenslose, mithin eine Gottheit. Der Name findet sich bei klassischen Schriftstellern für gute und schlimme Gottheiten und bezeichnet auch Apg. 17, 18 heidnische Gottheiten. Im Alten Testament dient er zur Wiedergabe von einigen dunklen hebräischen Ausdrücken, welche teils heidnische Götzen, teils Gespenster und Kobolde bezeichnen; im eigentlichen Sinne wird er auf den Asmodäus im Buch Tobias angewandt. Nach dem Sprachgebrauch des Neuen Testamentes sind die Dämonen offenbar böse Geister.

Die Lehre des Alten Testamentes über den Teufel

2. Die Lehre des Alten Testamentes über den Teufel ist zwar nicht besonders reichhaltig, aber doch sehr klar und bestimmt. Über die Existenz und Tätigkeit des Teufels gibt bereits Gen. 3, 1ff. befriedigenden Aufschluss. Daß die Schlange nicht als Schlange zur Eva spricht, ist nach dem Wortlaut des Textes selbstverständlich. Der heilige Verfasser hat ja gerade in der Schöpfungs-Geschichte den Unterschied zwischen Mensch und Tier ganz unzweideutig hervorgehoben und somit die Tiere gewiss nicht als vernunft- und sprachbegabt sich vorgestellt. Er schärft ferner zu wiederholten Malen ein, alles Geschaffene sei gut gewesen; folglich konnte die aus der Schlange redende Bosheit auf keinen Fall von der Schlange herrühren. Jeder Leser musste also aus der Erzählung selbst den Schluss ziehen, daß die Schlange das Werkzeug eines Andern war, der aus ihr zu sprechen schien und sich als Vernunft begabtes, schlau berechnendes, durch und durch boshaftes Wesen verriet. Spätere Schriftstellen des Alten und des Neuen Testamentes bestätigen diesen Schluss (Weish. 2, 24; Joh. 8, 44; Hebr. 2, 14; Apok. 12, 9; 20, 2). Auch die endgültige Niederlage wird dem Teufel und seinem „Abstamm“, d. h. den übrigen Dämonen und allen Helfershelfer des Teufels, bereits Gen. 3, 15 angekündigt.

Satan als Ankläger im Buch Job

Unter dem Namen Satan erscheint der Teufel zu ersten Mal im Buch Job (1, 6ff.; 2, 1ff.), wo er die Rolle des neidischen Anklägers, des rachsüchtigen Feindes, des hinterlistigen Widersachers spielt. Selbst wenn die Geschichte Jobs nur Dichtung wäre, würden die Aufschlüsse über Satan und seine Tätigkeit den nämlichen Wert behalten, welchen sie jetzt in der den Hauptzügen nach geschichtlichen Erzählung beanspruchen; gehört ja doch die Anschauung vom Dasein böser Geister und von ihrem tätigen Anteil an den Prüfungen der Gerechten mit zu den großen, als unbestritten hingenommenen Grundanschauungen, auf denen die ganze innere Wahrheit des lehrreichen Kunstgedichtes beruht. Über die Art und Weise, wie Satan bei Herbeiführung der Unglücksschläge tätig war (durch Einfluss auf den menschlichen Willen oder durch Eingriff in den Gang der Natur), gibt der biblische Text keinen Aufschluss. In den übrigen Büchern des Alten Testamentes wird Satan nur noch an zwei Stellen genannt. Nach 1. Par. 21, 1 war er es, der sich wider Israel erhob und den König David durch sündhafte Beweggründe zur Veranstaltung der großen Volkszählung veranlasste (vgl. 2. Kön. 24, 1). Der Prophet Zacharias schaut (3, 1ff.) in einer Vision den Hohenpriester Jesus (Josue; vgl. 1. Esdr. 3, 2) stehend vor dem Herrn oder vor dem stellvertretenden Engel des Herrn und den Satan stehend zur Rechten des Hohenpriesters, um ihn anzufeinden; aber der Fluch des Herrn hat die Macht Satans gebrochen und dem Priestertum den Sieg verbürgt. –

Die Vision des Propheten Michäas und das Buch Tobias

In der Vision des samaritanischen Propheten Michäas (3. Kön. 22, 19ff.; 2. Par. 18, 18ff.) wird Satan zwar nicht ausdrücklich genannt, aber doch als Lügengeist unzweideutig gekennzeichnet. Der Vision liegt nämlich die dem gläubigen Israeliten geläufige Anschauung zu Grunde, daß es außer den guten Geistern, die Gottes Thron umschweben, auch böse Geister gibt, die mit Gottes Zulassung das sittliche Handeln der Menschen ins Böse zu verkehren und Unheil anzustiften suchen. Einen wertvollen Schlussbeitrag zur Dämonologie des Alten Testamentes liefert noch das Buch Tobias, welches (3, 8; griechisch auch 3, 17) den Dämon Asmodäus erwähnt. Neben diesen alt-testamentlichen Schriftstellen, welche klar und bestimmt vom Teufel reden, wird eine Anzahl anderer irrtümlich auf den Teufel bezogen, während sie entweder gar nicht oder nur mit gewissen Vorbehalten von ihm zu verstehen sind. Über den viel umstrittenen Azazel s. d. Art.

Alttestamentliche Schriftstellen, die irrtümlich auf den Teufel bezogen werden

Der böse Geist Sauls (1. Sam. 16, 14ff.; 18, 10; 19, 9) ist die Melancholie, welche freilich vom Teufel als Versucher teils verursacht, teils genährt sein konnte. In der Stelle Eccli. 21, 30 ist höchst wahrscheinlich nicht vom Fluchen gegen Satan, sondern gegen einen Feind oder Widersacher die Rede. Bei Is. 13, 21; 34, 14,; Bar. 4, 35 sind die schauerlichen Einöden nicht von Wald- und Feldteufeln bewohnt, sondern von Kobolden, Unholden und Gespenstern, welche nach volkstümlicher Anschauung dort hausen. Die Frage, ob und inwiefern mit dem „Heer des Himmels in der Höhe“ Is. 24, 21 u. 22 die Dämonen gemeint seien, wird von den Auslegern verschieden beantwortet. Die beiden Prophetenstellen Is. 14, 12 ff. und Ez. 28, 2ff. werden häufig im angewandten Sinn auf den Stolz der Engel bei ihrem Sündenfall bezogen; dem Wortsinn nach bezieht sich die erste auf den König von Babylon, die zweite auf den König von Tyrus. Außerdem ist an mehreren Stellen der Vulgata (und meist auch der LXX) vom Teufel oder von Dämonen die Rede, wo der hebräische Text dieselben überhaupt nicht (z. B. 3. Kön. 21, 13; Ps. 90, 6; 108, 6; Hab. 3, 5) oder nur indirekt erwähnt, insofern er von heidnischen Göttern spricht (z. B. Lev. 17, 7; Deut. 32, 17; 2. Par. 11, 15; Ps. 95, 5; 105, 37; Bar. 4, 7); letztere werden nämlich Ps. 95, 5 in der LXX und Vulgata als Dämonen bezeichnet, im hebräischen Text freilich nur als Nichtigkeiten, als nichtige Götzen. Sachlich enthalten die LXX und Vulgata übrigens in ihrer Übersetzung keine bloße Übersetzungszutat, sondern bieten eine biblische Wahrheit mit Rücksicht auf 1. Kor. 10, 20.

Die Lehre des Neuen Testamentes über den Teufel

3. Die Lehre des Neuen Testamentes über den Teufel ist ungleich reichhaltiger als die des Alten Testamentes.

Die Stellung des Satansreiches gegenüber dem Reich Gottes

a. Die Stellung des Satansreiches dem Reich Gottes gegenüber wird im Allgemeinen dadurch gekennzeichnet, daß der Teufel kurz und bündig der Böse heißt (Matth. 13, 19 u. 38; Eph. 6, 16; 1. Joh. 2, 13; 5, 18); dieser inhaltschwere Ausdruck prägt seinem Tun ud Treiben das Siegel auf. Vor Allem erscheint der Teufel als der Widersacher des göttlichen Heilandes: erst als Versucher, der den vermutlichen Sohn Gottes vom Willen Gottes weg zu drängen sucht (Matth. 4, 1ff.; Mark. 1, 12ff.; Luk. 4, 1ff.); dann in den Besessenen als Besiegter, der den Sieger fürchtet und um Schonung bittet; endlich als Todfeind, der trotz der gewonnen Erkenntnis, daß Jesus der wahre Sohn Gottes sei (Mark. 1, 24 u. 34; Luk. 4, 34 u. 41), ihn dennoch bis ans Kreuz verfolgt. Satan gibt Judas den Verrat ein (Joh. 13, 2; vgl. 6, 71) und führt in blindem Gotteshass selbst die die Entscheidung herbei, indem er in Judas eingeht und so zum treibenden und mitwirkenden Anstifter des Gottesmordes wird (Luk. 22, 3; Joh. 13, 27; vgl. Luk. 22, 53).

Was Satan als Feind des Reiches Gottes im Schilde führt, erklärt Jesus in den Parabeln vom Sämann und vom Unkraut unter dem Weizen (Matth. 13, 19 u. 25 u. 39; Mark. 4, 15; Luk. 8, 12). Als Sünder von Anfang an arbeitet er darauf hin, die Sünde herbei zu führen (1. Joh. 3, 8). Wie er sich an Christus heran wagt, so versucht er auch die, welche Christus angehören (Apg. 5, 3). Dieses Verführungswerk vollzieht er mit Schlauheit und Arglist (1. Kor. 7, 5; 2. Kor. 2, 11; 1. Thess. 3, 5; 1. Tim. 3, 6 u. 7; 6, 9; 2. Tim. 2, 26).

Dem Reich Gottes steht Satan als Fürst dieser Welt gegenüber

Um die Verführerrolle erfolgreicher spielen zu können, weiß er sich in einen Engel des Lichtes umzugestalten (2. Kor. 11, 14). Als Lügengeist verbreitet er trügerische und falsche Lehren (1. Tim. 4, 1). Abgewiesen und besiegt, kehrt er mit erneuter Kraftanstrengung zum Angriff zurück (Matth. 12, 43 bis 45; Luk. 11, 24 bis 26). Mit besonderer Wut greift er diejenigen an, welche beauftragt sind, am Heil der Seelen zu arbeiten (Luk. 22, 31; 2. Kor. 12, 7; 1. Thess. 2, 18). Satans Einfluss erstreckt sich sogar auf den Leib des Menschen, indem er seine Wohnung in den Besessenen aufschlägt (siehe: Besessenheit).

Dem Reich Gottes steht Satan gegenüber als der Fürst dieser Welt (Joh. 12, 31; 14, 30; 16, 11), der sich als deren Herrn und Gott gebärdet (Matth. 4, 9; Luk. 4, 6) und seine Macht in der Finsternis des Heidentums bekundet (Apg. 26, 18; Kol. 1, 13). In gleichem Sinne heißt er der Gott dieser Weltzeit (2. Kor. 4, 4), der Herrscher des Machtbereiches dieser Luft, der Geist, der jetzt noch wirkt in den Söhnen des Ungehorsams (Eph. 2, 2). –

Das Satansreich ist durch Christus schon zerstört

Das Satansreich ist durch Christus im Grunde schon zerstört (Luk. 10, 18; Joh. 12, 31; 14, 30; 16, 11; 1. Joh. 3, 8); durch seinen Tod machte der Erlöser in der Tat den zunichte, der die Gewalt des Todes hatte, das ist der Teufel (Hebr. 2, 14), und befreite die, welche durch Todesfurcht für’s ganze Leben der Knechtschaft verfallen waren (Hebr. 2, 15; vgl. Kol. 2, 14 u. 15). So ist Satans Niederlage durch das Kreuz Christi für immer besiegelt. Bis zum Ende der gegenwärtigen Weltzeit tobt inzwischen der Kampf gegen den altenErbfeind weiter, Der Kampfesruf der beiden Apostelfürsten (1. Petr. 5, 8 u. 9; Eph. 6, 11 u. 12) stempelt das christliche Leben zu einem ernsten Kampfesleben gegen übermächtige Feinde von außen, welche mit den inneren Feinden des Menschen im Bunde seinen freien Willen umlagern und zu Fall zu bringen trachten. Dem Aufruf zum Kampf folgt aber auch unmittelbar die Verheißung siegreicher Kraft für jeden einzelnen Streiter (Eph. 6, 16; 2. Kor. 12, 7 u. 9; Röm. 16, 20; Jak. 4, 7; 1. Joh. 5, 18).

Satan kämpft freilich nicht ohne Erfolg. Schon zu Christi Zeiten gab es solche, die mit dem Teufel gemeinschaftliche Sache machten (Joh. 8, 41 u. 44); ihrem Beispiel folgten in der apostolischen Kirche der Blutschänder von Korinth und Hymenäus und Alexander, welche am Glauben Schiffbruch gelitten; sie wurden durch den Bannspruch der Kirche dem Satan übergeben, in das Reich Satans hinaus gestoßen (1. Kor. 5, 5; 1. Tim. 1, 20). Das Auf- und Abwogen des Kampfes schildern Apok. 2, 9 u.10 u. 13; 3, 9; 9, 1 bis 11; 12, 3ff.; 16, 13 u. 14. Die endgültige Niederlage Satans wird mit dem Ende dieser Weltzeit ihren Anfang nehmen, um ohne Ende in ihrer Vollständigkeit fortzudauern (2. Thess. 2, 3ff; Apok. 19, 20; 20, 1ff.; vgl. 1. Kor. 6, 3). So ist denn die Menschheit bis zum Tage des Gerichtes in zwei Heerlager gespalten; die Kinder des Lichtes stehen den Kindern der Finsternis, die Kinder Gottes den Kindern des Teufels kampfbereit gegenüber (Apg. 26, 18; Eph. 5, 8; Kol 1, 13; 1. Thess. 5, 5; 1. Joh. 3, 10); es gibt keine Gemeinschaft zwischen Gerechtigkeit und Frevel, zwischen Licht und Finsternis, zwischen Christus und Belial (2. Kor. 6, 14 u. 15). –

Die innere Gestaltung des Satansreiches

b. Die innere Gestaltung des Satansreiches lässt sich nach den gelegentlichen Andeutungen des Neuen Testamentes folgendermaßen zusammen fassen. Der Sünder von Anfang an (1. Joh. 3, 8) ist zur Strafe des ewigen Feuers verurteilt, das ja nach den Worten Christi dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist (Matth. 25, 41). Der Engel, die gesündigt hatten, hat Gott nicht geschont, sondern sie in Banden der Hölle (im Griechischen: der Finsternis) in den Abgrund gestürzt und der Peinigung überantwortet zur Verwahrung auf das Gericht (2. Petr. 2, 4); für das Gericht des großen Tages sind sie mit ewigen Fesseln unter Finsternis verwahrt (Jud. 6). Bis zum Tage des letzten Gerichtes ist es jedoch vielen dieser bösen Geister vergönnt, sich in der unsere Erde umgebenden Atmosphäre aufzuhalten (Eph. 2, 2; 6, 12). Diese Vergünstigung eines freieren Umherschweifens, welche der brüllende Löwe ausnutzt, um möglichst viele Menschenseelen als Beute zu verschlingen (1. Petr. 5, 8), wird nach dem Tage des letzten Gerichtes für immer ein Ende haben; die Hölle mit ihrem ewigen Feuer wird der ausschließende Aufenthaltsort der verworfenen Geister sein. –

Im Reich Satans besteht unter den Teufeln eine gewisse Rangordnung

Auf die Frage, durch welche Sünde die Dämonen ihr ewiges Unglück verschuldet haben, wird uns Jud. 6 eine schwache Andeutung gegeben: Engel hätten ihr Herrschertum nicht bewahrt, sondern ihre Wohnstätte verlassen. Der Hinweis auf ihr Herrschertum, auf die erhabene Stellung ihrer Herrscherwürde und Herrschermacht, legt die Vermutung nahe, daß diese bevorzugten Geister durch Selbstüberhebung zum Fall kamen. Eine Bekräftigung dieser Ansicht bietet Eccli. 10, 15. Daß die Zahl der gefallenen Engel eine große ist, erhellt aus Mark. 5, 9 (vgl. Luk. 8, 30). Genaueres über ihre Zahl weiß man nicht; aus Apok. 12, 4 zu folgern, der dritte Teil aller geschaffenen Engel sei gefallen, ist unzulässig, da diese Stelle sich nicht auf den Sündenfall der Engel bezieht. (siehe dazu den Beitrag: Das Los der Engel und Menschen) Wohl aber kann als unzweifelhaft behauptet werden, daß auch unter den Teufeln eine gewisse Rangordnung besteht. Die Anklage der Pharisäer, daß Christus durch Beelzebub, den obersten der Teufel, die Teufel austreibe (Matth. 12, 24; Luk. 11, 15), geht von der Voraussetzung aus, daß unter den Teufeln einer als deren Haupt und Fürst hervorrage. Verschiedene Abstufungen dämonischer Gewalt und Bosheit sind ferner angedeutet Matth. 12, 45; 17, 20; 25, 41; 1. Kor. 15, 24; Eph. 6, 12; Apok. 12, 7 u. 9 und auch Mark. 5, 9. Diese verschiedenen Andeutungen erschließen uns den vollen Sinn des Wortes Christi vom Reich Satans (Matth. 12, 26).

Die große Zahl der Dämonen bildet ein von der ganzen Welt abgeschlossenes Satansreich, welches in sich eine gewisse Gliederung besitzt durch die Verschiedenheit von natürlicher Kraft und verstockter Bosheit in den einzelnen Dämonen und andererseits auch ein gewisse Einheit durch die Gemeinsamkeit des Gotteshasses durch das gemeinsame Vorangehen gegen das Reich Gottes und durch gegenseitige Vergewaltigung nach dem Recht des Stärkeren. An der Spitze dieses Reiches steht Satan, der Starke (Matth. 12, 29), nicht etwa kraft eines ihm zukommenden Rechtstitels, sondern weil er an natürlicher Kraft, Schlauheit und Gewalttätigkeit seine Schicksals-Genossen übertrifft, und weil die Dämonen, zur Knechtschaft der Sünde herab gewürdigt, dieses Joch der Knechtschaft sich gegenseitig auferlegen. (Vgl. M. Hagen, Die Lehre der heiligen Schrift über den Teufel, in d. Stimmen aus Maria-Laach LV [1898], 229ff.) –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 11, 1899, Sp. 1439 – Sp. 1445

Verwandte Beiträge

Die kirchliche Lehre über den Teufel
Konzil von Trient Verehrung der Eucharistie
Menü