Das Fest des heiligen Rosenkranzes

Das Fest des heiligen Rosenkranzes ist ein freudenreiches Fest

Das Fest des heiligen Rosenkranzes, (…), ist dem katholischen Volke auf dem ganzen Erdkreise ein gar liebes und freudenreiches. Denn es stellt ihm die wunderbare Macht und Güte seiner teuren Mutter Maria in großartigen, geschichtlichen Denkmälern vor Augen und erneuert sein Vertrauen auf ihre Milde und Freigebigkeit.

Das erste Denkmal: Der Sieg über die Albigenser

Das erste Denkmal, welches den Rosenkranz-Sonntag uns so teuer macht, ist der wunderbare Sieg, den Maria den Katholiken am 3. September 1213 auf der Ebene bei Meret, einer kleinen Stadt im südlichen Frankreich, über die Albigenser verliehen hat. Unmenschlich war der Übermut dieser Ketzer und die Grausamkeit, mit welcher sie die Katholiken zum Abfall zu zwingen suchten oder töteten. Sie sammelten unter dem Beistand und der Anführung des Königs Peter von Aragonien ein Heer von 100000 Mann, um den „Rosenkränzlern“ – wie sie die Katholiken schimpften – ihr Beten für immer zu verleiden. Die Katholiken, welche nur 1800 Mann zur Gegenwehr zusammen bringen konnten, wurden in Meret belagert. Der hl. Dominikus, welcher sich gerade in dieser Stadt befand, begeisterte die Katholiken zum festen Vertrauen auf die Allmacht Gottes und die mächtige Fürbitte der gnadenvollen Mutter Maria, und schloß seine Rede mit der Aufforderung: „Beten wir andächtig den heiligen Rosenkranz und – der Sieg ist uns gewiß.“
Der ausgezeichnete, tapfere Anführer der Katholiken, der glaubensstarke Graf Simon von Montfort, sank in die Knie und betete laut mit seiner Mannschaft den heiligen Rosenkranz. Nach dem letzten: „Heilige Maria – bitt` für uns arme Sünder -“ zog er das Schwert aus der Scheide und machte mit seiner Schar einen Ausfall auf die Feinde. Er stürzte mit Sturmeseile geradewegs auf das Königszelt zu, tötete mit eigener Hand den König und brachte durch diesen kühnen Streich die Feinde in solche Ratlosigkeit und Verwirrung, daß kein Offizier auch nur fünfzig Mann zusammen halten konnte, um widerstand zu leisten; jeder Soldat dachte nur an die Flucht. Unterdessen arbeitete das Schwert der „Rosenkränzler“ mit furchtbarer Wucht, in großen Haufen bedeckten die feindlichen Leichen das Schlachtfeld, und in wenigen Stunden war einer der merkwürdigsten Siege errungen, welche die Weltgeschichte kennt. Von Seiten der Katholiken, sagt ein alter Bericht, seien nur ein einziger Ritter und etliche Lanzknechte umgekommen. Der Jubel und die Freude über diese wunderbare Hilfe Mariä war allgemein und machte auf die Albigenser einen so überwältigenden Eindruck, daß sie zu Tausenden zur wahren Kirche zurück kehrten und den Rosenkranz mitbeteten.

Das zweite Denkmal: Der kostbare Sieg bei Lepanto

Das zweite Denkmal, dem die Feier des Rosenkranzfestes gilt, ist der ebenso außerordentliche, kostbare Sieg, den Maria den Katholiken am 7. Oktober 1571 bei Lepanto über die Türken verliehen hat. Es ist eine schmerzliche Tatsache, daß damals die getauften Feinde der katholischen Kirche vor dem schlechtesten Mittel nicht mehr zurück schreckten, um das Papsttum von der Erde zu vertilgen, daß sie sogar die barbarischen Türken, diese Todfeinde des christlichen Namens, zu Hilfe riefen, um ihr Werk sicher vollführen zu können. Der Sultan Selim II. war gerne bereit, dieser erwünschten Einladung zu folgen. Er rüstete eine ungeheure Kriegsflotte aus, um geradewegs nach Italien zu segeln und den Papst in Rom selbst zu vernichten.

Allein der damalige Papst Pius V. (siehe 5. Mai) ein kindlicher Verehrer der Königin des heiligen Rosenkranzes, zitterte nicht vor dieser drohenden Gefahr. Zwar konnte er nur eine sehr geringe Macht, welche Italien und Spanien ihm zuführten, dem weit überlegenen Feinde entgegen stellen; aber er hatte ein sehr großes Vertrauen auf die Macht und Güte Mariä. Durch Hirtenschreiben ermahnte und ermunterte er die Gläubigen zum Gebet, zu Bittprozessionen und vorzüglich zur Anrufung der „Helferin der Christen“. Die Überlieferung meldet, daß sich ganz vorzüglich die Mitglieder der Rosenkranz-Bruderschaft durch den Eifer und die Glut ihrer Andacht ausgezeichnet und mit Tränen der Inbrunst ihrer heiligsten Königin die Gefahr der Christenheit und die Not des heiligen Vaters geklagt haben. Die Angst vor den Türken war eine nur zu begründete. Denn in den östlichen Ländern bis gegen Wien herauf hausten sie schrecklich: Soldaten und Männer, die ihr Schwert verschonte, Frauen und Kinder, deren sie habhaft wurden, schleppten sie heim, spannten sie statt der Zugtiere an Pflüge und Wagen, peitschten sie mit erbarmungslosen Schlägen zu den schwersten Arbeiten und marterten die Abgematteten mit den grausamsten Peinen, um sie zur Verleugnung Christi zu zwingen.

Am 7. Oktober – es war ein Sonntag – begegneten sich die türkische und die christliche Flotte bei Lepanto. Die Schlacht begann sogleich und verlief anfangs für die Christen sehr ungünstig, weil ihnen die Sonnenstrahlen ins Gesicht fielen und der Wind den Pulverdampf in die Augen trieb. In dieser äußersten Not ergriff ihr Feldherr, Johann von Österreich, die päpstliche Fahne mit dem Bild der seligsten Jungfrau, schwang sie hoch in den Lüften und rief mit mächtiger Stimme: „Vorwärts, Kinder, Maria hilft!“ Im gleichen Augenblick änderte sich die Lage vollständig: die Sonne warf ihre glühenden Strahlen und der Sturmwind den Pulverdampf den Türken gerade ins Gesicht. Dieses Wunder jagte ihnen Furcht und Schrecken ein. Die Christen, zu neuem Sturm ermutigt, stürzten mit dem Donnerruf: „Hurrah, Maria hilft!“ auf den Feind. Noch bevor die Sonne im Westen unterging, war der denkwürdige Sieg vollendet: 30000 Türken waren tot, zweihundert Schiffe mit reicher Beute ihnen abgenommen, 20000 Christensklaven befreit, und die ganze Welt um einen großartigen Beweis reicher, wie gütig und mächtig Maria ihre Kinder schützt.

Pius V., welcher am Schlachttag selbst durch übernatürliche Erleuchtung den glücklichen Ausgang erkannte, befahl, daß am 7. Oktober das Fest „Maria vom Sieg“ begangen und in die Lauretanische Litanei eingefügt werde: “Du Helferin der Christen, bitt` für uns!“ Mit diesem Fest hat dann Gregor XIII. das des heiligen Rosenkranzes verbunden und für die Feier den ersten Sonntag im Oktober bestimmt.

Das dritte Denkmal: Der wunderbare Sieg vor Wien

Das dritte Denkmal, welches die alljährliche Feier des Rosenkranzfestes uns vor die Seele führt, ist der wunderbare Sieg vor den Mauern Wiens 1683, welchen Maria den Katholiken wieder über die Türken verliehen hat. Zweck und Ziel dieses Krieges war wieder die möglichste Schwächung desKatholizismus dadurch, daß man seine Hauptstütze, das heilige römische Reich, vernichten und dem katholischen deutschen Kaiser die Krone vom Haupte reißen wollte. Diesmal vereinigte sich mit dem protestantischen Hasse auch noch die französische Eifersucht, um die Türken, welche sich von der Niederlage bei Lepanto erholt hatten, zur Mithilfe bei der Ausführung dieses Planes einzuladen. Die Versuchung, die bei Lepanto erhaltenen Schläge bei Wien doppelt zurück geben zu können, war für die Türken zu reizend, als daß sie einen nochmaligen Waffentanz mit den Katholiken ausgeschlagen hätten.

Im Sommer 1683 führte der berühmte, türkische Feldherr Kara-Mustapha eine gewaltige Armee vor die Mauern der Kaiserstadt Wien: 200000 Soldaten mit dreihundert Kanonen und zehntausend Wagen. „Dieses Mal“, so prahlte der Anführer, „geht meine Reise über Wien nach Rom, und dort in der Peterskirche werden meine Rosse ausruhen.“ Die Katholiken verteidigten die Stadt mit Heldenmut, waren aber dem Feinde in keiner Weise gewachsen. Ihre Not verdoppelte sich, als auch noch eine heftige Seuche ihre Reihen lichtete; aber ihr Vertrauen auf Gott und Maria wankte nicht, alle Kirchen waren mit Betenden angefüllt. Auf einmal hörte man vom nahen Kahlenberg her Kriegstrompeten und Kanonendonner: Sobieski, der Polenkönig, war mit Hilfstruppen da. Am 12. September kam es zur Schlacht. Am Morgen empfingen die Anführer und Offiziere die heilige Kommunion, der als Wundertäter verehrte Kapuziner Markus Avianus erteilte dem Heer den Segen und begeisterte Alle zum Vertrauen auf Maria, „die Siegerin über die alte Schlange“. Die Schlacht entwickelte sich für die wohl viermal schwächeren Katholiken sehr glücklich, ihre Schwerter mähten die Türken wie Taugras, am gleichen Abend noch konnte man die traurigen Überreste der so stolzen Türkenarmee, welche mit klingendemSpiel nach Rom ziehen wollte, atemlos fliehen sehen gegen Preßburg hinab.

Die ganze Christenheit freute sich, voll des Dankes gegen Maria, und Kaiser Leopold I. erbat von Papst Innozenz XI. die Gnade, daß er für die ganze Kirche das Namensfest Mariä, während der Oktav von Mariä Geburt, einsetzte, die Feier des Rosenkranz-Sonntags erhöhte und für Wien noch spezielle Prozessionen und Andachten bewilligte.

Das vierte Denkmal: Der Eifer der Päpste für die Rosenkranz-Andacht

Das vierte Denkmal, welches den Rosenkranz-Sonntag so hoch erhebt, ist der Eifer der Päpste, mit welchem sie vorzüglich seit Innozenz III. (gestorben 1216) für die Rosenkranz-Andacht und dadurch für die Verehrung der unergründlichen Mutterliebe Mariä sich interessiert haben, vor allem aber das Privilegium, daß jeder Katholik – ob Mitglied der Rosenkranz-Bruderschaft oder nicht – einen vollkommenen Ablaß gewinnt, wenn er am Rosenkranz-Sonntag beichtet, kommuniziert und zum Andenken an den großen Sieg, der durch die Fürbitte der Königin des heiligen Rosenkranzes über die Türken erfochten wurde, eine dieser Königin geweihte Kirche oder Kapelle besucht. Dieser Ablaß ist den Seelen im Fegefeuer zuwendbar, und kann von der Vesper am Samstag bis zum Sonnenuntergang am Rosenkranzfeste selbst, so oft gewonnen werden, als man während dieser Zeit eine der Mutter Gottes geweihte Kirche oder Kapelle besucht und in obiger Absicht betet. (Papst Pius V., 5. März 1672 und zuletzt bestätigt von Pius IX. 18. Sept. 1862) Es verhält sich mit dem vollkommenen Ablass am Rosenkranz-Sonntag ganz gleich wie mit dem berühmten Portiuncula-Ablass am 2. August.

So steht der Rosenkranz-Sonntag im marianischen Festkreis da als herrliches Denkmal, welches in beredter Sprache dem katholischen Volke zuruft: „Siehe, so groß, mächtig und gütig ist die Mutterliebe der Königin des heiligen Rosenkranzes gegen dich, daß du unter ihrem Schutz sicher bist gegen deine offenen Feinde und falschen Brüder, sicher gegen die Macht des Satans, sicher auch gegen die den letzten Heller verlangende Gerechtigkeit Gottes!“ –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 729 – S. 732

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