Der Rosenkranz Schild des Glaubens

Ein wunderschönes eingerahmtes Bild der Muttergottes Maria sowie ein Rosenkranz mit einem goldenen Kruzifix

Ein farbiges Bild von der Himmelskönigin Maria mit ihrem Jesuskind; der heilige Dominikus der im Mönchsgewand vor ihnen kniet, erhält den Rosenkranz; rechts vorne sitzt ein Engel, der einen Palmzweig und einen Schild hält

Christrosen im Mariengarten

oder

Die Geheimnisse des heiligen Rosenkranzes

Der Rosenkranz – Schild des Glaubens

Es trifft sich zufällig, daß gerade heute, wo ich dies schreibe, das Fest des heiligen Rosenkranzes ist. Da lese ich im priesterlichen Brevier wie folgt:

„Als die Ketzerei der Albigenser das Gebiet von Toulouse (in Südfrankreich) in gottloser Weise verheerte, und ihre Wurzel von Tag zu Tag tiefer einsetzte, da verlegte sich der heilige Dominikus mit ganzer Kraft darauf, diese Ketzerei zu entwurzeln. (Im Jahre 1203). Um dies mit noch größerer Stärke zu bewerkstelligen, flehte er mit innigem Gebet um Beistand zur seligsten Jungfrau, deren hohe Würde durch jene Irrtümer auf das Schamloseste entehrt wurde, und der es gegeben ist, alle Ketzereien in der ganzen Welt zu vernichten. Wie nun berichtet wird, wurde er von Maria gemahnt, den Völkern den Rosenkranz zu predigen, der ein ganz besonderer Schild gegen die Irrlehren und Laster sei. Es ist zum Staunen, mit welchem Geisteseifer und mit welch glücklichem Erfolg der Heilige das ihm aufgetragene Amt erfüllte. Es ist aber der Rosenkranz eine bestimmte Gebetsweise, daß wir 150 „Gegrüßt seist du, Maria“ u.s.w., durch Einschaltung des Vater unser u.s.w. In 15 Absätze von je 10 Ave Maria geteilt, abbeten und bei jedem Absatz eben so viele Geheimnisse unserer Erlösung in frommer Betrachtung verehren. – Unzählbar sind die Früchte, welche aus dieser so heilsamen Stiftung der Christenheit erwachsen sind.“

Hierauf erzählt das Brevier von zwei berühmten großen Siegen, welche über die Erbfeinde der Christen, die Türken, errungen und nach frommer Meinung dem Gebet des hl. Rosenkranzes zugeschrieben wurden.

Es ist demnach dieses Gebet in der Tat ein starker Schild, welchen Gott der Christenheit durch Vermittlung der Gottesmutter zum Schutz des Glaubens, zur Abwehr von falscher Lehre und heillosen Lastern geschenkt hat.

Die Kraft des Rosenkranzes versteht niemand, der ihn nicht nach Anweisung der Kirche betet. Es ist mit ihm wie mit dem Tausengulden-Kräutlein; ist gar ein unansehnliches Waldblümchen; es liegt aber in ihm verborgen eine solche Heilkraft daß unsere Altvorderen sie nicht besser zu bezeichnen wußten, als daß sie sagten, sie sei wohl ihre tausend Gulden wert. Diese Heilkraft aber verspürt nur, wer sie ins Geblüt und von da aus ins Mark und Gebein bringt, wer das Tausendgulden-Kraut einnimmt.

Und einnehmen, ja wahrhaftig, das ist das rechte Wort, einnehmen muss derjenige den Rosenkranz, welcher seine Kraft und Wirkung an sich erfahren will. Du nimmst ihn ein, wenn du den Geist, der in den Worten des „Vater unser“, „Gegrüßt seist du“ und besonders in den fünfzehn Geheimnissen desselben liegt, zuerst durch eifriges Nachdenken, heraus destilliert, durch den Glauben zu deinem geistigen Eigentum machst, und dann hinab dringen lassest in das Geblüt, ich meine, in dein Herz, in dein innerstes Seelenleben, in deinen Willen, in deine Liebe. Es ist ganz wahr, was einer gesagt hat:

Ach so viele, viele beten,
Und es ist doch kein Gebet,
Ist als ob sie Asche säten
Auf ein kühles Felsenbeet.

Wie beim losen Spiel und Tanze
Ist von Andacht keine Spur,
Und vom schönen Rosenkranze
Sammeln sie die Dornen nur.

Soll der Rosenkranz lebendig,
Nicht nur taube Blüte sein,
Senke seinen Keim inwendig
Tief in dein Gemüt hinein.

Nur was aus dem Innern stammet
Treibt zum Leben ihn hervor;
Wärme, die in Liebe flammet,
Reift zur Frucht den Blütenflor.

So meint es und so will es die heilige Kirche. Nach ihrer Anweisung betet den Rosenkranz nur derjenige, der einerseits die mündlichen Gebete des „Vater unser“ und „Ave Maria“ betet, andererseits aber mit denselben auch das Nachdenken über sie und die fünfzehn Geheimnisse verbindet. Wer nur das Eine tut, das Andere aber nicht, kann nicht einmal die Ablassschätze gewinnen, welche die Kirche auf das Rosenkranz-Gebet verliehen hat; noch weniger aber kann er jene Kraft verspüren, welche darin verborgen ist. Musst es also machen wie mit den Gewürznelken und Pfefferkörnern; man zerkaut sie sorgfältig, wenn man ihren kräftigen Geschmack verkosten will; ich will sagen, du musst die Geheimnisse betrachten. Zu betrachten gibt es darin sehr viel… –
aus: Franz Hattler SJ, Christrosen im Mariengarten oder Die Geheimnisse des heiligen Rosenkranzes, 1894, S. 3 – S. 6

Bildquellen

  • Hattler Geheimnisse Desheiligen Rosenkranzes: Bildrechte beim Autor
  • the-rosary-1766404_640: pixabay

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