Der Rosenkranz des Christen Waffenrüstung

Ein wunderschönes eingerahmtes Bild der Muttergottes Maria sowie ein Rosenkranz mit einem goldenen Kruzifix

Der Rosenkranz ist des Christen Waffenrüstung

Was es nun aber um diese Waffenrüstung des Christen sei, ersehen wir aus dem Brief des hl. Paulus an die Epheser, worin er (K. 6, 11-18) die einzelnen Stücke derselben der Reihe nach aufzählt: Ziehet an die Rüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die Nachstellungen des Teufels; denn wir haben nicht bloß zu kämpfen wider Fleisch und Blut, sondern wider die Geister der Bosheit in der Luft. Darum ergreifet die Rüstung Gottes, damit ihr am bösen Tag widerstehen und in allem vollkommen aushalten könnt. Stehet denn, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit und beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft für das Evangelium des Friedens; vor allem ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr alle feurigen Pfeile des Bösewichts auszulöschen vermöget; und nehmt den Helm des Heiles und das Schwert des Geistes (welches ist das Wort Gottes).“ Alle diese Waffenstücke der Rüstung Gottes also muss der Christ anlegen, wenn er am „bösen Tage“, am Tage der Versuchung, bestehen und als „guter Soldat Christi kämpfen“ will. Sie sind aber alle eingeschlossen, diese Waffenstücke, in dem Rosenkranz; darum ergreift derjenige, der den Rosenkranz zur Hand nimmt,

fürs erste den Schild des Glaubens.

Was ist nun der Schild des Glaubens? … Auf dem Schloß Erbach im Odenwald wird der Schild des Herzogs Albrecht V. von Bayern aufbewahrt, worauf sich auf der Außenseite das Bild der Gottesmutter mit dem Jesuskinde, auf der Innenseite das der Apostelfürsten Petrus und Paulus eingeprägt finden, um kund zu tun, wofür jener fromme Fürst den Schild getragen und in den Kampf gezogen. Solch ein Schild aber, auf dem das ganze Weltall, Himmel und Hölle, die streitende, leidende und triumphierende Kirche, der Weltanfang und das Weltende klar und deutlich ausgeprägt sind, ist der Glaube. Feurige Pfeile sind es, die der höllische Feind auf unsere Seele los schnellt, und wehe dem, der davon getroffen wird! Es sind düstere Gedanken und finstere Zweifel über Gott, Gericht, Unsterblichkeit, die gar oft das arme Menschenherz quälen und es Tag und Nacht verfolgen mit allerlei Fragen: gibt es nach diesem Leben eine Fortdauer der Seele oder gibt es keine, eine ewige Vergeltung oder gibt es keine, Himmel und Hölle oder gibt es keine? – Und wo werde ich einmal hinkommen? Ewig zu Gott oder ewig zum Teufel? Werde ich ewig selig oder ewig verdammt werden? Wird der allwissende Richter sich mir barmherzig erweisen und verzeihen, oder nur seine Gerechtigkeit zeigen und mich verwerfen?

Solche schwere Versuchung hat den hl. Franz von Sales in seiner Jugend so gequält und gepeinigt, daß er von Unruhe und Kummer ganz abmagerte. Alle diese „feurigen Pfeile des Bösewichts“ aber, diese scharfen, verwundenden Zweifel und finstern Gedanken vermögen dem nichts anzuhaben, der einen starken, festen lebendigen Glauben hat; denn dieser gibt ihm Aufschluss über alle diese Fragen, die so manchem Menschen das Leben verdüstern und verbittern. Schon die Antwort auf die erste Frage des Katechismus: Wozu sind wir auf Erden? – gibt ihm ein so klares Licht für sein Leben und dessen Aufgabe, wie es kein Buch der ganzen Welt, keins der alten, noch der neueren Philosophen und Weltweisen klar bietet.

In seinem Glauben also besitzt der Christ einen starken Schild, um finstere Gedanken, nagende Zweifel und widrige Anfechtung abzuwehren.

Der Rosenkranz ist aber nichts anderes als der Glaube, und zwar in seinen herrlichsten Geheimnissen, in Gebetsform gebracht; denn ohne den Glauben gäbe es keinen Rosenkranz; ja, der Rosenkranz ist so recht ein geistiger Katechismus, der die katholischen Glaubenslehren, eine um die andere, der Reihe nach am Geistesauge des Christen vorüber führt, um ihn nicht bloß über die – Welträtsel aufzuklären, sondern auch mit Trost und Beruhigung über seine Zukunft zu erfüllen. Dadurch wird der Rosenkranz

Das Licht, das unsre Seeleneifer
Mit süßem Trost erfüllt,
Das alle Schatten lichtet
Und alle Schmerzen stillt.

Das Licht, das uns als Leuchte
Für unsern Pilgerpfad,
Damit wir sicher gehen,
Gott selbst gegeben hat.

Am Anfang des Rosenkranzes steht, um das schon hier zu bemerken, das Glaubensbekenntnis, in welches die Apostel alles kurz zusammen faßten, was der Christ glauben muss, um selig zu werden. Wenn die Bergleute in die Stollen oder Schächte unter der Erde einfahren, da nimmt jeder sein Licht mit sich, damit er in der Grube sehe und sich zurecht finde; ohne Licht kann er ja nur allzu leicht verunglücken. Was aber den Bergleuten unter der Erde, das begegnet gar vielen nur allzu oft über der Erde: sie gehen irre. Aber

Irre gehen! – O welch traurig Wort,
Wie angstvoll geht das Kind, das arme dort,
Es sucht und sucht, und kennt sich nirgends aus,
Und weiß nicht heim zum lieben Vaterhaus!

Ja, irre gehen! – O welch traurig Werk,
Es schwinden Freid` und Freude, Kraft und Stärk`;
du gehst und gehst, du arme Menschenseel`,
Bist todesmüd`, und gehst doch immer – fehl!

Kein Wunder also, daß so viele vom Irregehen an der Seele Schaden leiden: um recht zu gehen und recht zu sehen, was uns zum Heile, was uns zum Frieden dient, bedürfen wir des Glaubenslichtes. Dies aber besitzen wir im Rosenkranz, denn dieser hellt Verstand und Herz, hellt unser Leben auf, daß wir in seinem Lichte „den Anfang, die Mitte und das Ende aller Dinge“, Gott, den Schöpfer, Erlöser und Heiligmacher, die Welt, den Tod und das Gericht, die Kirche im Himmel, auf Erden und unter der Erde, den Weg zur Seligkeit und den zur Hölle erkennen. Im Rosenkranz also befolgen wir die ernste Mahnung des heiligen Völkerapostels, wir ergreifen „den Schild des Glaubens, womit wir alle feurigen Pfeile des Bösewichts auslöschen können.“

… Solch einen starken und herrlichen Schild aber hat auch uns unsere heilige katholische Kirche im Rosenkranz geschenkt, daß wir ihn fleißig benützen, um das himmlische Vaterland zu erringen. Möge es darum auch uns allezeit mütterliche Mahnung, allezeit christliche Losung sein: sei es im Leben oder Sterben, niemals ohne den Rosenkranz, immer mit dem Rosenkranz! Ohnehin ist es ja katholische Christensitte, den Toten einen Rosenkranz an den Hals zu hängen oder in die Hand zu geben. Dieser nimmt sich aber am Hals oder an der Hand eines Toten nur dann schön aus, wenn er ihn auch im Leben in der Hand gehabt und fleißig gebetet hat. Darum also sei es unsere Parole: aut cum hoc, aut in hoc, es sei im Leben oder Tode, immer mit dem Rosenkranz! –
aus: Philipp Hammer, Der Rosenkranz, eine Fundgrube für Prediger und Katecheten, ein Erbauungsbuch für katholische Christen, I. Band, 1896, S. 30 – S. 36

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