Die Kirche Tabernakel des Heiligen Geistes

Ehrfurcht vor der Kirche ist Ehrfurcht vor dem Heiligen Geist

Teil 3:

Die Kirche ist der Tabernakel des Heiligen Geistes

Die Geschichte von dem dünkelhaften Eifer Oza`s ist für uns gerade jetzt sehr lehrreich, selbst in den geringsten Einzelheiten ihrer Sprache. Es ist ein Mangel an Glauben, die Kirche überhaupt für gefährdet zu halten und ihr Leiden als ihre Gefahr anzusehen, und ein anderer Mangel an Glauben, zu meinen, wir könnten ihr durch neue Erfindungen von uns selbst helfen, aber es ist der allerschlimmste Mangel an Glaube, an der Ankunft der Hilfe Gottes zu zweifeln, wann Gott sie schicken will, und wie er sie schicken will. Unser Beistand der Kirche zu allen Zeiten und an allen Orten ist einfach der Gehorsam. Es ist der Gehorsam gegen ihre Gesetze, ihre Gebräuche und die ausgedrückten Wünsche ihres Oberhauptes. „Und als sie zur Tenne Chidons kamen, streckte Oza seine Hand aus, um die Lade zu halten; denn die Rinder machten Sprünge und hatten sie ein wenig geneigt. Da ergrimmte der Herr wider Oza und schlug ihn, darum daß er die Lade berührt hatte, und er starb daselbst vor dem Herrn.“ (1. Chron. 13)

Kaum hat die Kirche sich gebildet, so sehen wir eine deutliche Offenbarung jenes inneren Lebens des heiligen Geistes, das in ihr war. Dies wird uns durch die Geschichte des Ananias und der Saphira bezeugt. Es ist die Ansicht vieler Theologen, daß ihre Sünde nur eine läßliche gewesen sei, aber dies ist nicht genau der Punkt der Geschichte, der uns hier angeht. Sie sagten dem heiligen Petrus eine Unwahrheit in Betreff des Preises, den sie aus ihrem Eigentum erlöst hatten. Das Urteil des obersten Hirten lautet: „Ihr habt den heiligen Geist angelogen, und die Schuldigen fielen tot nieder zu des Apostels Füßen.“ Sie hatten keine Zeit einen Einwand zu machen, keine Zeit sich zu verteidigen. Sie hätten vielleicht, wenn ihnen dazu Zeit vergönnt gewesen wäre, gesagt: Wir haben eine Unwahrheit gesagt, aber wir haben damit Gott, den heiligen Geist nicht lästern wollen; wir sagten sie dem Petrus, dem obersten Bischof, dem Papst, ihm, der der galiläische Fischer war; was ist dies für eine seltsame Anklage, den heiligen Geist angelogen zu haben? So hätten sie vielleicht gesprochen, nicht erkennend jene schnelle rächende Majestät, womit die Kirche durch die Inwohnung des heiligen Geistes bekleidet oder vielmehr beseelt. Kein Wunder, wenn, wie die heilige Erzählung weiter sagt, „große Furcht über die ganze Kirche und über alle kam, die dies hörten.“ (Apostelg. 5,9 u. 11) Wollte Gott, die Menschen unserer Generation würden einen Teil jener heilsamen Furcht empfingen!

Es war nicht Gottes Wille, daß so sichtbare Einschreitungen des anbetungswürdigen Eifers des heiligen Geistes die Regel der Kirchengeschichte sein sollten. Diesseits des Grabes bilden handgreifliche Einschreitungen die Ausnahme, nicht die Regel. Wir hätten unser Leben bei einer so feinen Empfindlichkeit und plötzlicher Bestrafung von Seiten des heiligen Geistes kaum ertragen können, aber das Gesetz ist nichts desto weniger da, wenn es gleich langsam ist, sich zu rächen. Die Kirche ist nichts desto weniger voll schrecklichen göttlichen Lebens, auch ist ihre Kraftfülle nicht geschwächt, noch ihre Majestät um irgend eines ihrer Vorrechte verkürzt. Sie ist noch immer der lebendige Tabernakel des heiligen Geistes. Wer sie verletzt, verletzt ihn, wer sie lästert, lästert ihn. Die Ehrfurcht vor der Kirche ist Ehrfurcht vor dem heiligen Geist.

… Wenn der Geist durch die Verdorbenheit des Herzens verfinstert wird, so kann auch das Herz durch die Finsternis eines verworfenen Geistes verdorben werden. Es gibt Zeiten in der Welt, wo irrige Meinungen eine ebenso furchtbare Quelle des Verlustes der Seelen sein können, als ein unrechtes Betragen es zu anderen Zeiten sein kann. Die Wahrheit suchen und die Wahrheit fest halten, sie in demütigem Sinne suchen, und sie im Gehorsam fest halten, sind eben so große moralische Verpflichtungen wie Ehrbarkeit und Keuschheit. Wir vergessen dies gerne, weil wir aus Mangel an Gebetseifer so unangemessene und undeutliche Begriffe von der Herrschaft Gottes haben. So kommt es, daß wir Fragen, die einen Teil unserer Frömmigkeit bilden, und Gegenstände unseres Heils betreffen, in das Feld der Geschichte, der Kritik, der Philosophie oder Politik hinüber führen lassen.

Dort bekommen dann unzweifelhafte Sünden neue Namen, und entgehen nicht nur unserer Erkenntnis, sondern erlangen auf betrügliche Weise unsere Achtung und selbst unsere Huldigung. Niemand sagt gerne, er sei nicht liberal. Die meisten Menschen haben nicht den Mut sich einer solchen Beschuldigung auszusetzen. Allein was ist jener Geist, den die moderne Phraseologie mit dem Titel Liberalismus beehrt, anders als die alte Sünde der Gesetzlosigkeit, die zum Glücke für unsere Kraft der Ausdauer, mit einer gewissen ihr eigentümlichen Niedrigkeit gemischt ist? Revolution kann in der Geschichte dieses bedeuten und in der politischen Philosophie jenes; aber in der Aszetik bedeutet sie jetzt, was sie in altmodischen Zeiten bedeutete, und was sie immer für Heilige bedeuten wird, einfach eine Todsünde. –
aus: Frederick W. Faber, Ehrfurcht vor der Kirche und treue Anhänglichkeit an dieselbe, 1861, S. 14 – S. 18

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