Heiliger Laurentius von Brindisi Kapuziner

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

7. Juli

Heiliger Laurentius von Brindisi, Kapuziner

Laurentius Brindisi als Ordensmann

Laurentius von Brindisi, General des Kapuzinerordens, erblickte das Licht der Welt am 22. Juli 1559 zu Brindisi und erhielt in der Taufe den Namen Julius Cäsar. Seine vornehmen Eltern, Wilhelm v. Rossi und Elisabeth Masella, leiteten in Verbindung mit den Konventualen seine Erziehung auf das Sorgfältigste. Nachdem er sich bereits im Kindesalter wegen seiner seltenen körperlichen Wohlgestalt und auffallenden Frömmigkeit den Beinamen des „kleinen Engels“ verdient, zog er im Alter von 14 Jahren zu seinem Onkel Petrus nach Venedig, um isch dort den höheren Studien zu widmen. Bereits am 15. Februar 1575 trat er in den Kapuzinerorden und empfing in demselben aus Gehorsam die Priesterweihe, um alsbald seine großartige Laufbahn als Missionar, Ordensoberer und Diplomat anzutreten. Im Jahre 1587 übernahm er als Guardian von Venedig zum ersten Mal das Amt eines Obern; 1590 wurde er Provinzial von Toskana, 1593 von Venedig; 1596 wählte man ihn zum ersten Mal zum Generaldefinitor, welche Würde er in der Folge mehrmals bekleidete. Nachdem er die Wahl zum Provinzial der Schweiz ausgeschlagen, reiste er gemäß einem Beschluss des Generalkapitels von 1599, auf welchem er abermals zum Definitor gewählt worden war, mit elf Patres und zwei Brüdern nach Deutschland, um da den Kapuzinerorden einzuführen. Viele entgegen stehende Hindernisse waren zu beseitigen, aber endlich wurden seine Bemühungen vom schönsten Erfolg gekrönt, denn schon 1600 konnten zu Wien, Prag und Graz die ersten Kapuzinerklöster errichtet werden . –

Ein zweiter Capistran im Kampf gegen die Türken

Nun harrte seiner die größte Aufgabe seines Lebens, deren Lösung ihm geradezu den Dank des ganzen christlichen Europas für ewige Zeiten sichern und ihn in die Reihen der verdientesten Männer des Kontinentes stellen sollte, nämlich seine Teilnahme am Kampf der christlichen Völker gegen die Türken. Mit Einwilligung des Papstes reiste er an die Höfe der deutschen Großen, um sie um zum einheitlichen Vorgehen mit Kaiser Rudolf gegen den Erbfeind des christlichen Namens zu vermögen. Auch diese Mission, bei welcher ihn Kurfürst Maximilian I. von Bayern kennen und hochschätzen lernte, glückte vollständig; er begleitete als Oberfeld-Pater die kaiserlichen Truppen, um bald wie ein zweiter Capistran das Staunen der Christen und der Schrecken der Türken zu werden. (siehe den Beitrag: Johann von Capistran und die Schlacht um Belgrad) Er war es, der die christlichen Feldherren wieder aufrichtete, als sie beim Anblick der 80000 Türken, denen sie nur 18000 christliche Soldaten entgegen zu stellen vermochten, den Mut verlieren wollten. Auf seine prophetische Exhortation hin ward der gewagte Kampf begonnen, und man sah während desselben unsern Heiligen stets dort, wo die Gefahr am größten und die Lage der Christen am bedenklichsten geworden war. Das gefährliche Unternehmen endete vor Stuhlweißenburg am 11. Oktober 1601 mit einem glänzenden Sieg des Kreuzes über den Halbmond und ward am 14. Oktober durch die ebenso glorreiche Schlacht bei Tzhokaki ergänzt und vollendet. Beide Siege werden von authentischen Quellen dem wunderbaren Eingreifen des Heiligen, der hier als wahrhaft providentielle Erscheinung auftritt, zugeschrieben.

Es steht historisch fest, daß überall dort, wohin Laurentius mit seinem jetzt in Innsbruck aufbewahrten Missionskreuz den Segen gab, die feindlichen Geschosse wirkungslos unter die christlichen Streiter fuhren. Kanonenkugeln prallten am Pferdesattel des Heiligen ab und fielen wie Flaum zu Boden; Gewehrsalven, die gegen ihn gerichtet und aus nächster Nähe auf ihn abgegeben waren, vermochten nicht einmal seinen Habit zu durchlöchern. Diese wunderbaren Tatsachen, die von den Türken wie von den Christen beobachtet wurden, sowie die Tapferkeit der von Laurentius für die gute Sache bis zum Äußersten begeisterten kaiserlichen Truppen erklären das staunenswerte Resultat der Schlacht, daß 30000 Feindesleichen die Wahlstatt von Stuhlweißenburg deckten, indes die Kaiserlichen verhältnismäßig kaum nennenswerte Verluste erlitten.

Seine Missions-Expeditionen in die protestantischen Gebiete

Im nächsten Frühjahr zog Laurentius nach Rom zum Generalkapitel und ward hier einstimmig zum Ordensgeneral erwählt. In dieser Eigenschaft durchwanderte er zum Zweck der vorschriftsmäßigen Visitation ganz Spanien, Frankreich und Deutschland, überall als der „heilige General“ begrüßt und verehrt. Nach Ablauf seiner Amtszeit schickte ihn Papst Paul V. als Generalkommissar zu Kaiser Rudolf. Er erschien deshalb in Donauwörth, wo er mit seinen Gefährten heftig insultiert (= beleidigt, beschimpft, tätlich angegriffen) wurde, dann in Prag und endlich als apostolischer Nuntius und Generalkommissar der bayerischen Kapuziner in München. Nachdem er von hier aus mehrere Missions-Expeditionen in protestantische Gebiete unternommen, reiste er nach Italien zurück, wurde 1613 neuerdings zum Generaldefinitor, bald darauf zum Provinzial von Genua und dann abermals zum Generaldefinitor gewählt. Auf einer Reise nach Brindisi, die er behufs Errichtung eines Kapuzinerinnen-Klosters durch Herzog Max von Bayern unternommen, erkrankte er in Neapel. Nach seiner Genesung trat er, einem neuen, ebenso ehrenvollen als schwierigen Auftrag Folge leistend, eine Reise nach Spanien an, um die Beschwerden der Neapolitaner gegen ihren tyrannischen Vizekönig bei Philipp III. von Spanien zu vertreten. Kaum hatte er den Zweck seiner Sendung glücklich erreicht, so erkrankte er und starb zu Lissabon am 22. Juli 1619. Er wurde 1783 selig und 1881 heilig gesprochen, und sein Fest ward auf den 7. Juli festgesetzt.

Laurentius war ein großer Gelehrter.

Er beherrschte außer seiner Muttersprache die lateinische und griechische vollständig; er predigte deutsch und tschechisch, sowie französisch und spanisch fehlerfrei; die hebräische und die chaldäische Sprache hatte er so gut inne, daß er nicht bloß vor Juden hebräisch zu predigen vermochte, sondern nach der Versicherung der Letzteren diese Sprache besser kannte als sie selbst. Sein Gedächtnis war so erstaunlich, daß er selbst gestand, er vermöchte die ganze hebräische Bibel im Fall sie verloren ginge, aus dem Gedächtnis wieder herzustellen. Trotz seiner massenhaften Berufsarbeiten und ausgedehnten Reisen, die er, eines lebenslänglichen Podagra-Leidens ungeachtet, meist zu Fuß machte, ist sein literarischer Nachlass ein ganz bedeutender. Die eigenhändigen Manuskripte finden sich als kostbare Reliquien im Kapuziner-Archiv zu Venedig… Diese Werke füllen 2231 sehr große Blätter in kleiner Schrift mit Kürzungen und würden, in gewöhnliche Schrift umgesetzt, 14 Foliobände geben. Die kirchliche Zensur derselben lautete dahin, daß ihr Verfasser vere inter sanctos ecclesiae doctores adnumerari potest. Es besteht Hoffnung, daß jetzt, nach erfolgter Heiligsprechung ihres Autors, wenigstens einige dieser Schriften durch den Druck veröffentlicht werden. –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 7, 1891, Sp. 1524 – Sp. 1527

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